Streitfrage um Außenputz

03.01.2010



Hallo zusammen,
wir haben Mitte September mit der Renovierung des Fachwerkhauses (ehemaliger Bauernhof) meiner Großmutter begonnen.

Bei dem Haus sollte u. a. der Außenputz erneuert werden.
Für diese Arbeit haben wir eine Baufirma beauftragt, die sich die Restauration von Fachwerk, Lehmbau u. Denkmalpflege auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Nord- u. Ostseite (vornehmlich Wohnteil) des Hauses waren noch im Ur-Zustand (Ziegelausmauerung mit Kalkputz). Mit diesen Seiten wurde begonnen u. mit dem neuen Kalkputz der Firma auf diesen Seiten sind wir auch zufrieden (wie im Originalzustand balkenbündig).

Die Süd- u. Westseite (vornehmlich Deele und Stallteil) sind bereits vor Jahren komplett mit neuen Eichenbalken und Porotonsteinen neu aufgebaut worden, wobei die Steine ca. 2,5 -3,0 cm hinter den Balken zurückliegen. Die Seiten sind damals nicht vollendet worden. Der Putz fehlte bis heute und sollte jetzt nachgeholt werden.

Sicherlich wäre es wünschenswert gewesen, die Porotonsteine durch Ziegel o. Lehmsteine auszutauschen. Aus Kostengründen haben wir die Steine jedoch belassen müssen. Doch wenigstens der Putz sollte dann zumindest "fachwerkgerecht" balkenbündig wie auf den "alten" Seiten sein, um ein einheitliches Gesamtbild zu erhalten. So unsere Erwartung.

Tatsächlich sieht das Putzergebnis der Fachfirma auf diesen Seiten anders aus:
Der Putz ist unter dem oberen Riegel der Gefache ca. 8 mm bis 1 cm dick. Somit liegt er direkt unter dem oberen Riegel ca. 1,5 – 2,0 cm zurück. Zum unteren Riegel hin nimmt die Putzdicke linear soweit zu, dass der Putz an der Oberkante des unteren Gefachriegels balkenbündig ausläuft. D.h. der Putz liegt auch hinter den seitlichen Gefachbalken zurück. Regenwasser läuft nicht senkrecht von der Gefachfläche ab, sondern schräg daran herunter.

So eine Putzvariante hatten wir nicht erwartet u. war auch nicht abgesprochen.
Zudem habe ich so einen Putz bei einem Fachwerkhaus noch nicht gesehen.

Lt. nachträglicher Aussage der beauftragten Fachfirma sei der aufgebrachte Putz jedoch fachgerecht. Lediglich würde er nicht unseren "ästhetischen Empfindungen" entsprechen.
Als Begründung für die Wahl dieser Putzvariante wurde uns die vorgefundene Tiefe der Ausmauerung genannt. Die Firma würde grundsätzlich nur einlagig verputzen, da sie die Erfahrung gemacht hätte, dass dünner Putz besser halte als dicker Putz.
Von zweilagigem Putz und einem Einbau eines metallenen dreidimensionalen Putzträgers würde man nichts halten, da zu starr für eine Fachwerkkonstruktion.

Als mögliche Abhilfe/Kompromiss wurde uns – aber nur bei schriftlichem Verzicht auf jeglich
Gewährleistungsansprüche – angeboten, eine zweite Putzschicht aufzuziehen, die dann unserer von vornherein bestehenden Vorstellung von Balkenbündigkeit (rechts, links und unten bündig, oben mit Phase/Tropfkante) entsprechen würde.

Die vorhandene Putzschicht würde dann vor dem Auftrag der weiteren Schicht aufgeraut.
Da lt. Aussage des Unternehmens der Putz von innen zur Oberfläche hin weicher werden muss wg. Diffusion, würde die zusätzliche Schicht dann "weicher" sein (wobei ich nicht sagen kann, was "weicher" bedeutet, ich habe es bisher nicht näher hinterfragt).
Aufgrund der Dicke des Putzkissen würde dann jedoch die Gefahr bestehen, dass es zu einer Schalenbildung kommt und der Putz später abplatzen (abschüsseln) könnte.

Wir wissen nicht, was wir davon halten sollen.
Ein Referenzobjekt mit einer ebenso "schrägen" Putzlösung konnte uns die Firma nicht benennen.

Ist der bisher aufgetragene Putz tatsächlich fachgerecht und die sinnvollste Lösung?
Oder sollen wir das Angebot des zusätzlichen Putzauftrages annehmen?

Wir benötigen dringend Rat und sind für jeden Tipp und Hinweis dankbar.



der



Putz wurde nicht fachgerecht nach den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt und liegt bei kleineren Gefachen sicherlich nicht aml im bereich der Toleranz für Lotrecht.
Nacharbeiten lassen, vorher nicht bezahlen und das ohne Verzicht auf Gewährleistung. Ihre Begündung ist Schwachsinn und soll den Pfusch gutreden. Warum soll denn der Putz als Dünnputz besser halten und unten ist er dann doch dick - absoluter Blödsinn. Runter damit und fachgerecht Putzen mit Vorspritz und 2 Lagen. Googel doch mal selber, was die Porenbetonhersteller für Putze außen empfehlen ! Aber aus Gründen der Gewährleistung dem baubetrieb nichts vorschreiben, sondern durch die beraten lassen - Protokoll !



Nicht fachgerecht



Generell ist Außenputz in zwei Lagen aufzutragen. Die erste Lage muss nach dem Auftrag aufgekämmt werden um einen Verbund mit der zweiten Lage sicher zu stellen.
Ein zweiter Auftrag auf bereits abgeriebenem Putz verspricht keine lange Lebensdauer und sollte von ihnen daher abgelehnt werden.
Das die Fachwerkkonstruktion nicht Balkenbündig verputzt wurde spricht nicht für die fachliche Eignung der ausführenden Firma. So wird der konstruktive Holzschutz sträflich vernachlässigt, Schäden an der Konstruktion durch stauendes- und eindringendes Wasser sind vorprogrammiert.
Mein Tip.
Lassen sie das wieder abschlagen und in zwei Lagen Balkenbündig neu verputzen.





Ich rede hier nicht von ästhetischen Mängeln, über die könnte man streiten, sondern über bauliche.



Ein fachgerechter



Aussenputz besteht aus
-Vorspritz
-Unterputz
-Oberputz
in einer Gesamtstärke von 25 mm.
Alles andere ist "Murks".
Ausnahmen sind lediglich die Dünnschichtputze, wie man sie von den WDVS-Systemen kennt. Die können dann aber nicht in dickeren Schichten aufgebracht werden.
MfG
dasMaurer



Putzausführung



Das bei Gefachputzen im oberen Bereich der Putz am Holz leicht unterschnitten wird, ist eine gängige Ausführungsvariante.
Starre metallene Putzträger haben in diesem Bereich nichts zu suchen.
Ansonsten ist den Ausführungen von U. Warnecke nichts hinzuzufügen.

Viele Grüße



Mit...



...was für einem Mörtel wurde denn die Porotonsteine vermauert?

Gruß Patrick.



Aussenputz



Moin zusammen.
Zu Putzwahl, stärken und der gleichen kann ich dir nichts sagen, da hab ich keine Ahnung.

Aber wenn ich das richtig verstanden habe sind deine Fachwerkfelder in der Form geputzt wie dieses Fachwerk gemauert ist. Eine bei uns durchaus übliche Art, und konstruktiv sinnvoll.

Diese Mauer oder Putzform sollte aber im Vorfeld abgesprochen werden da sie nicht jedem Auge gefällt.


Gruß Jürgen

PS: Hier hab ich es bei sehr steilem Sonnenlicht fotografiert um den effekt zu verdeutlichen.



Mörtel...



Hallo Patrick,

zuerst möchte ich mich bei Ihnen und allen anderen für Ihre Hilfsbereitschaft sowie raschen und konstruktiven Antworten bedanken. Sie haben mir alle schon sehr viel weitergeholfen, und ich bin sehr froh, auf dieses Forum gestoßen zu sein.

Zu Ihrer Nachfrage Patrick:

Der Mörtel auf den beiden Seiten ist leider der denkbar schlechteste für Fachwerk: Zementmörtel.
Aus Kostengründen war uns der Austausch der Ausmauerung (ca.140 qm sind betroffen) aber jetzt nicht möglich.Unser vornehmlichstes Anliegen mit dem Außenputz ist, das Regenwasser von den Balken so gut wie möglich fern zu halten, um die Konstruktion zu erhalten.
Sicherlich ist Zement und Poroton dabei keine gute Ausgangslage.
Über jede weitere Anregung und Idee, wie aus den ungünstigen Gegebenheiten noch das Beste für das Haus gemacht werden kann, würde ich mich freuen.

Viele Grüße
Iris





Zementmörtel ist kein Putzmörtel,(bestenfalls für Sockel) auch wenn das auf den Säcken gerne mal drauf steht.
Er ist auch nicht billiger als ein normaler Kalkmörtel.
Das sollten sie alles wieder runterholen lassen.



Sorry, da ...



habe ich wohl Verwirrung gestiftet.
Der Zementmörtel bezog sich auf die Vermauerung der Porotonsteine (vor ca. 15 Jahren). Der jetzt aufgetragene Außenputz ist auf allen vier Seiten ein Kalkputz.

Iris





Dann ist es vom Putzmaterial her ok, aber die Ausführung Sch…