Haus von 1914: Fugen im Keller feucht, Anstrich fleckig, Steine scheinbar trocken




Guten Tag, wir besitzen am Niederrhein ein Reiheneinfamilienhaus von 1914. Im Wohnzimmer sind so in etwa 50% Luftfeuchte, im Keller zwischen 72 und 82%. Es riecht ein bischen muffig im Keller, die "Sandfugen" zwischen den Backsteinen sind nach vorne (Bürgersteig) und hinten (Garten) m.e. feucht - die Backsteine erscheinen trocken. Ich glaube eher nicht an aufsteigende Feuchtigkeit. Gibt es eine realistische Möglichkeit von innen zu sanieren? Wir wollen nicht im Kelelr wohnen sondern lediglich Fahrräder dort (Heizungskeller) reparieren und Wäsche trocknen (zweiter Kellerraum).
Vielen Dank, Heinz



Kellerfeuchtigkeit



Da scheint kein wirklicher Handlungsbedarf bei Ihnen zu bestehen. Der Keller wird zwar keinerlei horizontale oder vertikale Abdichtung außen gegen das Erdreich haben, aber das ist normal.

Wenn keine wirklich deutliche flächige oder punktuelle Feuchtebelastung zu erkennen ist, würde ich auf kondensierte Raumluftfeuchtigkeit am kühlen Kellermauerwerk tippen bzw. verdunstende Bodenfeuchtigkeit, wenn´s bei Ihnen noch einen diffusionsoffenen Lehmboden gibt.

Hier wird ausreichendes und richtiges Querlüften Abhilfe schaffen: Erst dann lüften, wenn die Temperaturen außen niedriger sind, als im Keller. Sonst vergrößert such die Feuchtebelastung.

Auf das Wäschetrocknen im Keller würde ich dann eher verzichten. Dabei wird eine große Menge Wasser freigesetzt.

Den Anstrich der Ziegel am besten entfernen und die Wand unbehandelt lassen, insbesondere, wenn der Anstrich dampfbremsend wirkt und von der verdunstenden Feuichtikeit im Mauerwerk bereits abgedrückt wird.



leider doch ein paar Stellen



Hallo Herr Pickartz
vielen Dank für Ihre Antwort - das hat mir ein bischen Mut gemacht.
Die Feuchtigkeit ist sicherlich -auch- durch falsches Lüften und Wäschetrocknen bedingt. Leider zeigen sich aber doch einzelne Stelle. Diese werde ich in dieser Woche fotografieren und online stellen. Zu den bewohnten Nachbarhäusern hin scheint alles pulvertrocken zu sein, auch die anderen alten Trennwände sind trocken. Der Kellerboden wurde mal mit Fließen renoviert - aufsteigende Feuchte von unten her würde ich ausschließen, sonst wären ja wahrscheinlich die Mauern innerhalb und zu den Nachbarhäusern feucht. Würde es helfen, den feuchten Kram aus den Fugen zu kratzen und neu zu verfugen mit Trass o. ähnlichem?
Freundliche Grüße,
Heinz



Nein...



... das Neufugen würde nicht helfen... eine Trass-Verfugung ist keine Klima-Anlage...

Ziel sollte es sein den Feuchteeintrag zu entschärfen...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner





Sind die Mörtelfugen denn noch tragfähig oder sanden sie ab bzw. brechen sie aus?
Wäsche sollten Sie dort nicht trocknen. Ich frage mich, wie lange Ihre Wäsche dort zum Trocknen braucht? Sie dürfte dann genau so muffig riechen wie Ihr Keller. Organische Stoffe wie z.B. Holz und Papier sollten dort außerdem nicht gelagert werden. Richtiges Lüften sollten Sie unbedingt beachten.
http://www.holzfragen.de/seiten/lueften_im_keller.html

Bernd Kibies





Die Fugen sehen eher aus wie Sand und riechen dann auch müff. Ein Foto habe ich beigefügt, leider geht nur eins. Was kann ich denn machen, wenn ich von draussen schlecht drann kann? Die Wäsche ist im übrigen sehr schnell trocken und riecht auch nicht, Gott sei Dank.





Lesen Sie eigentlich auch das, was hier geschrieben und Ihnen empfohlen wird?
Wenn Sie die paar Empfehlungen beherzigen, dann sollte Ihr Keller keinen Schaden erleiden. Im Übrigen haben Sie keinen Neubaukeller mit Wohnqualität. Der beschriebene Zustand ist nach den mir vorliegenden Informationen völlig normal und für die gewünschte Nutzung würde ich keinen hohen Aufwand betreiben. Die Fugen können Sie natürlich nach Erfordernis immer wieder mal erneuern. Sehen Sie diese dann als Opferfugen an, wenn sich das Schadensbild nicht ändert.
Natürlich ist es immer schwierig, anhand von einfachen Beschreibungen und einem Foto eine umfassende Empfehlung auszusprechen. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie sich entsprechend fachliche Unterstützung vor Ort holen. Allerdings keinen Kellersanierer, der Ihnen mit max. Maßnahmen das Geld aus der Tasche zieht.

Bernd Kibies



Natürlich...



... haben die Fugen eine Aufarbeitung nötig, soweit auf dem Bild sichtbar... das wird aber das geschilderte "Problem" auf Dauer nicht lösen....

Erst einmal bitte das Fenster schließen...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Danke für die Tipps - sonst noch etwas zu beachten.



Soweit ich das jetzt verstanden habe, werde ich folgende Dinge umsetzen bzw. unterlassen:
a) Keine Wäsche mehr im Keller lufttrockenen um nicht weiterhin Feuchtigkeit hinein zu transportieren. (Das Fenster war im Übrigen offen bei 12 Grad Aussentemperatur und 17 Grad Kellertemperatur. Und wenn der Ablufttrockner aus dem Kellerfenster nach aussen bläst).
b die -ich nenne es mal so - Beschichtung mechanisch von den Steinen und dem Putz entfernen. Die Backsteinoptik würde mich überhaupt nicht stören.
c) die losen Fugen neu verfugen (mit was am besten ?)
d) nur Lüften wenn es draussen 5 Grad kälter als im Keller ist und vorzugsweise im Winter.
e) organisches Material dort nicht, oder nur luftdicht, lagern.
f) ein Jahr warten und die Füße stillhalten

Wie gesagt, ich möchte halt nur meine alten Fahrräder unten reparieren.



Hah, Zyniker heute...



... oder was?

ad a. Wäschtrocknen ist durchaus erlaubt, nur sei Dir klar, dass dabei rel. große Mengen Wasser in die Luft und dann irgenwie ins Gemäuer kommen, das ist beim Ablufttrockner aber auch nicht viel anders, wenn die Abluftführung so trallla gestaltet ist... die Feuchte Luft muss raus...

ad b. die "Beschichtung" muss nur entfernt werden, wenn sie denn den Feuchtehaushalt des Kellers stört...

ad c. Kalkmörtel, oder anderes geeignetes Material, an dem Bogen vom Bild sollte eher hartes Mterial Sinn machen...

ad d. richtig...

ad e. Wenn alles von a-d umgesetzt worden ist, dann sollte sich dieser ad erledigt haben...

ad f. ja...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



ohne Zynismus an die Trocknung



Hallo Sebastian,

Sie haben mein Indianerehrenwort: Zynismus war nicht meine Triebfeder. Die Tipps und Hinweise nehme ich wirklich gerne auf, denn warum soll ich Zeit und Geld verschwenden wenn es jemand anderes besser weiss.
Im Bekanntenkreis hat niemand das Problem mit feuchten Wänden - dafür aber jede Menge Ideen a´la Durchsägen, Edelstahlbleche und Lösungen / Wachse eintreiben oder auftragen, leider auf kein Referenzobjekt in der Nähe bezogen und wohl lediglich Höhrensagen.
Daher mein Besuch nebst Registrierung im Forum. Es wäre halt noch schön wenn es in der Nähe ein Forumsmitglied gäbe, der ein ähnliches Schadenbild nebst Aufgabenstellung schon behoben hätte.



Und noch einmal...



... der übermäßige Feuchteeintrag kann von außen oder auch von innen kommen... beides muss sich ausregulieren oder abstellen lassen...

anders gehts nicht...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Ist überhaupt schon geklärt…



… was für eine Art Farbe derzeit auf dem Gemäuer pappt?

Sieht mir für eine einfache Kalkfarbe zu weiß aus, ist es etwa Alpina aus dem Baumarkt o.ä.?

Ansonsten ist hier schon alles gesagt. Erfahrungsgemäß kommt die meiste störende Kellerfeuchtigkeit von innen, also Kondenswasser an den kühlen Wänden, welches innerhalb recht kurzer Zeit sogar derart kumulieren kann, dass es herunterläuft und auf dem Boden kleine Pfützen bildet.

Oft ist eine dauernd offene Kellerfensterluke auch bei heißem Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit halb so schlimm. Wenn zusätzlich dazu die Kellertür aber längere Zeit offensteht, also eine Art Durchzug entsteht, der die Feuchte Luft zum Abkondensieren stetig heranträgt, reichen ein paar Stunden und man hat Bäche an den Wänden. Ist zumindest bei mir so, ansonsten ist der Keller durchaus so trocken, dass ich da Fahrräder reparieren würde.

Die meisten (Fehl-)schlüsse lassen die Feuchtigkeit jedoch von außen vermuten und die üblichen sinnlosen und teuren Maßnahmen anleiern, Erfolg längerfristig gegen Null gehend.

Muffiger Geruch lässt auf irgendwelche organischen Stoffe schließen, kaltes, feuchtes Gestein riecht zwar auch, aber eher mineralisch, so wie frischer Mörtel.

Ansonsten ist hier alles gesagt worden, bzw. von Dir schon selbst geschlossen, also Farbe runter, lose Fugen auskratzen und neu machen, am besten mit dem Mörtel, der auch ursprünglich benutzt wurde und erst mal abwarten und auslüften lassen. Danach könnte man bei Bedarf etwas für die Optik tun, aber welche Farbe/welcher Putz da am besten ist, mögen die Forums-Fachleute erzählen, ich werde, wenn ich mal ganz Viel Zeit überhabe, meinen Keller evtl. mit einer selbst angerührten Farbe aus billigem Weißkalkhydrat und Magerquark streichen.



Der Anstrich scheint aus verschiedenen Schichten



zu bestehen, Alpinaweis könnte dort auch mal Verwendung gefunden haben , wer weiß es schon.
Ich fange denn mal zuerst mit der bürgersteigseitigen Mauer an und versuche die Steine freizulegen. Geht so etwas mechanisch mit Drahtbürste und Schaber, oder wie macht der interessierte Laie dies besser?
Die Fugen versuche ich soweit wie möglich auszukratzen - wobei dann das Thema ist, welchen Mörtel ich nehmen sollte (von 1914 ist keiner der Dülkener Aktienbau mehr da, der Auskunft geben könnte).
By the way:
1.) wenn die innere Schicht entfernt is, wird es dann zunächst eher feuchter im Keller sodaß ich einen Trockner bräuchte?
2. Ich habe noch zwei stillgelegte Kaminzüge, wäre es sinnvoll die Klappen im Keller zu öffnen?



Die Luftfeuchtigkeit wird jetzt mit einem geringeren Wert angezeigt



aber nur weil ich probehalber ein anderes Anzeigeinstrument aufgestellt habe. Die Differenz beträgt sage und schreibe 14%. Wobei nun die Frage ist, welchem ich den glauben soll.. Ich werde beide entsorgen und mir ein frisch geeichtes Gerät kaufen.
Aber nochmal zu den Kaminschächten zurück: Ist es sinnvoll hier irgendwelche thermische Effekte nutzen zu wollen um den Keller zu entfeuchten?
Danke