Kalkputz natur belassen oder streichen?

22.08.2012



Hallo, ich stehe vor der Entscheidung, ob ich unseren Kalk-Außenputz ohne Anstrich belasse, oder ob ich diesen mit Kalkmilch streiche. Streichen würde ich ihn nur, falls der Anstrich WESENTLICHE Vorteile für die Haltbarkeit bringt. Optisch finde ich beide Varianten gleich gut. Mein Putzer meint das es da unterschiedliche Meinungen zu gibt. Hat hier jemand eventuell damit Erfahrung gemacht?



Welche Meinung...



... hat denn der Verputzer dazu?

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Um was für ...



... Kalkputz handelt es sich (Luftkalkputz / hydraulischer Kalkputz / hochhydraulischer Kalkputz), sind dem Putz Zusätze beigegeben (Puzzolane / Trass u. a.) und wie ist der Putz aufgebaut (Unterputz / Oberputz / Putzglätte)?



Kalkputz



Der Putzer hat Informationen unterschiedlicher Art dazu gesammelt. Es gibt da eben unterschiedliche Meinungen. Die Entscheidung muss ich jetzt treffen. Es handelt sich um Luftkalkputz P1 mit einer geringen Zugabe von hydraulischem Kalk (Bergmann). Ansonsten keine weiteren Zuschläge. Aufbau ist Unterputz/Oberputz gefilzt.



Kalkputz



Wenn der Putz schon fertig und durchcarbonatisiert ist macht ein reiner Kalkanstrich wenig Sinn. Üblich ist ein frescaler Auftrag.

Viele Grüße



Kalk



Er ist eben noch nicht duchcarbonatisiert und ich muss mich für das WE entscheiden zu streichen oder nicht.



Bewitterte Luftkalkmörtel ...



... sollten m. E. einen kalkverträglichen Anstrich erhalten.
Hierunter verstehe ich z. B. eine freskale Kalktünche oder einen Kalk-Kasein-Anstrich.

Der Grund: Ohne einen der v. g. Anstriche sind Luftkalkputze frostgefährdet. Insbesondere, wenn sie Schlagregen ausgesetzt sind und / oder dick aufgetragen wurden.

Die Frostgefährdung ungestrichener Putze resultiert aus der Fähigkeit des Putzes, über die Kapillaren viel Wasser aufnehmen, geradezu aufsaugen zu können und in den Poren zu speichern.

Das Porenvolumen in der oberflächennahen Zone des Putzes wird durch geeignete Anstriche reduziert, ohne dass dabei die Kapillarität leidet, d. h. die positiven Eigenschaften des Putzes bleiben erhalten. Die Oberfläche wird lediglich feinporiger.
In den Putz kann folglich nicht mehr so viel Wasser eindringen.
Hingegen wird die kapillare Entfeuchtung vom groben Unterputz zur feinen Putzoberfläche hin verbessert.

Diese Verbesserung der Entfeuchtung ist insoweit von Bedeutung, da über Risse / Anschlüsse an Balken usw. mitunter Wasser in die tieferen Putzschichten eindringen kann, was möglichst rasch wieder aus- / abtrocknen können muss.

Von daher wäre meine Empfehlung, einen geeigneten Anstrich aufzubringen.



Bewitterte Luftkalkmörtel



Vielen Dank schon einmal. Das hatte ich beim Fischer auch so gelesen. Wir haben auch einen gröberen Unterputz als Oberputz. Ich finde nur die Farbe des ungestrichenen Kalkputzes so schön. Aus diesem Grund war ich neugierig, ob schon jemand konkrete Erfahrung mit ungestrichenem Kalkputz gemacht hat. Aber einhellige Meinung scheint ja zu sein, dass ein Anstrich sogar NOTWENDIG ist?



Ja der Putz sollte gestrichen werden, nur bedeutet frescal streichen,



1-2 Tage nach dem Putzen die erste Grundierung auftragen.

Wenn´s läger dauert würde ich eine Silikatfarbe nehmen.

Grüße



Silikatfarbe ...



... werde ich nicht nehmen. Dann wird es ein pigmentierter Kalk-Kasein-Anstrich.

Vielen Dank für die Hilfe.



Wo steht geschrieben,



dass ein Anstrich notwendig ist......vom Gesetz her, NIERGENS!!!!
Lassen Sie sich nicht verrückt machen!!!!! Streichen Sie dann wenn es möglich ist und der Putz es zulässt.
Zumal aus der Beschreibung nicht ersichtlich ist um welchen Putz es sich handelt.
Hersteller und bezeichnung des Putzes wären mit sicherheit interessant.

Gruss Thomas



Ein "Anstrichgesetz" ...



... gibt es wem auch immer sei Dank tatsächlich nicht, wohl aber die Erfahrungen und das Wissen um den richtigen Umgang mit Kalkputzen.

Dass man beim Vorbereiten, Auftragen, Nachbehandeln und letzlich auch Schützen von Kalkputzen - gerade Luftkalkputzen - jedoch Einiges falsch machen kann, ist leider durch zahlreiche Beispiele belegt.
Einen sehr schönen Überblick findet man diesbezüglich auf der Website von Herrn Konrad Fischer, der die Thematik umfassend und tiefgründig nicht nur aufgearbeitet, sondern meiner Ansicht nach auch in für Laien verständlicher Art und Weise aufbereitet hat.
Wer sich nicht scheut, sich insgesamt 14 Beitragsteile zu Gemüte zu führen, möge nachschauen unter:
http://www.konrad-fischer-info.de/2kalkfel.htm

Dem dort Ausgeführten ist aus meiner Sicht nichts Grundsätzliches hinzuzufügen (weshalb auf unserer Website auch kein in die gleiche Richtung gehender Beitrag eingestellt ist).





Hallo,

ich finde Annelie hat es von der Theorie her hier recht gut beschrieben.

In Punkto: "Ich finde nur die Farbe des ungestrichenen Kalkputzes so schön" ... denke ich mal ist die leichte Wolkigkeit gemeint. Dieser Umstand wird sich auch bei Kalk und Silikatfarben erhalten. Bei Kalk-Kasein eher auch, je nach dem welche Grundstrucktur in der jetzigen Oberfläche vorhanden ist und wie stark der Farbauftrag gewählt wird.

Noch zur Frage steichen oder nicht! In den allermeisten Produktdatenblättern steht, daß bei Außenanwendung ein Farbauftrag erfolgen sollte. Hierfür wird nicht nur die Wasseraufnahme als Grund angeführt, sondern auch die heutige Luftschadstoffbelastung. Über letzteres kann man bei Standorten auf dem Lande irgendwo in den Weiten Mecklenburgs freilich kritisch gegenüber stehen.

Gruß aus Berlin,



Kalk - Konzept



Hallo

ein Kalkaufbau ist kein: Wünsch dir was - sondern ein tradiertes, sinnvolles Gefüge von Erfahrungen und nicht eine Sache der Optik.

Man glaubt in unserer Zeit immer etwas abkürzen oder "vereinfachen" zu müssen und nimmt den tradierten Handwerkstechniken immer das Wesentliche, weil man es nicht versteht oder verstehen will.

Handwerk hatte eine grosse nähe zur Kunst nicht zur Baumarktlobby.
Arts & Crafts!

Ein Kalkaufbau geht vom Groben im Unteren hin zum Feinen an der Oberfläche - das ist und war ein sinnvoller tradierter Aufbau, den es erst zu verstehen gilt um ihn evtl danach verbessern zu können (Was schwer werden wird).

Gerade im Aussenputz sollten Sie auf die althergebrachten Putztechniken und Oberflächenbehandlungen zurückgreifen oder zurückgreifen lassen.
(alte Handwerksbücher)

Wenn Ihr Handwerker keine Kalk-spezifische Lösung kann, ist er kein Fachmann, der Sie beraten kann und fehl am Platz.

Kalk ist wie Lehm zur Mode verkommen, von der ALLE profitieren wollen - aber leider ohne es richtig zu können.

Leider

Florian Kurz
www.slow-house.de



Oha Herr Kurz,



starker Tobak. Na ja, in einem Forum darf man natürlich auch nicht zimperlich sein. Hatte die Message aber eigentlich auch schon 4 Beiträge vorher verstanden ;). Und mein Putzer versteht sein Handwerk ganz sicher! Aber nochmals Danke.



Solubel



Kleine Ergänzung für Nachahmer. Habe mit Solubel gesprochen. Die haben auch eine Putzsorte besonderer Rezeptur, der besonders frostsicher ist und keines Anstriches bedarf. Der wird z.B. bei Burgen und Brücken eingesetzt, die nicht gestrichen werden. Bei normalen Kalkputz empfehlen sie einen Anstrich.



starker Tobak - leichte Kost



Hallo Kattaberlin

War ja kein Angriff sondern ein Hinweis auf
Optik versus Handwerkskunst
:-)

Dass der HW wirklich gut ist stelle ich in Frage.

Man kann auch ohne Anstrich mit anderer Technik Oberflächen "kalkig" und richtig behandeln.

Wenn der nur "Streichen" kennt ist das mau!

Florian Kurz
slow-house.de



kalkige Oberfläche



Welche Behandlung wäre das?

Neugierig, KattaBerlin



Streichen oder nicht streichen



Unsere Ostseite ist morgen fertig.
Geputzt wurde mit baumit Kalkin RK39.
Auf der West- und Südseite haben wir letztes Jahr mix mineralit von einza gestrichen.
Dort sind wir nicht wirklich zufrieden. An Stellen die im Winter durch Feuchtigkeit belastet waren, kommt die Farbe runter bzw. sandet der Putz so sehr, das die Farbe abgeht.
Nun überlegen wir den Anstrich komplett wegzulassen oder uns mit Kalkfarbe von Baufan streichen.
Was würdet ihr uns empfehlen?
Untergrund ist normaler gebrannter Ziegel.



Außenputz



Laut Produktdatenblatt ist das die Festigkeitsklasse CS II, vergleichbar einem Kalkzementputz. Der sollte auch ohne Anstrich frostsicher sein. Im Sockelbereich würde ich ihn- wenn überhaupt- nicht ohne Beschichtung einsetzen.
Unabhängig davon rate ich Ihnen zu einer Beschichtung, sei es nun frescal mit Kalk oder secco mit einer Mineralfarbe.

Viele Grüße



Systemfehler



Hallo Katta,

die von Ihnen angeführten Symptome:
"An Stellen die im Winter durch Feuchtigkeit belastet waren, kommt die Farbe runter bzw. sandet der Putz so sehr, das die Farbe abgeht."

weisen darauf hin, das da etwas grundsätzlich nicht stimmt. Wann ist der Farbauftrag erfolgt (zeitlicher Abstand zum Verputz, Jahreszeit)? ... Wenn der Untergrund sandet ist der Putz entweder nicht richtig verarbeitet oder aber die Oberfläche vor dem Streichen nicht richtig vorbereitet worden. Eine andere Möglichkeit für die Abplatzungen wären Ausblühungen. Auch mit nicht gerade meinen Geschmack treffenden Baufan Produkten aus dem Baumarkt werden sie für dieses Problem keine Lösung finden.

Lassen sie sich besser von einem versierten Handwerker vor Ort beraten. Alles Andere ist in meinen Augen rausgeschmissenes Geld!

Gruß aus Berlin,



Systemfehler



Es wurde letzten Sommer verputzt und gestrichen.
Ja es war wahrscheinlich viel zu heiß. Der Abstand zwischen deckputz und Farbe ist mir nicht mehr klar. Es mind 7 Tage. Der Deckputz wurde auf den trockenen Unterputz aufgetragen (1mm/trockener Tag).
Der Putzerexperte meinte das das die fehlende Grundierung schuld sei. Der Malerexperte meinte das die fehlende Ablechung schuld wäre. Soviel zu den "Experten".
Wir hatten im Herbst den Sockel noch nicht fertig. Da muss noch das Gesims über dem Kellergeschoß ausgebessert werden. Dort und oberhalb der originalen Fensterlaibungen aus Kunststein, gibt es die Probleme.
Wobei der Fehler nun gemacht ist und wir den hinten erst mal nicht wiederholen wollen.

Was ist gegen Baufan zu sagen? Die sind hier vor Ort. Nur weil die Produkte im Baumarkt gibt, muss es nicht gleich Schrott sein oder?



RK 39 ...



... haben wir im Frühsommer des Jahres 2010 - gewissermaßen im Selbstversuch - gewagt, als Unterputz auf Poroton-T12-Mauerwerk (Plansteine) aufzubringen. Als Oberputz ist RK 70 N aufgezogen worden.
Im zweiten Winter (2011/2012) haben sich an im Bereich von zwei Fensterstürzen kleine Schollen des Oberputzes gelöst. Vermutlich die Folge nicht einwandfreier Verarbeitung in Höhe des Gerüstbelages.
Was nach den extremen Temperaturen des Sommers 2012 noch aufgetreten ist, sind einige Haarrisse in Höhe der Lagerfugen auf dem Südgiebel, genau in den Bereichen, wo der Giebelringbalken (bewehrter Leichtbeton in Poroton-U-Schalen) eingebunden worden ist.

Ein Anstrich ist nicht erfolgt.

Probleme mit Absanden haben wir definitiv keine.


i. V. Dirk Meisinger