Lehmwand Aufbau, Weichgebrannte Ziegel-Lehm-Ziegel ?

15.01.2010



An alle im Forum einen guten Tag,
ich bin neu hier und habe eine spezielle Frage zu Wandaufbau, habe dies in der von mir gewünschten Vorstellung hier nicht gefunden, daher meine direkte Frage an die Fachleute.
Ich wohne seit etwa 4 Jahren in Südamerika und baue gerade mein Haus (bin mit Fundament fast fertig), möchte aber teilweise mit Lehm bauen um ein kühleres Haus zu bekommen. Habe in Deutschland vorher auch Lehmfachwerk gehabt, daher mein Wunsch.
Meine Vorstellung aus finanzieller und baulich am einfachsten umzusetzender Sicht ist, weichgebrannte Ziegel nach aussen (flach gemauert wie üblich, 26 x 12 x 5), nach innen die Steine auf die 12.er Kante aufrecht und Zwischenraum der Steine von etwa 30cm mit Lehm/Strohgemisch aufgefüllt und verfestigt. Innen.- Aussenputz sollte Kalkputz sein. Nach Tests nehmen die Steine über Nacht etwa 0,2 Liter Wasser auf, Abgabe im gleichen Zeitraum in der Sonne liegt bei etwa dem gleichen Wert.
1. Bringt mir dieser Wandaubau die Vorteile des Lehms (ich weiss nicht ob die Wasseraufnahme auch atmungsaktiv besagt?) oder ist aufgrund der Ziegel und des Putzes keinerlei Vorteil des Lehms zu spüren?
Würde mich sehr freuen von Leuten mit Erfahrung dazu etwas zu hören.
MfG
Ralph Tornow



Wandaufbau



Hallo Ralph,
ohne genaue Kenntnis der klimatischen Bedingungen an Ihrem Standort werden Sie wohl keine qualifizierte Antwort erhalten, klären Sie uns doch darüber auf.

Eine Sichfachwerkwand mit einer Innendämmung aús Strohleichtlehm zu verstärken ist erst mal eine gängige und gute Bauweise.
Allerdings sollte man dabei Regeln beachten und sich mit dem Material auskennen, vor allem wenn der Leichtlehm selber hergestellt werden soll.
Dazu einige Hinweise von mir:
Nach den Lehmbauregeln hier in Deutschland werden Leichtlehmwände im feuchten Einbau bis zu einer Stärke von 15 cm ausgeführt, wenn sie nur einseitig austrocknen können.
Eine Viertelstein dicke verlorene Schalung ist zu fragil, Sie brauchen eine stabile, umsetzbare Schalung.

Viele Grüße



Klima



Erstmal danke für die schnelle Antwort.
Klima liegt im Mittel bei 35-40° im Sommer mit einer Luftfeuchte von 50-80%.
Schalung ist wohl der hochkant verbaute (gewollte) Ziegel gemeint, ich hatte vor etwa jeden 5 Ziegel mittels einer Drahtbrücke mit der Vorderschalung zu verbinden, würde daraufhin entsprechend Festigkeit bekommen. Die Dachlast wird relativ gering da ich ein Reetdach vorgesehen habe.
MfG
Ralph



Wandaufbau



Und was ist mit dem Winter?
Regenhäufigkeit?
Niederschlagsmenge?
Bewitterungsexposition?
Ein stark bewittertes Sichtfachwerk mit Leichtlehm dahinter hat entweder eine geringe Lebensdauer oder einen hohen Erhaltungsaufwand.
Wenn auch noch Mängel bzw. Fehler beim konstruktiven Holzschutz dazukommen, wird es problematisch.



Winter und Regen ...



Wir haben eigentlich min. Temperaturen bis zu 3-4°, ansonsten liegt unser Winter etwa um Ø 18°. Niederschläge sind häufig und sehr stark, nicht mit Regn in Deutschland vergleichbar. Es kommt hier mitunter in 2 Stunden mehr herunter als bei starkem Regen in Deutschland innerhalb eines Tages. Dachüberstand wird 1,2 m bei Ø Höhe zum Boden von etwa 3m, auf Fundament wird die gesamte Aussenmauer mittels einer Membrane nach unten gegen aufsteigendes Wasser gesichert.
Aussen hatte ich vor noch einen Kalkputz aufzubringen?
Alle Wände sollen letztlich mit Ringanker gesichert werden.
MfG
Ralph



Fachwerk



Hallo Ralph,
Wenn wasserfeste Steine (das ist das wichtigste Kriterium) mit Festigkeiten ab 5 N/mm² zur Ausmauerung verwendet werden, Dachüberstand und Sockelhöhe Spritzwasserfreiheit (boots and cap)sichern, der Leichtlehmeinbau in Schalung mit max. 20 cm Stärke erfolgt und eine Tocknungszeit von mindestens 2 Monaten beachtet wird, dann wird so eine Außenwand auch funktionieren.
Als Putz empfehle ich Kalkputz für die äußeren Gefachfelder und Lehmputz für innen.
Bei Spritzwasserfreiheit geht auch Sichtfachwerk außen; die Winddichtheit ist durch die Leichtlehmschale gesichert.
Wichtig ist, den Regen vom Sockelbereich fernzuhalten.
Ein Reetdach hat bei diesen klimatischen Bedingungen den Nachteil, das ich keine Dachentwässerung anbringen kann.
Der Traufbereich muß dann entsprechend ausgebilfdet sein, auch die Oberfläche des Geländes muß die sichere Ableitung der großen Wassermassen sichern.

Ich persönlich würde in diesem Fall lieber auf eine Ziegeleindeckung zurückgreifen, es haben sich bestimmt örtliche Ziegelformen und Deckungsarten entwickelt, die dem Regen standhalten.
Sommerlicher Wärmeschutz kann über die Geschoßdecke in Lehm-Holzbauweise gewährleistet werden.


Viele Grüße



Gelände Wasser ableiten



Das Gelände leicht abhängig und somit kein Problem. Das Reetdach wird wegen der kühlenden Eigenschaften bevorzugt (Ziegel heizen sich stark auf), ich hoffe wegen der 1,2m Dachüberstand kein Problem mit Regenwasser zu haben, im Falle das doch, muß ich mir was einfallen lassen.
Vielen Dank für die Hilfe, damit kann man doch etwas anfangen!
Traufe etc. hatte ich mir schon angelesen, wird unter anderem auch nochmals mit einer speziellen Membrane besichert, sollte also hinkommen. Wichtig ist das es wenigstens 20 Jahre alles hält, ich will ja keine hundert werden. Kenne hier aber auch Häuser von 75 Jahren und mehr welche in einem Top baulichen Zustand und vor allem absolut kühl sind. Das haben noch die alten Paraguayer gebaut, da sind Temperaturunterschiede von Außen (42°) zu Drinnen (26-27°) von 15-16° zu messen (Wände bis 35cm Adobe, also Lehm luftgetrocknet) und natürlich Reetdach!
MfG
Ralph