Schwierigkeiten mit Wandaufbau

01.09.2008



Guten Tag,
ich haben nun schon unzählige Beträge über dieses Thema gelesen und weiß immer noch nicht was ich machen soll.
Vielleicht erreiche ich mehr durchblick, wenn ich mal selbst was schreibe.

Situation:
Wir haben ein 206 Jahre altes Fachwerkhaus mit Eichenständerwerk.
Durch das Eindringen von Feuchtigkeit durch den Sockelbereich aus Sandstein, ist uns die Schwelle und einige Ständer vergammelt.
Da wir jetzt Eine offene Wand haben, wollten wir einen vernünftigen Wandaufbau erstellen.

Derzeitige Dämmsituation von Innen nach aussen:
Tapete, Kalkputz 1,5cm, Lehmputz so 6-8cm, Ausfachung mit Lehm"platten" und Backstein, 4cm Glasfaserwolle zwischen der Lattung die die Konterlattung für die Dachpfannen (Wetterschutzschale da Westseite -Wetterseite)


Problematik:
Die unteren Ausfachungen sind komplett entfernt worden und die oberen nicht bzw. die Backsteine sind raus aber der Lehm ist noch drin. Meine Schwiegermutter will nun unbedingt den Lehm behalten und möchte, wie es ihr ein Handwerker erklärt hat die Ausfachung untern mit Ytong vornehmen und zwar über die ganze Wanddicke, also Ständerwerk (ca.20cm)+ Lehmputz(6-8cm)+ und dann noch ca. 5cm um dann eine grade Wand vor dem Lehmputz hochziehen. Das heißt ich habe unten einen Wnadaufbau mit Ytong von über 30 cm und bei einem Meter Höhe von innen nach Aussen gesehen: Kalkputz, ca.5cm Ytong, Dampfsperre, Lehmputz mit Ausfachung und dann entweder die original Backsteine oder 11,5 Ytongsteine)dann eine Lattung mit Luftschicht und die Konterllatung mit Dachpfannen.
Ich bin nicht glücklich über diesen Aufbau eher gesagt, mir sträuben sich die Nackenhaare.

Im Netz habe ich dann diesen Aufbau gefunden der mir eher passend erscheint, so würde dann der untere Wandaufbau sein.
Von innen nach außen.
Gipspartonplatte, Konterlattung Dampfsperre, Innendämmung (Steinwolle), Ausfachung dann mit Wärmedämmung (Steinwolle) und 11,5cm Backsteinen,davor eine Lattung mit Luftschicht und die Konterllatung mit Dachpfannen.
Im oberen Bereich würde ich von außen nur die Ausfachung wieder mit Backsteinen füllen und von innen die Dampfsperre, Konterlattung und Gipskarton bis zur Decke hochziehen.

Was haltet ihr davon, kann man auch die Backsteine durch Ytong austauschen, so das mann das ganze Gefach mit Ytong ausfacht und dann noch eine Dämmung in der dicke des Lehmputzes anbringt. Habt ihr noch andere Vorschläge zum aufbau.

ich habe gelesen, das bei Fachwerkhäusern man Naturmaterialien benutzen soll also Lehmputze und Lehmziegel für Ausfachungen. Als Wärmedämmung können auch Holzfaserweichplatten benutz werden, aber das ist nun mit sehr viel Geld verbunden.
Auch Ytong ist nicht das geeignetste Material aber ich hoffe mal, das durch die Wetterschutzschalle nicht so ausschlaggebend ist. zumal am Haus der Giebel auf der Ostseite mit Ytong ausgefacht wurde und auch dort eine Wetterschutzschalle vorgehängt ist, und bis jetzt auch nichts passiert ist. Meine Schwiegermutter ist begeistert von diesem Material und die Giebelsanierung war vor meiner Zeit.
Ich weiß, jetzt sparen und in 10 Jahren nochmal machen ist dämlich aber leider hab ich bei der Sache keine Entscheidungsbefugnis. Ich möchte aber trotzdem versuchen meine Schwiegermutter zu einem geringerem Übel zu überreden.

ich würde mich freuen schnell Antwort zu bekommen um handeln zu können.

Vielen Dank





Hallo,

Ytong, bzw. Porenbeton hat in Gefachen eigentlich nichts verloren. Porenbeton lässt sich zwar leicht zuschneiden und wird deshalb gerne verwendet – aber das waren eben schon die Vorteile - und diese kann der Lehm mithin auch aufweisen.
Die Hölzer des Tragwerks und die Ausfachungen sollen über viele Jahre miteinander leben und so ist es wichtig das diese systematisch zueinander passen.


Dann zitiere ich mich mal selbst aus einem anderen Beitrag: In die Konstruktion eindringende Feuchte (von innen und von Außen) soll möglichst schnell wieder abgeführt werden. Die "Flussrichtung" sollte hierbei immer vom Holz weg zur Ausfachung gehen. Da bei einer Lehmausfachung unter funktionierenden Bedingungen das enthaltene Wasser schneller abgegeben werden kann als das oft ganz oder teilweise unter Verschluss stehende Holz stimmt hier die Richtung die das Wasser einschlägt. Je größer die homogen am Holz anliegende feinporige Fläche, desto schneller ist das Wasser dort wo es hingehört => raus. Ein Porenbeton mit weitaus größeren Poren leistet dies bei weitem nicht und bindet die Feuchtigkeit länger.

Wasser wird in einem Bauteil normalerweise kapillar transportiert Bei unterschiedlichen Porengrößen wird dieser Transport unterbrochen bzw. behindert. Wasser in der Konstruktion wird zum Mörtel wandern, also länger am Holz anliegen. Ein Abtransport geschieht viel langsamer und wahrscheinlich nicht ausreichend. Wenn jetzt noch Zement mit im Spiel ist sollte man den Bausparvertrag aufstocken.
Der Austausch der Ausfachungen von innen heraus, ohne abnehmen des Wetterschutzes führt durch z.B. ungenaues Arbeiten, herausgequetschten Mörtel oder Kleber unumgänglich zum Kontaktverlust zwischen Dämmung und Wand. An solchen Punkten wird Kondenswasser ausfallen.

Eine funktionierende Ausfachung ist z. B. Feldbrandziegel mit Lehm, wenn verputzt werden soll mit einem offenporigen Putz auf Kalkbasis. Kellenschnitt.
Absolut nicht geht: Zement-, Kunstharzputze, Klinker, Kunstharzfarbe und Silikone .... Bei Schwellen und Balken schon gar nicht!
Die Glaswolle an der Außenfassade ist allerdings auch etwas fraglich. Auch die hydrophobe Glaswolle kann Nässe einlagern und ebenso Schimmel aufweisen. Das würde ich an einer Fachwerkfassade auf alle Fälle versuchen zu vermeiden.
Eine Beplankung mit Holzweichfaserplatten ist durchaus denkbar. Denkmalschutz beachten!

Die Variante mit dem Gipskartonplatten sollte unbedingt vergessen werden. Auf welcher Internetseite haben Sie das gefunden?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Auf dieser Internetseite gefunden



http://www.schulungsstelle-traunstein.de/Energieberatung/background/53040296650894a1d/53040296690920558/53040296690949875/index.html

Dort die dritte Abbildung

Vielleicht hab ich da ja was falsch verstanden.
Trotzdem Danke für die Antwort.

Von Außen wird nicht verputzt. Mauerwerk bleibt auf Sicht, da ja eine Wetterschutzschale davor kommt.
Von innen wird nur mit Kalkputz verputzt, wenn eine Wand hochgezogen wird. Ob Porenbeton oder ein anderer Stein muß mal sehen.
Wenn wir kein Ytong nehmen,müssen wir theoretisch auch mehr Wärmedämmung nehmen, da ja ein anderer Stein nicht so dämmt oder?
Gibt es außer Mineralfaserwolle, Styrodur oder Holzfaserplatten andere Möglichkeiten zu dämmen abgesehen von Lehm?



Dem Beitrag von Herrn Kornmeyer...



... kann ich nur zustimmen.

Was an Ihrer Situation ein guter Ausgangspunkt ist: Ihre Schwiegermutter will die Lehmgefache erhalten. Warum nicht den Rest auch mit Lehm ausfachen ? Lehmsteine sind nicht so teuer und auch recht gut zu verarbeiten. Spezielle Lehmbaufirmen machen das meist günstiger als normale Mauerfirmen, die nur selten Gefache mauern (Von dort kommen auch immer die Vorschläge mit den ach so praktischen Ytongsteinen).

Wenn aussen ohnehin eine hinterlüftete Schale vorhanden ist, sollte doch auch hier von aussen gedämmt werden. Material idealerweise Holzfaserdämmplatten vollflächig. Andere Materialien sind hier aussen jedenfalls nicht so schädlich wie die Verwendung bei Innendämmungen.

Die Finger weg von Dampfsperren, Ytong, Gipskarton und vor allem Luftschichten im Innenbereich. Dazu muss man nur mal die Suche hier im Forum benutzen, um ausreichend einschlägige Horrorszenarien zu finden.

Beste Grüße, Marc Sattel



Konstruktionsvorschlag



Also bei dem Konstruktionsvorschlag nach dem angegebenen Link hätte ich Bedenken, wie das mit den Anschlüssen der "Dampfbremse" aussehen soll.
An den Decken und einbindenden Innenwänden kommt die feuchte Luft gut in die Dämmung rein, aber ansonsten nicht mehr raus. Dort kondensiert sie an den kälteren Bauteilen in der Fachwerkebene, bis die ganze Wand aussieht wie jetzt nur die Schwelle. Na dann "Schwamm drüber".

Beste Grüße, Marc Sattel



kompliziert



ich habe das Gefühl egal wie man es macht man macht es falsch.
Die sieht jetzt ein Wandaufbau im diesen Fall nun konkret aus.
Wir haben eine offene Fassade. Firmen die sich mit Lehmausfachungen auskennen sind entweder ausgebucht oder sehr teuer.
Ich habe wie gesagt schon viele Beiträge auch hier im Forum gelesen, wo sich schrecklich darüber aufgeregt wurde, das keine Dampfsperre eingebaut wurde und jetzt soll ich auf keinen Fall eine einbauen.

Nach außen können wir nicht dämmen, weil nur begrenzt patzt ist. Genauer gesagt 8cm. Warum ist jetzt hier nicht wichtig. Wichtig ist nur zu wissen dass es von außen nicht zu dämmen geht.

Warum darf ich den nun keine Gipskartonplatten benutzen?
Und wenn ich doch kann aber keine Luftschicht haben darf, was kommt zwischen die Lattung- Wärmedämmung und sollte dann nicht die Dampfsperre -die ich eigentlich nicht einbauen sollte- direkt hinter die Gipskartonplatte? Würde dann die Platte nicht anfangen zu schimmeln? Muss dann also doch nichts zwischen der Lattung.

Und weiterhin sind die gestellten Fragen noch offen.
Wenn wir kein Ytong nehmen,müssen wir theoretisch auch mehr Wärmedämmung nehmen, da ja ein anderer Stein nicht so dämmt oder?
Gibt es außer Mineralfaserwolle, Styrodur oder Holzfaserplatten andere Möglichkeiten zu dämmen abgesehen von Lehm?

Ich glaub, ich bin jetzt noch verwirrter als vorher!



Kreativer Umgang mit der Realität



Vor allem im Hinblick darauf, dass bereits Schwellen und Ständer vergammelt sind sollten Sie bei der Verwendung der Materialien äußerste Vorsicht walten lassen. Diffusionsoffenheit, möglichst nach außen zunehmend ist hier gefragt, absperren, bremsen passt nicht in die Wand.

Auf Dauer führt das Absperren und Wassersammeln zum Tode der Bauteile und zeugt eher von einem kreativen Umgang von der Realität. Vor dem Sanieren sollte ohnehin erst ergründet werden, weshalb Ständer und Schwellen angegammelt sind. Das vermörteln von Ytongsteinen kann den begonnenen Verfallsprozess sogar noch beschleunigen.

Wenn doch so verfahren werden soll, immer im Hinterkopf behalten: Schäden durch mangelnde oder falsche Pflegen/Sanierung unterliegen nicht dem Versicherungsschutz, Brandsch <= Nein, das schreibe ich besser nicht. :-))

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Verwirrung soll nicht sein



Es funktionieren in der Ausfachung: Feldbrandziegel mit Lehm, oder auch Lehmziegel um einen feuchteausgleichenden Aufbau der Wand zu erreichen.
Innen dann entweder nur Kalk- oder Lehmputz oder aber auch mit einer Holzweichfaserlage, in Lehm liegend verarbeitet.
Zur zeit sind die Ausfachungen mit Ziegeln ausgemauert. Es spricht nichts dagegen die gleiche Technik anzuwenden. einen erhöhten Dämmbedarf kann ich irgendwie nicht erkennen.
Mineralfaser und Styropor passt da gar nicht, wie schon im vorherigen Beitrag erläutert.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Nur ein Tipp



Schau mal unter www.conluto.de



Fachwerk...



und Niedrigenergiestandard passen nicht zusammen. Daher heißt die Devise: Dämmung wenn überhaupt nötig moderat. Bei Wetterschutz bzw. geringer Wetterbelastung kann mit Holzweichfaser (innen bis ca. 4-5 cm, außen sind auch größere Dämmstärken möglich) gearbeitet werden. Ansonsten mit Leichtlehm. Grundsätzlich homogen ohne Luftschicht
Herr Kornmeyer hat die Problematik bestens erläutert, ich kann mich nur anschließen. Geeignete Handwerker, die sich wirklich in der Materie Fachwerk auskennen gibt es Immer, sicher auch in Ihrer Ecke. Man muss Sie nur finden...(z.B. Mitgliedersuchfunktion im Forum) oder einfliegen lassen. :-)

Viele Grüße vom Edersee