Sanierung Feuchter Wand

04.02.2013 Finne



Hallo,

bin neu auf dem Forum aber mein Problem ist dafür schon lange da..

Die Wohnung: Altbau BJ. 1924, EG, eine lange Seite ist bis zu 1,5m vom Fußboden unterirdisch, untergekellert.
Problem: Diese unterirdische Wand ist feucht. Altspachtel (ca. 30Jahre alt) kommt runter.

Komprimierte Beurteilung durch mich und diverse "Fachleute":
1. Die Keller unterhalb ist noch feuchter, aber aufsteigende Feuchte existiert nicht (oder doch?). Weil nur die unterirdische Wand so nass ist, gehe ich auch davon aus dass es HAUPTSÄCHLICH um durchdringende Feuchte handelt.
2. Die Feuchtigkeit dringt also durch die Wand. Einzige sinnvolle Maßnahme ist von aussen aufzugraben und abzdichten.
3. Eine Oberflächentemperaturmessung mittels Wärmebildkamera ergab (bei Außentemperatur von -5°C) keine Unterschreitung von +15°C, somit ist eine Kondenswasserbildung ausgeschlossen.

Bisher durchgeführten Maßnahmen:
1. Altputz wurde abgeschlagen und es wurde ein Sanierputz gebaut bis zu einer Höhe von 1m.
2. Außen wurde aufgegraben und abgedichtet. Im März wird auch der oberirdischer Teil instandgesetzt, sprich neuverputzt so dass ein weiteres Durchdringen abgestellt wird. Übrigens wurde während aufgraben festgestellt, dass das Haus über keinerlei Vertikalsperre verfügte und es waren Löcher von bis zu einer Tiefe von 40cm im Mauerwerk.

Nun habe ich also eine Wand, die noch gaanz viele hunderte Liter von Wasser (ca. 20m³ * xxx L / m³) beinhaltet und die teilweise bereits mit Sanierputz instandgesetzt wurde. Zeitgleich fällt aus dem oberen Teil das alte Zeug runter und es wird sichtbar dass vor vielen Jahren es direkt auf einer Tapeten Leimfarbe aufgebracht und anschliessend ca. 5mm gespachtelt worden ist. Also muss MINDESTENS dieses Zeug runter weil es sowieso von sich selbst runterfällt. Das angehängte Bild sollte die Situation etwas aufklären.

Nun die Frage (endlich): Was nun?
Option 1: Spachtel, Altfarbe und Tapete runterschlagen, anschliessend ca. 1cm dick Sanierputz auftragen und hoffen dass es was wird.
Option 2: Spachtel, Altfarbe, Tapete und Altputz (ca. 4cm) bis zum Ziegel runterhauen, anschliessend ca. 5cm dick Sanierputz auftragen und hoffen es war Wert der Mehraufwand.
Option 3: ???? Für jede Meinung, Idee und Vorschlag bin ich sehr dankbar!





Meine zwei Pfennig Erfahrung damit:
Es wäre wichtig zu wissen ob die Feuchtigkeit von aussen oder von unten kommt.
Mit der Abdichterei durch diffusionshemmenden Putz riskiert man, dass die Feuchtigkeit weiter kapillar aufsteigt, weil sie nicht durch die Wandoberflächen verdunsten kann. Spätestens dann, wenn dadurch Balkenköpfe dauernd feucht zu liegen kommen, werden die Schäden massiv zunehmen.
Etwas, was man relativ leicht herausfinden kann, ist ob durch Baumassnahmen in neuerer Zeit Oberflächenwasser zum Haus geführt wird und dort versickert - durch eine Versiegelung kann sowas zustande kommen. Auch ein undichtes und verlegtes Fallrohr oder eine verstopfte Drainage oder Dachentwässerungsleitung kann als Mauerbewässerung wirken. Oder wurde das Haus schon so gebaut?
Gehen Sie doch mal bei Dauerregenwetter ums Haus, vielleicht sieht man etwas.





@Jens Paulsen
Ich hatte letzte Woche einen Sachverständiger vor Ort. In der Innenwand, welche an die feuchte Außenwand schliesst hat er eine diagonal zunehmende Feuchtigkeit aus der Decke runter zum Fußboden festgestellt. Das kann man doch so interpretieren, dass die feuchte von außen eindringt. Anbei noch ein Foto über die Situation auf der Außenseite. Inzwischen ist mit Bitum+Noppenbahn abgedichtet un zugeschüttet.
Ach übrigens, die Problemen mit der Feuchtigkeit fingen so richtig an vor 2,5 Jahren, als der lieber Nachbar den bis auf den Dach wachsenden Efeu abgeschnitten hat.

Also noch klar zu machen. Von der Außenseite her ist abgedichtet worden, in der Innenseite ist von Fußboden bis 1m höhe eine 4cm dicke offeporige Sanierputz.



Hori



Deine Mauern stehen auf streifenfundamente und benötigen zwei verschiedene Abdichtungsarten um wirklich trocken zu werden.Vertikal-u. Horizontalabdichtung. Ein Sanierputz ist keine Abdichtung nur eine Begleitmaßnahme.





Ist eine Horizontalsperre hier wirklich nötig? Mein Verständnis sagt, dass die Feuchte zwar kapillar aufsteigen kann, aber dies geschieht eher sehr langsam. Wenn die Feuchtigkeit dann den Sanierputz erreicht, kann die Feuchtigkeit dann schnell verdunsten. Dies wird noch durch die Heizungsröhre beschleunigt.
Deswegen sehe ich die bisher fehlende Vertikalsperre als viel kritischer: die Querschnittfläche wo das Wasser durchdringen kann ist um einen Vielfach grösser und ebenso der Weg viel kürzer.
Eine nachträglcihe Horizontalsperre ist ja ausserdem nicht gerade einfach anzubringen..

Dass Sanierputz keine Abdichtung ist, ist mir völlig klar. Hab ja die offenporigkeit genannt..

Mein Verständnis sagt, dass der Sanierputz schneller die Feuchtigkeit abliefern kann als der Ziegel nachfördern kann. Somit entsteht ein mehr oder weniger trockener Grenzschicht welche die Wärme besser isoliert und somit eine wärmere Innenwandoberflächentemperatur schafft, die lokale relative Luftfeuchte verringert, und eine Schimmelbildung so verhindert.





Ich würde bei solchen Gegebenheiten, wenn man schon weiss, dass es nach Entfernen des Efeubewuchses schlimmer geworden ist, erst mal dafür sorgen, dass die Wand keinen Schlagregen und kein Traufwasser mehr bekommt. Das kann der Efeubewuchs wirksam verhindern, wenn er dicht ist; die Pflanzen verbrauchen zudem auch ansehnliche Wassermengen aus dem Untergrund.
Dann erstmal beobachten, was sich tut.
Der Aussenputz sollte überall diffusionsoffen, im Sockel- und Schlagregenbereich jedoch wasserabweisend sein.
Bevor zweifelsfrei feststeht, dass es sich um aufsteigendes Wasser handelt, sollte man nicht teure Massnahmen ergreifen.
Dsa kann nur vor Ort entschieden werden - am besten durch einen Experten, der die Arbeiten empfiehlt, aber nicht selbst ausführt.



Sanierung einer feuchten Wand



Nicht wenige Probleme die zu lösen sind.
Ich empfehle Ihnen vorab, kommen Sie am Donnerstag Abend um 18 Uhr ins Bauzentrum München/Riem.
Es geht um einen Vortrag zum Thema Feuchteschäden und um Instandsetzung sowie Schimmel.
Siehe auch:
http://www.muenchner-fachforen.de/index.php?option=com_seminar&catid=3
Wer hat Ihnen denn bisher geholfen?





@Bromm
Sehr geehrter Herr Bromm,
Sie waren selbst in dieser Wohnung in Haidhausen vor ca. einem Jahr, und schlugen damals vor eine innenseitige Abdichtungssystem (I-System) anzubringen. Unsere WEG entschied damals allerdings gegen diese Maßnahme, weil unseren hausinternen Experten der Meinung waren es ist besser von außen aufzugraben und abzudichten.
Nun ist es also passiert, die Wand ist von Außen unterirdich abgedichtet und wird noch im März/April nach der Frostperiode neu verputzt.
Und ich überlege mir wie gestallte ich nur die Innenseite so, dass die Restfeuchte aus der Mauerwerk raus kann, sprich ob das anbringen eines Sanierputzes hier Erfolg bringen kann. Ich wäre schon froh wenn der Putz die nächsten 5 Jahre halten würde (ich kenne es mit den Salzen und Salzkristallenbildung) und es zu keine weitere Schimmelbildung kommt.
Wie sehen Sie die Sache? Können Sie ein anderes Vorgehen als das I-System vorstellen?

MfG,
M.Peipponen



Nun vorstellen kann ich mir vieles, aber ist es auch sinnvoll?



Man könnte doch auch einen Bierkrug von innen abdichten, wenn dieser mit kühlen Bier im Sommer gefüllt ist und von außen das Wasser runterläuft.
Diese Menschen gibt es zu Hauff.
Warum behaupten denn so viele sogenannte Fachleute - es hilft nur außen (nachträglich) abdichten.
Das mit der Tauwasserbildung ist zwar logisch wird jedoch auch oft missachtet.
Ich habe jedenfalls genügend Messungen gemacht und dabei Tauwasser-Ausfall an sehr vielen Tagen von über 25° ermittelt.
Man denke nur an Juli und August diesen Jahres. Sehr feuchte und warme Luft aus Südwest. Dabei oft Feuchtewerte von über 90% und Temperaturen von Nahe 30°.
Wenn dann die Nacht relativ kalt war entsteht auch an der Wand Tauwasser.
Deswegen auch mein Vorschlag statt Sanierputz (auch alle anderen Putze sind in diesen Fällen ungeeignet) eine dampfdichte und wärmedämmende Instandsetzung durchzuführen.
Aber auch an der richtigen Stelle zu heizen bzw. temperieren.
Dann passt es!
Sie schreiben auch noch, dass das Wasser von außen eindringt - ja warum läuft es dann nicht innen raus und überschwemmt den Raum?
Aber dazu morgen Abend mehr.





Ich bin zwar kein Expert in Sachen feuchte Mauer, aber ich verstehe vieles an Physik. Ich bin ein Ingenieur und gewöhnt technische Texte zu lesen und auch kritisch zu sehen.

Das mit der Tauwasserbildung an sich ist logisch, aber trotzdem habe ich einige Punkte die in meinem Fall dagegen sprechen:
1. Ich habe Thermografie an den Wandflächen gemacht, bei Außentemperatur von -5°C überall ca. 15-18 Grad. Das gleiche bei Außentemperatur von +10°C ergab 19-20°C. Somit ist im Sommer auch mit Wandoberflächentemperaturen von über 20°C zu rechnen. Nun gibt es im Sommer Tage mit einem Taupunkt über 20°C (laut http://www.bh-online.de/wcms/index.php?minmax12 in Starnberg am höchsten 20,2°C). Also gut, an wenigen Tagen kann es ein wenig kondensieren, am Tag danach trocknet's dann aus wenn es so ist. Im kalten Keller (Wandoberflächen ca. 10°C) im Sommer gibt's ganz klar sehr viel Kondenswasserbildung.
2. Wie erwähnt, hat es mit der Feuchtigkeit so richtig Probleme gegeben erst nach dem Schnitt des Efeus.
3. Je tiefer ich an die Wand reinbohre, desto naßer wird es.
4. Im Außenwand gibt's (noch) eine Vorschalung mit einer Spalte, wo das Regenwasser eindringen kann.

Und warum überschwemmt die Wohnung denn nicht? So eine 80cm dicke Mauer ist doch helbwegs wasserdicht - so kann es nur zu ganz langsamen Wassertransport kommen (über Diffusion oder Kapillarwirkung oder Druck oder was weiss ich). Das wenige Wasser was durchdringt tut sich dann in den Zimmerluft verdampfen, die Mauer bleibt dabei aber schön nass.

Noch zu Sanierputz. Die langsam durchdringende Feuchte (nach der Neuverputzung der Außenwand noch langsamer) "hüpft" dann rasch über den Sanierputz. Dieser bleibt dabei relativ trocken, isoliert dadurch besser auch Wärme, die Oberflächentemperatur steigt weiterhin.

An Temperierung denke ich aber auch. Im Badzimmer heize ich nur noch mit einer IR-Panel: gleichmäßig warme Oberflächen und überhaupt kein Schimmel.

Ich versuche die Sache möglichst logisch zu denken gemischt mit viel Optimismus weil ich hab nun Mal das Geld nicht an die Innenseite noch eine Dampfsperre anzbringen. Wo liege ich falsch mit meiner Argumentation und warum?