Giebelwand dämmen oder nicht ?

25.01.2012



Hallo,

ich hoffe, dass ich hier richtig bin, wenn es um's Dämmen einer Außenwand geht, auch wenn es sich nicht um ein Fachwerkhaus handelt.
Wir haben vor einem Jahr eine Doppelhaus-Hälfte aus den 50er Jahren gekauft. Die Bausubstanz des Hauses, das einem Hang liegt und damals für die englischen Offiziere gebaut wurde, ist recht solide.
Bislang gibt es nirgendwo Schimmel oder Feuchtigkeit. Auch der Keller ist trocken. Vor dem Kauf wurde uns ein Energieausweis ausgehändigt, der die Dämmung der Geschossdecke, der Kellerdecke, der Fassade und den Austausch der Thermopen-Fenster empfiehlt.

Da die Zinssätze der KfW zurzeit niedrig sind, überlegen wir, im Rahmen des Programms 152 (Einzelmaßnahmen) mit einem Darlehen in Wärmedämm-Maßnahmen zu investieren. Die Geschoss-Decke und die Kellerdecke sind – ob mit oder ohne KfW - bereits fest eingeplant. Umfangreich ausgebessert werden müsste auch die Giebelwand, da der Schlagregen, grob/unfachmännisch ausgeführte Ausbesserungen von (Setz-?) Rissen, fehlende Farbe am Putz und ein nicht vorhandener Dachüberstand haben dieser West-Wand ziemlich zugesetzt haben. An dieser Wand befindet sich auch ein Kellerabgang und eine große Buche.

Die Frage ist jetzt, was sinnvollerweise genau gemacht werden soll/kann: einerseits soll sich das Ganze rechnen, andererseits schreiben die Energiesparverordnung und insbesondere die KfW die Einhaltung bestimmter U-Werte vor. Eine komplette Fassadendämmung und Austausch der Fenster kommen aus finanziellen Gründen nicht infrage. Die Fassadendämmung ist nach meinem Eindruck vielleicht auch nicht unbedingt ein Muss: Nord und Südseite bestehen aus im Vergleich zur Giebelwand West verhältnismäßig wenig Mauerwerk, aber viel Fensterfläche.
Auf der Südseite befinden sich auf halber Länge ein in das Haus integrierter/eingezoger Balkon bzw. Hauseingangsbereich. Nord- und Südseite sind im ersten Geschoss mit Lerchenholz verkleidet. Die Giebelwand hat eine Länge von 9,35m, die Nord. bzw. Südwand 8,68m davon knapp 3m Eingangsbereich. Das verputzte Mauerwerk der Giebelwand besteht aus 2 Lagen Hohllochziegel mit einer schmalen Luftschicht (1,5 – 2cm). Im Sockel-/Kelleraußenabgangsbereich wurde auch Kalksandstein verbaut. Der Boden ist wegen geringer Stehhöhe nicht ausgebaut.

Für den Fall einer Wärmedämmung mit KfW (U-Wert:0,20) für die Giebelwand muss schon einiges aufgeboten werden, um diesen Wert zu erreichen. Hatte zunächst eine Außendämmung mit Multipor (16cm) und einen mineralischen Wärmedämmputz (3cm) ins Auge gefasst. Mal davon abgesehen, dass das eine ziemlich teure Lösung zu werden scheint, weiß ich nicht, ob das aus fachmännischer Sicht Sinn macht. Lese immer wieder, dass Multipor wegen seines Nässeverhaltens eher im Innenbereich eingesetzt wird und dass dicke Dämmputze Probleme mit der Anpassung an größere Temperaturschwankungen haben können und dann Risse bilden. Da Styropor und Co oder Mineralfaserplatten wegen ihrer geringen Wärmespeicherkapazität, Durchfeuchtungsgefahr, Brennbarkeit, Haltbarkeit und (zu)hohen Anforderungen an die Verarbeitung wg. Dichtigkeit nicht infrage kommen, Vorhang-/Verblendfassaden optisch unpassend sind und mir zu viel Platz vom Kellerabgang nehmen würden, bleiben - soweit ich das überschaue und wenn wir Exoten (Schilf, Hanf, Wolle etc.) mal außen vorlassen - nur eine Dämmung der Wand mit Holzfaserdämmplatten als WDVS (den Preis habe ich dabei nicht berücksichtigt), ein Wärmedämmputz oder ein normaler Kalk-(zementputz). Bei letzteren erreiche ich allerdings die Grenzwerte der EnEv nicht und erst recht nicht die KfW-Vorgaben. Der Kalk-(zement)putz wäre wegen der EnEV überdies nicht zulässig.

Bin mit meinem Latein am Ende. Würde mich daher freuen, wenn jemand Rat weiß und sagen könnte, was in diesem Fall am ehesten Sinn macht. Freue mich auch über mitgeteilte Erfahrungen mit Holzfaserdämmplatten insbesondere zum Thema Haltbarkeit, Feuchteverhalten, Kosten.



Das eine ist das, das andere istt das andere.



Sie schreiben schon den wirklich Ausschlag gebenden Satz selbst in Ihren Post:

… einerseits soll sich das Ganze rechnen …

Es wird sich m.E. nicht rechnen.

Vor allem auch dann, wenn man die gesamten Risiken und die Lebenszeit mit einbezieht!

FK



Dämmen am Teutoburger Wald :



Konstruktionsholz an Mauerwerk ,Zwischenräume Hanf oder Zellulosedämmung , Weichfaserplatte , Lattung , Lärcheschale.
Beachten : Dachüberstand ausreichend ?
Wichtig : Nicht entmutigen lassen !
Gruß aus Minden
Jürgen Kube
Ps. Sollte der Teuto nicht gleich komplett überdacht werden ?
8:))



Keine Dämmung nur Putz ?



Danke für die schnelle Antwort.

Ich verstehe Sie so, dass lediglich ein Ausbessern der Wand Sinn macht. Wenn das so richtig ist, bleibt nur die Frage nach dem Putz und nach einem großen Fenster(126x186cm)für den dahinterliegenden Flur-/Treppenaufgangsbereich. Ich gehe davon aus, dass Kalkzementputz zumindest für die v.a. im Giebelbereich vorgenommenen "Reparaturarbeiten" verwendet wurde. Sollte man dabei bleiben oder ist ein reiner Kalkputz empfehlenswerter ?
Das Flurfenster (15-20 Jahre alt) soll wegen von innen beschlagener Thermopenscheibengegen gegen ein modernes Fenster mit Wärmeschutzverglasung ausgetauscht werden. Könnte es damit Probleme mit Schimmel geben ?

Danke für Feedback
Gruß aus Minden



Dämmenm am Teuto



Hallo Herr Kube,

das ist ja fast um die Ecke ! Danke für die Ermutigung ! Sie haben völlig Recht: Dachüberstand ist nicht ausreichend: Es gibt keinen ! Das ist hier bei vielen Häusern das Problem.
Zu dem Rest werde ich Sie direkt befragen, wenn das ok ist.

Gruß
Pierre aus dem überdachten Teutoburger Wald



Direkt befragen ...



..ist sehr ok , kontakt siehe unser Profil
Gruß Jürgen Kube
Ps. Hier anmelden ! Kost nüt !
Ppps. Pierre ? Jean ? Wer schreibt denn da . Na, werd ich erfahren ,hm ?



Wenn die Giebelwand ...



... ein zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht, kommt nur eine Innendämmung in Frage. Eine Aussendämmung hat wegen der Luftschicht keine Wirkung.

Eine Innendämmung kann positiv zur Erhöhung der Oberflächentemperatur beitragen: vermindertes Risiko für Tauwasserausfall an kalten Stellen, verminderte Schimmelgefahr und eine Minimierung von Wärmebrücken.

Allerdings müssen einbindende Bauteile (Decken / Deckenbalken / Wände) auch teilweise mitgedämmt werden.

Das ganze Konzept muss großräumiger geplant werden. Einzelmaßnahmen dürfen nicht isoliert betrachtet werden, da sich die Gefahrenpunkte sonst nur verschieben.

Die Innendämmmaßnahmen dienen eher der Erhöhung des Wohnkomforts und ggf. des Schutzes der Bausubstanz. Rechnen im Sinne einer Heizkostenersparnis tun sie sich in den wenigsten Fällen.

Die Dämmung einer bisher nicht gedämmt obersten Geschossdecke oder eines Daches ist da wesentlich wirkungsvoller.

Neue Fenster nur in Zusammenhang mit der Fassadendämmung einplanen. Neue Fenster in ungedämmter Fassade führen zu erhöhter Feuchteproblematik in den Wänden.

Also: erst einmal das gesamte Haus betrachten und ein gesamtes Sanierungskonzept erstellen lassen, auch wenn es nicht in einem Zuge ausgeführt werden sollte.



Innendämmung ?



Hallo Herr Pickartz,

vielen Dank für die ausführliche Antwort, die mich wegen Ihres Vorschlages, statt der Außendämmung eine Innendämmung vorzunehmen, überrascht.
Habe bisher gedacht, eine Innendämmung käme nur dann infrage, wenn z.B. eine Außendämmung wegen erhaltenswerten Fachwerks nicht infrage kommt. Andererseits schreiben Sie, dass Fenster nur in Verbindung mit einer Fassadendämmung erneuert werden sollten.
Ist das auch der Fall, wenn eine Innendämmung vorgenommen wird ? Stelle ich mir ziemlich aufwendig vor:
An dieser besagten Giebelwand liegen innen der Treppenaufgang (größter Wandabschnitt), ein Gäste-WC und eine Wand der Küche im EG, sowie ein Schlaufraum und das Bad im OG.
Der Energieausweis, den wir im Zuge des Hauskaufes im letzten Jahr erhalten haben, weist im Vergleich zu Heizung, Dämmung Geschoss-/Kellerdecke, Fenster mit 29% die größte Energieeinsparung auf, wenn mit WLZ 040 in 10cm Stärke gedämmt wird.
Bei diesen Daten werde ich skeptisch, wenn Sie schreiben, dass wegen der Luftschicht die Außendämmung nichts bringt.

Zur Ergänzung noch ein Wort zur Luftschicht: Habe versucht, diese im Giebelbereich und im Keller zu ermitteln, weil hier wg. neuer Rohre die Wand aufgestemmt wurde.So weit ich das erkennen kann, ist die Luftschicht im Bereich oberhalb des Kellers zwar vorhanden, aber es gibt zahlreiche Mörtelreste, also "Verbindungen" zwischen beiden Wänden.

Im Kellerbereich ist die eine Mauerschale direkt vor die andere gemauert. Luft also nur vorhanden, weil die Fuge nicht abgedichtet wurde.

Ändert dies etwas an Ihrer Einschätzung ?
Vielen Dank für Ihre Mühe

@Jürgen Kube: Ja, da ist mir mit den Namen etwas durcheinander geraten. Habe sie gewählt, weil "Heinrich" häufig in Foren schon vergeben ist. Habe erst zu spät geblickt, dass das hier keine Rolle spielt, sorry.



Wäre schön,



wenn es noch weitere Rückmeldungen gäbe.

Besten Dank im Voraus

Gruß vom Teuto