Außenanstrich und Innenwanddämmung

24.02.2016 karlengel



Hallo zusammen,
seit einiger Zeit lese ich im Forum mit und es hat mir auch schon viel weitergeholfen auch wenn ich kein Fachwerkhaus besitze. Nun stehe ich aber vor einer Frage die hier so meines Wissens noch nicht behandelt wurde.
Es geht um die Innenisolierung/Innenwandaufbau um einen Außenanstrich auf Zementputz. Wir haben einen Rohbau mit Fenstern, Dach und Türen in Portugal in Meernähe gekauft (70% Luftfeuchtigkeit). Der Rohbau ist 5 Jahre alt und wie in Südeuropa üblich als Stahlbeton Skelettbau aufgebaut, die Wände sind mit nichttragenden 15cm dicken nichttragenden Langlochziegeln vermauert und von außen mit Zement verputzt.
Welchen Innenwandaufbau würdet ihr empfehlen zur Auswahl stehen:
eine zweite Innenwand aus Langlochziegeln, Porenbeton oder Rigisplatten mit Mineralwolle? Zwischen Außen und Innenwand soll ein Luftspalt sein.
Muss ich eine Hinterlüftung einplanen um Tauwasser zu vermeiden? Die niedrigste Temperatur im Winter beträgt 5Grad.
Nun zum Farbanstrich. Bevor ich die Außenwände streiche wollte ich ich sie mit einem Hochdruckreiniger und/oder Wurzelbürste reinigen/vorbereiten. Ist dies sinnvoll bzw. ausreichend oder habt ihr andere Vorschläge?
Als Farbe wurde mir Silikatfarbe empfohlen, da diffusionsoffen. Inwieweit macht dies auf einem reinen Zementputz sinn und wenn ja sollte ich mit einer Grundierung vorstreichen?
Würdet ihr eine anderen Farbtyp empfehlen?
Danke schonmal im voraus für eure Hilfe
Grüße Karl



Dämmung



Ich empfehle Ihnen eine hohlraumfreie Innendämmung. Die kostengünstigste Variante sind Rigtherm- Innendämmplatten, hier mit einer Dämmstärke von 40 mm. Das sind Gipskartonplatten mit aufkaschierter Polystyroldämmplatte. Sie sollten auch in Portugal erhältlich sein. Sie werden einfach auf die Innenwand wie Fliesen im Dünnbett aufgeklebt und dann an den Stößen verspachtelt.
Außen ist eine Silikatfarbe oder eine Silikonharzfarbe auf Zementputz eine gute Lösung. Klopfen Sie vorher mit einem kleinen Hammer die Wände ab, vor allem die Bereiche wo Stahlbeton unter dem Putz liegt. Wo es hohl klingt muß nachgebessert werden. Die salzhaltige Luft zerstört schadhaften Stahlbeton sehr schnell, die korrodierende Bewehrung sprengt das Betongefüge. Aber: Falls das Gebäude nach den allgemein (und auch in Portugal) geltenden Regeln der Technik errichtet wurde sollte das Risiko solcher Zerstörungen gering sein. Trotzdem empfehle ich Ihnen eine gründliche Kontrolle de Außenhaut jedes Frühjahr und das Nacharbeiten eventueller Schadstellen.
Das Gebäude hat eine geringe thermische Trägheit; das Heizungs- und Lüftungssystem sollten Sie daruaf abstimmen. Je nach Strompreis bieten sich bei Ihnen auch elektrische Infrarotheizungen (z.B. Sunery)an. Die Lüftung sollte über die dem Meer abgewandte Seite erfolgen; die salzhaltige Luft kann Küchengeräte wie Kühlschränke schnell zerstören. Das trifft auch auf ein Auto zu, falls es im Winter draußen stehenbleibt. Besser eine Garage dafür mit einplanen.



Außenanstrich



Ich würde die Stahlbeton-Außenbauteile sehr genau prüfen, weil in Deutschland (in der EU) der Korrosionssschutz von Stahleinlagen in der Regel über die Betonüberdeckung gregelt ist. Im Falle chloridbeanspruchter Bauteile (Küstenklima)sind das 4 cm. Da bleibt als statischer Querschnitt z.B. einer Säule wenig übrig. Also haben sich viele Baupraktiker nicht daran gehalten. Folge: Abplatzungen und Verrosten der Stahleinlagen. Dann ist eine Sanierung nach Richtlinie angesagt. Sollte es noch nicht soweit sein, würde ich den Stahlbetonbauteilen, sofern sie sichtbar sind, einen zugelassenen Schutzanstrich gönnen. Über seine alkalische Wirkung schützt auch ein Zementputz.

Grüße





Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Sie schreiben die kostengünstigste Lösung sind Gipskartonplatten mit aufkaschierter Polystyroldämmplatte was wäre ihrer Meinung nach die beste Lösung und welchen Putz würden Sie für die Innenwände verwenden.
Wieso keinen Luftspalt, da der Aufbau aufwendiger und entsprechend teurer ist oder wegen des Tauwasserrisikos?
Welchen Stein würden Sie für die Innenwand empfehlen? Ich habe die befürchtung das eine Gipskartonwand nach 10 bis 15 Jahren erneuert werden muss und eine gemauerte Wand im Grunde lebenslang hält, ist nur mein Gefühl als Laie, täusche ich mich da?





Die neue Wand hält bis zum nächsten Erdbeben.
Aus diesem Grund sind auch die Stahlbetonrahmen verpflichtend.



Innendämmung



Sie brauchen sich nicht fürchten...
Spaß beiseite, so eine Innendämmung hält viele Jahrzehnte und es gibt keinen Grund weshalb sie nicht noch länger halten sollte. Eine Wandvorlage mauern geht innen auch, aber statt 50 mm Dicke kommen Sie bei annähernd gleicher Dämmleistung auf mehr als die doppelte Dicke.
Verputzt werden muß so eine Wand auch noch, das fällt bis auf das bisschen Spachteln bei Rigitherm weg. Nicht umsonst heißt so etwas auch Trockenputz.
Luftspalt = Tauwasserrisiko,
Kein Luftspalt bzw. hohlraumfrei KEIN Tauwasserrisiko, jedenfalls bei Ihrem Klima und der Dämmung.
Also: Luftspalt = Tauwasser + größerer Flächenverlust+ höhere Kosten
Vormauerung: noch größerer Flächenverlust, noch mehr Kosten, kein Tauwasserrisiko.





Nochmals vielen dank für die Antworten.
Stahlstreben aus dem Stahlbeton sind nur an zwei Stellen sichtbar und zwar dort wo ein Durchbruch vom Erdgeschoss zur 1. Etage gemacht wurde. Welchen Schutzanstrich würden sie empfehlen, direkt auf die Rostfarbenen Stahlträger oder vorher schmirgeln?
Mein Problem mit der 50mm Rigithermwand ist, das es nicht zu einer glatten durchgehenden Wand führt. Die Stahlbetonträger müssen ja auch verkleidet werden und dadurch wären sie weiterhin sichtbar, da die Langlochziegel nicht so breit sind wie die Stahlträger (siehe Foto).



Innendämmung



Das die Gefachausmauerung nicht in der gleichen Stärke wie das Skelett erfolgt ist wusste ich nicht. Hier muß entweder um die Stützen herum gedämmt werden (fummelig aber machbar) oder Sie müssen mit Wärmebrücken, geringer Dämmleistung und Rissen am Übergang Ausmauerung/Beton leben.

Variante 1:
Einfach innen mit Kalkzementputz über die ausgemauerten Felder gehen, Stützen spachteln. Die Stützen/Wandstruktur bleibt sichtbar. Nachteil: Wärmebrücken am Beton, Risse am Übergang, im Winter erhöhter Heizenergiebedarf der sicher über Strom gedeckt wird.

Variante 2:
Ausmauern der Felder bündig und hohlraumfrei mit dem Stahlbeton, dann glatter Innenputz. Zum Ausmauern Hochloch- oder Langlochziegel nehmen. Die Risse treten bei Putzbewehrung nicht auf, die Wärmebrücken bleiben in abgeschwächter Form.

Variante 3:
Wie Variante 2, statt Putz Trockenputz Rigitherm mit 20 mm Dämmstärke.

Die TW- Installation auf dem Foto ist doch sehr gewöhnungsbedürftig, auch das Durchbohren der StB- Stütze.





Vielen Dank für die Antwort.
Bisher habe ich trotz intensiver Recherche leider keine Rigothermplatten in Portugal gefunden. Alternativ wurde mir die abgebildete Lösung empfohlen, ist dies auch aus ihrer Sicht eine sinvolle Variante? Müsste in dem Fall auch eine Putzbewehrung verwendet werden?

Die Wasserleitungen wollte ich sowieso neu machen, entweder Edelstahl oder Kunstoff. Würden sie erst ausmauern und danach Kanäle für die Wasserleitungen Fräsen oder sie wieder an der Außenwand montieren und an den Stellen schmalere Steine verwenden?



Skelettbauweise



Das scheint ein System zu sein das speziell zur Ausfachung von solchen Skelettbauten geschaffen wurde. Wenn man das bei Ihnen eingesetzt hätte wäre das Problem gelöst. Ob es für Ihren Fall anpassbar ist glaube ich nicht.