Benötigen Entscheidungshilfe!! Denkmalgeschütztes Fachwerkhaus kaufen oder nicht kaufen!

23.06.2008



Hallo liebe Gemeinde!

Wir haben uns in ein Fachwerkhaus in einem kleinen Dorf (70 Einwohner, nächste Stadt 10 Minuten, Göttingen 25 Minuten, Hannover 45 Minuten) verliebt. Das Haus (siehe Bild) ist recht groß und steht unter Denkmalschutz. Das Ensemble besteht aus einem Haupthaus (Grundfläche 210qm, Wohnfläche 400qm) Baujahr ca. 1780, einem Zwischenbau (Grundfläche 115qm, Wohnfläche 80qm) Baujahr ca. 1830 und einer Scheune (Grundfläche 190qm) Baujahr ca. 1830. Das Haus befindet sich auf einem 4500qm großem Grundstück.
Das Haus wurde 1980/81 komplett saniert.

Seit Februar überlegen wir hin und her. In dieser Zeit haben wir uns das Haus mehrfach angesehen. Letzte Woche haben wir uns das Haus nun endlich mit einem Architekten angesehen. Das Haus weist erfreulicherweise keine größeren Mängel auf. Bis auf 2 Schwellen ist das Fachwerk in Ordnung. Es müsste eine komplett neue Haustechnik installiert werden und die typische 80iger Jahre Innendämmung komplett entfernt und erneuert werden. Der Architekt gibt prinzipiell grünes Licht, sagt aber auch das es eine Lebensaufgabe werden wird, er selbst hat ein ähnlich großes Objekt.
Leider können wir uns immer noch nicht gänzlich für oder wider entscheiden, obwohl wir mehr in Richtung kaufen tendieren.
Meine Frau und ich sind beide in einen Dorf bzw. Kleinstadt aufgewachsen und wissen um die Vor- und Nachteile eines Dorfes. Da wir nun Eltern sind möchten wir unserem Sohn und den eventuell noch kommenden Kindern die Vorteile eines Dorfes bieten. Ob diese dann später zum Nachteil wird ist leider heute noch nicht abzusehen. Wir haben zumindest jetzt, nach 10 Jahren, genug von der Großstadt und möchten gern zurück aufs Land.
Jetzt hoffen wir, dass Ihr uns mit Eurer Erfahrung und Euren Tipps ein wenig weiterhelfen könnt. Wir wissen natürlich das die Entscheidung im Endeffekt bei uns liegt, aber vielleicht finden wir hier die ein oder andere Entscheidungshilfe.

Wir bedanken uns für Eure Hilfe

Marco Lubitz



Fachwerkhaus



Hallo Herr Lubitz,
Ihr Traumhaus sieht ja nicht gerade wie ein Einfamilienhaus aus.
Auf jeden Fall müssten Teile vermietet werden, meine ich.
Machen Sie doch ein "Projekt" daraus.
zB : ein Mehrgenerationenhaus oder was ähnliches.

Für eine Familie ist es meines Erachtens zu groß.

viele Grüße



Das kann schon sein...



...dass das eine Lebensaufgabe wird, wie der Kollege sagt.

Ein paar kritische Punkte, die mir beim Betrachten des Bildes und Lesen Ihrer Beschreibung einfallen:

Innendämmung der 1980er: dahinter vergammelt ? (aussen kanns noch schön sein)

Optik: Fenster (Brüstungsriegel, Gliederung ohne Sprossen), Betondachsteine, Dachflächenfenster, Dachausbau (Ausführung ?)

Frage nach der angemessenen Nutzung. Um 400 m² Wohnfläche im Fachwerkhaus zu sanieren, kann man leicht auf 600.000 bis 800.000 € Investition kommen. Das lohnt meist nicht für eine Familie.

Aber wenn man alles nach und nach selbst machen will - siehe oben.

Beste Grüße, Marc Sattel



Mehrgenerationenhaus



Danke für die Antwort.

Es ist auch als Mehrgenerationenhaus geplant. Hier sollen unsere kleine Familie, die Mutter meiner Frau und die Schwester meiner Frau mit Tochter wohnen.



Na dann...



... für drei Parteien ist die Größe interessant. Wenn viele mithelfen, kanns auch gut gehen.

Ich bin immer vorsichtig bei "Sanierungen" der 1980er Jahre.
Einige der damals üblichen Maßnahmen haben oft mehr Schaden angerichtet.

Viel Erfolg !
Marc Sattel



Na denn...



...erstmal herzliche Grüße in die potentielle Nachbarschaft ;-)

Das ist zugegebener Maßen ein ganzes "Paket" an Fragen die du stellst.
Erfreulicherweise sind es alles wichtige Gedanken die ihr euch macht, und die zu einer Entscheidung beitragen.
Denn das Haus ist das Eine, die dörflichen Verhältnisse und die Entfernungen das Andere.

Zudem ist es wirklich keine "kleine Hütte" und 4500 qm Grundstück wollen auch versorgt werden. Neben dem was das Haus so an Herausforderungen stellt.

Im Bezug auf den Denkmalschutz würde ich es persönlich "entspannt" sehen. Das kann durchaus positive Effekte haben und muß kein Hindernis darstellen.

Ein Haus von solch einer Größe instandzuhalten, wohl möglich vorher noch zu sanieren und ein Grundstück von solch einer Größe zu versorgen erfordert aber sicher sehr viel Kraft und Geduld.
Hinzu kommt die Entfernung zur nächst "größeren" Ortschaft. Euer Nachwuchs wird sicher später einmal in weiterführende Schulen gehen und da muß er auch hinkommen.
Bei den jetzigen und zu erwartenden Energiekosten ist die Entfernung zu "Oberzentren" mit den entsprechenden Schulen, ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Etwas bedenklich stimmt mich die Aussage, "nur zwei Schwellen" sind defekt.
Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass da im Regelfall noch mehr hinterher kommt. Zumindestens teilweiser Ersatz der Ständer sollte einkalkuliert werden. Die 80ér Jahre Dämmung kann auch noch die eine oder andere Überraschung bergen. Denn viele Schäden sind von Außen unter Umständen nicht erkenntlich.

Eine Entscheidungshilfe werden meine Zeilen wohl kaum sein. Aber vieleicht ein Denkanstoss.

Grüße
Martin

P.S.: Wo steht denn das Schmuckstück? Irgendwie kommt es mir bekannt vor!





Also mir ist auf dem Bild als erstes mal die Sirene auf dem Dach ins Auge gestochen! Aber Samstag Mittag ist man ja eigentlich schon wach! ;)

Ich finde das Haus zwar jetzt nicht besonders aussergewöhnlich, aber sicher ein interessantes Projekt! Allerdings solltet ihr euch im Klaren sein was da auf euch zukommt!
Ich persönlich würde alles selber machen wollen! Hauptsache wäre, daß man schonmal einziehen und drin wohnen kann. Wenn man so viel wie möglich selber machen will oder muss, würde ich so pauschal 5-6 Jahre veranschlagen!
Dabei gehe ich aber von meinem Bauverhalten aus! An drei bis vier Tagen die Woche wird Abends von ca. 17:00 bis ca. 21:00 gebaut! Samstag nur in Ausnahmefällen und Sonntags nie! Größere Arbeiten wie Schwellen wechseln, tragende Wände erneuern oder einen Dachstuhl neu machen inklusive!
Solltet ihr das nötige Kleingeld haben, und davon braucht es sicherlich viel, kann man natürlich anders an das Projekt ran gehen!

Denkt auch an den riesen Garten! Allein für das Rasen mähen, im Sommer durchaus alle 14 Tage, würde ich mit schwerer Technik mind. einen vollen Arbeitstag veranschlagen!
Das muss alles mit bedacht werden, denn die Nachbarn wachen immer! ;)

Ich wünsche euch viel Glück falls ihr euch entscheidet!

Grüße
Chistian



to buy or not to buy



... tach auch,
lasst das häuschen von nem fachmenschen begutachten - in witzenhausen gibts den christof wanderer samt team,
www.christofwanderer.de
grad ne innendämmung aus den achtzigern ist kritisch, die Balken sehen von aussen intakt aus, das feuchteproblem (tauwasser) schlägt von innen zu !
ne fachkundige "inaugenscheinnahme, vielleicht auch ne schadenskartierung kann euch nur sicherheit geben,

in diesem sinne,

grüße aus dem ruhrpott,

uwe schlauch



Kaufen!



Ich habe mal einen Essay von Sartre über den Existenzialismus gelesen, in dem er u.a. darauf hinwies, dass man jede Entscheidung allein und aus sich heraus trifft. Auch, wenn man sich Rat holt, wählt man ja vorher aus, wen man fragt.
Du fragst im Fachwerkforum, und nicht etwa im Fertighausforum oder im Passivhausforum, wenn es sowas gibt. Also willst Du im Herzen das Haus haben. Dann nimm es.

Wir haben es auch getan: Etwas größeres Grundstück, etwas kleineres Haus. Meine Frau war erst nicht recht begeistert davon, aus dem Komfort der Stadt rauszumüssen. Jetzt aber freut sie sich darauf, ab August in der himmlischen Stille zu wohnen, mit Nachtigallen, die abends singen, frischer Luft, viel Platz. Dafür nimmt man die zusätzliche Fahrerei in Kauf.

Ein praktischer Aspekt noch: Ein Haus mit großem Grundstück gibt Sicherheit. Haltet mich meinethalben für einen Hysteriker, aber ich habe (wie andere auch) den Zusammenbruch unseres Geldsystems schon vor Jahren für 2008 vorhergesagt, und anscheinend behalte ich recht. Wenn die Bank pleite macht, ist das Ersparte weg. Das Haus bleibt.

Letztlich ist es aber eine Bauchentscheidung. Ich würde es immer wieder machen - obwohl ich in diesen Wochen teils bis nach Mitternacht arbeite und mit der Organisation von Handwerkern und Geld nur rotiere. Wenn ich auf der Baustelle oder im Garten bin, fühle ich mich wohl.



Ihre Zeilen lesen sich eigentlich so,





Danke!



Hallo!

Ich bedanke mich für die vielen Anregungen. Wir werden jetzt noch einmal in uns gehen und uns die nächsten Tage / Wochen entscheiden. Ich werde Euch dann auf dem laufenden halten.

Danke

Marco