Unser Haus heizt sich bei Sonne erschreckend stark auf.

13.05.2011



Hallo Leute,
wir haben unser denkmalgeschütztes Haus letztes Jahr erworben und komplett saniert. Die Konstruktion unten ist Holzständerbauweise, ausgemauert mit normale Ziegel, 24er Wand.Aussen mussten wir wieder alles wieder so herstellen wie es war. Daher kam im EG innen eine 6cm starke Holzwolle- Isolierung, darauf Wandheizung und darauf 3-4cm starker Kalkklimaputz. Im Dachgeschoss war der Giebel ursprünglich Fachwerk nur mit einfachen Ziegeln ausgemauert gewesen, 11cm stark. das war natürlich zuwenig. Deshalb verstäkten wir von innen mit 10er Yton, dann darauf kam wie im EG: Dämmplatten, Wandheizung und Kalklimaputz. Das Dach wurde komplett saniert und es wurde eine Zwischensparrendämmung aus Holzwolle, 20cm stark eingebracht bis zur Dachspitze. Der Spitzboden ist also kein Kaltbereich.Im vergangenen Winter benötigten wir sehr wenig Gas.
Ich baute auch eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung ein. Jetzt zum Frühjahr erfernte ich den Wärmetauscher und stellte auf Sommerbetrieb um. D.h.: die Abluft gibt nicht mehr die Restwärme an die Zuluft ab. Die Zuluftleitung habe ich über mehrere Meter in meinem Garten verbuddelt. Dadurch wird die Zuluft im Winter durch die Erdwärme vorgewärmt und im Sommer gekühlt.Zur Zeit kommt sie mit etwas 10°C ins Haus. Daher sagte ich meiner Frau, dass wir es im Sommer schön kühl haben werden im Haus. Aber das Gegenteil ist wohl der Fall.Im Obergeschoss haben wir schon jetzt Probleme. Hat es draussen über 20°C, so entstehen im Kinderzimmer, Südseite, jetzt schon tagsüber 26°C und im Schlafzimmer, Nordseite, 25°C. Also weit mehr als draussen. Nachts kühlt es aber kaum ab und wir haben morgens im Schlafzimmer noch 24°C. Ich stehe vor einem Rätsel. Die Wärme kommt offensichtlich gut rein, baut sich aber nicht ab. Was wird dann erst im Hochsommer werden.

Habt ihr mal eine Idee, was bei uns schief gelaufen sein kann? Ich füge mal ein Foto von der Südseite ein. Oben Das Fenster vom Kinderzimmer. Alle Fenster wurden übrigens auch erneuert.

vielen Dank



Moin,



also mit Holzwolle war mein Teddybär früher ausgestopft....hast du das wirklich zum dämmen genommen?

Gruss, Boris





Nee, nee, natürlich nicht. Die heissen GUTEX Dämmplatten. Das ist doch im Prinzip Holzwolle, nur gepresst.



Hast



Du bei der Dämmung zwischen den Sparren ein Hinterlüftung zur Dachhaut?

Eine Lösung (für die Zukunft) wären weitere Laubbäume ....



hi wackeldackel



so was abenteuerliches habe ich noch nicht gehabt! was macht ihr da??? Abluftwärmetauscher??? Ausgebaut??Restwärme, Erdwärme, Witz!!?? Wahrscheinlich nicht, aber was für ein Konzept. Respekt!
laiendruide



hi wackeldackel



so was abenteuerliches habe ich noch nicht gehabt! was macht ihr da??? Abluftwärmetauscher??? Ausgebaut??Restwärme, Erdwärme, Witz!!?? Wahrscheinlich nicht, aber was für ein Konzept. Respekt!
laiendruide





Das ist eine kontrollierte Wohnungslüftung, kurz KWL. Das haben alle Passivhäuser. In den skandinavischen Ländern ist das fast Standard. Da kann man nicht bei den eisigen Temperaturen im Winter grossartig Lüften mit offenen Fenstern.Es wird ständig Frischluft in z.B.: Wohn- Schlaf- und Kinderzimmer zugeführt und in Küche, Bad und WC abgesaugt. Google doch mal! Damit wenig Energie verloren geht, wird der abgesaugten Luft ein Teil der Wärme entnommen und an die Frischluft abgegeben. Das geschieht im Kreuz- Wärmetauscher, der sich im Lüftungsgerät befindet.Das sind kompakte Geräte. Dadurch werden ca.95% der Heizenergie zurück gewonnen. Das nennt man eine hocheffiziente Lüftungsanlage. Du brauchst dann kein Fenster mehr zu öffnen, hast immer frische Luft im Haus und Schimmel hat keine Chance.
Natürlich ist im Sommer eine Wärmerückgewinnung sinnlos und gegenteilig. Da möchte man es ja kühl haben. Deshalb baut man den Wärmetauscher aus und die durch das Erdreich abgekühlte Frischluft wird lediglich gefiltert und wird dann kühl sauber in das Haus geleitet. Ich merke ja das, wenn ich meine Hand vor die Frischluftdüsen halte.

Deshalb stehe vor einem Rätsel, wieso sich das Haus, vor allem im DG, wärmetechnisch so hochschaukelt. Das Dach Isolieren und neu decken hat eine Fachfirma gemacht.

Ich hatte früher schon mal ein altes Haus. Da konnte man im Sommer das unausgebaute DG fast nicht betreten, so heiss war das da oben. Als ich es ausbaute, isolierte ich zwischen den Sparren mit ISOVER und es war wie Tag und Nacht.

grübel grübel gübel.......



Passivhausstandard



Hallo,

klingt nach einem typischen Problem eines Hauses mit Passivhausstandard bei denen im Sommer praktisch das Problem besteht, die solaren Wärmeeinträge nicht über die gut gedämmten Wände wieder los werden zu können. Hier hilft letztendlich nur Abschattung wievon Olaf angedeutet. Auch wäre freilich eine Hinterlüftung hilfreich, aber nachträglich wohl kaum zu realisieren.

Um das genauer diskutieren zu können, bräuchte es hier mal einen Orientierungswert (U-Wert Eures Wand und Dachaufbaus oder aber Verbrauchswert in kW/m²a).

Dem Foto zufolge würde ich jetzt erstmal nicht das Problem zu hoher sol. Wärmeeinträge vermuten (kleine Fensterflächen). wie aber sehen die anderen beiden Seiten des Hauses aus? Gibt es große Fensterflächen mit Südorientierung?

Gruß aus Berlin,





Berechnet haben wir nix. Daher kann ich auch keine Werte angeben. Auf dem Foto ist die Südseite abgebildet. Insbesondere das Zimmer im DG heizt sich sehr stark auf. Tagsüber sind zur Zeit dort Mittags über 25°C und der Sommer kommt noch. Rechts seitlich in der Dachfläche ist noch ein kleines Dachfenster, 1000mm x600mm, Dies bekommt die Morgensonne ab.

Das mit der Hinterlüftung verstehe ich nicht ganz. Die Dachfläche wurde doch höher gesetzt, eine Unterspannbahn aufgebracht, Froschmaulziegel und unten an der Traufe ein Hinterlüftungsgitter montiert. Ist das damit gemeint?



für



eine gute Hinterlüftung braucht man etwa 3 cm Luft auf der Dämmung, die frei zirkulieren - nach außen wieder fort kann, Lüftungsgitter haben nur etwa 50 % Lochanteil, also 5 cm Gitter - und die Luft muß oben wieder raus !!!
Und nachts mußt Du die Zimmer unbedingt lüften, damit die Wände die Wärme wieder abgeben.
@ Laiendruide: Kontrollierte Be- und Entüftung ist übrigens bekannter Stand der Technik ... setzt aber Luftdichtigkeit voraus. Auch bei Öfen im haus ist einiges zu beachten.



Hinterlüftung



Park dein Auto in der Sonne, einmal mit offenem, einmal mit geschlossenem Hubdach/Schiebedach/Fensterspalt......

Wenn die heisse Luft unter deinen sonnenbeschienenen Dachziegeln nicht nach oben entweichen kann, gibt es einen Hitzestau = Backofen im DG. Die Wärme kann ja nur nach innen abgegeben werden.

Ansonsten würde ich noch die Lüftung im Resthaus verschliessen, damit die gesamte Kühlleistung ins DG geht.

Gruss, Boris



Ich glaube



die Verblüffung von Laiendruide bezog sich vor allem auf die aufwendige Umrüstung von Winter- auf Sommerbetrieb (Wärmetauscher ausbauen), das klingt nicht unbedingt nach einer professionell designten, nutzerfreundlichen Anlage.





Das Dach wurde ja schon höher gesetzt, damit eine Hinterlüftung stattfinden kann. Auf die Unterspannbahn kamen ja noch einmal Leisten auf die Sparren und danach erst die Dachlatten. Ich denke mal, das haben die Dachdecker schon richtig gemacht. Auch die Lüfter oben sind drin, wie auf dem Foto ersichtlich.
Der Kaminofen im Wohnzimmer ist natürlich raumluftununabhängig. Dessen Frischluft bezieht er direkt von aussen. Sonst hätte der Kaminfeger schon "Kopfstand gemacht". Der kam ja zur Abnahme.
Den Wärmetauscher ausbauen ist kein grosser Akt. Deckel auf, dann zieht man ihn einfach raus. Das muss man ja zum reinigen auch so tun. Dann wird statt dessen eine Sommerkassette reingeschoben. Deckel zu- fertig. Natürlich gibts das auch vollautomatisch, aber das kostet natürlich etwa 1000 Euronen extra mit Steuerung.
Die Fenster bleiben alle geschlossen und das Haus ist winddicht, sonst würde ja der Kreislauf nicht stattfinden.
Wie bereits erwähnt: keine Erfindung von mir, bei Passivhäusern Standard und absolutes MUSS.

Daher meine Verwunderung über dieses Aufheizen.





Hier noch mal ein Bild wom Wärmetauscher der Lüftung. Da ist sogar ein Griff dran.

Der komplette Luftinhalt im Haus wird z.Z. 1x pro Stunde erneuert.



da ...



ist aber eines der "kleinen" Probleme - die wenigen kleinen Lufthauben schaffen nicht wirklich eine Zirkulation für 200 cm2/ m Traufe. Ist der Spitzboden extra und ungedämmt oder gehts bis in den First mit der Dämmung ?



hallo



und danke für die kleinen Anmerkungen an mich. Tasächlich habe ich mich noch nicht mit Niedrig- oder Passiv- oder 0-Energiehäusern beschäftigt. Konnte deshalb auch nichts konstruktives an die Fragesteller weitergeben. Mich haben nur die verschiedenen "Stichworte" angeregt und ich will jetzt hier nur sagen, dass mir die Idee für so einen Aufbau in einem solchen (wie alt?) Gebäude im Traum nicht gekommen wäre! Deshalb Respekt an Wackeldackel!
Immer wieder absolut spannend, was man hier so finden kann!!!
laiendruide



...



Lassen wir doch die Lüftung erstmal außen vor, ohne sie dabei ganz zu vergessen. ...

Ich denke Deiner Beschreibung des Wandaufbaus zufolge ( hatte ich bei meiner ersten Antwort übersehen ) kann man erstmal nicht von einem Passivhausstandard sprechen. Auch sind die Fensterflächen eher klein. Wenn ich obendrein Deine Darstellungen richtig verstanden habe, besteht das Problem mit der Wärme vor allem im OG, also im Dachbereich.

Somit sollte der Hinweis auf eine mangelnde oder unzureichende Hinterlüftung zielführend sein. Olaf hat dabei bereits Hinwiese auf die zu gewährliestenden Lüftungsqerschnitte gegeben. Auf Deinem zweiten Bild ist klar zu sehen, daß die Firstziegel mit Mörtel verschmiert sind. Es sind zwar Lüfterziegel vorhanden, über diese allein sollte aber kein hinreichender Volumenstrom in der Hinterlüftungsebene zu gewährleisten sein. Eine Verbesserung der Situation könnte also vielleicht über eine "offene" Eindeckung des Firstes (Trauf-First-Lüftung) erreicht werden.

Weiterhin bestünde die Möglichkeit, daß der Lüftungsquerschnitt in der Lattungsebene über die eingebrachte Dämmung in Kombination mit der Unterspannbahn verengt ist (USB wird durch Dämmung nach Außen gedrückt). Dies könnte mal durch das Anheben einiger Ziegel geprüft werden.

Ist die Dämmung auch von einer Fachfirma eingebracht worden?
Was sagt Dein Dachdecker zu dem Problem? Hast Du Ihn mal darauf angesprochen?





Die Firsten musste ich vermörteln lassen. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Die hatten mir klare Vorschriften gemacht. Ich musste das Haus so äusserlich herstellen, wie es 1911 gebaut wurde. Das betraf u.a. auch die Ortgangziegel. Die mussten auch vermörtelt werden. Das macht ja heute niemand mehr.
Die Isolierung zwischen den Sparren wurde bis in die Firstspitze gezogen und darauf kam eine Klimamembran.
Den Dachdecker habe ich bislang noch nicht darauf angesprochen.

Wackeldackel





Die Firsten musste ich vermörteln lassen. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Die hatten mir klare Vorschriften gemacht. Ich musste das Haus so äusserlich herstellen, wie es 1911 gebaut wurde. Das betraf u.a. auch die Ortgangziegel. Die mussten auch vermörtelt werden. Das macht ja heute niemand mehr.
Die Isolierung zwischen den Sparren wurde ja auch von einer Fachfirma eingebracht und bis in die Firstspitze gezogen. Darauf kam eine Klimamembran.
Den Dachdecker habe ich bislang noch nicht darauf angesprochen.

Wackeldackel



Wenn die Vorschriften einen Trockenfirst nicht zulassen...



... dann bleibt nur, dass Du die Anzahl der Lüfterziegel deutlich erhöhst.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de





.. Na, ich würde wie gesagt nun erstmal versuchen zu prüfen ob die vorgesehenen Hinterlüftungsquerschnitte wirklich gewährleistet sind, und auch mal mit dem Dachdecker reden. Wenn der Dir dann die Notwendigkeit für weitere Lüfter bescheinigt, kann man dann imer nochmal versuchen mit dem Denkmalamt zu reden. Die Frage wäre dann klar, was wirkt störender? Lüfter oder Trockenfirst? … Da sollte doch durchaus noch etwas Verhandlungsspielraum drin sein! Wenn gar nichts hilft, Themen wie: … Zumutbarkeit, Nachweis + Begründung schützenswerte Details, etc. ansprechen!





Also geht ihr davon aus, dass es zum grössten Teil an der Hinterlüftung des Daches liegt?

Grüsse Wackeldackel





... Sofern über Ferndiagnose möglich scheint dies der naheliegendste Verdacht. ...



Die genannten Gründe dafür wurden schon genannt....



... und es ist mit Sicherheit der erste Ansatz der genauer geprüft werden sollte.

Neben der augenscheinlich zu geringen Luftzirkulation kommt noch die relativ dichte Lage durch den Biberschwanz.

Ich würde mal mit denen vom Denkmalschutzamt reden und einen Trockenfirst anstreben. Denkmal hin und her - drin leben sollte man auch noch können.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de