Außendämmung oder Innendämmung mit Wandheizung

16.07.2017 Dirk Oderbruch



Hallo.

Da zwar im Allgemeinen gesagt wird, dass eine Außendämmung einer Innendämmung vorzuziehen ist, andererseits aber hier im Forum die leichte Innendämmung mit Holzfaser und Wandheizung sehr viele Befürworter hat, frage ich mich, ob für Fachwerkhäuser bauphysikalisch beides etwa gleichwertige Möglichkeiten sind. Oder ist doch grundsätzlich eins der Beiden vorzuziehen?
Obwohl es natürlich auf den Einzelfall ankommt, ist die Frage erstmal bewußt allgemein gehalten, da ich hierzu im Forum nichts finden konnte und mich über Meinungen darüber freuen würde.
In meinem persönlichen Fall gibt es erstmal andere Baustellen, aber irgendwann kommt das Thema Heizung/Dämmung dran und da möchte ich mich schon mal orientieren.
Das Haus hat größtenteils einen alten Zementputz von außen, der natürlich irgendwann runter muss, aber auch von innen wird wohl früher oder später alles erneuert werden. Da ist also alles offen. Wobei mir die Idee der Wandheizung schon ganz gut gefällt...



Fassadendämmung



Fragen Sie nicht das Forum sondern Ihr Haus.



Außen-oder Innendämmung



Die grundsätzliche Frage ist erst einmal baurechtlicher/gestalterischerNatur:

Soll/kann das Fachwerk bzw die Fassadenansicht komplett verschwinden und verändert werden?
Zumindest sollten dann Systeme verwendet werden, die komplett reversibel sind und keine Schäden am Bestand hinterlassen, zB Stegträger und Dämmung mit Zellulose oder Holzunterkonstruktion mit Dämmung aus flexiblen Holzfaserplatten.
Vorher den Bestand für die Nachwelt gut dokumentieren.

Bauphysikalisch und als Schutz des Fachwerks sind o.g.Dämmungen sicher am besten und effektivsten- jeder Dämmstandard ist machbar bis zu Passivhausanforderungen, sofern auch Dachüberstand, Balkone, Nachbarbebauung etc dem nicht entgegen stehen.

Wandheizung ist sowohl bei Außen- wie auch Innendämmung fast immer möglich.

Wenn eine Veränderung der Fassade nicht möglich ist bleibt ohnehin nur Innendämmung, die nach und nach durchgeführt werden kann und dadurch Kosten geringer sind bzw aufgeteilt werden können.
Unter der Suchfunktion finden sich viele Beiträge zum Thema

Andreas Teich



Innendämmung Diskussion



Ich habe mir als Laie die verschiedenen Studien von der FH-Rosenheim u.a. mal durchgelesen. Mit den richtigen Rahmenbedingungen funktionieren fast alle Aufbauten, auch die mit Dampfbremse und nicht kapillaraktiven Dämmstoffen. Ich folge hier seit ein paar Jahren der Diskussion. Es werden die absonderlichsten alten Isolierungen beschrieben die funktioniert haben.

Beim Fachwerk hängt vieles, von der Feuchtigkeit von außen ab. Die ganzen Berechnungen gehen aber immer davon aus, dass das Fachwerk regengeschützt ist. Für mich stellt sich die Frage der Außendämmung gar nicht, da bei Sichtfachwerk der Denkmalschutz schon dagegen spricht. Deshalb habe ich mich auch für die Lehm-Holzweichfaser von innen Variante entschieden. Wenn sie das ganze nach dem Glaserverfahren durchrechnen (u-wert.net) gibt es unzulässig Feuchtigkeit. Die ganze Rechnung stimmt aber nicht, da die Feuchtigkeit sich in der gesamten Isolations- und Lehmschicht verteilt und somit in der Praxis vernachlässigbar geringe Mengen am Fachwerk verbleiben.

Mein Energieberater hat mich jedoch darauf hingewiesen, dass jede Durchdringung ein Problem ist. Das bedeutet vor allem, dass bei Innendämmung auch die Böden/Decken geöffnet werden müssen um sicher zu sein, dass dort keine Kältebrücke oder Undichtigkeit vorhanden ist. Ein extrem großes Problem bei der Innendämmung, da in vielen Fällen dies wegen Denkmalschutz nur sehr schwer zu realisieren ist. Ebenso die Durchdringung der Balken nach Außen. Das auskragende in meinem Fachwerk liegt auf den Bodenbalken auf und diese wirken als Kältebrücke und entlang diese Balken kann nie hundertprozentig abgedichtet werden. Ich hoffe die Aussagen sind richtig, dass die in jedem Fall entstehende Feuchtigkeit effektiv durch den Lehm abtransportiert wird. Je dicker die Isolationsschicht desto größer der Temperaturunterschied am Balken, desto größer das Problem. Sogar die KFW erlaubt in ihren Vorgaben aus diesem Grund einen Wärmedurchgang von < 0,8 W/m2K. Bei dieser Vorgabe scheint dieses System zu funktionieren. EneV verlangt aber ohne Denkmalschutz 0,24 W/m2K. Also dürfte diese moderate Innendämmung in den meisten Fällen gar nicht möglich sein. Als bauphysikalisch problematisch wird sie in jedem Fall angesehen. Im Zusammenhang mit Wandheizung kann die Dämmschicht etwas stärker gewählt werden, aber immer nur in Maßen.

Aber ansonsten ist das System fehlertolerant und auch für Selbstbauer sehr leicht zu realisieren. Ich denke das macht diese Art der Dämmung hier populär. Für mich zählt auch Nachhaltigkeit der Stoffe Lehm und Holz. Es macht ein gutes Gefühl, auch wenn inzwischen der Lehm hunderte von Kilometern durch Deutschland hin und her transportiert wird. Und die Systembestandteile haben sich im Fachwerk über Jahrhunderte bewährt.

Gruß
Herbert



Vielen Dank für die Antworten



Denkmalschutz gibt es nicht und baurechtliche Probleme eher auch nicht. Da das Haus, wie schon gesagt, außen einen Zementputz hat, ist auch kein Bauantrag nötig, solange wieder Putz drauf kommt. Und ohne Antrag wird wohl auch kein Hahn krähen. Gestalterisch ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und ich versuche noch so gut es geht was zu retten.
Außen der Zementputz und innen Rigips, Bauschaum & Konsorten.
Ich bin gerade dabei soweit möglich die historische Substanz freizulegen. Obwohl ich vermute, dass das Haus nie ein Sichtfachwerk gewesen ist, würde ich schon gern entweder innen oder außen Sichtfachwerk herstellen. Das muss aber nicht sein und wenn nur ein paar Innenwände Sichtfachwerk werden, ist das auch gut. Es ist also wirklich alles möglich und nachdem ich die Suchfunktion hier schon ausgiebig genutzt und auch ein paar Fachbücher gelesen habe, blieb doch die Frage unbeantwortet, ob durch eine Wandheizung die Nachteile einer Innendämmung größtenteils aufgehoben werden oder ob trotzdem grundsätzlich eine Außendämmung besser ist?
Außendämmung mit Wandheizung hatte ich noch nicht wirklich in Betracht gezogen. Das wird natürlich sehr träge, aber auch denkbar.
Die vielen Vorteile der Wandheizung auf leichter Holzfaserdämmung sind schon sehr attraktiv, aber der Zweifel bleibt, ob es auch besser als eine wie von Herrn Teich beschriebene Außendämmung ist, wenn die Außenwände sowieso alle irgendwann (von innen und außen) saniert werden müssen?

Herr Böttcher: Tatsächlich sitze ich manchmal da im Haus und lausche, ob es mir etwas sagen will...

Gruß
Dirk



In ihrem Fall...



...würde ich die Außendämmung favorisieren.
Und dabei gibt es auch wieder viele Varianten und Möglichkeiten.
Da sollten sie dann entsprechend wählen.

Kann ihnen aus der handwerklichen Sicht dabei mit behilflich sein.
Detailanschlüsse und der gleichen mehr, sind da besonders die Auswahlkriterien.



Danke für die konkrete Empfehlung



Auf das Angebot werde ich dann vermutlich zurückkommen.
Wird aber noch dauern.