Außendämmung bei nicht ausgemauerter Fachwerkkonstruktion

23.11.2017



Hallo Zusammen,

ich bin demnächst dabei mein Dachgeschoss zu sanieren. Der aktuelle Aufbau stellt sich wie folgt dar.

Außenseite
Bretter als Fassadenaußenseite
schwarze, etwas dickere Pappe
120er Holzbalkenkonstruktion (wie Fachwerk, nur nicht mit Steinen ausgemauert
Sauerkrautplatte
Putzschicht
Innenseite

Ich plane nun folgenden Aufbau

Außenseite
Sibirische Lärche Rhombusleisten mit Fugen verlegt
senkrechte Lattung
Waagerechte Lattung
Unterspannbahn Difflex Thermo Fassade
120er (Balkenstärke) Isover Klemmfilz
Isover Klimamembran
Ständerwand Trockenbau / alternativ Trockenbau auf Holzunterkonstruktion


Meine Fragen dazu:

Ist der geplante Aufbau grundsätzlich so in Ordnung?
Ist eine 120er Dämmung ausreichend? Falls nicht - welche anderen Möglichkeiten habe ich?
Kann zwischen der Klimamembran und Trockenbauplatte ein Abstand sein, oder muss die Platte an der Klimamembran anliegen?

Danke für Eure Hilfe.



Fachwerkdämmung inkl Gefache



Außen auf das Fachwerk würde ich zur Reduzierung von Wärmebrücken und besseren Schallschutz zumindest eine Lage schwere Holzfaserplatten schrauben,
darauf Konterlattung und die Rhombuslatten (bei uns habe ich Rhombusbretter verwendet mit 140 mm Breite)
Fugenbreite 7-10 mm, bei Schlagregen besser mit 30 Grad schräg geschnitten

Gefache auch mit Holzfaserplatten dämmen,

Wenn die Wand ausgerichtet werden muß Ständerwand innen davorstellen, mit Lehm-, Heraklith oä Platten verkleiden und den Hohlraum mit Zellulose ausblasen.
Alternativ innen auf das Fachwerk ebenfalls eine HF-Platte aufschrauben und mit Lehm- oder Kalkputz versehen.
Masse bewirkt Schalldämmung von tiefen Frequenzen.

Der U-Wert der Wand hängt auch von der Holzart (Eiche oder Nadelholz) und dem Holzanteil je qm Wandfläche ab.

Wenn die Möglichkeit besteht mehr Außendämmung vorsehen.
Andreas Teich





Das klassische Ausmauern der Gefache mit Lehmsteinen geht auch.

Innen siehe Herr Teich oder die magnesitgebundene Holzwolleleichtbauplatten (Ohne Polystyrol und Schnickschnack) in Lehm auf die Wand bringen und verputzen.
In den Gefachen und/oder im Holzkontakt nie Dämmstoffe verwenden die Feuchtigkeit oder sogar flüssiges Wasser binden.

Im Übrigen ...
Trockenbauvorsatzschalen, ob mit der ohne Dampfsperre, sind in Fachwerkhäusern extrem schadträchtig und der häufigste Grund massiver Schadbilder im tragenden Fachwerkgebinde nach nur wenigen Jahren. Ich kann nur dringend davon abraten Trockenbauvorsatzschalen an Fachwerkwänden anzubringen.

Dieser immer wiederkehrende Pfusch ist dauerhaft der Sargnagel vieler deutscher Fachwerkhäuser. Meine Wenigkeit und viele andere die sich mit der Sanierung von Fachwerkhäusern beschäftigen werden es leider nicht schaffen gegen die entstehenden Schäden durch diese Unart anzusanieren.
Trockenbauvorsatzschalen vernichten Tag für Tag Fachwerkhäuser.

Man kann sehr gut die Empfehlungen hier im Forum verwenden oder in die WTA Merkblätter schauen. Im Zweifel - Sanierungen von Fachwerkhäusern nie ohne einen Fachmann der dieses Spezialgebiet belegbar kennt und mit den Begriffen „Konsequent Diffusionsoffen“ und „Kapillar aktiv“ handlungssicher umgehen kann.

Um diese immer widerkehrende Mähr der Trockenbauvorsatzschalen auszurotten werde ich diesen Standardpost mal mehrfach in den nächsten Monaten posten sobald in Beitrag wieder ein User damit anfangen dies als praktikable Lösung zu sehen.
Ingenieurbüro Bergisches Land – aus Liebe zum Fachwerk – M.Mattonet



Verständnisfrage



Ich verstehe nicht, warum eine Trockenbauwand bei einer sonst diffusionsoffenen Konstruktion tödlich sein soll. Nach außen kann die Feuchtigkeit durch die Unterspannbahn und nach innen durch die Klimamembran entweichen. Die Feuchtigkeit kann also immer von der Holzkonstruktion weg.



Theorie und Praxis



Eine Trockenbauvorsatzschale ist hauptsächlich wegen den Anschlußpunkten zu Decke, Boden, angerenzende Wände und Durchbrüchen (Elektro, Rohre, Balkendurchgänge usw), der Flankendiffusion und den Bewegungen innerhalb des Fachwerkes schadträchtig.
Die Vorgehensweise als Finites Element nur den Optimalbereich der Wand betrachtend, wird die Aussage auf der Basis mancher Modells nach Glaser voreilig als machbar bezeichnet. Diese Betrachtung entspricht aber nicht der Realität und ist in der Praxis nicht schadfrei vom Laien, in der Regel nicht mal vom "Fachmann" umsetzbar.

Die hier vom Fragesteller beschriebene Konstruktion funktioniert aber auch schon nach Glaser nicht. Der Tauwasserausfall wird deutlich sein. Die Dämmung ist auch für die Sanierung als zu gering anzusehen und in der Temperaturdämpfung nicht anzuraten.

Das die obenstenhende Konstruktion "diffusionsoffenen" wäre ist nebenbei gesagt, falsch. Auch eine diffusionsvariable Dampfbremse ist eine Dampfbremse. In der Wandkonstruktion würde ich deswegen einen maximalen sd-Wert von 2,0 m für sinnvoll halten. Das hat Isover aber meines Wissens z.B. gar nicht im Programm. Eine entsprechende Planung sollte aber daneben auch das Umfeld betrachten. Kann eine Rücktrocknung nach Außen oder Innen überhaupt stattfinden. Gibt es Randbedingungen die z.B. vom Mikroklima her dies gar nicht zulassen oder ggf sogar befördern.

Grundsätzlich ist nur eines ... ein "Geht/Geht Nicht"-Denken ist in der Realität immer gegen ein "Könnte gehen/zu schadträchtig" einzutauschen. Wenn man demzufolge auf einer Plattform wie dieser, Ratschläge gibt, sollte man von potentiell schadträchtigen Konstruktionen immer abraten, da ein "Könnte gehen" vom unaufmerksamen Leser als "funktioniert" verstanden wird. Ich hoffe, es wird klar, das ein Satz wie "Die Feuchtigkeit kann also immer von der Holzkonstruktion weg" alleine schon wegen dem "immer" falsch ist.

Ingenieurbüro Bergisches Land – aus Liebe zum Fachwerk – M.Mattonet



keine Folien?



Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.
Das ganze gestaltet sich für mein Verständnis schwieriger als gedacht.
Die Heraklithplatten bin ich gerade am entfernen, da faktisch dazwischen aktuell keinerlei Dämmung vorhanden ist.
Wäre es auch eine Möglichkeit die Platten zu belassen, von außen eine Holzfaserplatte davor zu schrauben und die Hohlräume mit Zellulose auszublasen? Lt. u-wert.net habe ich dann massive Kondenswasserprobleme.



neues Jahr, neues Glück



Nachdem ich mich nun nach Alternativen umgesehen habe stellt sich folgende Lösung dar:

außen
sibirische Lärche Rhombusleisten, teiloffen mit 1-1,5cm Abstand
Hinterlüftung mit Lattung (3cm)
Steico universal black 22mm
Steicoflex 036 120mm
OSB3 12mm
Installationsebene 40mm
Isover Akustik TP1 50mm
Gipskartonplatte
innen

U Wert 0,209
kein Tauwasser lt. u-wert.net
sd Wert 2,5m

Würde mich freuen, noch einige Meinungen zu der Lösung zu bekommen.
Eine Einblaslösung ist nicht praktikabel, da ich die Sanierung in Eigenleistung durchführen möchte.

Müssen die Stöße der OSB Platte verklebt und an den Rändern abgedichtet werden?



Wandaufbau



Wenn alles gut vorbereitet wird und der Zelluloseeinbläser keine allzu langen Anfahrtswege hat ist das sicher die günstigere Möglichkeit.

Möglicher Aufbau von außen nach innen:

- Rhombusbretter

- Konterlattung senkrecht
(20-24 mm Dicke genügt-je nach Abstand)

- Außenseitig können die Fachwerkhölzer durch senkrechte
Lattung aufgefüttert werden, um innenseitig nicht zu
viel Platz zu verlieren.

- innen Ständerwand vor das Fachwerk stellen und

- mit Dampfbremse und Sparschalung versehen

- Zellulose einblasen (oder Plattendämmstoffe verwenden)

- Wandverkleidung mit Lehmbauplatten, Gipsfaserplatten,
Heraklith oä befestigen

Bei Konstruktionen mit nach außen abnehmendem Sd-Wert mit kapillaraktiven Materialien gibt es keine feuchtetechnischen Probleme.

Ich habe unser gesamtes Haus nachträglich mit Lärchen-Rhombusbrettern verkleidet auf Stegträger, 60 mm Holzfaserplatten und mit 240 mm Zellulosedämmung-
allerdings wegen geringerer Feuchtebelastung der HF-Platten mit 8 mm Fugenbreite und 30 Grad Rhombusfräsung,)

Andreas Teich



Vorschlag



Hallo,
bei den OSB platten(Nut und Feder) die Ränder Abdichten ja verkleben nein da arbeitet es sonst als komplette Platte.

Verwende im Innenbereich kein Gipskarton(sättigt sich mit Feuchtigkeit und gibt diese sehr schlecht ab) nimm Lehmplatten und Lehm oder Kalkputz erhöht den Wohnkomfort und ist bedeutend besser für das Raumklima senkt auch langfristig die Heizkosten da viel besserer Speicher und erhöhe deine Dämmung von 120 auf mindestens 140mm sonst hast du ein Problem wenn du im Innenraum mal mit hoher Luftfeuchte zu tun bekommst warme Luft transportiert halt viel Feuchtigkeit spiel das einfach mal in deiner Berechnung mit durch was bei 60-65% LF passiert in deiner Konstruktion.

MfG Frank