Außendämmung

28.04.2013 Fachwerk



Hallo an alle im Forum,
ich möchte ein Fachwerkhaus mit einer Außendämmung versehen.
Das Fachwerk ist ausgemauert mit Backsteinen und innen seit neuestem mit Lehm verputzt. Die Denkmalpflege hat Außendämmung genehmigt und empfiehlt als Außendämmung eine maximal 8 cm dicke Holzfaserplatte, die anschl. verputzt werden kann. Der Praktiker (ausführender Betrieb) setzt eher auf eine 8 cm starke Steinwolleplatte mit anschl.Verputz, da alle Werte (Diffusionsfähigkeit, Wärmeleitzahl, Brandschutzdaten) besser seien als bei Holzfaserplatten u. langjährige Erfahrungen bestehen, während Holzfaserplatten noch relativ neu seien.
Gibt es im Forum andere Meinungen oder evtl. Erfahrung mit verputzten Steinwollplatten auch in Bezug auf Haltbarkeit, Stoßfestigkeit oder auch Algenbildung auf der Fassade ???
Für fachmännischen Rat bin ich sehr dankbar.



Außendämmung



Wenn Sie ein Gebäude geringer Höhe (OKFF oberste Geschossdecke < 7,00m über GOK) mit einer Außendämmung versehen wollen, kann der Dämmstoff der Brandschutzklasse B2 (normalentflammbar) angehören, also z.B. eine Holzfaserdämmplatte sein. Bei Gebäudeabschlusswänden (Grenzbebauung) sieht´s natürlich anders aus, da gilt F90.

Gegen die Min.Wolle spricht, das sie zwar diffusionsoffen ist, aber nicht kapillaraktiv. Feuchtigkeit, die sich ansammelt durch eingedrungenes Regenwasser (Putzrisse) oder Kondensat auf der Innenseite der Putzfläche, im Übergang zwischen Dämmstoff und Putz, wird sich dort ggf. ansammeln und zu einem längeren Feuchtestau führen, der Vermorschung an der Fachwerksubstanz begünstigen kann.

Gegen die Min. Woille spricht weiterhin -bezogen auf das Problem Algenbildung- das Holzfaserdämmplatten eine 2-3 mal höhere Wärmespeicherkapazität haben, nicht so schnell auskühlen und damit dem Algenbesatz eine weniger geeignete Grundlage bieten.

Verputzte WDVS werden darüber hinaus gerne von Spechten gehackt. Eine Aussendämmung muss auch nicht auf 8cm beschränkt sein, das macht wenig Sinn, da werden 14-16 cm -rein vom U-Wert der Konstruktion- angemessener sein - es sei denn, konstruktive oder baurechtliche Gründe sprechen dagegen. Die 8 cm beziehen sich eher auf die max. Dämmstärke bei Innendämmungen.

Grundsätzlich halte ich verputzte WDVS auf Fachwerk für ungeeignet und potentiell schadensträchtig. Eine Aussendämmung mit hinterlüfteter Fassade wäre passender. Wenn Sie die Aussendämmung trotzdem als WDVS ausführen lassen wollen, muss das System inkl. Kleber und Putz ausdrücklich für Fachwerk zugelassen sein.





Hallo,

ich habe einmal auf ein Nebengebäude aus "neuem" Fachwerk Holzweichfaserplatten als WDVS aufbringen lassen und bin mit dem Ergebnis auch nach 6 Jahren noch zufrieden. Es ist allerdings südexponiert und von daher spielt Algenbildung nicht die Rolle. Bei größeren Flächen hätte ich da schon eher Bedenken wegen der unvermeidlichen Bewegungen, die Fachwerk nun einmal macht. Aber, wie der Kollege Prickartz schon sagt, eine Vorhangfassade wäre erste Wahl .

Grüße



Sommer



Hallo ,

Wie schon beschrieben ,ist der GROSSE Unterschied zwischen der Steinwolle und der Weichfaserplatte die Kapillaraktivität der Weichfaserplatte.
Suchen sie sich jemanden, der nach einem Simulationsverfahren den Aufbau berechnen kann.

Beispiel: Sommer , Sonne ,30 grad , hohe Luftfeuchtigkeit:
Aus der Sicht der Sonne wird Ihre Aussendämmung zur Innendämmung.
Es ensteht Kondensat an der Aussenseite der Fachwerkwand.
Bei kapillaraktiven Baustoffen wird die Feuchtigkeit auf die trockene Seite "gelockt".
Steinwolle ist nicht ausreichend kapillaraktiv.
Beispiel: Zuckerstein berührt Kaffee ;-)

viele Grüße



Der Praktiker



kennt das Produkt Weichholzfaserplatte nicht! Schade ist es wenn man dann diesem Produkt in allen Bereichen schlechtere Werte unterstellt.

Wie schon erwähnt hat Weichholzfaser gerade im Bereich Kapillarität(Wassertransport) und im sommerlichen Wärmeschutz wichtige Vorteile.

Grüße





Hallo,

Kondensat entsteht bei Unterschreitung des Taupunktes.
Einen Taupunkt über 30 Grad werden Sie bei uns nicht finden >
kein Kondensat auf der Außenwand unter dieser Bedingung.

Anderer Fall: Gebäudeaußenhaut hat 10 Grad, Warmfront naht im Frühjahr, Taupunkt 18 Grad > Kondensat auf der Außenhaut.
Ähnliche Verhältnisse sind im Tag-Nachtwechsel üblich, zumeist Frühjahr oder Herbst. Im Garten macht sich das am Mehltau auf den Rosenblättern bemerkbar.

Grüße



Kondensat



@Dietmar Beckmann

Gemeint war: der Taupunkt ist dann auf der kälteren Fachwerkwand -- nach dem Dämmpaket -- also etwa mittig.

Im Sommer ist es ja manchmal umgekehrt.

viele Grüße