Wie die Innenseite einer Giebelwand verputzen, dämmen oder mit einer Vorsatzschale versehen?

28.06.2008



Hallo liebe Fachwerker,

vielleicht könnt Ihr mir gute Tipps geben, bevor ich bausündig werde.

Die Giebelwand ist 32 cm dick. Gemauert aus Ziegel- oder Backsteinen. Der Außenputz scheint ein Kalk-Zementputz zu sein, 2 cm stark. Die Giebelwand ist nach Norden ausgerichtet. Der Raum soll später als Wohnraum (Büro) genutzt werden.

Diese Giebelwand möchte ich jetzt innen bearbeiten. Verschiedene Möglichkeiten sehe ich bis jetzt:

A) Nur Verputzen ohne speziell zu dämmem.
Welchen Putz würdet Ihr mir empfehlen? Ich glaube aber, dass dies im kalten Winter nicht ausreichend wäre.

B) Innendämmung mit evtl. direkt auf die Wand aufgebrachten Dämmplatten (z.B. auf Kalk-Sand-Basis ähnlich Porenbeton/Ytong). Das heißt, dass die Wand eine Vormauerung bekäme. Ist es ratsam hier einen Luftspalt zwischen Giebelwand und Vormauer zu lassen? Was haltet Ihr davon?

C) Eine Vorsatzschale mit Kreuzrahmen oder Ständerprofilen und konventionellen Dämmstoffen (Stein-, Glaswolle) inkl. Dampfbremsfolie. Welche Dicke sollte ich hier beachten?

Die Tiefe vom Eichenbalken zur Giebelwand ist ca. 19 cm. Der etwa 17 cm starke Eichenbalken hat 2 cm Luft zur Giebelwand. Ob dieser Balken später im Wohnraum zu sehen ist oder nicht, ist mir eigentlich nicht so wichtig. Ich könnte es mir aber gut vorstellen, den Eichenbalken sichtbar im Raumbild integriert zu haben. So würde ich also nur bis zum Balken hin eine Vormauerung oder Vorsatzschale machen.

Was könntet Ihr mir bitte empfehlen und was habe ich bei der späteren Beschichtung (Farbe, Edelputz, Tapete) zu beachten?

Ich sage Euch allen schon mal vielen herzlichen Dank für Eure Zeit und Hilfestellung.

Viele Grüße,
Axel



Eine solch



starke Backsteinmauer hat schon eine recht hohe Dampfbremswirkung, damit wird jede Innendämmung problematisch. Auf jeden Fall sollte sowas von einem Fachingenieur berechnet werden. Sowohl in Hinsicht auf eine sinnvolle Dämmstoffstärke als auch hinsichtlich der erforderlichen Dampfbremse innen. Eine Aussendämmung wäre hier die bessere Lösung, wenns denn machbar ist.
mfg
dasMaurer



Hallo Ulrich,



danke für Deine schnelle Antwort.
Eine Außendämmung ist für uns derzeit kein Thema. Wir möchten den alten Stil des Hauses noch erhalten. Bauphysikalisch ist also doch eine Berechnung nötig. Mal schauen, ob ich da jemand auftreiben kann.

Viele Grüße, Axel





Vorweg,
die Frage nach der Innendämmung der Außenwand stellt man sich doch,
bevor man einen Fußbodenaufbau mit Estrich bis an die Wand führt,
insbesondere die Ausführung im Kniestockbereich halte ich für bedenklich.

Bei einer Innendämmung würde ich den Ständer
mit Stopfhanf oder Holzweichfaserplattenresten hinterfüttern,
wenn es nicht genau passt (zu eng/weit) einfach auf der Rückseite
Brett gegenschrauben/spannen und dann mit Latte reinstopfen.
Hat bei mir gut geklappt.

Innendämmung sehe ich nicht so kritisch,
40-60 mm Holzweichfaser in Lehm oder
vielleicht eine Perlite-basierter Kalkputz gehen bestimmt,
Probleme sehe ich eher bei den vielfältigen Anschlüssen,
und die sind jetzt schon da.
Z.B. am Übergang Giebel zu Dachfläche(Sparren alt/neu).

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Mit Hinterlüftung?



Hallo Philipp,
hast Du bei der Hinterfütterung zwischen Deiner Giebelwand und dem Ständer eine Hinterlüftung?

Danke für Deine Antworten.

Viele Grüße,
Axel



Innendämmung



Phillip Kawalek hat recht. Der Estrich (Auf einer Holzbalkendecke?) ist zu früh reingekommen wenn die Wände noch gedämmt werden sollen. Je nach weiterer Vorgehensweise würde ich diesen im Bereich der Dämmung wieder öffnen, um unnötige Wärmebrücken zu vermeiden. Ich sehe hier grundsätzlich die Möglichkeiten einer Leichtlehmvorsatzschale oder einer moderaten Holzweichfaserdämmung.
Beides homogen und ohne Luftschichten und Dampfbremse. Auf Ytong und Mineralwolle würde ich in jedem Fall verzichten.
Gruß vom Edersee



Trennung



Danke Mathias für Deine Antwort.
Ich werde darauf achten, den Estrich von der Gebäudehülle, wegen etwaigen Wärmebrücken, zu trennen. Wenn ich das schaffe, müsste es mit einer Innendämmung, hoffe ich, klappen.

Viele Grüße,
Axel



Beheizung?



Axel,

hier eine Meinung von einer Bauinteressierten.

Einfach mal die Möglichkeit A in der Ausgangsfragestellung zugrundelegen:

A, Zitat:
„Nur verputzen ohne speziell zu dämmem.
Welchen Putz würdet Ihr mir empfehlen? Ich glaube aber, dass dies im kalten Winter nicht ausreichend wäre.“

Empfehlung (vom Nicht-Profi) :Mit reinem Kalkputz verputzen und Anstrich mit Kirchenkalk. Aber das alles nur dann, wenn auch überwiegend Strahlungsheizung (z.B. Heizungsrohre offengeführt, oder Kachelofen – Statik?) im neuen Büro vorhanden sein wird!

Welche Art Heizung hat das neue Büro denn, oder welche soll es denn bekommen?

Marita Kerr



Kirche im Dorf lassen.



Hallo Axel,

bevor da im den Bereichen Wand-/Estrichanschluss, Dachanschluss und an den estrichumflossenen Balken entstehen würde ich - ohne es gesehen zu haben - zu Variante "A" in Verbindung mit einem einfachen Kalkputz greifen. Die beiden anderen Varianten besser vergessen, das geht ziemlich sicher schief.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Reiner Kalkputz...



...oder mit zementären Anteil?

Da die Fugen der Backstein-Giebelwand an vielen Stellen schlecht sind und manche Steine keinen guten Halt mehr haben, habe ich in Erwägung gezogen einen Kalk-Zementputz aufzuziehen. Zum Schließen und Verfestigung der schlechten Fugenstellen.

Nach diesem Punkt steht dann die Überlegung an, was dann? Ob eine Dämmung wirklich notwendig ist (der Raum wird im Winter immer per Zentralheizung (Gastherme) gut temperiert sein), da bin ich mir mittlerweile gar nicht mehr so sicher. Wir wissen nicht, ob vielleicht ja doch in ein paar Jahren Vollwärmeschutz außen angebracht wird.

Würdet Ihr in meinem Fall überhaupt versuchen von innen die Giebelwand zu dämmen???

Marita und Christopher, danke für Eure Antworten.

Viele Grüße,
Axel Nuber





Hallo Axel,

in durchgängig temperierten Räumen ist - wenn durchgängig massiv gemauert - so einiges möglich, auch ein Kalk-Zement-Putz. Normalerweise erargumentiert sich der reine Kalkputz über seine feuchteregulierenden Fähigkeiten. Ohne es genau zu wissen gehe ich davon aus dass die Giebelwände wohl eher den kleineren Teil der Wandflächen in diesem Geschoss ausmachen, weshalb feuchteregulierende Wirkungen wohl nicht im Vordergrund stehen werden.

Auch wenn ich jetzt gehauen werde – ein einfacher Gipsputz ist hier ebenso denkbar.

Von einer Innendämmung würde ich absehen. Anschlusspunkte an Boden und umliegende Balken sind nicht unbedingt ganz lecker und gerade wenn später doch einmal eine Außendämmung kommen könnte sollte man wg. des Taupunktes zumindest grob wissen, wass dann da vorne draufkommt.

... die wenigen Quadratmeter Giebelwand haben da auch keine riesige Dämmwirkung. Beim Verputzen ist besonders auf den richtigen Fensteranschluss zu achten. Ich kann das auf dem Bild nicht richtig erkennen, wurde das Fenster richtig abgeklebt, wurden Kompri-Bänder oder nur Bauschaum verwendet?
Beim Anputzen später einen Kellenschnitt ausführen und für einen flexiblen Anschluss sorgen. Ein harter Putz verzeiht einem da weitaus weniger als ein weicher.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Naja Christoph...



...wenn er die Schrägen mit Gika verkleidet, grundiert und tapeziert, werden die Giebel dann schon zu den Feuchteregulierern. Und ich gebe dir recht, Gips- oder Kalkgipsputz geht auch.

Gruß Patrick.



Fugen



Herr Nuber,

Sie schreiben:
"Da die Fugen der Backstein-Giebelwand an vielen Stellen schlecht sind und manche Steine keinen guten Halt mehr haben, habe ich in Erwägung gezogen einen Kalk-Zementputz aufzuziehen. Zum Schließen und Verfestigung der schlechten Fugenstellen. "

Mit zementhaltigen Putz würde ich nicht arbeiten wollen.
Mal hier schmökern könnte helfen, das eine oder andere ist sicherlich ganz interessant:
http://www.konrad-fischer-info.de/29bau09.htm
http://www.konrad-fischer-info.de/2beton16.htm

Grüße

Marita Kerr



Die Bauphysik und die max. Dämmstärke



Erst einmal vielen Dank an Christoph, Patrick und Marita für Eure Feedbacks.

Mittlerweile hat mir ein Fachberater eines Baustoffhändlers gesagt, dass man als Faustregel bei meiner beabsichtigten Innendämmung meiner Giebelwand sagt: max. Stärke der Dämmung entspricht 15 % der Wandstärke. Ansonsten könnte ich Probleme mit Kondenswasserbildung am Taupunkt bekommen. Bei meiner Giebelwand aus Backsteinen von 32 cm Stärke (ohne 2 cm Außenputz) wären das nur 4,8 cm Dämmung. Er empfahl mir, wenn ich unbedingt dämmen möchte, eine Verbund-Gipskartonplatte mit 40 mm Polystyrol-Rücken.

Es sind etwa 9-10 m2 Giebelwandfläche. Wobei ich die senkrechten Eichenbalken des Dachstuhls gerne sichtbar integriert in den Wohnraum miteinfließen lassen möchte. Leider wurde das Rundbogenfenster nicht nach dem technischen Stand eingebaut. Es wurde nur ausgeschäumt und keine Kompribänder eingesetzt. Besonders auch die untere, horizontale Abdichtung fehlt noch. Den technisch korrekten Einbau dieses und auch anderer Fenster werde ich von einem zuverlässigen Fensterbauer /-monteur nachholen lassen, auf dessen Suche aber ich mich noch befinde. Hat vielleicht jemand einen Tipp für PLZ 76829?
Ich weiß, dass gerade hier sehr oft Baufehler begangen werden und das Gewerk Fensterbau nicht zu Besten gezählt wird. Hier soll angeblich viel Schindluder getrieben werden.

Ich bin eigentlich so auf den Kalk-Zementputz gekommen, weil ich dachte die Vorteile eines Kalkputzes nutzen zu können und mit dem zementären Anteil im Putz die Fugen und Steine besser verfestigen zu können. Ein Putz ist ja ein Putz und kein Mörtel der statisch funktioniert.

Viele Grüße an Euch alle,
Axel





Hallo Axel,

dem Baustoffhändler würde ich zunächst einmal mindestens Beratungstechnisch den Rücken kehren. Vergiss das mit den Gips-Polysterol-Platten. Das ist Unsinn. Polysterol kann Feuchtigkeit halten.
Wenn die Fugen denn so tief offen liegen zieh halt eine Mörtellage in die Fugen, dass einen Kalkputz drauf und fertig. Wenn Jetzt eine Innendämmung angebracht wird und Du in drei Jahren entscheidest außen auch noch eine anzubringen, kannst Du kaum noch absehen was passiert.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Jo Axel...



...laß den Rigitherm-Mist. Das ist so ziemlich der größte Bullshit in Sachen Innendämmung.

Gruß Patrick.



Keine Innendämmung



oder doch eine. Da scheiden sich die Geister.

Hallo Christoph, hallo Patrick!
Vielleicht wäre in meinem Fall keine die bessere Variante. Vielleicht! Aber angesichts steigender Energiekosten, hätte ich bei "gar keine Innendämmung" eher ein mulmiges Gefühl.

Viele Grüße,
Axel





Hallo Axel,

sehe ich dies richtig, dass da Estrich liegt. Hier wäre das Anschlußixel zum Dachsparren/Wand/Estrich sehr interessant. Wer hat Sie bisher beraten??? Ich glaube sehr, du solltest dir einen wirklichen Fachmann mit zu Rate ziehen der sie auch in der Ausführung der gesamten Detailanschlüsse berät und Lösungen aufzeigt. Die Wandfläche ist zwar auch sehr entscheidend, aber der Teufel liegt immer im Detail! Bevor Ihr mit der Wand los legt, sollten Sie sich eingehend über die Dachdämmung und deren Anschlüsse einigen. Stützen, Mittelpfetten etc. sind unbedingt mit einzubeziehen.

Sonst rate ich zu viel Lehm, mit etwas Dämmung (Perlite, Blähton, Stroh, Holzfasern) versehen und dick aufgespritzt. Auch die Lösung mit der in Lehm gesetzten Holzweichfaserplatte ist möglich, wenn die Anschlüsse geklärt sind. Aber auch eine Verbesserung brächte eine Holzwolleleichtbauplatte 5 cm in Lehm. Aber auch 10 cm dicke HWL-Platten wären denkbar, jedoch müsstet Ihr diese verankern. Auf dieser können Sie Wandheizungen Verlegen und noch genügend Lehm für die Verbesserung des Raumklimas auftragen. Von Porenbetonen oder Calziumsilikatplatten halte ich nichts. Sie sind diffusionsoffen aber nur gering kapillar leitfähig, können schlecht mit Wasser umgehen (Porenbetone werden klitsch naß eingebaut, nehmen mehr Feuchte auf, als sie verdunsten können ... Calziumsilikatplatten können die feuchte nicht regulieren und es funktioniert nur die Dampfdiffusion – feuchte Wände werden zwar optisch gut, aber die Feuchtigkeit dahinter steigt höher)

Den Vorsatzrahmen mit Dämmung würde ich schnellstens aus den Gedanken streichen, den hat noch keiner über lange zeit hinbekommen (meine Vermutung). Ihr müsstet das Ganze so dicht abkleben (was gar nicht geht) dass der Feuchtetransport komplett unterbunden wird, sonst kondensiert die an der Innenseite der kalten Ziegelwand das Wasser und läuft Ihnen in die Decke. Sie holen sich den Temperaturnullpunkt so weit nach innen. Das würde sich zwar wieder nach außen verschieben wenn die Stein- oder Mineralwolle feucht geworden ist. Und dies geht schnell.

ich hoffe nicht zu viel verunsichert zu haben
viele Grüße
Michael reisinger