Außendämmung...soll ich, oder nicht?

15.04.2008



Hallo zusammen,

das Thema ist nicht neu, auch ich habe mich durch die früheren Anfragen geklickt. Trotzdem erhoffe ich mir zahlreiche Rückmeldungen, die mir bei der Entscheidung helfen: Wir wohnen in einem Haus aus den 30ern, entsprechend sind die Wärmeverluste an den Außenwänden. Wenn ich die mir vorliegenden Pläne richtig interpretiere, ist Fachwerk unter dem Putz. Das Material zwischen den Balken ist das übliche bröselige Zeug aus der damaligen Zeit.

Ein Umweltberater hat vor ca. 2 Jahren einen "EnergieSparCheck" gemacht, Fazit: mit einer Außendämmung (WDVS 12 cm EPS 035) seien 25%-40% Heizwärmeverluste einzusparen (von der CO2-Reduktion mal ganz abgesehen). Die Montagefenster aus den 80ern sind ein weiterer Punkt (die ich in der Planung mit berücksichtige, um die es hier aber nicht gehen soll).

Da die Außenfassade ohnehin neu gestrichen werden muss, und dazu eine Eingerüstung unumgänglich ist, haben wir ein Angebot eines Handwerkbetriebs eingeholt und dabei eine entsprechende Wärmedämmung mit einberechnen lassen.
Der Mitarbeiter, der das Angebot erstellt hat, meinte, eine 12cm-Dämmung gebe es so nicht und hat im Angebot einen "Vollwärmeschutz in 14 cm Stärke, WLG 0,35" ausgewiesen. Mit Armierung und Oberputz bei ca. 330 qm Gebäudefläche kostet mich die Fassadensanierung alleine ca. 5.000 €, mit dem Vollwärmeschutz 26.000 €.

Da hats den Schwaben in mir doch nachdenklich gemacht. Wir heizen mit Holzpellets, also nicht wirklich unökologisch. Selbst wenn der Pelletspreis explodiert - rechnet sich das wirklich? Was meint Ihr, Communityfreunde?

Die andere, aber nicht weniger wichtige Frage: Wir haben immer wieder davon gehört, dass die Aussendämmung auch negative Folgen haben kann ("Gebäude kann nicht mehr atmen", "Feuchtigkeit und Schimmelbildung"). Was denkt Ihr dazu? Gibt mir irgend jemand eine Sicherheit, dass diese Schäden nicht doch irgendwann auftreten können?



Amortisierung



Hallo Olly,

da gibt es drei Aspekte:
1) Rechtlich:
Wie Dir frueher oder spaeter jemand vorhalten wird - deswegen schreibe ich's schon mal -, muss laut EnEv bei jeder Fassadensanierung, die mehr als, ich glaube, 20% der Fassade betrifft, eine Waermedaemmung vorgenommen werden. Eigentlich. Uneigentlich habe ich den Eindruck, dass das niemand kontrolliet.
2) Finanziell:
Du weisst, welche jaehrlichen Heizkosten Du hast. Nimm davon 32,5% (den Mittelwert der angeblich moeglichen Einsparung) und das mal 10 (denn nach zehn Jahren sollte sich eine Investition amortisiert haben), dann weisst Du, was die Daemmung kosten darf. (Genau genommen muesstest Du noch zehn Jahre 5% Verzinsung auf die Investition rechnen.)
26000 Taler duerften auf jeden Fall viel zu viel sein. Sind sie allerdings sowieso. Hol Dir Vergleichsangebote; m.E. muesste die Daemmung auch fuer wenig mehr als die Haelfte zu kriegen sein.
c) Baubiologisch:
Manches, was ueber "atmende" Waende geredet wird, mag Unfug sein. Ziemlich sicher ist hingegen, dass auf eine Fachwerkwand keine WVS aus Styropor oder MiWo gehoert, weil sich dann zwischen Wand und Daemmung Feuchtigkeit sammelt, die ueber kurz oder lang das Holz zerstoert. Vielleicht suchst Du mal ein, zwei Anbieter hier aus der Community; da hast Du wenigstens Sachkunde.

Beste Gruesse,
Konrad



40% ?



Hallo

Also, wie geht die Energie aus dem Haus verloren?

1) Lüftung
2) Fenster und Türen
3) Decke / Dach
4) Fussboden
5) Schornstein / Heizung
6) Wände
7) anderes

In einem bislang unsanierten Haus schätze ich das mal vorsichtig auf folgende Prozentzahlen

1) 25%
2) 10%
3) 20%
4) 10%
5) 10%
6) 25%
7) 0% oder mehr

Hm, ja, genau, hängt vom Nutzer, vom Zustand und von 1000 Dingen ab.

Dämmt man jetzt seine Wände, sinkt der Energieverlust.

Wenn er bei obigen Zahlen 100% sinkt (will heissen: auf null = 0), dann hat man 25% eingespart. Aber 40% ? Kann ja eigentlich gar nicht sein.

ES SEI DENN man hat bereits die oberste Geschossdecke gedämmt; und die Kellerdecke; hat alle Spalten und Ritzen luftdicht; hat sehr gute Fenster und Aussentüren; hat eine optimale Heizung ... alles Massnahmen, die billiger und effizienter sind als die Fassadendämmung, übrigens. Dann, ja dann lässt sich mit der teuren Fassadendämmung tatsächlich viel vom Restenergieverbrauch einsparen.

Wie hat denn ihr Energieberater die obigen 7 Verluste gewichtet?

Grüsse
Stt



Dies hat mich zu einer Rechnung bewegt.



Ich hatte mir gedacht, wie sieht es eigentlich nach 20 Jahren aus, wenn die Heizkosten jährlich um 10% steigen?
Dabei kam drauf, dass man für jedem gesparten Euro im 1. Jahr nach 20 Jahren zusammen 57,28 Euro gespart hätte(ich hoffe dass es stimmt).
Wenn du also z.B. 300 Euro sparen könntest, wären dies dann aber erst 17184 Euro minus Zinskosten. Bei 400 Euro schon 22912 Euro minus Zinskosten. Dumm nur, dass keiner weiß ob die 10% zu viel oder zu wenig sind? Es könnte sich also rechnen, muss aber nicht! Bringt dich auch nicht weiter. Es kann dir aber zeigen, dass da pauschale Aussagen nicht möglich sind.
Zum Thema EPS hat Herr Lehmann ja schon was gesagt.

Gruß Marko



Hm...



@Konrad: Vielen Dank für Deine Meinung. Das rechtliche sehe ich hier auch eher gelassen. Ob dann der Schultes mit einer Weidenrute ankommt oder nicht, ich werds überleben.

Die Bemerkung zum Preis bestätigt meine Befürchtung.

Ich schaue am Wochenende mal in der Community nach Baubiologieexperten rum. Wer sich berufen fühlt, darf mir gerne schreiben ...

@Stt: Der Energieberater hat im IST-Zustand die Verluste so prozentuiert:
1) Lüftung (nicht berücksichtigt)
2) Fenster und Türen 11,7%
3) Decke / Dach - Kellerdecke 12,94% und Speicherdecke 13,98%
4) Fussboden 0%
5) Schornstein / Heizung 0%
6) Wände an Außenluft 61,37%
7) anderes 0%

Dazu ist noch zu sagen: Kellerdecke haben wir bereits isoliert. Speicherdecke ist grade in Arbeit *schwitz*
Die Fenster sollen im Zuge der Fassadenarbeiten mit erneuert werden.



Rechnen..



...war @Marko in der Schule meine schlechteste Seite. Deine Rechnung ist interessant. Nun müsstest Du z.B. noch berücksichtigen, dass ich in einer Pellets-Einkaufsgemeinschaft bin, und wir auf 5 Jahre eine Preisgarantie haben. Dann rückt der "es lohnt sich-Faktor" doch noch weiter in die Ferne... es ist also wohl eher eine umweltethische Frage...?



Wenn die Heizkosten jährlich um 10% steigen



dann wären wir in 20 Jahren bei 5 € je L Öl, in 50 Jahren bei 94 € je L Öl und in 100 Jahren bei 11000 € je L.

Selbst wenn das dann die wirklichen Preise für Öl sind - glaub ich kaum, dass damit jemand heizen wird.

Da gibt's deutlich billigere Alternativen, von Holz über Kohle bis hin zu Windenergie usw. Sogar Solar ist dagegen unschlagbar billig, gell?

stt



Zu den Prozenten des Energieberaters



Danke für die Antwort, Herr Olly.

Dann wissen Sie jetzt ja auch etwa, was Sie von den Prozentwerten des Beraters zu halten haben: Sie können 25 bis 40% von ... etwa .. 70% ihrer Energieverluste einsparen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich bin absolut nicht gegen Energiesparmassnahmen, im Gegenteil, Sie sind der beste Weg zur Senkung der Energiekosten. Aber die Fassadendämmung, zumindest für den Ihnen angebotenen Preis, ist die teuerste aller Massnahmen.

Wie ich aus Ihrer Antwort entnehme, sind Sie aber auf dem richtigen Weg.

Hilfreich sind auch noch

- kleine Messgeräte von Konrad (Hygrometer, Infrarotthermometer; um Wärmebrücken zu finden; um richtig zu Lüften)

- kleine Stoffstreifen (unten an den Türen; um Zugluft zu vermeiden)

- gute Fensterscheiben (ich hab an nicht benötigten Fenstern in Abstellräumen und im Keller aussen sogar Styropor draufgepappt - super! und sehr billig)

- optimierte Heizungsregelung (spart bis zu 30%)

- Fenster nie auf kipp

- nicht in der Tür quatschen

- die klassische Wolldecke (als Einzelkörperisolierungsmassnahme)

- Die Abseiten dämmen nicht vergessen (bei Walmdächern)

- nicht benötigte Kamine runtermauern

Kostet alles nen Fünfer und bringt zusammen mehr als die Fassadendämmung, soweit ich das beurteilen kann.

Viel Erfolg und schön warm wünscht
Stefan



Rechnet sich die Fassadendämmung???



zuerst zu Konrad, 330 qm und 26 kiloEuronen entspricht ca. 80 €/qm und das ist für den süddeutschen Raum kein so schlechter Preis (WDVS mit PS). Du darfst nicht von Jenaern Preisen ausgehen.
Ob Olly es deshalb machen soll, lassen wir mal dahingestellt. Für die Differenz zwischen Fassade und Fassade plus Dämmung (Gerüstkosten nicht vergessen, beides mal fällig, weiter entfallen zuweilen Vorarbeiten bei Dämmung, die nur für Putz fällig wären) von hier 20 k€ kann man schon eine Weile Pellets kaufen, zumal der derzeitige Preis unter der Hälfte vom Häuslesdiesel liegt.
Ich kann dir leider keine Einsparung nennen, ich kenne den Verbrauch vorher nicht bei meiner Hütte.
Das ganze ist auch ein bißchen Grundeinstellungssache, vom verwendeten Material rede ich ja schon garnicht. Wirklich rechnen läßt es sich glaube ich nicht, dazu gibt es zu viele Einflußfaktoren. Unser STT hat ja eine paar aufgezählt.
Ich selbst habe mir die Frage nie gestellt, sondern habe es gemacht, genauso wie ich in einem Jahr eine Pelletsheizung eingebaut habe, in dem der Pelletspreis nahezu gleichauf mit dem Häuslesdiesel war. Ich wollte es halt. Ich wollte eine gedämmte Bude mit Pelletsheizung plus Kaminofen, Amortisation hin oder her.

Gruß Patrick.



Glückwunsch zu den 5 Jahren Preisbindung.



Ich habe gerade mal die Preisentwicklung für Heizöl in den letzten Jahren gegooglet. In den letzten 5 Jahren ca. verdoppelt. Macht im Jahr ca.15%. Bei den Pellets ist bis auf ein Zwischenhoch 2006 nicht viel passiert. Scheint wohl die richtige Entscheidung gewesen zu sein.



Wille



Guten Morgen,Olly,

"Die andere, aber nicht weniger wichtige Frage: Wir haben immer wieder davon gehört, dass die Aussendämmung auch negative Folgen haben kann ("Gebäude kann nicht mehr atmen", "Feuchtigkeit und Schimmelbildung"). Was denkt Ihr dazu? Gibt mir irgend jemand eine Sicherheit, dass diese Schäden nicht doch irgendwann auftreten können?"

Diese Sicherheit gibt Ihnen kein Mensch!!!

Genauso, wie Herr Neika "eine gedämmte Bude mit Pelletsheizung plus Kaminofen, Amortisation hin oder her" WOLLTE, würde ich niemals verarbeitetes Erdöl (Styropor o.ä.) an die Außenwände gepappt kriegen WOLLEN. Scheint wirklich Grundeinstellungssache zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Martin



Jo Marko...



...habe mich vor drei Wochen auch gefreut wie ein kleines Kind. Der Spaß, die Feuchtigkeit von 500 Säcken Putz über den Winter aus der Bude rauszuheizen hat mich 4 Tonnen Pellets zu um die 650 Euronen gekostet. Zum Zeitpunkt des Einblasens hätte mich die selbe Energiemenge an Häuslesdiesel ca. 1500 Euronen gekostet.
@Martin: Das ist wohl war, die Sicherheit gibt einem kein Mensch. Für Bauschäden gibt es dafür auch zu viele Einflußfaktoren. Das fängt beim Heiz-/Lüftverhalten an und hört bei eventuellen Fehlern beim Eigenleistungsanteil auf.
Dafür gibt es auch schöne Verkettungen. Ich kenne jemand, der hat sein 30er Jahrehäuschen schön hergerichtet. Aus meiner Sicht leider hat er dabei auf eine Außendämmung verzichtet. Zunächst mal nicht so schlimm, muß er halt mehr heizen. Erschwerend kam halt hinzu, daß die Zentralheizung vom Installateur selber ausgelegt wurde und nicht von einem Fachmann. So landete im Bad nur ein Handtuchheizkörper. Der hat jetzt halt aufgrund der schlechten Wärmedämmung ganz schön was zu kauen und bei unter null Grad muß mit einem Heizlüfter zugeheizt werden. Das nun mit Müh und Not aufgewärmte Bad wird nun nennen wir es etwas ungern konsequent gelüftet. Das Ende vom Lied ist jetzt in der einen oder anderen Ecke Schimmel hinter Schränkchen, weil die Außenwände etwas unkuschelig sind und Wasser kondensiert.
Man kann viel falsch machen...

Gruß Patrick.