Okal

18.03.2011



Guten Morgen
Ich hätte da mal eine Frage bezüglich Okalhaus aus dem Jahre ca 1970 . Ein Bekannter wohnt in diesem und ist völlig überzeugt von der Wohnqualität und lobt das Haus in bestem Umfang . Leider bemerkt er selber nicht mehr den brutalen Geruch , welcher im Haus und an ihnen selber haftet . Ich traue mich auch nicht ihn auf die ganze Problematik anzusprechen , werde mich aber demnächst zu diesem Schritt durchringen . Ich hätte nur noch eine Frage vorab . Der Muff , welcher im Haus herscht kommt ja daher , das die behandelten Wandplatten mit der warmen Heizungsluft einen Prozess auslösen ? Ist dies soweit richtig ? Was ich dann noch gerne wissen möchte . Wie schaut es in solchen Fällen mit direkter Schimmelbildung im System aus ? Ist damit zu rechnen , oder handelt es sich "nur" um diesen Geruch . UND , wie schädlich ist dieser "muff" ? Wurde dies schonmal in einem Beitrag geschrieben ? Konnte auf die Schnelle nichts finden und würde mich über eine kurze Antwort hier sehr freuen .
Vielen Dank
Meyer



Auf die Schnelle



Hallo.
In einschlägigen Suchmaschinen oder hier im Forum nach "PCP" und "Chloranisole" suchen.
Gruß





Guten Morgen Herr Meyer,

Ihr Vorhaben ist ein sehr feiner Zug von Ihnen und ich hoffe, dass Sie bei Ihrem Bekannten entsprechend Gehör finden werden.

Der Geruch entsteht als chemische Reaktion aus chlorierten Verbindungen meist in den außenseitigen Spanplatten unterhalb der Hinterlüftung aus Asbestzement oder anderen Verkleidungsmaterialien. Begünstigt wird diese chemische Reaktion durch Feuchtigkeit, jedoch wohl kaum aus der Raumluft sondern der Luftfeuchtigkeit der Außenluft und Undichtigkeiten der Vorhangfassade. Ein weiterer Aspekt der wohl eine Rolle spielt bei der Reaktion ist Formaldeyhd aus der Mineralwolldämmung und innerhalb der Spanplatten. Die chemische Reaktion entsteht aus aus den chlorierten Holzschutzmitteln in den außenseitigen V100G Spanplatten, dies könnten PCP oder auch andere Holzschutzmittel gewesen sein.

Schimmel könnte vorhanden sein, ist aber nicht unbedingt der wahrscheinlichte Auslöser für den Geruch. Schimmel entsteht meist dort, wo Feuchtigkeit in größerem Umfang und/oder einen längeren Zeitraum in die Wände eindringen konnte. Beispielsweise in und um die Dusche/Badewanne/Spüle etc.

Der Muff an sich ist wohl, soweit das die Wissenschaft bisher untersucht hat, nicht direkt schädlich. Es handelt sich bei dem Produkt aus chlorierten Holzschutzmitteln um Chloranisole oder Chlornaphtaline. Aber, wenn dort diese Geruchsstoffe vorhanden sind, muss auch davon ausgegangen werden, dass die sehr wohl schädlichen Holzschutzmittel ebenfalls vorhanden sind. Hier kann Ihnen ein Test,. beispielsweise sehr günstig und einfach durchzuführen von der Stiftung Warentest (http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/analyse/Hausstaub-und-Luft-Wohngiften-auf-der-Spur-1131516-2131516/) weiterhelfen. Ohne eine solche Analyse lässt sich sowieso keine qualifizierte Aussage zur Höhe der Belastung treffen.

Wichtig für Sie und Ihren Bekannten ist jedoch, dass dieser Geruch beseitigt werden kann. Hierzu gibt es eine Reihe von Lösungen und Anbietern (beispielsweise nach dem System von Renopan). Man kann die Sanierung jedoch auch von einem regionalen Schreiner/Holzbauer durchführen lassen, was günstiger kommen kann. Grundsätzlich wird bei dem Verfahren die alte Vorhangfassade und die äußeren Spanplatte, welche für die Geruchsbildung schwerpunktmäßig verantwortlich sind, entfernt. Auch die alte Mineralwolle wird aus den dann offenen Gefachen entfernt. Die vorhandene Dampfsperre (meist PE-Folie) wird überprüft und Beschädigungen an Steckdosendurchdringungen etc. repariert, so dass wieder eine dichte Ebene entsteht. Die Gefache werden gesäubert und dann mit Sumpfkalk ausgestrichen, durch die Eigenschaften des Kalk wird eine eventuelle Schimmelbildung verhindert/vorgebeugt. Man kann vorher noch die Balken mit einer Sperrschicht Streichen (z.B. das Produkt EX-Schadstoffvernichter von Baden Chemie), dies sperrt eventuelle Schadstoffe in den Balken ein und hindert sie so am Ausdünsten. Das Produkt ist übrigens auf natürlicher Basis, man Treibt also den Teufel nicht mit dem Belzebub aus. Einige Anbieter empfehlen noch ein Schaafwollflies in die Gefache vollflächig einzubringen, denn das Kairatin in er Schaafwolle hat die natürliche Eigenschaft Schadstoffe aufzunehmen, festzuhalten und nie wieder abzugeben. Eine Sättigung setzt wohl auch erst nach Jahrzehnten ein. Ob dies aber zwingend notwendig ist, kann ich nicht beurteilen, denn meiner Meinung nach hat man mit den Spanplatten ja den Geruchsverursacher beseitigt. Aber das Flies soll auch Formaldehyd aufnehmen, dann wäre es wieder sinnvoll, denn wenn keine V100 Platten verbaut wurden, sondern V20 Platten (sind meist die Okal-Röhrenspanplatten), dann hat man zum Holzschutzmittelproblem auch noch ein Formaldehydproblem. Sie können Ihrem Bekannten ja einen gefallen tun und zum gespräch den Bio-Check F der Firma Dräger mitbringen. Kostet ca. 30 Euro und gibt es in der Apotheke. Damit kann mans chon sehr zuverlässig das Formaldeyhdproblem bestimmen oder gar ausschließen. Dann werden die Gefache wieder mit einer Dämmung verfüllt, hier werden meist flexible Holzfaserplatten oder Hanf empfohlen, Anbieter wären beispielsweise Inthermo, Steico, Pavatex, Unger, etc.. Holz oder Hanf hat den Vorteil des guten Feuchtigkeitstransports, man kann aber auch beispielsweise Steinwolle nehmen. Dann kommen außen auf die Holzständer Holzfaserplatten. Hier kann man unterschiedliche Stärken nehmen, je nach gewünschter Dämmung. Diese Holzfaserplatten gibt es als Wärmedämmverbundsystem mit dem entsprechenden Zubehör und freigegebenem Putzsystem (Kunstharzputz oder mineralische Putze). Ich würde einen minerlischen Putz empfehlen, weil dies das ganze System dann konsequent diffusionsoffen halten würde. Man kann alternativ aber auch eine neue Vorhangfassade aus den üblichen Materialien, auch eine Holzfassade erstellen. Wie man möchte. Hier sind dann aber größere Abstände (ca. 4 cm) einzuhalten, damit die Luftzirkulation dahinter auch funktioniert. Dies war nämlich in den damaligen Holzständerhäusern meist nicht so (ca. 1,5 cm).

Damit hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, zum einen hätte man die schädlichen Platten entfernt, hätte die Geruchsproblematik beseitigt und auch noch die Dämmung verbessert. Dadurch kann man auch günstige KFW-Darlehen und die entsprechende Förderung für energetisches Sanieren in Anspruch nehmen. Wenn gesundheitliche Probleme aufgrund von Holzschutzmitteln vom Arzt bescheinigt werden, dann kann man die komplette Sanierung sogar von der Steuer absetzen (also über die normalen Handwerkerleistungen hinaus).

Das war jetzt keine kurze Ausführung aber ich denke so haben Sie erstmal einen Stand, der Ihnen und Ihrem Bekannten als Ausgangsbasis dienen kann. Denn die hier oft verbreitete Panik hilft keinem, am letzten den Betroffenen.

Das größte Problem besteht eigentlich dann, wenn die Besitzer in den 70er Jahren selber fleißig jedes Holzteil (Verkleidungen im Innenraum etc.) mit Holzschutzmitteln wie Xyladecor etc. behandelt haben. Denn im Privatbereich wurde die allergrößte Menge verarbeitet und weniger im industriellen Bereich. Man meinte es ja gut mit seinem Eigentum.

Achso noch ein Hinweis, für die Sanierung von Firmen geistern Quadratmeterpreise (in Bezug auf die zu sanierende Fassadenfläche) in Höhe von ca. 200-240€ durch das Internet. Inwiefern dies so stimmt kann ich aber auch nicht beurteilen.

Beste Grüße,
Dominik





Hallo und Danke für die sehr hiflreiche und ausführliche Antwort . Es ist wie schon geschrieben so , das sie total überzeugt ind von ihrem Heim . Es handelt sich um eine verklinkerte Ausführung . Diese schrecklich gelbe Klinker . KEINE Riemchen ! Nun hat er vor 2 Jahren ein kompl. neues Dach bekommen und neue Fenster hat er sich auch einbauen lassen . Aber dieser Gestank ... der macht mich sogar fertig , wenn ich zb. in unserer Firma eine Stunde später aufs WC muss ... Man riecht es überall ...
Meine Frau musste ich sogar einmal früher von einem Besuch bei unseren Bekannten abholen , da sie fast zusammengebrochen war . Sie leidet ohnehin unter Atmungsproblemen , und das hat ihr dann den Rest gegeben . Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen , aber der Vorbesitzer ist ohne erkennbaren Grund im Haus verstorben und der Bekannte wurde schon des öfteren im Bereich Nasenschleimhaut operiert . Ich hatte mir mal seinen Dachstuhl angeschaut . Dort hatte ich einen Aufkleber gefunden . Ich kann nur nicht mehr genau sagen was alles drauf gestanden hat . Nur ein Gift mit Anfangsbuchstaben F meine ich gelesen zu haben . Der Grund für den Dachbodenbesuch . Ich sollte schauen , ob sich dort eventuell der Bock eingenistet hat , da ich bei mir einen Befall hatte . Es sind nicht einmal Risse in den Balken zu sehen , aber dafür eine wunderschöne rote Ververbung der Balken . Ein Bock traut sich denke ich nicht einmal 5 Meter ran ans Holz .

Es hilft also nur , die Wand von Aussen zu öffnen . richtig ? Das würde ja bedeuten , dass die ganzen Klinker entfernt werden müssen . Aber ich werde ihn erstmal drauf ansprechen . Man muss ja erstmal wissen , was da so genau vorhanden ist . Da lobe ich mir doch lieber einen Dachstuhl mit Bock , als so eine Gifthütte ..... Sie können einem Leid tun ....





Hallo Mike,

scheint ja wirklich ein extremer Fall von Geruchsproblem und wie mir scheint auch Gesundheitsproblem zu sein. Das der Vorbesitzer plötzlich verstorben ist sollte man nicht unbedingt damit in Verbindung bringen, denn auch in massiv- und Fachwerkhäusern sterben täglich Menschen plötzlich und unerwartet an nicht direkt erkennbaren Ursachen. Auch Krebs ist eine Volkskrankheit der modernen Zivilisation und kann nicht immer zwingend mit einem solchen Problem in verbindung gebracht werden. Immerhin ist jeder 3. Todesfall in Deutschland auf eine Krebserkrankung zurückzuführen.

Aber nochmal zum eigentlichen Problem. Wenn das Haus von außen verklinkert ist, kann dies die Problematik natürlich sogar noch verstärken. Denn der Klinker führt dazu, dass die Geruchsstoffe eher ins Hausinnere gelangen können als nach außen zu "verdampfen". Nasenschleimhautprobleme können, müssen aber nichts mit dem Haus zu tun haben. Beispielsweise besonders trockene Raumluft führt auch zu Problemen mit der Nasenschleimhaut und die erste OP kann diese Probleme sogar noch verstärken. Das ist ein bekanntes Problem und doch operieren viele operationsgeilen HNO-Ärzte lieber, als alternative und unproblematischere Behandlungsmethoden zu empfehlen. Aber das nur am Rande.

Wie ich hier im Forum lernen konnte, muss ein roter Dachstuhl nicht zwingend mit einem problematischen Holzschutzmittel behandelt sein. Es kann sich dabei auch um CFB-Salz, beispielsweise Kulbasal U oder ähnliches handelt. Auf problematische Holzschutzmittel deuten vor allem ölige Substanzen hin oder auch kristaline Salzausblühungen.

Als erstes würde ich mal den Hausstaubtest der Stiftung Warentest in Verbindung mit dem Bio Check F empfehlen. Für die ca 210€ bekommt man eine umfangreiche Analyse auf die gängigsten Hausschadstoffe, leider aber kein Chloranisol oder Chlornaphtalin. Dazu muss man dann weitergehende Untersuchungen veranlassen, beispielsweise vom Arguk Umweltinstitut oder ähnlichem. Aber man weis zumindest ob beispielsweise PCP, Lindan, DDT, PCB oder ähnliches im Hausstaub enthalten ist und wenn ja in welcher Konzentration. Allerdings, wenn der Geruch wirklich so stark anhaftend ist wie Sie schreiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit für Chloranisole schon sehr sehr groß!

Unterstützen Sie Ihren Bekannten mental, machen Sie im klar, dass eine Sanierung von außen möglich ist und er dabei sogar die komplette Optik des Hauses verändern und aufwerten kann. Dass er am Werterhalt interessiert ist zeigen ja die Maßnahmen aus der Vergangenheit!





ok . von innen geht es aber nicht ?
danke





Wenn die Klinker gegen die äußeren Spanplatten geklebt wurden, wie wollen sie dann die Spanplatten entfernen? Sind die Klinker hingegen gegen ein vorgemauertes Mauerwerk oder gegen die Vorhangfassade geklebt, dann ginge es theoretisch. Ich stelle es mir aber kompliziert vor, die äußere Spanplatte von innen vollständig von den Holzständern zu entfernen. Da haben Sie maximal 2-3 cm Platz.





Ja sie haben recht . Das müsste man vorher alles noch klären . Da hat der gute Mann noch viel vor sich wie ich denke . Irgendwie tut er mir leid , aber was will man machen . Ich würde in diesem Muff nicht leben wollen . Aber mal ganz ehrlich . Mal scheun wie ich es ihm beibringe .
Das schlimmste ist ... Ich musste mal meine Frau von einer Feier abholen . Mit im Auto war eine weitere Bekannte . OK ich habe sie nach Hause gefahren und musste auch bei Ihr diesen Geruch feststellen . Und ?? Das Ende vom Lied . OKAL zum zweiten im Bekanntenkreis . Ihr habe ich diesen einen Beitrag hier aus dem Forum , welcher über 100 Beiträge hat , kopiert . Sie und ihr Mann haben es ein halbes Jahr studiert und wie sie beschrieben haben von Aussen alles erneuern lassen . Dort war aber kein Klinker vorhanden ..
Noch einen schönen Tag .
Gruss
Mike Meyer





Es muss aber nicht in jedem Haus zum Muff kommen. Ich habe Okal-Besitzer (70er jahre Bau) in der Verwandschaft, da riecht das Haus so neutral wie jedes andere Haus auch. Gesund sind die Bewohner auch und überglücklich mit dem Haus. Wie ich hier schon oft versucht habe deutlich zu machen hilft Panik erstmal niemandem weiter, genausowenig wie unreflektierte und pauschale Kommentare. Betroffenen muss man helfen und das kann man sicherlich. Wenn ich mir anschaue, dass Massivhausbesitzer bis zu 20.000€ für ein WDVS ausgeben, dann kann man die Sanierungskosten eines Holzständerhauses mit bereits guter Dämmung schon fast als SOWIESO-Kosten deklarieren. Wieso? Weil Sie sowieso angefallen wären. :-)