Ist eine nasse Kellerwand tolerierbar?

08.09.2010



Hallo Fachwerker,

die Überschrift sagt es, es geht um einen gemauerten Keller mit einer nassen Wand in einem niedersächsischen Bauernhaus(ca. 1860).

Der Keller wird nur als Abstellraum benutzt, ist also kein Wohnraum im engeren Sinne. Nach starken Regenfällen, so wie jetzt im August, ist die Außenwand des Kellers feucht, teilweise sogar richtig nass. Auch die typischen Salzausblühungen finden sich überall.

Das lag zum einen an einer verstopften und damit überlaufenden Dachrinne, aber auch sonst war es schon immer mal feucht. Die betreffende Wand ist genau die Wetterseite, also NW. Eine Horizontalsperre wurde von einer Fachfirma gemacht, ebenso eine Innenabdichtung mit verschiedenen Dichtschlämmen, alles ohne richtigen Erfolg, die Wand ist und bleibt feucht.

Es ist sehr wahrscheinlich Oberflächenwasser, da das Haus auf einem Sandberg steht, und der Grundwasserspiegel sehr weit unten liegt.

Wir überlegen nun, den harten Weg zu gehen, alles abzugraben, und eine Außendichtung machen zu lassen, obwohl die Motivation für eine derartige Geldausgabe eher gering ist, da schon soviel versucht wurde.

Jetzt habe ich irgendwo (finde es leider nicht mehr) gelesen, dass eine Feuchte Kellerwand gar nicht so dramatisch schlimm sei. Die oft angeführte Gefahr, dass durch die Kapillarwirkung die Nässe nach oben zieht, sei gar nicht so groß wie oft gesagt wird.

Meine Frage:

Muss der Keller unbedingt trocken sein, oder kann man eine wenig Feuchtigkeit in der Wand auch mal ignorieren? Lohnt sich der Aufwand einer Außenabdichtung und einer evtl. notwendigen Drainage? Auch im Hinblick auf einen möglichen Wiederverkauf?


Danke fürs lesen.





Ja, ist tolerierbar,
nein der Keller muss nicht trocken sein.

Die Dachrinne sollte aber schon funktionieren.

Grüße aus Schönebeck





Welche Art Horizontalsperre wurde eingebaut, was hat sich am Schadensbild verändert?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Erstmal danke für die schnellen Antworten!

>Die Dachrinne sollte aber schon funktionieren.Welche Art Horizontalsperre wurde eingebaut, was hat sich am Schadensbild verändert?<

Es wurde 30 cm oberhalb des Kellerbodens mehrere Bohrungen gesetzt, Rückschlagventile eingeschraubt und dann verpresst. Genaue Bezeichnung des Verfahrens kenne ich nicht. Dann kam auf die gesamte Wand noch eine Art Dichtschlämme, mit einem Kunsstoffanteil drin. Hieß so ähnlich wie "Puder Ex", keine Ahnung. Zitat des Fachmanns "Damit kann man sogar einen Gartenschlauch zuschmieren"

Im unteren Bereich war es tatsächlich trockener, aber im oberen Bereich der Wand kamen nach und nach wieder feuchte Flecken und Salzausblühungen. Ich habe dann trotzdem die Wand mit Rotband verputzt, es hielt 1,5 Jahre, dann wie gesagt wieder Nässe nach starkem Regen.

Hoffe das hilft ihnen.





>>Die Dachrinne sollte aber schon funktionieren<<

Ja, das war unser Fehler, halten sie jetzt besser frei von Laub und Ästen (Haben eine große Eiche vorm Haus).





Evtl. solltet ihr mal prüfen, wo das Wasser aus der Dachrinne hingeführt wird.

Bei uns endete das Fallrohr in zerstörten Tonrohren so dass das ganze Wasser vom Dach im Vorgarten versickert ist und zum Teil in den Keller gedrückt hat. Seit dem richtigen Anschluß an den Kanal ist unser Keller trocken.

Gutes Gelingen
Dietmar



Ausbuddlen hilft!



Hallo,
aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das Ausbuddeln in dem Falle hilfreich ist, wenn das Wasser zwischen Boden und Kellerwand den einfachsten Weg zum versickern findet.
Unser Keller wurde im Frühjahr 2009 ausgegraben mit einem speziellen Zementputz verputzt und mit Dickbeschichtung und Wärmedämmung versehen. Als Abschlusschicht kommt eine Drainfolie mit Noppen (Delta). Mit diesem Aufbau haben wir eine wesentliche Verbesserung bemerkt. Die Salzausblühungen gehen immer mehr zurück. An der Luftfeuchte war es dann auch noch zu merken, denn die liegt inzwischen bei 60-70% wo vorher 80-95% waren. Als einzige Änderung zu unserem Aufbau würde ich mit meinem jetzigen Wissen eine Isolierung wählen die eine Diffusion des Wassers nach aussen zulässt. (Wie Immer hinterher ist man schlauer.)

Gruß Nanne





>>>“Als einzige Änderung zu unserem Aufbau würde ich mit meinem jetzigen Wissen eine Isolierung wählen die eine Diffusion des Wassers nach aussen zulässt”<<<

Nanne,

und wie sollte so etwas in der Praxis aussehen?

Grüße aus Schönebeck



Feuchte Flecken und Salzausblühungen...



... Rotband bzw.Gipsputz ist wohl die schlechteste Putzart für einen Keller.
So richtig trocken wird er kaum geworden sein!



ich



kann meinen beiden Vorschreibern nur zu 100 % zustimmen.
Rotband ist Gipsputz - runter damit.
Abdichtung nach außen gegen kurzzetig drückendes Wasser und gleichzeitig diffusionsoffen - ????