Innenwanddämmung

27.07.2009



Hallo in die Runde.
Habe erst vor kurzem dieses Forum entdeckt.
Haben uns Anfang des Jahres ein Fachwerkhaus gekauft. Baujahr 1785. Jetzt sind wir dabei die Zimmer zu sanieren. Von aussen kann ich das Fachwerk nicht dämmen (steht auch unter denkmalschutz).
Jetzt stellt sich uns die Frage wie wir evtl. von innen dämmen können. Waren jetzt am überlegen, ob wir Ständerwände vor die Aussenwände einbauen und Glaswolldämmung dazwischen machen. Da ist uns aber eher von abgeraten worden, weil sich sonst die Feuchtigkeit ins Holz setzt.
Hat vielleicht jemand eine Idee dazu?
Wäre echt toll von euch.
LG Anke



Innendämmung Fachwerk



Hallo Anke,
Innendämmung von Sichtfachwerk ist eine Bauweise, die in den ersten Jahren in denen sie praktiziert wurde, für viele Schaden an der Bausubstanz gesorgt hat.
Mittlerweile ist die Wirkungsweise der Innendämmung erforscht und an Hand von praktischen Versuchen am Objekt umfangreich getestet worden.
Die gesammelten praktischen Erfahrungen finden sich in technischen Regeln der WTA, die dazu Merkblätter herausgibt. Falls Du Interesse daran hast, kannst Du Dir die betreffenden Merkblätter per Internet bestellen.
Ziel der Innendämmung sollte nicht sein, erhebliche Mengen an Heizenergie einzusparen, sondern die Taupunkttemperatur der Wandflächen in einen sicheren Bereich zu heben, um Kondenswasser zu vermeiden.

Ich fasse den Erkennstnisstand soweit mir er einfällt kurz zusammen:
Das Hauptproblem ist, das die Innendämmung für Sichtfachwerk eine Gefährdung sein kann, wenn bestimmte physikalische und technische Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden.

Konkret betrifft das die
- mangelnde Austrocknung der Außenwände.

Da die Fachwerkoberfläche und vor allem die Übergänge zwischen Holz und Gefachausmauerung immer Kapillarfugen sind, können Regenwasser und Treibschnee die Konstruktion durchfeuchten.

Das Austrocknen geschieht einmal durch Wind und Sonne. Andererseits vor allem im Winter, wenn die Sonne fehlt, trocknet die Wand praktisch von innen heraus durch die Erwärmung der Außenwände infolge des Heizens.
Wenn ich diesen Wärmeverlust durch eine Innendämmung unterbinde, habe ich zwar weniger Wärmeverluste, aber die Fachwerkwand kühlt aus.
So kann eingedrungene Feuchte weniger abtrocknen.
Wenn dadurch die jährliche Feuchtebilanz negativ wird, also mehr Feuchte in die Wand gelangt als austrocknen kann, wird die Wand im Inneren, zum Übergang der Innendämmung,immer feuchter. Das führt unweigerlich zur Zerstörung der Gefachhölzer.

Weiterhin besteht durch die warme, feuchte Innenluft die Gefahr des Eintrages von

- Kondenswasser

Das passiert ohne Dämmung auch, aber es kann durch eine fehlerhaft montierte Innendämmung noch potenziert werden.

Bei den Innendämmungen gibt es von der Wirkungsweise her zwei unterschiedliche Bauweisen:

a) Innendämmung mit Diffusionsdichtung
Vor die Außenwand wird ein Tragwerk aus Holz oder Metall gestellt und der Zwischenraum mit Dämmstoff, vorzugsweise Mineralwolle, ausgefüllt. Dann kommt eine Dampfsperre bzw. eine Dampfbremse.
Darauf dann die Innenbekleidung, meistens Gipskarton.

Diese Konstruktion funktioniert nur, wenn sie absolut luftdicht ausgeführt wird.
Das ist zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber nur schwer ausführbar, schon gar nicht durch Laien ohne Erfahrung.

So kann feuchte, warme Raumluft in die Wand gelangen und kühlt sich an der kalten Außenwand ab.
Kondenswasser fällt aus. Die zwar diffusionsoffene, aber nicht sorptionsfähige Dämmung kann das Kondensat nicht aufnehmen, so wie auch eventuell eingedrungenes Regenwasser. Dieses Wasser verbleibt in der Konstruktion und schädigt das Holz, da es nur nach außen abtrocknen kann.
Der Weg zurück nach innen ist durch die Dampfsperre ausgeschlossen.
Eine Dampfbremse, die Wasserdampf wieder in den Innenraum durchlassen kann, wird dieses Problem nur mindern, aber nicht völlig und sicher beseitigen.

b) diffusionsoffene Innendämmung

Diese Art der Dämmung hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr durchgesetzt.
Ihr Vorteil ist ihre größere Fehlertoleranz in der Ausführung. Ein paar kleine Ausführungsmängel führen nicht gleich zu verheerenden Schäden wie ein paar Löcher in einer Dampfsperre.

Grundprinzip ist ein konsequent diffusionsoffener Aufbau des Bauteils Außenwand/Dämmung.
Man versucht gar nicht erst, eine luftdichte Abgrenzung zum Innenraum herzustellen.
Auf die vorbereitete Innenfläche der Außenwände kommt ein Klebemörtel, in den vollflächig und hohlraumfrei sorptionsfähige und kapillar wirksame Dämmplatten eingebettet werden.
Ihr Nachteil ist, das warme und damit feuchte Innenluft durch die Platten in die Wand diffundieren kann. An der Grenze zum kalten Bereich, der Kleberschicht, fällt der Wasserdampf als Kondensat aus.
Im Gegensatz zur diffusionsdichten Bauweise wird diese Feuchte wieder zurück zur warmen Seite, zur Wandoberfläche geführt, wo sie abtrocknet.
Das geschieht durch die kapillar wirksame Dämmung.
Der kapillare Feuchtetransport ist etwa um den Faktor 10 - 100 höher als die Menge, die über Diffusion kondensieren kann. In begrenztem Maße werden auch von außen eingedrungene Feuchtemengen nach innen abgeführt.
Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Kleberschicht, die eine etwas höhere Dampfdichte haben soll als die Dämmung.

Eine korrekt eingebaute Innendämmung kann also den Feuchteeintrag durch Kondensat minimieren und (etwas)Heizenergie einsparen.
Sie kann nicht die Auffeuchtung der Fachwerkwand durch Witterungseinflüsse verhindern.
Deshalb sollte Sichtfachwerk nur dort verbleiben, wo es durch konstruktiven Holzschutz und geeignete klimatische Randbedingungen ausreichend geschützt ist.



Hallo Anke,



wir standen vor dem gleichen Problem und die einzige, mir plausible Lösung, ist die zweite Variante meines Vorschreibers.

Wir sind nach jetzt zwei Monaten Rausriss aller unangenehmen Baustoffe (und dazu gehörte Glaswolle in seiner fiesesten Form!) endlich soweit, dass es wieder an den Aufbau geht.

Mittwoch werden die Aussenwände von innen glattgezogen, dann werden 6 cm Holzweichfaserplatten vollflächig mit Lehm aufgeklebt und zusätzlich verschraubt (Kunststoffteller-Schrauben). Darauf wird eine Wandheizung verlegt und die Elektroinstallation - alles wird wieder mit Lehm eingeputzt und dann fängt der schönste Teil an - die Oberflächengestaltung mit Lehmstreichputz.

Ich denke, die Temperierung der Aussenwände spielt eine entscheidende Rolle, da so kein Tauwasserproblem entstehen kann. Ohne Wandheizung haben uns verschiedene Fachleute zu maximal 4 cm Dämmung geraten - selbst das birgt Gefahren.
Wir dachten zuerst an eine günstigere Heizleisten-Lösung, aber da hat man wieder das Problem mit der aufsteigenden Luft = Staub!

Wir haben auch unterschiedliche Materialien in den Gefachen - ursprüngliche Lehmgefache, Ziegel, Bruchstein, Bimsstein!
Aber ich denke, der entscheidende Punkt ist, dass die Wand trocken ist!

Viele Grüße - Thomas



Hallo Herr Böttcher,



ich bin immer wieder beeindruckt mit welcher Präzision und Auffwand Sie hier Ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen.

Außer der Bemerkung meines Vorredner das eine Wandheizung hilfreich sein kann fehlt aus meiner Sicht nix.

Grüße aus Koblenz



Mineraldämmplatten



Das ist ja echt schön, dass ich so ausführliche Antworten bekommen habe.
Habe jetzt von einem Bekannten, der im Trockenbau tätig ist, Multipor Mineraldämmplatten vorgeschlagen bekommen. Die bestehen aus Calciumsilikathydraten. Nach belesen geben diese Dämmplatten das angefallene Tauwasser auch wieder der Raumluft zurück.
Das einzigste was ich nicht weiß wie die befestigt werden, ich gehe mal davon aus, dass diese auch mit Kleber befestigt werden. Aber da würde ich mich nochmal kundig machen. Würde mich freuen, wenn ihr mir nochmal darauf antwortet.
LG Anke



Hallo Anke,



diese Platten sagen mir gar nichts, aber es hört sich sehr unnatürlich an, wohingegen die Holzweichfaserplatten völlig unbedenklich sind!

Dass sie mit Lehm angeklebt werden finde ich auch sehr angenehm - zu denken gab mir allerdings der plausilble Punkt, dass diese Schicht leicht sperrend ausgeführt werden sollte, aber mit unseren verschiedenen Gefachinhalten sind wir über jede Richtung froh, die sich das Wasser sucht.

Es macht riesig Spaß mit Lehm zu arbeiten, das habe ich die letzten Tage wieder gemerkt!

Viele Grüße - Thomas