Hohlschichtdämmung schädlich bei dampfdichter Aussenschale?

04.11.2008



Hallo, ich habe ein kleines Problem: Das 2 schalige Mauerwerk ( teilw. nur 2* 1/2 Stein Ziegel-MW) unserer Villa Bj 1908 (kein Fachwerk!) möchte ich eigentlich gerne mit Perlite dämmen. Jetzt meint unser Maler, da unsere Fassade mit bereits mehreren dampfdichten Altanstrichen versehen ist, sei sie praktisch dampfdicht, und damit gäbe es ein Problem mit jeder Hohlraumdämmung. Zudem würden die vielen Kältebrücken bei den vielen Fenstern zur Schimmelbildung führen. Ich habe mich extra für Perlite entschieden, weil dies ein mineralischer Stoff ist, der zudem alles ab können soll und niemals zusammensacken dürfte, selbst wenn er mal feucht würde. Nur dafür macht man ja eine Analyse und die Behebung der Schadensursachen, daß die Feuchte, die jetzt vor Sanierung auftrat, anschließend nicht wieder auftritt. Bis vor kurzem hatten wir nämlich eine völlig durchnäßte Innenschale im Treppenhaus. Ich habe die Ursache im Schlagregen gegen die Aussenschale und in der übermäßigen Kondensatbildung durch jahrelanges unbeheiztes Leerstehen gesehen. Hat jemand von Euch Erfahrung damit und kann mir bei der Entscheidung helfen, ob ich eine Hohlwanddämmung machen sollte oder lieber gar keine, so wie unser Maler meint.



Bei Feuchten



in Doppelwandsystemen denke ich erst mal nicht, daß es durch die beiden Wände nacheinander durchdrückt. Es gibt da aber durchgemauerte Steine, es gibt Fugen bei Fenster- und Sturz- und Gesimsanschlüssen, es gibt Mauerkronenleckagen zwengs Dachblechmängel usw. usf. Überall kann Wasser eindringen. Und patschnaß mangels heizen - ich weiß net ...

Apropos nachträgliches Dämmen - never change a winning team. Haben Sie schon mal die denkbaren Heizenergieersparnisse den (verzinsten) Investitionen gegengerechnet? Ich habe bei solchen Rechenexempeln meistens keine überzeugende Wirtschaftlichkeit rausgekriegt. Um es genau zu sagen: ROI (return of invest) am St. Nimmerleinstag.

Kritisch bleiben!

Besten Gruß

Konrad Fischer



Kritisch bleiben!



Hallo Herr Fischer,
gerne möchte ich kritisch bleiben: Meinen Sie, daß die derzeitige Energieberatungsindustrie eigentlich nur in ihre eigene Tasche arbeitet? Diese sog. Energieberater sagen doch, sie können uns vorrechnen, wieviel Energiekosten wir einsparen und in wieviel Jahren sich Wärmedämmung rechnet?
Sie haben mit Sicherheit recht, patschnaß hat mehrere Ursachen, u.a. kommt das Wasser immer von oben und wir haben bereits 2 Leckstellen vom Dachdecker reparieren lassen müssen und hoffen inzwischen, alle Ursachen gefunden und die Schadstellen beseitigt zu haben. Meine Problemfrage bezieht sich aber hauptsächlich auf die Bauphysik. Jetzt, wo ich davon ausgehe, daß kein Wasser mehr kommen wird, sagt der Maler immer noch, er würde keine Hohlwanddämmung machen, die einzige Art die hier Sinn macht und möglich wäre, weil die Fassade mehrfach dampfdicht gestrichen ist.
Das kapiere ich nicht! Ich denke, wenn's draußen pladdert und die Fassade ist dicht, ist es gut. Für die Feuchte von innen muß man ohnehin stoßlüften, d.h. das Wasser geht bzw. muß durch die offenen Fenster raus. Wenn jetzt trotzdem mal zuviel Feuchtigkeit innen entsteht, kondensiert es doch an der kältesten Stelle und bei der ungedämmten Wand mit k-Wert von ca. 1,4 natürlich da und dann entsteht Schimmel auf der Wand ... Ist die Wandoberfläche innen wärmer als die Glasscheibe (bei uns k-Wert ca. 2,4), kondensiert es an der Glasscheibe und das wäre bei uns kein Problem bei Kunststoffenstern und Marmorfensterbänken. Also finde ich eine Wärmedämmung der Wände eigentlich ideal und mitten in der Wand ist dann der Taupunkt auch genau da, wo er bei allen heutigen Neubauten (2-schaligen!)auch liegt. Ich sehe sein Problem nicht. Ist es gar keins oder ist es doch eins und ich verstehe es nur nicht? Vielen Dank



Die Energieberaterbranche



wird mir mehr und mehr bekannt durch deren Beratungsergebnisse, die mir enttäuschte / verunsicherte "Beratene" zusenden. Entscheidend sind die Rechenansätze, die zu einer behaupteten "Wirtschaftlichkeit" führen sollen. Und wenn da mit illusionären Preissteigerungen weit über der derzeitigen Inflationsrate spekuliert wird, lohnt sich meist auch der größte Unsinn. Soviel dazu.

Was die Beurteilung Ihrer Bauphysik betrifft, würde ich einfach mal messen. Ein Infrarotthermometer ist für wenig Geld erhältlich. Messen Sie dann mal Fenster und Wand von innen und außen, tagsüber und nachts. Das sagt Ihnen mehr als jede wohlmeinende Beratung, wo die Schimmelgefahr am größten ist, ob die Rechenansätze der sog. Bauphysik stimmen und wo der Weg technisch sinnvoll hingehen soll.

Zu beachten wäre auch, daß eine Außenschale ein fragiles Gebilde ist, da werden über kurz oder lang Fugen aufgehen und kapillar Wasser reinziehen. Wenn das in die Schüttung gerät und sie unbemerkt aufsumpft - was dann? Die Idee der Doppelschaligkeit ist eben Regenhaut und Wasserschutz der Innenseite durch den Luftspalt.

Kritisch herangehen heißt auch, längerfristig denken.

Besten Gruß

Konrad Fischer





Hallo Herr Fischer, es ist ja schön mal wieder von Ihnen etwas zu lesen, ich dachte schon irgendwelche Dämmlobbyisten hätten Sie erwischt ... :-))

Hallo Her Charis, weil es glaube ich ganz gut passt, zitiere ich mich mal selbst:

Zweischaliges Mauerwerk - wenn richtig ausgeführt - ist besser als sein Ruf. Man hat zweischalig gebaut um Feuchte- und Temperaturschwankungen besser in den Griff zu bekommen. Die Innenschalen sind (im Gegensatz zu heute) in den meisten Fällen nicht tragend. Eine stehende Luftschicht kann allerdings zu echten Problemen führen, weshalb die Erbauer Ihrer Innenwand wohl nach oben zum Dachraum offen gelassen haben - nicht das dümmste. Auf Deutsch: Schütten Sie sich da nichts rein, was Feuchtigkeit bindet und diese nicht geregelt abtransportieren kann.

. Bitte lesen Sie hierzu erläuternd noch meinen Beitrag zur ähnlichen Problematik unter => Desaster as usual
---Forenreferenz-----------
Desaster as usual - Hallo Herr Schöne, das zweischalige Mauerwerk ist besser als sein Ruf. Zunächst einmal wurde nicht zweischalig gebaut um Baumaterial einzusparen, sondern um Feuchte- und Temperaturschwankungen besser in den Griff zu bekommen. Die Innenschalen sind (im Gegensatz zu heute) in den meisten Fällen nicht tragend. Systemerläuternd: Auch früher war Energie schon teuer und die Ottonormal- und Geschosswohnungsbauten darf man sich nicht so wunderbar geheizt wie heute vorstellen. Geheizt wurde in der Küche, samstags im Bad und sonntags in der Guten Stube. Ansonsten kann man sich das ganze als eine im Winter ziemlich kühle Angelegenheit vorstellen. In diesem Milieu hat von außen an das Mauerwerk ansetzende Feuchte ein weitaus leichteres Spiel als bei heutigen Innenraumtemperaturen. Man kann das vergleichsweise in länger leerstehenden Gebäuden richtig fühlen. Dem Muff folgt der Feuchteschaden. Logische Schlussfolgerung => Zweischalig bauen! Gute Idee. Uralt und schon bei den Chinesen bekannt: Tragende Außenwand mit Feuchteeintrag (Regen) in die Luftschicht. Trockene Innenschale (11,5 cm Ziegel oder 5 cm Bims) die - da vollkommen trocken - Nutzungsfeuchte aus dem Innenraum ebenso in die Luftschicht abgeben kann. Dann muss also nur noch irgendwie die Feuchtigkeit aus der Luftschicht raus? => Unten Löcher, Oben Löcher: Luft geht unten rein, erwärmt sich an der Innenwand, nimmt Feuchte auf und steigt auf. Nach diesem Funktionsprinzip wird noch Heute halb Norddeutschland bebaut, jedoch mit einer zusätzlichen Dämmebene: an der Innenwand liegend, doch noch immer mit Luftschicht zum Abtransport der Feuchte. Ob sich ein altes zweischaliges Ziegelmauerwerk überhaupt für eine Kerndämmung eignet kann überhaupt nicht pauschal beantwortet werden, da gibt es zuviele Variablen: Größe der Luftschicht, gibt es Feuchteeintrag in die Wand, wenn ja, ist dieser gleichmäßig (Wetterseite, Bäder), gibt es im Verband eine Schicht aus Verblendern, wohin diffundiert die Feuchte aus dem Innenraum, usw .... Rein rechnerisch wird sich das Einblasen hinsichtlich des Dämmwertes positiv darstellen, doch handelt es sich hier um eine Modellrechnung unter Laborbedingungen bei der ein Feuchteeintrag weder mit kalkuliert, noch eine Aussage über den Abtransport der Feuchte getroffen wird. Wenn nun nach ein paar Jahren (5 - 7 cm Dämmung sind nun halt mal nicht wirklich viel) der Entschluss gefasst wird eine Außendämmung aufzubringen ... Desaster. Aber dann sind ja alle zuvor Beteiligten bereits aus der Gewährleistung - mit Ausnahme des Architekten, der den Gutachter dann so tolerant erlebt wie einen Kampfhund auf dem Spielplatz. Gruß aus Wiesbaden, Christoph Kornmayer mehr ...
----------------------------------
Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Lasst



die alten Hohlschichten einfach in Ruhe.
Das mögliche Schadenspotential ist enorm, der Dämmeffekt gering. Und wenns schief gegangen ist, wie krieg ich die völlig durchnässten Krümelchen wieder raus???
MfG
dasMaurer



Vielen Dank!



Eure Einmütigkeit in der Beurteilung ist echt umwerfend! Ich hab' schon verstanden, daß aufgrund dessen, daß man nie Baufehler ausschließen kann, sich irgendwann unten in der Hohlschicht Kondensat o. Regenwasser ansammeln könnte, eine Verfüllung überflüssig und evtl. auch schädlich sein könnte.
Natürlich gibt es hierfür bei Verblender-MW die bekannten Kondensatentwässerungslöcher, die sind bei meiner Villa aber nicht und ich werde auch keine extra bohren! Ich werd' nun die Finger davon lassen. Allerdings wundere ich mich trotzdem sehr, weil hier bei uns die zwei Schalen älterer Häuser bzw. sogar ganze Stadtteile und Baugebiete der 50/60er Jahre (alles 2-schaliges KlinkerMW) z.Zt. alle entweder mit Polysterol oder sonst mit Rockwool als sog. nachträgliche Wärmedämmung ausgefüllt werden. Dies wird also dann später Stadtteilweise zu Bauschäden führen! Naja, Also dann nochmals vielen Dank für Eure ÜBERZEUGENDE KRAFT!
GermaineLeron



Tja, da werden



viele "Sanierungsmassnahmen" an alten Bauwerken durchgeführt. Allerdings nicht mit dem Ziel, Energie zu sparen, einen Keller trocken zu legen oder einen anderen Zweck im Sinne des Bauherrn zu erreichen, sondern lediglich mit dem Ziel, das Einkommen des Verkäufers zu steigern. Haftungsrechtlich ist für den Bauherrn auch nix drin, weil die Firmen alle paar Jahre vom Markt genommen werden.
Leider ist das gängige Praxis und für den Laien ist es recht schwierig, die Scharlatane von den seriösen Anbietern zu trennen.
MfG
dasMaurer