Dämmung mit Hanf

28.11.2008



Hallo zusammen,
ich gedenke eine innwandige Dämmung der aussenwände mittels stopfhanf. Hierbei dachte ich an eine holzrahmenkonstruktion,darauf eine Lattung und anschließend im bad feuchtraumrigipsplatten/fliesen und in den anderen räumen fichtenbretter.
Ebenso möchte ich den Zwischenraum der Holzbalkendecke mit Hanf ausfüllen.
Nun stellt sich mir die frage, ob ich hierbei eine Dampfsperre einbringen muß?
Das OG wird erst in ein paar jahren ausgebaut und somit bis auf weiteres nicht beheizt.
Die aussenwände sollen aussen ebenfalls mit hanf isoliert werden und als abschluß eine lärchenschalung bekommen.
Als schwachpunkt sehe ich den Betonsockel auf dem die hohlblockwände gemauert wurden. Da das Gebäude bisher eine Scheune war, bekam der Sockel vor ca. 80 jahren leider keine horizontalsperre. Zwischen sockel und Mauerwerk wurde jedoch eine sperre eingebracht. Im gebäude wurden am sockel bisher keine Feuchtigkeit festgestellt, jedoch außerhalb schon. Hier würde aber sicher eine noppenbahn und Drainage noch etwas abhilfe schaffen.
Und nun an alle fachleute, gibt es bei meiner Planung größere fehler oder verbesserungvorschläge? Habe ich etwas vergessen oder übersehen? Noch ist bis auf die fehlende sperre alles möglich.

Im voraus besten dank und liebe grüße aus dem odenwald

andreas



Die Fragen sind sehr umfangreich



und ich würde eine Beratung mit Ortstermin durch eine Sachverständige Person sehr empfehlen. Außerdem sind bei derartigen Arbeiten Grenzwerte nach der EnEv einzuhalten, die man in den meisten Fällen nicht selber nachweisen kann. Aber vielleicht macht das ja der Baustoffhändler (hoffentlich hat er dann auch alles im Blick).
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- warum eine innenwandige Dämmung, wenn gleichzeit eine Dämmung von außen geplant ist?
- wie sehen die vorhandenen bauteile aus?
- die Geschichte mit dem Sockel habe ich leider gar nicht verstanden.
- warum kann keine horizontale Sperre mehr eingebaut werden?





Hallo herr Heim,
der betonsockel ist quasi das fundament, auf dem die Aussenwände der scheune stehen. Ähnlich einem streifenfundament. Dieses Fundament dürfte so ca. 80-100cm tief sein und ragt ca. 30 cm über die erdkante. Unter diesem sockelfundament ist der reine fels. Um hier eine sperre einbringen zu können, müßte man entweder mit injektionen arbeiten( erfolg??) oder ebenerdig horizontal den sockel auftrennen und edelstahlplatten einbringen.( teuer)
Die betonbodenplatte innerhalb der scheune ist mehrfach durch folien und eine lage 50 mm styrofoam geschützt und gedämmt. Feuchtigkeitsprobleme innerhalb sind bisher nicht aufgetreten.
Da der betonsockel breiter ist als die darauf gemauerte 24cm hohlblockwand, ist innerhalb der räume ein absatz von ca. 6cm. Da ich diesen absatz sowieso ausgleichen muß, möchte ich gleich eine holz-oder alurahmenkonstruktion vor die Wand setzen und den Hohlraum mit stopfhanf dämmen.

Bei den Holzbalken handelt es sich um Balken mit den maßen 12x24 cm. Hier möchte ich eine Holzdecke anbringen und oben als boden für das O.G eine lage rauhspundbretter und darauf OSB-platten. Welcher Bodenbelag dann entgültig zum tragen kommt habe ich noch nicht entschieden. Hierbei müsste natürlich auch noch ein Trittschallschutz angebracht werden. Hat aber noch zeit.
Ein ortstermin mit dem bauleiter( maurermeister) erfolgt in den nächsten tagen und ich wollte daher nicht gänzlich unvorbereitet mit unrealistischen vorstellungen erscheinen.
Ich hoffe meine laienhafte schilderung wird nun etwas klarer.

gruß andreas



Also bildet



der Sockel den unteren Bereich der Außenwand? Wenn dem so ist, ist das eine sehr unglückliche Situation. Dies Wärmebrücke wird mit Sicherheit Probleme bringen.
Wie liegt Oberkante Bodenplatte zum Erdreich bzw. zur Oberkante Betonsockel?
Die Umnutzung einer Scheune in Wohnraum Bedarf einer Baugenehmigung also wäre vor dem Bauleiter hier der bauvorlageberechtigte Planer gefragt. Gibt es diesen schon?
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Decke zum OG: Aus meiner Sicht ist Rauhspund + OSB "doppelt gemoppelt"





Hallo herr heim,
bauvorhaben ist bereits genehmigt und es gibt auch einen planer.
Richtig, der sockel bildet den unteren bereich der außenwand.
Die bodenplatte liegt ca. 15 cm höher als das erdreich und der sockel wiederum ist ca. 30 cm höher als die bodenplatte.
Bisher konnte innerhalb des gebäudes keine feuchtigkeit festgestellt werden. Wie das allerdings aussieht wenn mal geheizt wird weis ich nicht.
Sollte es tatsächlich zu größeren schwierigkeiten mit der feuchtigkeit kommen, so könnte ich natürlich jederzeit das EG auch als Keller bzw. hobbyraum, Sauna ect. nutzen.
Das erdgeschoß hätte halt gerade mit blick auf das alter und möglicher gehprobleme den großen vorteil des ebenen zugangs.
Ich wollte den doppelten Aufbau des bodens im OG wegen der stabilität. Dachte, dass die 25mm OSB platten bei einem Balkenabstand von 50 cm zu schwach sind. Sollte dies nicht der fall sein, kann ich die bretter natürlich auch weglassen.
Vielen dank schon mal für ihre unterstützung
Gruß andreas



Tja



Hallo Andreas,
wenn es diesen Planer gibt, würde mich doch einmal interessieren, wie er sich speziell das Sockeldetail vorgestellt hat.
Grundsätzlich würde ich vielleicht folgendes vorschlagen. Auf der Bodenplatte eine Feuchtesperre, an den Rändern bis zur OK Sockel hochziehen und mit der Horizontalsperre unter dem Mauerwerk verbinden. Auf der Bodenplatte einen Bodenaufbau von ca. 18 cm Schüttdämmung zwischen Balkenlage und darauf Dielenboden.
Den Absatz von 6 cm mit Bimsdielen aufmauern, so dass innen eine durchgehende Fläche entsteht, die man Verputzen kann.
So ... und an dieser Stelle würde ich jetzt eine Dämmung von außen empfehlen. Entweder Vorhangfassade mit dahinterliegende Dämmung z.B. aus Hanf oder Zellulose oder Holzweichfaser oder aber Holzweichfaserplatten als Wärmedämmverbundsystem mit einem ansprechenden Putz, Oder evtl. auch Kombinationen aus beidem.
Eine innenliegende Dämmung wäre zwar möglich ist aber die schlechtere Lösung.





Hallo herr heim,
erst mal vielen dank für ihre doch recht konkreten vorschläge.
Eine über die bodenplatte sich bis zu den horizontalsperren erstreckende feuchtigkeitssperre halte ich für eine sehr gute idee.
Auch das aufmauern des vorsprungs ist kein problem. Wäre es auch möglich die dann durchgängige wand anstelle zu verputzen, mit rigipsplatten zu verkleiden oder hätte dies eventuelle nachteile?
Ihre meinung im bezug zur Innendämmung deckt sich mit vielen ratschlägen im forum zu diesem thema und ich werde daher nur eine aussendämmung und die geplante lärchenschalung anbringen.
Es bleibt aber noch die frage, ob ich bei der dämmung der Decke auf grund des unbeheizten OG eine Dampfbremse anbringen muß. Als dämm-material habe ich hanf in die engere wahl genommen?
Mein planer sieht in dem sockel, da er nur außerhalb feucht ist wohl weniger ein problem und rät mir vor allem, um das gebäude herum aufzugraben und einen entsprechenden anstrich, noppenbahn und drainage anzubringen.
Auch der maurermeister glaubt nicht, dass die feuchtigkeit bis in die innenräume vordringt.
Da ich aber früher schon mal in einem sehr alten haus wie in einer gruft gewohnt habe, bin ich da doch vorsichtiger. Ich werde ihre ratschläge beherzigen und verbleibe mit freundlichen grüßen aus dem odenwald

andreas



Zum Sockel



wäre noch zu sagen, dass dieser natürlich auch gedämmt werden muss und zwar bis ca. 30-50 cm ins Erdreich. Das geht aber nicht mit Hanf, sondern nur mit Perimeterdämmung.
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Die Dämmung zum OG aus Hanf wird sicherlich zwischen den Balken eingebaut. unterhalb der Balkenlage sollte dann eine leichte Dampfbremse z.B. ProClima DB+ eingebaut werden.
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Bezgl. der Beplankung sehe ich es anders herum. ich würde den Rauhspund in einer Stärke, wie es vom Statiker vorgegeben wird einbauen und die OSB-Platte weg lassen. Warum verleimte Platten(zwar kein Formaldehyd mer, dafür aber Isocyanate, für die es noch keine Grenzwerte gibt), wenn es auch mit Vollholz geht.



Hanfmatten statt Stopfwolle



Anstatt Stopfwolle könnt Ihr auch Hanfmatten verwenden. Die gibt es von 30 - 180 mm Stärke sowohl in Standardgrößen als auch auf Maß direkt zugeschnitten. Eine DampfBREMSE ist bei dem geplanten Aufbau schon nötig. Aber KEINE DampfSPERRE!
Darüber könnt Ihr im Innenbereich alternativ auch Lehmplatten verschrauben. Ist Ideal zur Aufnahme von Feuchtigkeit. Auf Lehm läßt sich übrigens auch fliesen.
Im Außenbereich würde ich ähnlich vorgehen, nur sollte dort über den Hanfmatten eine diffusionsoffene Winddichtung sauber verklebt werden. Wir bieten unseren Kunden auch gerne eine kostenfreie Tauwasserberechnung für den geplanten Wandaufbau an. Dann seid Ihr auf der sicheren Seite, daß alles klappt. Bei Fragen (auch zum Material) gerne einfach melden.
Viele Grüße
Gunther Glöckner Glöckner Naturbaustoffe
[Umweltpreis der Pfalz 18.Nov. 2008]