Lehmwände - Was empfehtl Ihr mir?

06.10.2010



Hallo liebe Forum-Gemeinde!

Ich habe ein schönes altes Haus gekauft bei dem die Außen- und teilweise auch die Innenwände aus Lehm bestehen. Die Außenwände sind ca. 45 cm stark.
Der aufgetragene Putz an den Wänden ist locker, sowohl außen als auch innen. Nun stellt sich für mich die Frage was macht man am besten drauf?
Ist es sinnvoll das Mauerwerk von außen mit Styropor zu dämmen oder wäre das sogar schädlich? Ich habe gehört dass Lehm unheimlich gute Dämmwerte besitzt so dass sich eine Fassadendämmung aus wirtschaftlicher Sicht wahrscheinlich so gut wie gar nicht rechnet.
Was mein Ihr?
Was mache ich innen an die Wände?
Zum einen muss ich sie halbwegs begradigen zum anderen möchte ich dann noch Farbe auf die Wände bringen.
Was kann man da nehmen? Lehmputz? Kalkmörtelputz?
Würdet Ihr Rigipsplatten empfehlen?
Wie sieht es mit der Haltbarkeit aus wenn ich Hängeschränke (Küche) anbringen möchte? Gibt es dafür bestimmte Dübel oder andere Lösungen um Hängeschränke und Regale zu befestigen?
Dann noch eine weitere Frage.
Das Dach ist relativ neu (10 Jahre), allerdings nicht gedämmt. Mein "Planer" sieht vor das Dach mit Dämmwohle zu dämmen und dann davor Rigipsplatten anzubringen. "Beißt" sich das wenn Lehm und Rigips in einem Raum vorhanden sind?

Könnt Ihr mir vielleicht weiter helfen?

Viele Grüße

Ronny Derke



Putz auf Lehm



Hallo Ronny,
Als Außenputz empfehle ich Ihnen ein bewehrtes mineralisches Leichtputzsystem auf Kalkbasis.
Ein Wärmedämmverbundsystem halte ich für nicht erforderlich und machbar.
Für WDVS braucht man ebene, gerade Wandflächen mit Abweichungen von der Ebenheit unter einem cm.
Bei Lehmwänden ist das praktisch nicht zu finden.
Im Innenbereich sollten Sie wieder mit Lehmputz arbeiten.
Einen Ebenheitsausgleich auf Teufel komm raus halte ich für unsinnig. Mit dem Lehm und der Wandform erhalten Sie einen individuellen, unverwechselbaren Charakter, den ein altes Haus nun mal auszeichnet.
Vorgesetzte Wandschalen aus Gipskarton sind an den Innenwänden ohne Weiteres machbar, an den Außenwänden sollten Sie das nach Möglichkeit lassen.
An Innenwänden können Sie dann Träger von Küchenmöbeln, Fliesen usw. werden.
Ansonsten: Einfach einen langen Nagel oder eine lange, selbstschneidende Schraube in die Wand schlagen bzw. eindrehen, wenn etwas Schweres befestigt werden soll.

Viele Grüße





Lehmsteine haben eine super Wärmespeicherfähigkeit. Die Wärmedämmung dagegen ist nur mäßig. Mit ner Wand von 45 cm hast du nen U-Wert von über 1 - was nicht wirklich den heutigen Maßstäben entspricht. Gemäß EnEv sollte er glaub ich unter 0,24 sein.

Insofern würde nach allgemeiner Lehrmeinung eine Dämmung (möglichst von außen) vorgeschlagen.

Allerdings gibt es insbesondere hier im Forum diverse Kritiker der Lehrmeinung. Da muss dann jeder sich seine eigene Meinung bilden.



Lehm



Hallo

Aussenwände 45 cm weder innen noch aussen Dämmen.

Putz: Kalkputz (z.B. Solubel) oder Lehmputz (beides mit richtiger Vorbereitung)

gerade Wände: entweder x Lagen Kalkputz aufbringen oder "damit leben"

Kalkfarbe sind mit geeigneten Pigmenten farbig zu bekommen.

Rigips weder an Innen- noch an Aussenwände

für Oberschränke etc. evtl putzbüdige Bretter in die Wand integrieren oder "versenken" und überputzen - mit "breiten" Haken mit Wand verbinden.

Dachdämmung - die Masse machts!

Eigentlich sollte die ganzen Fragen doch Ihr "Planer" beantworten können und für seine Tips gerade stehen!

Gutes Gelingen

FK



45 cm



Lehmwände?? Boahh!!
Sind das Stampflehmwände oder eine etwas aussergewöhnliche Fachwerkkonstruktion??
Für aussen bietet sich ein Kalkputz oder Kalkleichtputz an, Anstrich mit Sumpfkalk oder nach ausreichender Wartezeit Silikatfarbe.
Innen eine Schilfmatte mit Wandheizung und Lehmputz. Darauf lässt sich dann mit Sumpfkalkfarben und Kalkkaseinfarben so ziemlich alles gestalten.
Für grössere wandhängende Objekte brauchts eine Unterkonstruktion, die im Lehmaufbau verschwinden kann.
Und, verflixtnochmal, auch im Altbau kann ich ´ne Wand mit Lehm- oder Kalkputz lot- und fluchtrecht putzen. Krummer Putz ist was für Laien und Pfuscher. Sorry, aber das musste mal gesagt werden.
MfG
dasMaurer



eine Menge Fragen



Hallo Ronny,
ohne das betreffende Haus zu kennen ist es fast unmöglich deine Fragen wirklich zu beantworten. Ein paar Dinge allgemeiner Natur kann man allerdings schon festhalten.
Eins 45 cm starke "solide" Lehmwand hat nicht den Besten Wärmedämmwert. Da kann man durch zusätzliche Dämmung noch Einiges erreichen. Übertreiben sollte man es aber auch nicht.
Eine Außendämmung ist der Innendämmung hier auf jeden Fall vorzuziehen. Die positiven Eigenschaften des Lehms (Wärmespeicherung und Feuchtigkeitsausgleich) sollen ja dem Wohnraum zugute kommen. Von einem WDVS würde ich jedoch dringend abraten. Wenn schon, dann sollte eine "atmende" Dämmung wie z.B. Hanfwolle oder Zelulose verbaut werden, wenn möglich hinter einer hinterlüfteten Fassade. Sowas kann man ggf. auch mal wieder zurück bauen. Ein WDVS kann man nur noch entsorgen.
Soll keine weiter Wärmedämmung angebracht werden ist ein Kalkputz außen sicherlich eine gute Wahl. Innen würde ich einen Lehmputz und später einen Anstrich mit Lehmfarbe empfehlen. Dadurch werden die positiven Eigenschaften der Lehmwand erhalten.
Wenn unbedingt eine Plattenware statt eines Innenputzes verbaut werden soll gibt es ja inzwischen auch Lehmbauplatten. Von Gipsplatten halte ich nicht sehr viel (für diesen Anwendungsbereich) ... aber das ist meine persönliche Ansicht.
Dämmung des Daches ... Da stellt sich zuerst die Frage: wird das Dach denn überhaupt ausgebaut? Ein unbewohntes Dach zu dämmen ist natürlich völliger Blödsinn. In diesem Fall gehört die Dämmung auf die obere Geschoßdecke.
Wenn das Dachgeschoß komplett neu ausgebaut werden soll ist das fast wie ein Neubau zu bewerten und man kann hier relativ problemlos auf "neue" Baustoffe zurückgreifen.
Schränke an Lehmwänden aufhängen ... ist sicher immer etwas problematisch. Die in den Putz integrierte Holzleiste hat sich über Jahrhunderte hinweg bewährt, ist aber leider nicht sehr flexibel. Am besten hängt man an Lehmwänden garnichts auf. Das erspart viel Ärger und hält den Raum schön leer.
Ansonsten sollte ein guter Planer sicherlich um all die Probleme wissen, die entstehen können wenn mann "alte" und "neue" Bauweisen mischen möchte. Ich würde immer davon abraten.

viel Grüße und gutes Gelingen,
Oliver





Hallo Ihr Lieben!

Habt erst einmal vielen Dank für Eure Antworten.

Das Dach war ausgebaut. Wir haben jetzt aber alles wieder
entkernt weil das vor 10 Jahren gedeckte Dach, warum auch immer, nicht gedämmt wurde. Jetzt kommt praktisch die Dämmung ins Dach, mit Gipskarton schließen und dann werden die Innenwände wieder neu aufgezogen.

Eure Meinungen zielen für die Innenwände alle auf Lehmputz und mittlerweile finde ich den Gedanken gar nicht so schlecht. Es gibt in diversen Baustoffhandel solche Big-Packs zu kaufen (1 Tonne). Kennt Ihr Euch damit aus, ist das brauchbares Material? Das Haus hat eine Grundfläche von 8 x 12m. Das EG ist ca. 2,20 m hoch und dann kommt das Dach. Würde ich Eurer Meinung nach mit dem Big-Pack hinkommen?

Jetzt habe ich nur noch so ein komisches Bauchgefühl Zwecks der Wandhalterung für meine Schränke. Soll das wirklich funktionieren (halten) mit dem in der Lehmwand eingefasstem Holz. Das Holz muss ja auch irgend wie halten?
Der Tipp mit den „selbstschneidenden Schrauben“: Nun ja, im Lehm ist ja alles irgendwie „selbstschneidend“. Reißen die denn nicht raus? Entschuldigt bitte meine Skepsis, bzw. Unerfahrenheit. Nur wenn ich an dem Punkt bin dass ich die Möbel anbringen kann und mir
kommen dann Teile von der Wand entgegen, wird sich meine Begeisterung bestimmt in Grenzen halten.
Ich habe im Übrigen kein Fachwerk! Es sind, so wie es im Moment aussieht, entweder Lehmziegel oder, was noch wahrscheinlicher ist, gestampfter Lehm.

Was schlagt Ihr für das Badezimmer vor?
Ich wollte das Bad eigentlich komplett Fliesen.
Die Fliesen finden aber auf dem Lehm definitiv keinen halt.
Bleiben mir hier nur Rigipsplatten als Untergrund für die Fliesen?
Wie problematisch ist das dann in Bezug auf die Außenwände?
Muss ich die Rigipsplatten irgendwie speziell „hinterlüften?

Viele Grüße

Ronny



Ganz



grundsätzlich sind Gipsbaustoffe für feuchtigkeitsbelastete Räume ungeeignet. Und raumhohe Fliesen verhindern den Feuchteaustausch zwischen Wand und Raumluft und sorgen dadurch insbesondere beim Duschen für extreme Feuchtespitzen in der Raumluft und dadurch bedingten Kondenswasserausfall, der wieder die Entstehung von Schimmel begünstigt. Lehm und Kalkmörtel nehmen diese Feuchtespitzen auf und verhindern dadurch den Kondenswasserausfall und sind damit die erste Schimmelprophylaxe. Kalk- und echte Silikatfarben verhindern durch ihre hohe Alkalität ebenfalls Schimmelbewuchs. Meine Empfehlung: Fliesen nur da, wo´s technisch Sinn macht.
MfG
dasMaurer



Lehmwände



Grundsätzlich zu Rigipspatten:
Keine Hinterlüftung!
Lehmputz kann überfliest werden.
In spritzwassergefährdeten Bereichen würde ich zu Wedi- Platten, als Trockenputz verlegt, als Untergrund für Fliesen greifen.

Was das Geeiere mit der Befestigung angeht:
Das hängt doch letztendlich davon ab was bzw. welche Einzellasten Sie aufhängen wollen. Und dafür gibt es zwischen einem Nagel und einem Injektionsanker eine große Bandbreite.
Wenn Sie nur 4, 5 cm tief in die Wand gehen- egal mit was-, hält natürlich nicht viel mehr als ein Bild.

Viele Grüße





Hallo auch aus Wuppertal,

ein massives Lehmhaus würde ich innen auf gar keinen Fall mit Gipsplatten zukleben. Mal abgesehen davon, dass eine Unterkonstruktion auf die Lehmwände auch erst mal montiert werden muß, was in den Laibungen mitunter kniffelig werden könnte und man sich evtl. eine ungewollte und mangelhafte Innnendämmung schafft, etc., passt es einfach nicht zu Lehmwänden.
Ich habe meine Wände in Eigenleistung mit Tonnen von Lehm aus dem Bigbag verputzt, obwohl die Wände aus Hüttensteine sind. Dauert schon eine Weile, bis man Gefühl entwickelt. Die Alternative wären Profiverputzer, die allerdings bei Lehm wohl nicht unter 25,-/ 30,- € / qm zu bekommen sind. Kalkputz (hydratisch) wird auch nicht weniger kosten.
Vorteil bei den Profis: Die machen gleich am Stück die Wände in relativ überschaubarer Zeit und normalerweise in ansehnlicher Qualität.

Als Selbtsputzer kann an evtl. schon mal an die eigenen Grenzen komen. Zeit, Muskeln, Geduld und eine Ehefrau, die das mitmacht, sind dann allerdings unbedingte Voraussetzung.
Gips, Zement und hydraul. Kalkputz sind preislich sicherlich günstiger, kann man hier im Forum aber nicht erntshaft in Erwägung ziehen.

Kalkputz selber machen ist am preiswertesten. Geigneter Sand ist billig und hydratischer Kalk CL90 ist in einigen Baumärkten zu finden. Rezept gibt es im Internet. Die richtige Verarbeitung ist allerdings schon wesntlich anspruchsvoller. Solubel ist zwar sicherlich sehr gut, im Vergleich zu selbtgemachten Kalkputz relativ teuer. Allerdings im Vergleich zu den Pseudo-Öko-Kalkputzen anderer Hersteller wiederum günstig.

Bliebe auch zu klären, ob der Kalkputz auf den spezifischen Lehmwänden wirklich optimal ist und wie der Untergrund vorbereitet werden muß.

Da scheint mir Lehmputz unter den Bedingungen der unproblematischste Putz zu sein. Den kann man z. B. mit Lehmfarben (decken gut, unproblematische Verarbeitung, qm-Preis: rel. teuer) oder Sumpfkalkfarbe (mehrmals dünn auftragen, etwas problematisch in der Verarbeitung: wässrig, Farbspritzer allkalisch!; qm-Preis: rel. günstig) oder Leimfarbe (decken rel. gut, unproblematische Verarbeitung, qm-Preis: sehr günstig, spätere Renovierung u. U. zeitaufwändiger, da Farbe vor Neuanstrich evtl. abgewaschen werden muß) streichen.

Eine Wandheizung in Eigenleistung zu erstellen ist nicht schwer, kostet aber natürlich viel Zeit für Planung und Montage. Eine Innenwanddämmung würde ich nur machen, wenn es nicht anders geht. Ansonsten ist m. E. außen an der Wand der beste Platz dafür. Auf Bastelitis.de gibt es einen U-Wertrechner, mit dem man ungefähr einen Eindruck bekommen kann, was durch die Wände an Wärme verschwinden kann.

Ob sich eine Dämmung lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Manchmal spricht auch nur der Behaglichkeitsaspekt für eine Dämmung, d.h., die Wandtemperaturen sind höher als ohne Dämmung. Material: da scheiden sich die Geister. Ökostoffe sind meist weniger wärmedämmend, i.d.R. wesentlich teurer, haben durch höhere Wärmekapazität besseren sommerl. Hitzeschutz (Hitze schlägt nicht so schnell durch...) als die Verwandten aus Mineralwolle und Polystyrol.

Ich würde erstmal weiter viel Informationen ( z. B. http://www.americanclay.com/online-training ) und Ratschläge aufsaugen, sondieren und zwischendurch mal an einer Wand ein paar Sachen ausprobieren. Vielleicht ein paar Sack Lehm und Kalkputz im nächsten Ökobauladen besorgen, Kelle, Wasserwaage und Abziehlatte besorgen und los...

Grüsse
Gerry