Konservierung Ziegelwand Aussenbereich

05.07.2013 Basti



Hallo Allerseits, vergangene Woche habe ich den Hof des Hauses meiner Schwester von einem Sandstrahler abstrahlen lassen. Der Grund hierfür bestand darin, dass die Vorbesitzer des Hauses die Ziegelwand mehrfach mit Farbe (darunter auch wasserfesten Farben) behandelt haben. Dies hat leider teilweise zu einer Fäulnis auf der Oberfläche der Backsteine geführt. Ein weiterer Grund für das Abstrahlen war, dass ich die Backsteine im Hof Freilegen und neu verfugen wollte. Leider ist die Oberfläche der Backsteine beim Abstrahlen aufgerauht worden, bzw. marodes Steinwerk ist abgeplatzt. Jetzt möchte ich die Wände neu verfugen und ggf. die Backsteine gegen eindringende Feuchtigkeit behandeln. Kann mir jemand einige Hinweise geben, mit was für einem Material ich die Steine am besten Ausfugen kann? Desweiteren habe ich angst, die Steine so zu versiegeln, dass sie nicht mehr atmen können. Hat jemand in der Gemeinschaft hier bereits Erfahrungen mit solchen Arbeiten gemacht? Ich habe ein Foto an diesen Eintrag angehängt, über einige gute Ratschläge würde ich mich sehr Freuen. Sebastian



Sichtmauerwerk



Alles zurück auf Anfang!

Ich vermute mal das Ihr Vorgänger mit ähnlichen Überlegungen an die Sache gegangen ist:
Zuerst Wand als Sichtmauerwerk freilegen,
dann merken das trotz Verfugung die Wand nicht ganz so schön ist und die Steine bewittert werden,
dann die Idee, die Steine "gegen eindringende Feuchtigkeit zu behandeln",
das sah denn wohl nicht so gut aus,
dann kam der nächste Versuch...
Dann kamen Sie mit dem Sandstrahler.

Ich empfehle Ihnen die Wand zu verputzen.
Dann sollten Sie in diesem Zusammenhang den Vorsprung neu abdecken, für eine ordentliche Wasserableitung sorgen und die Schwelle, die in Höhe der Dachziegel liegt, mal näher anschauen.
Ich vermute das hier die eigentliche Baustelle ist.





Hallo,
was Sie veranlasst haben ist richtig. Nun stehen Sie vor den Wänden und überlegen was ist zu tun. Kenne ich gut. Ihre Gedanken sind eingenommen von ihrem Haus.
Ich kann Ihnen den guten Rat geben: Flexen Sie die Fugen aus und verfugen diese neu mit Luftkalkmörtel. Ich kann Herrn Böttchers Tipps nicht zustimmen und halte das Verputzen für verkehrt.
Ihre Wand sieht nach den Arbeiten wesentlich besser aus.
Vorausgesetzt,die Rauhigkeit der Steine ist durch Sandstrahlen nicht ins extrem gesteigert worden.
Ansonsten sind die kaputten Steine zu ersetzen.
Das Bild sieht nicht danach aus als ob die Wand Schrott wäre
Auch im Bodenbereich alles OK.
Viel Erfolg
Steiner





P.S. Was sind denn das für schöne Einfassungen?



Ziegelwand



Es ist ein großer Unterschied ob eine Wand steinsichtig erstellt wurde oder nicht.
Die hier ist es nicht, sie war verputzt.
Weder die Qualität der Steine noch die Art der Mauerwerksausführung rechtfertigen Sichtmauerwerk.
Höchstens der individuelle Geschmack des Eigentümers.
Das mag vielleicht im Innenbereich angehen aber nicht im Außenbereich. Ein Ziegel ist nun mal kein Klinker.
Den Rest siehe meinen ersten Beitrag.





Denken Sie etwa die Bauherren hätten Ziegel anstatt Klinker verwendet? Sicher ist die Mauer ohne Putz gemauert worden.
Lesen Sie doch selbst: Die Ziegelwand wurde mit Farbe und nicht mit Putz besehen, das mit dem Putz haben Sie lediglich vorgeschlagen,-egal.
Nichtsdestotrotz, einen angenehmen Abend wünsche ich unserem geschätzen Platzhirsch.



Ziegelwand



Zwischen uns gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied:
Sie verstehen nichts von Mauerwerksverbänden, nichts von Ziegelsteinen und nichts vom Mauern.
Das ist nichts schlimmes, ich verstehe auch von vielen Sachen nichts. Nur geht es hier zufällig um eine Mauer, und davon verstehe ich etwas.





Zwischen uns gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied:
Sie verstehen nichts von Mauerwerksverbänden, nichts von Ziegelsteinen und nichts vom Mauern.

Inwiefern?

Ich dachte, nicht auf der Feindschiene zu sein, aber bitte...
Nochmals, einen angenehmen Abend.



Kalkverputz



Hallo Basti,

ich würde auch für den Kalkverputz stimmen.

Ein grober Grundputz mit Korngröße bis 4mm, darauf ein feinerer Oberputz.
Der Oberputz bildet feinere Poren. Das Regenwasser fließt NIE von den feineren Poren des Oberputzes in die gröberen des Grundputzes, so bleibt die Mauer regenwassergeschützt und verliert nicht die Diffusionsfähigkeit und die Kapillaraktivität.

Grüsse aus Berlin
Sascha



Sichtmauerwerrk



Das war kein Angriff, sondern eine sachliche, objektive Feststellung.



Vielen Dank für Ihr Feedback



Hallo Allerseits, zuallererst möchte ich mich für das umfangreiche Feedback auf meine Frage bedanken.

Die Wand scheint ursprünglich nicht verputzt gewesen zu sein, jedoch ist sie im Laufe der Zeit gestrichen worden. Scheinbar scheint es in der Vergangenheit so gewesen zu sein, das mit dem Abblättern einer Farbschicht eine neue Farbschicht aufgetragen worden ist. Meine Schwester hat das Haus vor fast 2 Jahren bei einer Zwangsversteigerung erworben, die Vorbesitzerin hat in den Jahren vorher nicht mehr viel investiert, was sich stark im optischen Zustand des Hofes wiedergespiegelt hat. Die Feuchtigkeit an der Mauer kommt nicht von der Ziegelbedeckung, diese war bis zum Zeitpunkt des Sandstrahlens (habe dies mehrmals bei starkem Regen kontrolliert) dicht. Jedoch hat ein starker Pflanzenbewuchs stark zur Feuchtigkeitsbildung beigetragen.

Ursprünglich hatten wir auch mit der Überlegung gespielt, die Wand bzw. den Innenhof neu zu verputzen. Aufgrund von optischer Überlegungen spielt meine Schwester nun mit der Idee, die Ziegeln konservieren zu lassen und die Abdeckung der Grenzwand mit alten, regionalen Dachziegeln erneuern zu lassen, wobei wir eventuell eine Art kleines Vordach bauen wollen.

Bei den Einlassungen handelt es sich um Ofenplatten aus der Biedermeierzeit, welche Alt bemalt sind. Sie stellen zum Teil biblische Motive dar und sie sollen in der Zukunft, noch reversiv restauriert werden.

Gibt es eine Möglichkeit, die Ziegeln atmungsaktiv zu behandeln, sodass keine Feuchtigkeit von außen eintreten kann, ein Atmen jedoch noch gewährleistet ist? Ich habe große Sorge, dass die Ziegelsteine nicht mehr atmen können. Falls mir dies nicht gelänge, müsste ich die Wand wahrscheinlich wieder verputzen.



Ziegelwand



Ihre Schwester in allen Ehren aber diese Wand wurde verputzt als sie erbaut wurde und war das viele Jahrzehnte. Falls Sie meinem Rat zum Neuverputz nicht folgen wollen dann folgen Sie eben Ihrem Vorgänger (egal welcher das war), der die Wand auch "atmen" lassen wollte.
Vielleicht beglücken Sie einen der vielen Trockenleger- und Wundermittelanbieter mit einem Auftrag zur Hydrophobierung, die Leute mögen (viel) Geld.
Wenn Sie die Grundschwelle weiter vor sich hin faulen lassen wollen, ist das auch Ihre Entscheidung.
Ich kann da nicht mehr helfen.

Viele Grüße



Hydrophobierung



auf durch Sandstrahlen beschädigter Oberfläche / Sinterschicht dürfte in wenigen Jahren zu weiteren Zerstörungen führen: die Hydrophobierung baut sich mit der Zeit immer mehr ab, wodurch sich die Eindringtiefe des Wassers millimeterweise wieder nach innen verlagert. Im Winter spielen sich dann die Frost-/Tauwechsel kurz unter der Steinoberfläche ab, was zu großflächigen Abplatzungen führen kann. Dadurch sind schon einige Backsteinfassaden zerstört worden, die von professionellen Firmen "denkmalgerecht saniert" wurden.

Ich schrubbe meine Klinkerfassade dutzende Mal mit Wurzelbürste und Wasser (ggf. mit etwas Salzsäure), nehme Drahtbürsten dazu und sauge lockere Fugen mit einem Trockensauger aus. Beim Fugenflexen werden schnell die Flanken beschädigt. Allerdings habe ich zum Glück keine Farbe drauf, nur gewöhnlichen "Dreck".

Gruß
AallRounder



Ich sehe



das so wie Georg,dein Hauptproblem ist eher die Schwelle samt Abdeckung,die würde ich erstmal enfernen und das dahinter liegende Holz begutachten.
Und mal über eine neue Abdeckung nachdenken die konstruktiv Holz und Mauerwerk schützt.

Grüße martin





Der Mensch atmet, der Stein soll allenfalls trocken bleiben, damit er keinen Schaden nimmt.

Unser Haus hat seit 140 Jahren zwei Seiten Zielgel verputzt und gestrichen, eine Seite Klinker unverputzt (die ehemalige Schokoladenseite) und eine Seite Ziegel unverputzt (wie der Teufel will, ist das die Wetterseite).

Nirgendwo haben sich die Steine durch Wasser aufgelöst oder sind erstickt, alle Wände stehen noch!

Ich würde die Steine nicht gegen eindrigendes Wasser behandeln, sondern sie davor schützen, z.B mit dem geplanten Vordach, dass sollte reichen.
Ob die Wand nun verputzt oder unverputzt besser gefällt, muss jeder selber wissen.

Gruß G





Der Backstein sollte nicht hydrophobiert werden. Er hat die Eigenschaft Feuchte auf und abgzugeben. Dringt Regenwasser auf die Wand so wird es aufgenommen. Der Stein ermöglicht im Gegenzug einen Feuchtigkeitsausgleich und bei entsprechendem Wetter trocknet der Stein er gleicht somit aus. Behandeln ist kostspielig und läuft der Sache entgegen.
Ich bleib dabei: Die Wand wird ein Hingucker.
Ein Problem wird wohl eher die aufsteigende Feuchte im Bodenbereich sein und nicht das Regenwasser o.ä. Was soll am verputzen so viel besser sein? Außer man Argumentiert mit zu weichem oder schadhaften Backstein.

Die Härte des Steins einfach mal prüfen ob das alles so bröselig ist, wie behauptet.

Prüfen ob die Fugen leicht auszuflexen sind.
Was soll denn Innenwandig geschehen, wozu wird der Raum genutzt und wie ist da die Wandfeuchte?

Die Einfassungen liegen 3 cm vor dem Backstein, was mich
zu dem Schluß bringt das hier ursprünglich verputzt wurde.



Grenzwand



Da es sich ja wie ich lese um eine Grenzwand handelt würd ich mich erstmal mit dem Nachbarn abstimmen, wenn der an seiner Schwelle was machen will is eure Abdeckung wieder weg.Wenn der offensichtliche Schaden am Holz noch tiefer reicht auch gleich mal n Teil der Wand.....
Ich würd ebenfalls zum verputzen raten da auch die Einfassungen hervorstehen, dann gibt das wenigstens wieder ein einheitliches Bild.

Grüße Micha





Ich finde die Idee mit dem Dach nicht schlecht. Wenn die Baulichen gegebenheiten es zulassen, würde ich ein Dach, vielleicht auch aus lichtdurchlässiger Wellpappe davorsetzen. Damit hätte man die Wand vor Wasser geschützt und sie hält so wie sie ist viel länger.



Wand



"lichtdurchlässige Wellpappe"
Was es alles gibt.
Wasserdurchlässige Wellpappe kenne ich. Aber lichtdurchlässige?



Bevor…



… Wellpappe Wasser durchgelassen hat, hat sie sich meist selber schon in Pappmatsche aufgelöst.

Mit einem Vordach aus transparenten PVC-Wellplatten wird vielleicht zwar auch die Mauer geschützt, auf jeden Fall gibt es aber Schrebergartenhäuschenflair.



PVC Wellpappe



.. ja das meinte ich. Klar ist das Flair damit ein anderes, aber wenn verputzen absolut nicht gewollt ist, die Wand in ihrem Ist-Zustand aber nicht wetterfest ist, liegt eine Überdachung nahe. Jetzt kann man sie halt aufwändig oder einfach machen. PVC-Platten sind sicherlich die einfachste Lösung, ein paar jahre sind damit gewonnen.





"Das mag vielleicht im Innenbereich angehen aber nicht im Außenbereich. Ein Ziegel ist nun mal kein Klinker"

Um Ihnen zu folgen, soll man annehmen es gibt innen Ziegel und außen Klinker. Was natürlich beim Backsteinbau echter Humbug ist. Wenn man jetzt denkt: Gut, Böttcher meint mit hartgebranntem Backstein den Klinker, so ist das eigentlich nur gut gemeint.
Die Backsteine sind selbstverständlich unterschiedlich hart gebrannt und darum wurden jene jeweils nach Härtegrad für Innen oder Außenwände, bzw. die ganz "harten" in Fundamentbereichen verwendet. Aber einem Klinkerexperten braucht man das ja das nicht zu erzählen.



Spitzfindigkeiten…



… bezüglich der Begriffe "Ziegel/Klinker/Backstein etc." führen doch zu nichts, denn sie werden regional und umgangssprachlich je nachdem völlig abweichend benutzt.