Dachausbau im Gulfhof

15.06.2013 gulfhof



Hallo zusammen.
Wir haben einen Gulfhof von 1911 gekauft und wollen jetzt an den Dachausbau gehen. Dieser Bereich wurde früher nur für Korntrocknung gebraucht.

Vor 25 Jahren wurde das neu gedeckt. Dabei wurde der Bereich über der Küche und Stube bereits mit Faserplatten unter den Dachpfannen versehen. Ich habe Bilder zugefügt.

Was muss jetzt berücksichtigt werden. Wie kann jetzt vorgegangen wedern? Müssen von aussen die Dachpfannen runter und eine Folie erst drauf, oder kann ich von innen da jetzt hinter der Faserplatte weitermachen?

Und wie werden die Löcher zwischen Dach und Drempel geschlossen. Siehe Bild.

Ich freue mich über jeden der mir eine hilfreiche Antwort gibt.

Liebe Grüsse
Joe



Wenn diese Faserplatten



Unterdachplatten sind, dann herzlichen Glückwunsch. Dann haben Sie ein sehr gutes Unterdach, das auch noch dämmt.
Ich würde dann noch die Sparren mit seitlich angebrachten Bohlen nach innen aufdoppeln, daran eine Innenschale (Osb-Platten miteinander verleimt, oder Dampfbremse, Sparschalung und Gipskarton) anbringen und den Hohlraum mit Cellulosedämmung ausblasen.
Ralph Schneidewind



Sie müssen ...



... zweifelsfrei klären, von welcher Art diese "Faserplatten" sind und sich das technische Datenblatt diese Materials besorgen.

Wenn es die "richtige " Platte ist, eine DWD-Platte (diffusionsoffene Wand- und Dachpatte), dann könnenSie so verfahren, wie es Herr Schneidewind beschrieben hat. Die PLatte ist dann diffusionsoffener als die OSB-Platte innen.

Wenn Ihre Platte allerdings eine Hartfaserplatte o.ä ist, mit einem sd-Wert, der höher ist als der der OSB-PLatte, dann haben Sie dort eine Dampfbremse auf der falschen Stelle eingebaut. Sie muss dann entfernt werden. Andernfalls bekommen Sie Kondensationsprobleme an der kalten Unterseite der Platte und Ihre Dämmung durchfeuchtet und schimmelt.

Ich vermute mal, das es sich um diese Platte handelt, da vor 25 Jahren noch keine DWD-PLatten im Handel gewesen sind, wohl aber Hartfaserplatten, manchmal sogar geölt als Unterdeckplatte. Also für eine Zwischensparrendämmung so nicht geeignet. Ggf. können Sie über eine Aufdachdämmung nachdenken, wenn Sie nicht alles abreissen wollen.
Der Dachstuhl sieht ganz passabel aus und sollte vielleicht optisch unverbaut erhalten bleiben

Der bauphsikalische Grundsatz lautet hierbei: innen dichter als außen, bezogen auf den sd-Wert (innen höherer sd-Wert als außen).



Platz genug



Ist es wirklich notwendig, den Dachboden überhaupt auszubauen, bietet das Haus nicht anderweitig genug Platz?
Früher hat in einem Gulfhaus die große bäuerliche Familie, plus Bedienste plus Vieh Platz gefunden, heute reicht es nicht für eine einzige Kleinfamilie, die aus der engen Großstadtwohnung ins Grüne will???

Jede Einbeziehung der tragenden Dachkonstruktion in ein Dämmsystem birgt Risiken, die sich zeigen, können, wenn man weiter als 5 Jahre denkt, damit meine ich auch die hier gerne empfohlenen Varianten nach den Stand der Technik, also Aufdoppelung, alle vorgeschriebenen Folien richtig angebracht, Dämmung nach EnEv etc.

Jahrzehntelang haben Dachausbauten, auch zu Wohnzwecken, so funktioniert, dass entweder alles unterhalb der Sparren angeordnet wurde, die tragende Konstruktion also weiterhin der Belüftung (und durchaus auch dem Wetter) ausgesetzt war, oder alles wie in diesem Fall, oberhalb, also balkensichtig nach innen.

Es ist leicht, Fachleute zu finden, die einem die derzeit angesagt Lösung, also Aufdoppelung und div. Folien und Dämmstoff mit viel Volumen empfehlen, es gibt aber auch Alternativen, z.B. Holzweichfaserplatten mit bewitterbarer Oberfläche, die nicht nur wegen der hohen Dichte kompakt bauen, also niedrige Dämmschichtstärken bedingen, sonder obendrein auch noch viel besser gegen sommerliche Hitze wirken als die üblicherweise empfohlenen Materialien.

Als etwas älteres Semester habe ich im Gegensatz zu vielen anderen hier im Forum die ruinösen "Sanierungen" aus den 80er-Jahren, sowie deren Folgen 20 oder 30 Jahre später, an vielen Häusern, die ich teilweise auch selber bewohnte, mitbekommen: Das war alles kein Laienpfusch, sondern Arbeiten von ausgewiesenen Firmen nach dem damaligen Stand der Technik bzw. des DIN-Regelwerks.

Also gehe lieber nochmal in Dich und überdenke, ob die Lösung, die Dir derzeit von ca. 90% der Befragten vorgeschlagen wird, auch längerfristig Dir und dem Haus gerecht wird.






[hat sich erledigt]

"Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann"

Im Sinne dieses Satzes von Francis Picabia wünsche ich allen einen schönen Sonntag! :-)