Aussendämmung oder nicht....das ist hier die Frage

02.06.2019



Ich grübele nun schon seit Tagen über diesem Problem.
Bisher waren wir davon ausgegangen, dass die Giebelwand unseres Neu erworbenen Hauses 2 Vollziegel stark ist, bei Baujahr 1804 hätte ich mich da gemütlich zurückgelehnt und gesagt, reicht.
Nun stellt sich aber heraus, wir haben genau diese Wand nur ein Stein stark, Mischung aus Klosterformat und frühem Reichsformat...also 25 cm...Shit...Westseite
Also Dämmung erforderlich.
Außen...ja, würde das Baurecht hergeben, ist zwar grenzständig, aber in Brandenburg genehmigungsfrei und vom Nachbarn hinzunehmen.
Aaabeer...
Und jetzt kommt mein vielleicht nur Hirnproblem.
Der Giebel ist sehr schräg, die Dachpfannen entwässern nicht in die nächste Reihe, da der Wasserlauf durch die Schrägung an vielen Stellen nicht funktioniert.
UND
Das Denkmalamt verlangt Vermörtelung der Pfannen am Giebel...kein Blech.
Derzeit sind alle paar Ziegelreihen kleine Entwässerungsbleche eingezogen, der Giebel hat nur noch Putzreste...ich vermute mal, da ist so manchen Wasserladung gelandet, die am Blech vorbeilief.
Nun mein Problem
Dämme ich die Giebelwand außen , habe ich durch den blöden Ziegellauf eine Selbstbewässerungsanlage und über kurz oder lang eine abgesoffene Dämmung ?
Dämme ich nur innen, bekomme ich den Taupunkt in die Dämmlage...der Raum ist nur 250 breit, dafür 7,50 lang...ungern würde ich Vormauern .
Ich versuche nochmals mit dem Denkmalamt zu reden, wenn mir eine Zinkkante genehmigt würde, wäre mir wohler....es gibt durchaus Beispiele in der Stadt dafür, und wir haben kein Einzeldenkmal...
Oder sehe ich das irgendwie verkehrt ?
Denkfehler?
Alternativen ?
Danke und schönen Sonntag noch.
Bild vom Haus..Dach wird neu gedeckt, .Fenster kommen neu, Kreuzstock nach altem Foto...es kann nur besser werden ;)



Never touch a running system



Gut würde ich mir eine Dämmung überlegen. Warum wollen Sie ein System ändern, dass 200 Jahre funktionierte. 25cm sind doch gar nicht so schlecht. Ein fast zweihundert Jahre altes Haus kann nicht zum Energiesparhaus werden. Vor allem erzeugen Sie eine endlose Kettenreaktion, die massive Kosten erzeugen wird.

Ich würde Ihnen folgendes Vorschlagen: zu allererst alle Feuchtigkeitsquellen beseitigen. Das Mauerwerk im EG trocken legen. (Zumindest auf dem Foto sieht es so aus, als wäre die Wand bis zur Mitte der Fenster feucht.). Anschließend ein „vorsichtiges Sanierungskonzept mit Denkmalamt und Energieberater und ggf. Architekte erstellen. Und schlussendlich Schritt für Schritt sanieren.



Das Running system



Hatte 4 Kachelöfen, einen Efeubaum innen an der Giebelwand, einen zu Erde zerfallenen Fußboden , verschimmelte Innenwandverkleidungen und Durchblicke durchs Außenmauerwerk. Dazu ein Klo im Wohnzimmer, kein Bad....und wurde bis 1/2018 noch so bewohnt.
Etwas trockener und wärmer wäre schon nett. Ich will keinen Neubau daraus machen, und kann auch mit mehr Heizung leben, aber da die Wände jetzt eh alle neu verputzt werden müssen, ist eben die Frage, was macht man.
Die Kachelöfen sind Geschichte, da defekt, der Schornstein hat dem Schornsteinfeger ein NEIN entlockt...es wird also keine Ofenheizung mehr geben. ....
3 Meter Deckenhöhe wollen erwärmt werden..
Fußboden baue ich ja auch neu auf, da die alte Konstruktion aus Balken, Erdschütttung und Dielen eben nicht funktionierte ;)
Die Vorderwand ist inzwischen aufgesägt und abgedichtet..wir haben ein leichtes Problem mit einem zu hoch gepflasterten Gehweg und Überflutungsgefahr bei Starkregen, das wir nicht ändern können. Und innen war seit Entdeckung der Teerpappe versucht worden, jede Außenwand zum Raum hin abzudichten. Aufbau: Mauerwerk, Kalkputz, Tapete, Teertapete, Tapete, Lattung, Kunststoffpaneele.....gruselig. Nach Entfernung dieses Aufbaus im November 2018 ist das Mauerwerk inzwischen weitgehend abgetrocknet.
Die Innenwände und der Sandboden sind sonst furztrocken...da mache ich mir wenig Sorgen.
Ich mache auch gerne nur innen eine Holzdämmplatte, schön in Lehm eingelegt und verputze mit Lehm...aber da wirft mir der Uwert Rechner eben immer den Taupunkt in der Dämmung aus...
Es geht rein um eine leichte Verbesserung der Wand, keinen EnEv Neubauwert...
Um eine auch bei heutigen Nutzungswünschen fehlertolerante, pragmatische Lösung.



Dachüberstand



leider ist auf dem Foto das Giebeldetail nicht richtig zu sehen. Es scheint, als ob der vorhandene Dachüberstand eh keine Außendämmung hergibt. Heißt, " Der Giebel ist sehr schräg, die Dachpfannen entwässern nicht in die nächste Reihe, da der Wasserlauf durch die Schrägung an vielen Stellen nicht funktioniert", dass das Dach keilförmig ist ? Also am First schmaler als an der Traufe? Wenn es eh neu wird, sollte das mit dem Dachdecker besprochen werden. Und gegen eine Außendämmung hätte das DA nichts ?
Ach so, der U-wert-Rechner ist nicht für Innendämmungssimulationen gedacht, er berücksichtigt auch nicht die Kapillaraktivität der Wandmaterialien. Mir scheint, bei Dir sollte ein Gesamtkonzept erstellt werden, welche Heizung ist denn jetzt vorgesehen ?



Der Giebel ist tatsächlich sehr schräg



Und die Firstlinie ist schmaler als die Traufe..
Ja, es wird neu gedeckt, dabei könnte auch passend zu einer möglichen Dämmung die erste Ziegelreihe weiter vorgezogen werden. Derzeit gibt es, wie schon richtig erkannt, keinen Dachüberstand....und keinen Putz mehr...
Der komplette Dachstuhl ist leicht verdreht, aber bereits bauzeitlich...also 200 Jahre...gab wohl etwas zuviel gutes Bier auf der Baustelle....nee..ungeteilte Hoffläche in einer Altstadt, da hat man gebaut wo und wie Platz war.
Wenn man die Schräge beim Decken ausgeglichen bekäme, wäre natürlich super..auf der rechten Seite haben wir quasi das gegenläufige Bild. Unten schmaler als oben..Genehmigt ist kleinformatiger Doppelmuldenfalzziegel..
Bisher hat dieses Problem nur einer der Dachdecker überhaupt gesehen....die meisten kommen gar nicht erst für ein Angebot oder scheuen angesichts der schwierigen Baustellenlage ( keine Zufahrt, Straßensperrung erforderlich für große Anlieferungen) den Aufwand...Hier ist Handwerkermangel vom Feinsten..
Das Denkmalamt...stimmt, mein Antrag lautete bisher nur auf Sanierung Dach und Fassade und ist mit einigen Auflagen positiv beschieden worden. Wie gesagt ich bin nicht scharf auf eine Außendämmung.
Habe inzwischen auch schon mitbekommen, dass im U Wert Rechner die Innendämmung mit Lehm und Holzfaserplatte nicht gerechnet werden kann..60 mm sollten also gehen.
Heizung ist derzeit konventionell mit Konvektoren vorgesehen. Eine Wandheizung ist angesichts der sehr engen Räume und dadurch mangelnden Stellmöglichkeiten schwierig. Fußbodenheizung vertrage ich leider nicht. Gute Erfahrungen haben wir bei unserem alten Haus mit offen an der Wand geführten Heizrohren gemacht und würden dies hier auch wieder so installieren.
Gesamtkonzept...ja...eigentlich haben wir einen Bauing. Mit im Boot....ich warte seit Anfang März auf die Bestandspläne...
Plan ist für dieses Jahr, das Haus außen wieder fit zu bekommen. Neue Fenster, Neues Dach, Neuer Putz an Giebel und Vorderseite, statische Probleme abarbeiten und dann innen sehen, wie weit wir kommen.
Lehmputz mache ich halt ungern ab Ende Oktober...daher würde ich gerne einige Arbeiten innen über den Sommer schon vorziehen, solange wir außen noch auf die Handwerker warten .



Um Sicherheit zu bekommen....



...würde ich ihnen gern einen guten Fachmann zur Gesamtthematik in ihrer Region einmal empfehlen wollen, um nicht in ausufernde Lösungen zu driften.

Einfach kurz mal melden, die Entscheidungen treffen sie dann eh selbst.

FG Udo



Ich würde...



eine Innendämmung mit einer Wandheizung kombinieren. Als Nebeneffekt gibt es ein besonders gutes Raumklima. Und jedwede Taupunktrechnerei ist überflüssig.

Grüße

Thomas