Aussenverputz

20.06.2015 Manggold



Liebe Communityler
An unserem Bruchkalksteinhaus ist bisher ein Zementverputz und darauf ein Kunststoffaufputz. Nun meine Frage. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll einen Kalk oder Kalkzementverputz wegen der Feuchtigkeitsableitung nach Aussen und stärkeren Diffusionsoffenheit anzubringen (natürlich schlagregenfest). Insbesondere da wir wegen Auflagen des Kantons eine Innendämmung machen müssen. Nun sagt der Baumeister, dass es zu gefährlich sei den alten Verputz abzuschlagen, da sie Angst haben wegen der Mauer und Stabilität. Sie würden nur den Kunststoffverputz Abschleifen und fertig. Da die Sache mit der Innendämmmung eh schon heikel ist, bin ich nicht ganz so glücklich damit.
Was meint ihr bzw. was wäre das beste Vorgehen. Die Architektin meinte der Zementverputz sei ja auch diffusionsoffen, aber er zieht eben nicht die Feuchtigkeit nach aussen und innen ist ein Kalkverputz an der Innenwand, so dass meine Sorge ist, dass sich die Feuchtigkeit nach Innen zieht und nicht nach Aussen weggehen kann. Liege ich da falsch? Wäre eine Option noch auf den soweit möglich angeschliffenen Zementputz noch einen Kalk oder Kalkzementverputz aufzutragen um Beidem (Stabilität und Zugkraft) gerechter zu werden?



Innendämmung



Eine kapillaraktive Innendämmung ermöglichst das Austrocknen der Wände nach innen wenn ordentlich geheizt und gelüftet wird. Für den Außenputz gilt als wichtigste Voraussetzung Schlagregensicherheit bzw. Wetterschutz. Das sollte mit dem vorhandenen Kalkzementputz gegeben sein. Ob der kunststoffvergütete Oberputz runter muß ist vor Ort zu entscheiden. Normalerweise regelt das der Putz selber. Wenn er fehl am Platze ist fliegt er von alleine runter.



Merci Herr Böttcher



Also er ist wohl mindestens 20 eher 30 Jahre drauf und hat keinerlei Risse, so dass er glaube ich den Test bestanden hat. Danke für die Hilfe.
Johannes Manggold



Lieferanten in der Schweiz



Wenn der Aussenputz neu gemacht werden soll, sollte bei einem Denkmal ein diffusionsoffener, mineralischer deckputz drauf. Greutol hat ein abgestimmtes System von Produkten, Greosan. Das wurde an unserem Haus in Zürich verwendet. Wenn der Zementputz noch gut ist, würde ich ihn lassen. Sonst müsste man mit Stopfmörtel die Wand wieder flicken, viel Arbeit.

Wenn es innen einen halbwegs tragfähigen, ebenen Kalkverputz hat (nicht Gips), würde ich mit Multipor arbeiten. Dämmstärke je nach Schmerztoleranz (Platzverlust). Dämmung der Fensterleibungen nicht vergessen... Steckdosen möglichst an den Innenwänden vorsehen.

Für den inneren Verputz gibt es gute Produkte von Granol, z.B. Grundputz 270 + Deckputz Kalkogran 305 (sehr feines Korn, samtige Struktur). Es gibt auch pigmentierte Kalkspachtel (Zero04 bei Thymos, teuer).

Ich würde auf jeden Fall die Berater dieser Firmen ins Haus rufen, kostet nichts und ist auf jeden Fall die Zeit wert.



Innendämmung mit Wandheizung



Wenn ihr eine Innendämmung lachen wollt wären die genannten Mineralschaumplatten oder auch Holzfaserplatten ein gutes kapillaraktives. Material.
Wenn ihr darauf eine Wandheizung montiert trägt diese zur Austrocknung der Wand bei und verbessert den U-Wert der Wände.

Ihr hättet dann die Möglichkeit Holzdielen als Fußboden zu nehmen.

Welches Heizsystem soll verwendet werden?
Bei geringen Vorlauftemperaturen können effektiv auch Wärmepumpen oder Brennwertgeräte betrieben werden.

Warum eigentlich keine Außendämmung wenn ohnehin schon Putz auf der Fassade ist? Es gibt doch genügend Systeme ohne Styropor, bei denen auch schönere Grobputze mit Kalkmörtel und Silikatfarben möglich sind, die zu alten Gebäuden besser passen als glatter Kunststoffputz.

Vielleicht fragst du noch einmal bei eurer Baubehörde welche Vorschriften sie haben?

Sollen Fenster und Fußboden-/Dachdämmung ebenfalls saniert werden?

Andreas Teich



Danke für die Inputs



Vielen lieben DAnk für die Infos

Greosan ist eine gute Firma und ich hatte auch schon Kontakt.
Problem ist, dass das Haus im Bauinventar des Bundes aufgeführt ist und eine Aussendämmung wegen der nötigen Dicke zur Erreichung der bescheuerten U-werte nicht möglich ist. Allenfalls wäre der neue Verputz mit Nanopartikeln Aerogel im Raum gestanden, was wir aber aus verschiedenen Gründen nicht möchten.
Das Wandheizungssystem ist nach Eisenschink Sancal bzw. Firma Handwerker geplant.
Die Fensterleibungen sind ind die Dämmung miteinbezogen und die Fenster werden vollständig erneuert wie auch das Dach.
Die Innendämmung besteht aus einem dünnen Kalkverputz von Haga und Jasminschüttung darauf Lehmplatten. DasSystem hat sich in alten Bruchsteinhäusern inm Emmental seit 10 Jahren und auch am Bodensee sowie bei Riegelhäsern/Fachwerkhäusern bewährt.
Meine Sorge war vor allem, dass die kapillare Wirkung nach Aussen (Kalk zieht ja) mit dem Zementverputz nicht optimal ist.
Muss glaube ich nochmals mit einem "unabhängigen Verputzer" reden.
Ist sicher auch eine Geldfrage.
Ich habe aktuell noch 2 weitere Entscheidungen zu treffen:
Das Haus setht auf Lehm. Der Keller ist wunderbar alt (600 Jahre) und entsprechend im Gleichgewicht.
Um das Haus wird nun aufgegraben und es sollen Foamglasplatten auf 1,20 Teife gehend angebracht werden. Davor Schüttung mit Kiesel, damit das wasser besser versickern kann. Eiegntlich war meinerseits noch eine Ringleitung zur Drainage mmit Sichtkontrollschacht vorgesehen. Allerdings finden das die Bauleute unnötig und teuer. Meine Sorge ist einfach, dass sich das Wasser in dem Kieselbett sehr wohlfühlt und von dort nicht wirklich abfliesst. Allerdings muss man sagen gab es bisher da auch keine Problem ohne überhaupt irgendeine Massnahme bisher ausser auf er einen Seites des Hauses Bauschutt und auf der anderen Seite dem Lehm. Es hatte aber auch keine Innendämmung. Was meint Ihr?



Sanierungskonzept



Ihre Zweifel an den vorliegenden Sanierungskonzept -gibt es überhaupt eins? und den Einzelmaßnahmen finde ich berechtigt.
Ich habe das Gefühl das hier in erster Linie Geld für die beteiligten Firmen generiert wird. Als Innendämmung empfehle ich Ihnen bewährte und kostengünstigere Systeme als dieses verschwurbelte Zeug einzusetzen; das Gleiche gilt für das Wärmeübertragungssystem.
Die Sockeldämmung außen ist nur sinnvoll wenn sie mit einer Thermohaut kombiniert wird. Da die wegfällt ist auch die Sockeldämmung samt Aufgrabung überflüssig. Bei bindigem Boden wie Lehm ist sie ohnhehin problematisch da sie die vorhandene Abdichtung gegen flüssiges Wasser zerstört. Keller wurde bei Lehm in der Regel gegen die senkrecht geschachtete Baugrube gemauert, der anstehende ungestörte Boden war die Abdichtung. Aufschachten heißt neue senkrechte Abdichtung in Verbindung mit einer Dränanlage, der Sinn und der Erfolg ist fraglich.
Never change a running sytem.



In unserem Haus...



haben wir zwei verschiedene Verfahren zur Innendämmung verwendet.

1. Multipor (ein Raum im Erdgeschoss)

+ "massive" Oberfläche und Anmutung
+ kann von A bis Z vom Gipser erledigt werden
- wird kompliziert wenn man elektrische Leitungen führen muss
- nicht reversibel
- erfordert eine ziemlich plane Wand als Unterlage
- Nägel, Dübel nur sehr bedingt möglich, weiches Material (lässt sich mit einem Fuchsschwanz "wie Butter" schneiden).

2. Zellulose im CSO-Verfahren (das ganze Dachgeschoss)

http://www.curau.ch/index.php/de/planung-l-beratung-l-ausfuehrung/isofloc/cso-sprayverfahren

Zur Vorbereitung Kreuzrost aus 4x6 Latten an die Wand schrauben (Direktmontageschrauben, Achsabstand im Fermacell-Raster). Dann Zellulose aufblasen, wird auf die äussere Ebene der Latten abgezogen. Dämmstärken je nach Orientierung der Latten 8, 10 oder 12 cm. Nach einer ausreichenden Trocknungszeit Dampfbremse auftackern, raumseitiger Abschluss mit Fermacell TB Platten.

+ voll reversibel, würde nach der Demontage nur eine Menge Bohrlöcher hinterlassen.
+ einfache Installation von elektrischen Leitungen usw. in der Dämmebene
+ ökologisch - wenig graue Energie
+ kommt auch mit sehr unebenen Unterlagen zurecht.
- erfordert gute vorherige Planung, z.B. wo braucht es Holz um Heizkörper oder Sockelleisten zu befestigen usw.
- Fermacell "höhlelet" wenn man dranklopft...

Aerogel wäre mir viel zu teuer, und ist auch von der Arbeitssicherheit fragwürdig (sehr feine Partikel).

Wir haben normale Heizkörper mit offen verlegten Rohren verwendet.

Wegen den "bescheuerten" Anforderungen für den u-Wert - grundsätzlich finde ich es gut, dass man Bauherren motiviert, keine halbbatzige Lösungen zu machen. Gerade bei Häusern unter den Fittichen der Denkmalpflege würde ich mir aber von den Behörden etwas mehr Augenmass und Flexibilität wünschen. Ich musste für unser Haus einen Systemnachweis nach SIA einreichen (berechnet von Octawatt), und der _ist_ total bescheuert. Beispiel: Die Energiebezugsfläche wird inklusiv Aussenwände berechnet, d.h. wenn ich ein Haus mit einer dicken, aber ineffizienten Dämmung baue, sieht es besser aus als eines mit dünneren Wänden mit gleichem u-Wert.



Perimeterdämmung-Drainage Innendämmung



Die Perimeterdämmung macht doch gar keinen Sinn,
wenn die Außenwand darüber nicht von außen gedämmt wird.

Der Bereich im Boden ist doch ohnehin viel wärmer als die der Außenluft ausgestze Wand.

Diese bildet doch in jedem Fall eine viel größere Wärmebrücke als der erdbedeckte Teil der Wand.

Die Reduzierung der Wärmebrücken kann dann je nach Fußbodenaufbau innen und abhängig von der Innendämmung erfolgen.

Wenn die Außenwände von Lehmboden bedeckt sind ist das Abgraben und ein Schotterbett kaum sinnvoll, wenn nicht das sich dort sammelnde Wasser zuverlässig abgeleitet wird.

Dann wäre es sicherer, den jetzigen Zustand zu belassen, zudem das auch noch erheblich Kosten und Aufwand einspart.

Welche Art der Innendämmung verwendet wird ist dann auch davon abhängig, ob eine Wandheizung eingebaut wird.
Diese sollte jedoch einfach befestigt und eingeputzt werden können.

Andreas Teich