Lehmwände renovieren

20.07.2013



Hallo,

Wir leben in Namibia und haben ein 100 Jahre altes Haus zu renovieren. Soweit ich das erkennen kann wurde es mit einem Lehm/Sandgemisch gebaut.
Da der Dachueberstand sehr gering ist haben alle Aussenwaende in der Regenzeit Feuchtigkeit gezogen. Nun platz innen bis in Fensterhoehe der Putz ab. In Bodenhoehe haben sich z.Teil 15cm tiefer Loecher gebildet. Das Material, welches rausfaellt ist sehr feucht!
Das Haus wurde 1997 von innen und aussen gestrichen, nachdem die Waende mit entsprechender Grundierung vorbehandelt wurden.
Wie kann man solche Schaede gut und langfristig beheben?
Waere es sinnvoll die Waende ganz von der Farbschicht zu befreien und mit etwas anderem zu Streichen oder zu verputzen?

Bin fuer gute Tips sehr dankbar!

Gruss aus der Sonne,
Renate



Hallo Renate,



abplatzende Schichten hört sich an wie ein Frostschaden, aber das kann ja wohl ehr nicht sein....:-)
Ein Foto wäre Interesant.

Gedanklich würde ich sagen, das hier die Statik bzw.deren Kräfte wirken. Allerdings kann ich mich irren bin nur ein Dachdecker....

Mein Gedanke:
Die Wände sind im Erdgeschoß in den Bereichen bis zum Fenster feucht, dadurch ist die Lehmwand in ihrer Haltbarkeit/Festigkeit geschwächt.
Auf die "geschwächten Wände" drücken/wirken ständig die restlichen Lasten des Gebäudes.
Dies führt dazu das der Lehm Schichtenweise abplatzt und irgendwann die Wand die Lasten nicht mehr tragen kann und die Konstruktion versagen wird.

Also müsste Trockengelegt werden. Was ich mir für Namibia nicht vorstellen kann. Genausowenig das die Farbe schuld sein könnte.

(Die Fachleute entschuldigen bitte meine Dachdeckerstatik und Gedankenflüsse)

Es verbleibt mit Grüßen

Danilo



Lehmputz renovieren



Das liest sich wie die Auswirkungen einer dampfdichten Beschichtung auf einer durchfeuchteten Wandkonstruktion. Die Feuchtigkeit bewirkt durch den Dampfdruck beim Versuch der Diffusion (Trocknung) ein Abplatzen der Farbbeschichtung. Diese sollte dann besser entfernt werden.

Lehmwände sollten im Grunde am besten konstruktiv gegen die Witterung geschützt werden: ein großer Dachüberstand oder eine hinterlüftete Fassadenbekleidung, die wahrscheinlich am ehesten zu realisieren wäre. Das kann eine Holzbekleidung sein, auch auf Lücke (Knüppelholz) -der Regen
schlägt dann nicht mehr bis zur Fassade durch, Wellblech etc.

Aufmerksamkeit sollte man dem Fusspunkt/Sockelbereich zukommen lassen. Sie sollten unbedingt vermeiden, das die Lehmputzfassade im feuchten Erdreich steht oder das Spritzwasser des Regens gegen die Fassade schlägt. Hier sind 30-50cm Spritzwasserschutz und eine Abdichtung gegen auftseigende Bodenfeuchte notwendig.

Ansonsten hilft nur ein Kalkputz, der aber wahrscheinlich nicht zu bekommen bzw. nicht ausreichend fachgerecht aufgebracht werden kann.



Tradition



Die Bauweise des Hauses entspricht ja offensichtlich der lokalen Bautradition in dieser Region Namibias. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die beschriebenen Schäden normal für diesen Haustyp sind. Sicherlich sind die "Segnungen" moderner Bauchemie auch längst in Namibia angekommen und haben dort durch Unwissenheit entsprechende Schäden an den alten Häusern angerichtet.

Da für die spezifische Bauweise und die klimatischen Bedingungen in Afrika wohl kaum jemand von hier aus der Ferne fachlich adäquate Ratschläge, womöglich noch mit Gewährleistungsanspruch, zu geben vermag kann ich nur dringend empfehlen, sich vor Ort einen möglichst alten (!!!) Experten zu suchen, der diesen Haustyp und die traditionellen Methoden der Instandhaltung noch von früher her kennt. Das muss kein ausgewiesener Bauingenieur, Architekt oder Inhaber einer Baufirma sein, sondern kann auch ein Allround-Handwerker sein, der solche Instandsetzungsarbeiten aus eigener Praxis kennt.

Ansonsten wäre ein wenig Gebäuseforschung angeraten:
Gab es vielleicht früher mal mehr Dachüberstand, der irgendwann zurückgebaut wurde? Ist das umgebende Bodenniveau durch Straßenbau oder gartengestalterische Maßnahmen verändert worden? Könnte auch der Spritzwasserschutz dabei auf der Strecke geblieben sein?



Lehmbau wie er mal war (trap)



Servus Renate,

Vor nicht so langer zeit habe ich für Archäologen Lehmhütten im Vorderer Orient überholt und fit für gemacht.
Dort habe ich von Beduine gelehrnt das man bei feuchtenwänden denn Innen-, Außenputz zur Sommerhoch zeiten entfernd und ein paar wochen lang offen lässt. Später tauscht man die Lehmziegel die defekt sind aus und wartet noch mal ein paar wochen.
Ein guter lehmziegel brauch ca. 3 Monate!
Die wand kann man dann wieder bei Putzen mit lehm nach rezept! wie der rest der Wand.
Bei der Farbe gibt es nur eine. Die ist für Innen-, Außen Sumpfkalk 14 Tag ziehen lassen.

Ich hoffe es hilft suche auch schon bilder.

MfG

Steinmbeiser



Lehmwände renovieren



Vielen Dank fuer all die prompten Rueckmeldungen und Ratschlaege.
Auf Frost sind wir noch gar nicht gekommen - und das ist sehr wohl moeglich! Wir leben zwar in Afrika aber unsere hiesigen Tiefsttemperaturen im Winter(nachts)liegen durchaus mal deutlich unter Null; -5 bis -10
Das Haus ist zwar einstoeckig, die Deckenhoehe liegt allerdings bei ca 4 Meter. (Vor ueber 100 Jahren von weissen Siedlern errichtet)
Inzwischen konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Waende ueber die Jahre immer wieder mit Lehm aus dem angrenzenden Berg ausgebessert werden mussten.
Wir werden nun versuchen einen "alten" Fachmann aufzutreiben, der uns sagen kann ob die Lehmqualitaet stimmt oder ob wir eine neue "Quelle" fuer das Baumaterial finden muessen.

Vielen Dank nochmal und wuenscht uns Glueck!
Bis zur naechsten Regenzeit haben wir noch ein paar Monate Zeit...

Gruesse,
Renate



Friert



es auch mal über Tage oder Wochen durchgehend oder gibt es nur Nachtfröste mit Plusgraden tagsüber? Bei langfristigen Frostperioden wären die vermuteten Frostabsprengungen mein erster Verdacht. Hatten wir in Österreich auch, und das nicht zu knapp. Mit Horizontalsperre und ordentlicher Heizung ist das jetzt hoffentlich erledigt.