Neues Haus auf altem Keller.....Treppe als wärmetechnisches problem




Hallo Profis

wir haben eine Riesendummheit gemacht und ein altes Haus bis auf die Kellerdecke abgerissen und dann ein neues hochgedämmtes Fertighaus draufgesetzt. Der vorher warme, weil durch das haus mitgeheizte, z.T. aus Beton, z.t. aus Ziegelsteinen bestehende Keller, darunter ein Kellerraum mit Erdboden wurde als folge der guten Dämmung der Bodenplatte sehr schnell kalt und feucht. Durch das Treppenloch zieht es wie verrückt. Die Treppe zwischen EG und OG ist als offene Spindeltreppe ausgeführt und nachträglich nicht verschliessbar (müsste ausgetauscht werden.
Das Haus ist im Moment nur oberhalb der neuen Bodenplatte gedämmt. d.h. wir haben einen alten, dreckigen und kapuuten Kellersockel, der etwas zurückspringt) und darüber das neue Wärmeverbundsystem.
Was tun?
Kellerwände abgraben, dämmen der Fassade, Kellerfussboden
dämmen für 2 fast fensterlose Kellerräume, einen Vorratskeller und eine Waschküche? Scheint uns unwirtschaftlich.
Kellersockel bis kurz über Erdboden dämmen? Haben wir dann nicht teilweise warme und teilweise kalte Kellerwände und dadurch Probleme?
Dicken Vorhangstoff unten an Kellertreppe anbringen? Könnte das was bringen gegen den Zug? Und ansonsten Keller - Keller sein lassen?
Wird es auf Dauer im Keller schimmeln, weil dort die Heizung ist, Wärme abgibt und dann die Wände kalt sind?

Ich habe bis jetzt mit 4 Fachleuten gesprochen und jeder sagt etwas anderes...



kalter Keller



Bauen Sie eine thermische Trennung zwischen Keller und Treppenhaus.
Wenn das im Erdgeschoss nicht geht, dann setzen Sie unten im Keller einen kleinen Flur mit Zugangstür zum Keller. Die Wände können als Trockenbau gestellt und entsprechend gedämmt werden, auch der Fußboden.

Viele Grüße
p.s. Was sagen Ihre 4 Fachleute, was schlagen die vor?



Tja



Thermische Trennung im Keller ist ne gute Idee, Keller kann durch kontrollierte L?ftung (hygro-thermische-L?ftermotoren)recht trocken gehalten werden jenachdem wie stark ihr Fertighaus den Keller beeinflusst und noch von zahlreichen anderen M?glichkeiten die auf ihren Keller wirken. W?rde mich auch mal interessieren was die vier vorgeschlagen haben



Danke schon mal



1. Fachmann: Auf jeden Fall alles aufgraben und Wärmedämmen
2. Fachmann: Sockeldämmung mit Wärmedämmsystem 80 cm unter Erde
3. Fachmann schlug vor: Sockel nur verputzen, sich ärgern, das wir nicht den ganzen Keller abgerissen haben..
4. Fachmann: Heizungsraum von innen dämmen und Kellerabgangsraum auch.

Dämmung Kellerabgangsraum kostet ca 3000 Euro, weil so viel Handarbeit.
Könnte man eigentlich auch 2 dicke Thermovorhänge hängen?
Klingt blöd...ich frag ja nur. ich meine, Stoff kann ja auch ganz schön Isolieren und nähen kann ich selbst:)



Na denn



Hallo Angela,

Vorab noch eine Verständnisfrage: Ich zitiere: Ein bestehender Keller, darunter ein Keller mit Erdboden. Ist dass eine zweigeschossiger Keller oder ein kleiner Formulierungsfehler?

Über den nicht erfolgten Abriss würde ich mich auf keinen Fall ärgern (schau mal auf mein Motto), denn dass liegt dir sonst ständig auf der Seele. Jetzt heißt es den Keller optimieren. Alte Hausgefüge muss man erst einmal kennenlernen. Hört sich blöd an kann aber kosten einsparen. Das der Keller feuchter wird kann schon am Fertighaus liegen. Da ich mich eigentlich nur mit Schäden und bauphysikalischen Eigenschaften von historischen Gebäuden beschäftige ist dass jetzt nicht ganz so einfach für mich. Also stellen wir mal die Begenheiten vor:
- Altes Haus Baujahr unbekannt.
-Altes Haus wird nett gesagt bis auf den Keller zurückgebaut.
- Neues Haus wird auf die alte Kellersubstanz aufgesetzt.
- Keller wird nach deinen Angaben feuchter und es entstehen Luftbewegungen.

Jetzt zu dem historischen Bestand und seinen Eigenschaften:
- keine vertikale Abdichtung
- keine horizontale Abdichtung
- also vertikal eindringende Feuchtigkeit durch Bodenfeuchte und zusätzlicher Regenbelastung.
- Horizontales eindringen von Feuchtigkeit durch Bodenfeuchte evtl. abhängig vom Grundwasserstand.

Also ein ganz normaler historischer Keller scheinbar mit einigen Betoneinbauten jüngerer Zeit. Wo sitzen die denn? Wände, Decken, vielleicht nur ein Zementverputz?

Jetzt mal eine Aussage zu den Fachleuten 1-2:
- Da der Keller keine horizontalsperre besitzt wird das Mauerwerk auf jeden Fall feucht bleiben, da ja von unten die Feuchtigkeit nach wie vor eingetragen wird und sich die Feuchtigkeit von unten noch verstärken wird, da ja dass eindringen von Wasser an den Wänden vermindert wird und sich somit der Feuchtegehalt im Bodenbereich erhöht.

Aussage zu Fachmann 4:

- Die Innendämmung säuft unter der Feuchtigkeitsbelastung ab, es sei denn er klebt von innen eine Vertikale Sperre davor, die dann ähnlich wie bei den drei Maßnahmen davor die Feuchtigkeit im Bodenbereich erhöht.

Zu Fachmann 3: Mauersockel neu Verputzen um Feuchtigkeitseinträge in das nach ihren Aussagen geschädigten Mauerwerk über Geländeoberkante vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen ist schon mal ganz brauchbar. Aber dann mit hydraulischen Kalkputzen z.B. einem NHL 5 um dem Mauerwerk ein höchstmögliches abtrocknungspotential zu gewährleisten.

Also als Zwischenbilanz:

Fachmann 4 darf nach Hause gehen.
Fachmann 1 und 2 können ihre Maßnahmen anwenden wenn sie ihren Keller vertikal und horizontal gegen Feuchtigkeit nachhaltig absperren. Ich glaube dafür können sie auch alles wegschieben und noch mal von vorne beginnen.

Ansätze:

Ich kenne ihr Gebäude leider nicht. Es gibt aber Einflussfaktoren die für die intensität von Feuchtigkeit in historischen kellern nicht zu vernachlässigen sind:

- zieht Warme Luft aus dem Gebäude in den Keller kommt es zu Kondenswasserbildung an den Wänden und dem Boden des Kellers.
- Die Kellerfeuchte kann, bedingt durch den Neubau, nicht mehr so gut nach obden entweichen.
- Wie sieht die Wasserführung am Gebäude aus? Beobachten sie mal ob bei Starkregen Wasser zum Gebäude fließt oder ob es gar Wassereinträge durch eine Hanglage gibt.
-sind Zementputze auf den Kellerwänden aufgebracht die ein Abtrocknen der Wände behindern.

Was kann ich als erste Maßnahme einleiten:

- Hängen sie ihren Vorhang auf um Luftbewegungen zu brechen (billige und gute Idee) aber bitte aus Materialien die nicht schimmelfähig sind.
- versuchen sie eine thermische Trennung zwischen Keller und Erdgeschoss einzubringen, da hatte ein Vorredner die Idee einer Art Windfang einzubauen (relativ billige und gute Idee, wenns denn der Platz hergibt.
- Installation eines hygrothermischen Lüftermotors der durch kontrollierte Zwangslüftung überschüssige Luftfeuchtigkeit aus ihrem Keller abführt (ca. 150 Euro in ein Fenster oder Mauerwerk eingebaut.


Was kann ich im Notfall tun:
- Kann man im Fußbodenbereich noch etwas optimieren, z.B. bei hochstehendem Grundwasser mit einem Pumpensumpf oder einer Kiesschicht mit Flächendrainage etc. die Feuchtigkeitsbelatung minimieren.
- bei Vollunterkellerung kann eine Ringdrainage im Kiesbett angelegt werden. Allerdings Oberflächenwasser besser irgendwie vorher ableiten, damit sie sich kein Wasserschloss errichten.

Farzit:

Wie sie sehen ist das alles nicht so einfach. Am besten man tastet sich erst mal mit Beobachtungen und kleinen Maßnahmen an die Problematik heran. Vielleicht reichts ja schon. Aber nichts überstürzen, denn dadurch baut man sich leicht Bauschäden ein, wie die Aussagen von Fachmann 1,2 und 4 belegen.

Liebe Grüße

Emzet

PS: Wenns nicht reicht kann man ja auch mal ne Begehung machen.



antwort zu emzet



Hallo Herr / Frau? Emzet

erst mal danke für die ausführlichen Gedankengänge.

Ich versuche, unsere Situation besser dazustellen.

es ist ein eingeschossiger Keller. Fast alle Räume haben einen Betonboden. Ein Raum aber hat einen Ziegelboden mit Erdfugen. Er dient(e) als Vorratskeller.

Der Keller ist nach aussen nach unserer Beurteilung komplett trocken. Er war 100 % trocken ohne die geringste Schimmelbildung, als wir ihn gekauft haben. Wir haben keine Feuchteprobleme durch Nässe von aussen oder unten.

Das frühere Haus, Baujahr 58 (und eben kein schönes altes Haus, wo Sanierung freut uns lohnt) war praktisch nicht isoliert, auch nicht zum Keller hin. Dadurch wurde der Keller im Winter durch das Haus mitgeheizt.

Das neu aufgebaute Haus mit neuer Festplatte auf der alten Kellerdecke wurde unter dem Estrich hochgedämmt. Dadurch gibt es - wie eigentlich erwünscht - nur noch geringe Wärmeabflüsse zum Keller. dadurch ist die Temperatur im Keller im Winter auf so ca 7 - 8 Grad gesunken. Die relative Luftfeuchte ist auf zeitweise 80 Grad gestiegen und Wasser hat angefangen, an alten Rohren und Aussenwänden zu kondensieren.

Nun müssen wir mehrere Probleme lösen.
1. Verhindern, dass es durch die Treppenöffnung zieht, wofür die Fachleute im Forum einen Windfang im Kellerbereich vorschlagen.
2. Dabei entstehen aber quasi im Keller die gefürchteten Temperaturunterschiede an den Wänden, die dann möglicherweise zu weiteren Kondensproblemen führen, wenn warme Feuchte Luft aus dem Windfangbereich in den restlichen Keller dringt.
3. Müssen wir irgendwie den Kellersockel, der nicht saniert worden ist, sanieren und haben dafür die verschiedensten Vorschläge mit oder ohne Wärmedämmung. - ohne zu wissen, ob dass was für die Situation im Keller bringen könnte.

Eine Begehung...sofort. Wenn ich wüsste, wem man in dieser Sache vertrauen kann.

Super, dass ich mit eurer Hilfe versuchen kann, einen Schritt weiterzukommen. Mit Stoff werde ich mal den Windfang simulieren und dabei genau auf die Feuchtigkeit achten.



Nachtrag



Und das mit der Zwangslüftung ist eine gute Idee, der ich auch nachgehen werde.





@Angela

>>>"erst mal danke für die ausführlichen Gedankengänge."<<<

das war Ihrer...
mehr als (ferndiagnostische) Gedankengänge waren es auch nicht.



Keller trennen



Hallo Angela,
der Sinn und Zweck der von mir vorgschlagenen thermischen Trennung ist, keine warme Feuchte Innenluft in den Keller zu lassen um Wärmeverluste zu minimieren und Kondensatausfall zu verhindern.
Kondensat entsteht nur, wenn Sie die Tür zum Keller immer offen stehenlassen.
Das wäre wie ein Loch in ein Kondom pieksen- blöd.
Keller kühl, Treppenhaus und obere Geschosse warm.
Ob der Keller etwas durch von außen eindringende Feuchte beaufschlagt wird, spielt keine Rolle. Der Keller war ja vorher dicht und trocken, das sollte er jetzt auch noch sein. Hauptsache es kommt kein flüssiges Wasser rein. Warm muß er auch nicht sein, also braucht es auch keine Perimeterdämmung.
Wenn beim Bau des Hauses keine Wärmebrücke im Sockelbereich geschaffen und anständig abgedichtet wurde, kann man sich die ganzen Eiereien außen damit sparen.

Viele Grüße



Noch eine letzte Nachfrage :)



Eure Antworten leuchten mir ein und helfen mit weiter.

Wenn ich jetzt aber den Kellersockel von aussen auf jeden Fall neu Verputzen (lassen) muss - sollte ich dann nicht trotzdem etwas Wärmedämmung draufkleben, weil das ja im Kosten Nutzen Verhältnis kaum eine Rolle spielt und der kalte Keller dann zwar immer noch kalt ist, aber eben etwas weniger als vorher. Oder sollte ich es lassen, weil es neue Probleme mit sich bringt?