Hausrückwand = Sandstein (Fels) - was tun?

16.08.2010



Hallo!

Ich habe ein ca . 80 Jahre altes Bruchsandsteinhaus erstanden, das mit der rückwand und einer Seitenwand komplett in den Fels gebaut ist - der ist teilweise feucht, und auch die Rückwand (wenn es eine gibt und nicht direkt der Fels in der Wohnung ist) ist teils durchfeuchtet - andere Teile des Rückwärtigen Bereichs sind völlig trocken.

Einige Fachleute haben mir nun empfohlen, die Felswand einfach offen zu lassen (hat ja auch seinen Charme), eine Zwangsbelüftung (analog Badezimmer oder Lüftungsschlitze in türen und Fenstern) vorzusehen, und mit erhöhter Luftfeuchtigkeit zu leben (gut, geheizt wird ja auch noch, aber auch gekocht).

Frage: hat jemand Erfahrung mit solchen Häusern? Wie verhält es sich mit Reinigung, Fettablagerungen, Kondensatbildung etc. insbesondere in der Küche? Tipps für die Abdichtung der Decken zum Fels hin? Isolierung notwendig? Raumtemperaturen? Heizbedarf? Doch Abdichten und wenn ja wie? Teilweise scheinen es Holzdecken zu sein - die soweit an den Auflagern noch in Ordnung sind (also kanns so feucht ja nicht sein?), Teilweise ziemlich angerostete Stahlprofildecken.

Und noch eine Frage: die Wände im EG sind ebenfalls feucht bis auf ca. 80cm (da teilweise trotz Feuchtigkeit aussen kein Erdreich ansteht tippen wir auf aufsteigende Feuchte) - dort auch die Idee mit einer nicht ganz dichten Schlämme und Sanierputz die Feuchtigkeit etwas grossflächiger zu verteilen und mehr zu lüften, da die Injektionen teuer und bei Bruchsandstein nicht immer von Erfolg gekrönt sind ... von aussen kommt man gar nicht mehr dran ...

Wer hat sowas schonmal gemacht und lebt nun damit? Wir reden nicht über Keller, sondern über Wohnzimmer, Küche und Esszimmer....

Vielen Dank für die Infos!
Beste Grüße,
S. Lang





Hallo,

hab ich schon mal gemacht und um die Lösung gerungen. Vorab: sie bleibt risikobehaftet.
Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Mit 12 cm Schaumglas abisolieren, das ist diffusions- und wasserdicht, kann verputzt werden mit hydraulischem Kalk. (war für treppenhaus)

2. Sie schaffen einen zwangsbelüfteten Zwischenraum, in diesem Fall waren es 24 cm Wienerberger Hochlochziegel mit bestmöglichem Dämmwert. (war für Wohn- und Schlafraum).

Alles nicht nach den Regeln fürs unterirdische bauen, aber es hat bisher funktioniert.

Grüße vom Niederrhein



Moin Silke,



könntest du ein paar Fotos einstellen (hier kostenlos anmelden und hochladen)?

Hast du bereits die geologischen Gegebenheiten geklärt? Fels ist nicht gleich Fels und es bestünde die Möglichkeit, dass euch dort Wasser durch etwaige Spalten hinter die Wand läuft.

Die andere Variante wäre, dass wenn jahrelang nicht geheizt wurde, die Kondensfeuchte sich dort niedergeschlagen hat und durch regelmässiges Heizen und Lüften von allein verschwindet.

Fettablagerungen könnt ihr bereits mit einer Umlufthaube mit Aktivkohlefilter vorbeugen.

Gibts in der Nachbarschaft evtl. noch Alteingesessene, die euch sagen können, ob das schon immer so war?

Gruss, Boris



... fragen erzeugen mehr fragen ...



Hi Boris, Hallo Herr Beckmann,

Danke schonmal für die allgemeine Info, zwei Fotos sind inzwischen eingestellt.

Das Schaumglas hält aber sicherlich nicht auf einer krummen und schiefen Felswand und ist doch auch nicht dicht, wenn man es nicht in ein dickes Bitumenbett legt? und das Problem mit der Vormauerung ist, dass ich dadurch in der winzigen Küche nochmal Platz verliere...


Die Nachbarn sind vermutlich auch alle in den Fels (es ist Luxembourger Sandstein) gebaut, aber in Luxembourg regiert in diesen Fällen meistens der Wunsch nach geraden trockenen Wänden, und so werden hier in der Gegend alle mit vorgemauerten Wänden mehr oder weniger gut leben... aber ich erkundige mich mal, vielleicht gibts ja doch den einen oder anderen Puristen...

Wie steht es mit der Kondensation an den Wänden, die ja sicherlich kälter sein werden als die Raumluft? Wäre es auch eine Möglichkeit, bis auf Arbeitsplatzhöhe eine Vormauerung zu machen, und dann ggf. später ein Fenster darauf zu setzen, wenn es doch feucht ist? mit Beleuchtung dahinter? Dann wärs dicht, man käme noch dran und würde trotzdem den Fels sehene, oder gibts dann Kondensation am Fenster und man sieht eh nichts?

Die Küche war bisher der Heizkeller, und insofern wohl der trockenste Raum im Haus ;-) , allerdings war das Haus tatsächlich seit fast 2 Jahren nicht mehr bewohnt - ich befürchte allerdings dass es nicht nur Kondensfeuchte ist, weil im OG die Vormauerwand der Felswand mit irgendwelchen Keramikplattenverkleidet war, hinter denen es kräftig schimmelt - darüber war die Wand trocken, daher vermute ich, dass es hinter der Wand feucht ist... dort die Feuchtigkeit also vom Fels kommt.

Andererseits ist die eine Ecke im Vorraatsraum staubtrocken (als ich die Holzverkleidung abgebrochen habe, war dahinter trockener Staub und Laub, da war garantiert seit langer Zeit kein Wasser drin... Ich hoffe halt, dass ich wenn ich das Oberflächenwasser am oberen Dachende (Pultdach) mit einer Drainage wegleite, unten nur noch wenig Feuchtigkeit aus dem Fels kommt. Direkte Spalten scheint es erstmal nicht zu geben...

Die Frage mit der Feuchte stellt sich eben auch in den Wandfüssen - daher ja die immer wieder heiss diskutierte Notwendigkeit einer Horizontalsperre dort, oder ob es auch mit Lüften udn Heizen weggeht?



noch ein Bild



.. .da ist es schon trockener ...



austrocknen



Hallo Silke,

wenn jetzt einige sehen das ich was schreibe sagen die bestimmt: och, der schon wieder mit seinem Lampenöl.

Aber mal im ernst, Deine Wände sind nass weil die Wand sehr saugfähig ist. Was spricht also dagegen die Wand das aufsaugen von Wasser abzugewöhnen. Dann trocknet die von ganz alleine ab ohne das die Poren verstopft werden müssen.

Ich sage nur: Sergijeva Kirche (1631) des Märia Verkündigungskloster in Nishny Nowgorod. Auch da haben wir die Hangmauer ausgetrocknet ohne die Kapillaren zu verstopfen, die K-Sperre widersteht gerade 5,5 m Wassersäule! Kein Zentimeter Zementschlemme, nur Kalkzementputz der überall trocken ist. Sogar das Lüftungsregime was man in Kirchen und Schlössern kennt ist abgestellt.

Kurzum, die Wände sind sanierfähig.

Grüße aus Berlin

Sandsteinwand in einer Dresdener Gaststätte.





Hallo Silke,

wie kann ich mir den Fels vorstellen, ist es ein Berg in den das Haus gebaut ist?

Grüße aus Schönebeck



Felswand



Hallo Silke,
anscheinend ist seit dem Bau des Hauses noch nie Wasser von außen durch die Felswand eingedrungen.
Es gibt keinen Grund anzunehmen, das sich dies plötzlich ändert.
Wenn, dann sollte man die Ursachen außerhalb am Übergang Fels-Wand suchen und abstellen.
Was man sehen kann sind mit Sicherheit Kondenswasserbildungen durch den langen Leerstand.
Deshalb keine Panik, die Stellen gründlich reinigen und neu streichen, am besten mit Weißkalk. Das wirkt antifungizid und kostet nur ein paar Euro. Aller paar Jahre erneuert ist das ein billiger und gut funktionierender Anstrich für den Keller.

An Herrn Rupnow:
Ich hoffe, Sie haben bei der Gelegenheit dem heiligen Theüdratius etwas Öl für die heilige Lampe gespendet.
Vielleicht hilft das bei der Erleuchtung.

Viele Grüße





@Georg Böttcher

Die Silke redet aber nicht über Keller, sondern über Wohnzimmer, Küche und Esszimmer....

Grüße aus Schönebeck



Felswand



Auf den Fotos geht es um den Heizungskeller, darauf hatte ich mich bezogen und darüber schreibt Silke auch.
Wenn das einmal Küche werden soll, dann ist das mit dem Kalkanstrich natürlich etwas unpassend. Aber für diese Nische, falls sie denn bleiben sollte, reicht ein Kalkanstrich.
Das mit den oberen Räumen war für mich mit dem Hinweis von Dietmar Beckmann erledigt. Ich tippe trotzdem auf Kondensfeuchte und fehlende Lüftung durch den Leerstand.
Hineinlaufendes Wasser würde sich auch im Keller- später Küche- bemerkbar gemacht haben.
Falls doch partiell etwas in die Fuge oben hineinläuft (wobei es interessant wäre zu wissen, wie dieser Anschluß funktioniert) dann muß diese Undichtigkeit eben beseitigt werden. Ich dichte auch nicht die Wand ab, wenn Wasser durch ein undichtes Dach von oben hineinläuft.

Viele Grüße



Moin Silke,



ich würde ja lieber ne Dicke Glasscheibe davormachen und ein Aquarium rein......wenn der Pegel sinkt, sind die Felsen nicht ganz dicht....;-).

Im Grunde genommen ist das ja die moderne Antwort auf die Höhlen unserer Ahnen......ein etwas feuchteres Raumklima gehört da denk' ich dazu und du siehst ja: es ist zwecklos zu versuchen es abzusperren.

Ich schliesse mich Georgs Vorschlag an, würde aber (wenns mit vertretbarem Aufwand machbar ist) im Sichtbereich den anscheinend stark zementhaltigen Putz noch runternehmen. Kann natürlich auch zu einem Restauratorenjob ausarten, also erstmal in einer Ecke probieren.

Bei einer schier endlosen Steinwand, 2 Jahre unbeheizt und teilweise zugepampt würde ich mich nicht wundern, wenns ca. 1 Jahr dauert, bis sichs "eingependelt" hat, also nur soviel Feuchtigkeit nachkommt, wie ihr auch ablüften könnt.

Zur schnellen Oberflächentemperatur-Messung gibts z.B. sowas:

http://www.conrad.de/ce/de/product/122301/Basetech-MINI-1-IR-Thermom/SHOP_AREA_17210&promotionareaSearchDetail=005

Damit kriegst du vielleicht ein Gespür dafür wo's übers Jahr gesehen kondensatanfällig ist (und man besser nix davorstellt).

Viel Erfolg, Boris



schon viel besser...



Danke erstmal an alle für die Info,

Also nur zur Bestätigung: der Heizungskeller soll tatsächlich die Küche, also ein Wohnraum werden. Meine Küchenmöbel sind allerdings eine Modulküche, also freisthende Möbel, die man ggf. einfach von der Wand abrücken kann, bzw. auch mit Abstand stellen kann, um zu reinigen ,nachzustreichen etc. Wie das in der Realität wird werde ich dann wohl einfach ausprobieren ;-)

Heute war ich kurz mit einem Unternehmer vor Ort, der zum gleichen Schluss kam: Offen lassen, damit man sieht was passiert, ggf. reinigen und nachkalken gegen eventuelle Schimmelbildung, bei Kondensationsfeuchte lüften, ggf. mit Hilfe eines Ventilators (der hat mein Vertrauen dadurch erweckt, dass er mir von der eigentlich von ihm vertriebenen Horizontalsperre abriet ;-), und auch sonst für solche Minimallösungen offen war). Was er allerdings für die feuchten Wände im OG, sowie einige unbeheizte Bereiche wie das Treppenhaus empfohlen hat, waren Kalzium Silikatplatten, die angeblich zwar bisschen dämmen, vor allem aber Feuchtigkeit (z.B. auch Kondensat) aufnehmen ohne zu schimmeln und langsam wieder abgeben... (die vertreibt er natürlich auch ;-) - kennt das System jemand? Bringt das wirklich was? Die werden wohl einfach auf die bestehende Wand geklebt, und dann mit Kalkputz verputzt...

Putz ist in den Bereichen der Fotos nirgends drauf (was weiss ist, ist ein vorgesetztes Regal), das ist die nackte Felswand, die auch schonmal gekalkt wurde, daher auch die etwas schmierige Oberfläche.

@ Oliver: Das Haus ist tatsächlich in einen Berg (ganz Luxembourg steht ja auf felsigem Sandstein) reingebaut, einen ziemlich steilen, der dafür sorgt, dass nur die Vorderseite des Hauses komplett herausschaut, und hinten die Felswand die Rückwand ist - ein klassisches Hanghaus sozusagen, nur dass der Hang nicht aus Erde sondern aus Fels besteht.

Wenn sich das mit dem Kondensat als zu problematisch herausstellen sollte, werde ich dann wohl auf die Lösung von Herrn Beckmann zurückkommen müssen, wobei mir das nicht so behagt, weil ich dann nicht mehr dahintergucken kann... was den Anschluss Wand/Fels oben (da steht die Wand nämlich auf dem Felsrand der "Baugrube") betrifft, schaue ich mir das nochmal an, die einsehbaren Stellen sind, obwohl es jetzt 3 Tage am Stück geregnet hat, trocken, wollte trotzem mal am Hang etwas graben und zu sehen, ob sich da nicht eine Drainage und Abdichtung der Wand lohnen würde - dazu müsste ich dann aber die Dichtungsbahn am Felskopf ankleben, damit das wasser auch in die Drainage und nicht doch zwischen Wand und Felsen reinläuft - Tipps und Tricks hierzu sind gerne willkommen :-)

Danke auf jeden Fall für die vielen Infos und guten Tipps! Denke, jetzt bin ich einen Schritt weiter.



CS Platte, so so



... mal im Ernst, wer würde eine Horizontalsperre in einer Felswand einbauen? Da muss man kein Fachmann sein um das für nonsens zu halten. Flächensperre per Injektionsflüssigkeit mit begrenzter Eindrigtiefe macht eher sinn wenn die vorhanden Kapillaren nicht mit gut wärmeleitenden Material gefüllt werden sondern mit Luft. Wer Kalzium Silikatplatten an einer Felswand Kleben möchte hat anscheinend nicht zu ende gedacht, diese Platte gehört an keine nasse Wand -sagt ein Hersteller den ich mal auf ein Schimmelfall in so einer Platte befragt habe (Bild in meinem Profil).

Gruß Ralf