Isolierung unter Bitumendach

02.11.2008



Hallo,

ich überlege gerade, wie ich den Dachboden unter unserem Bitumendach dämmen soll. Das Dach ebsteht aus einer üblichen mehrlagigen Dachpappenschicht auf 2 cm Rauhspund. Darunter ist zurzeit nix. Diesen Teil des Dachbodens möchten wir gerne zu Wohnraum ausbauen.
Mit meinem Bauphysiklatein habe ich nun, egal welche Konstruktion ich wähle, immer das Problem, dass mehr Tau in die Rauhspundschicht reinkommt, als wieder herauskommt. Sprich: die Konstruktion wird vermutlich nass. Ich habe eine Isolierung mit 15 cm Dämmwolle (Mineralwolle oder Hanf) und eine raumseitige "intelligente" Dampfbremse gedacht.
Frage: muss ich zwischen Rauhspund und Isolierung noch eine Luftschicht zur Trocknung des Rauhspunds einplanen? Hat jemad Erfahhrung mit Isolierung bei solchen Dächern?
Jeder Tipp ist sehr willkommen!
Viele Grüße
Alexander



Nach theoretischer Berechnung....



wirst Du bei einer entsprechenden Dampfbremse (z.B. Intello von Pro-Clima) ohne Hinterlüftung arbeiten können.

Ich würde grundsätzlich eine Hinterlüftungsebene lassen.

Steinwolle würde ich auf keinen Fall nehmen, da dieses Material mit evtl. Feuchtigkeit (Kodensat) nicht umgehen kann.

Wenn Du unbedingt sparrentief dämmen willst, dann würde ich bei so einer Konstruktion Zelluloseflocke vorziehen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Bitumendach



Hallo Herr Reiprich,
Ich rate Ihnen dringend zu einer Hinterlüftung (Kaltdach)
Was für eine Form hat denn Ihr Dach? (Flachdach?)
Eine Alternative wäre noch ein Umkehrdach.
Hier liegen Styrodurplatten auf der Abdichtung.
Sie brauchen hier aber eine Auflast.
Halten denn Ihre Sparren die Mehrlast aus Dämmung und Beplankung aus?
viele Grüße





Hallo Herr Reiprich,

eine Hinterlüftung ist in Ihrem Fall, trotz der neuerdings umgänglichen Meinung bei Flachdächern keine belüfteten Systeme mehr Anzuwenden, sehr ratsam. Denn es hilft zum einen beim ableiten der entstehenden Feuchte durch die Bauteilschicht (bei Dampfbremsen mit niedrigen sd-Wert) nach aussen, da Bitumen einen sehr hohen sd-wert (wasserdampfdiffusionsäqivalent) hat und damit als sehr diffusionshemmend gilt. Daher wäre ein Dämmen bis an den Rauhspund nur mit einer Dampfsperre möglich, die einen höheren sd-wert als das Bitumen besitzt.Bei einer Dampfbremse (Doppelklimamembran) wie der Intello Plus würde die Bauteilschicht durchfeuchten, denn der sd-wert ist niedriger (weit niedriger) als die des Bitumens.
Weiterhin ist eine Hinterlüftung für den sommerlichen Wärmeschutz sinvoll, zur Ableitung der Stauwärme.

Aber Achtung!!! 1. Winddichtheitsschicht zwischen Sparren einbringen & "winddicht verkleben"
2. DNG° sollte mind ca. 10° betragen
3. Wenn nicht, Zuluft evtl. vergrößern für Unterdruck
4. Querlüftung nicht über 10 m



Intello oder Intello-plus ist sehr wohl geeignet ...



aber es wäre für mich nur die Notlösung, wenn eine Hinterlüftungsebene nicht möglich ist.

@Ronny Herbst
Eine Dampfsperre mit einem statischen höheren Wert als die Bitumenpappe wäre gar nicht hilfreich, da bei ungenauer Verlegung es zu sog. Wasserfallen kommen kann.
Die Intello dagegen ist eine Dampfbremse - variabel in ihrem Schichtdickenwert - sd-Wert von 0,25m - 10m.
Im Sommer geht die Diffusion gerade den anderen Weg. Dann ist ein geringerer Wert sehr wichtig, damit es zur Austrocknung kommen kann.

Nähere Infos mit einer guten Erklärung über Winddichtung/Luftdichtung - Diffusion und natürlich als Lösung die Intello genannt unter:

http://download.proclima.com/de/IntelloSystem.pdf

Dennoch wäre für mich die erste Wahl eine Hinterlüftung.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Danke schön!



Hallo,

vielen Dank für die vielen und fundierten Tipps! Für mich ziehe ich jetzt den Schluss, dass eine Hinterlüftungsebene auf jeden Fall sinnvoll ist. Eine Dampfsperre mit höherem sD Wert als Bitumen würde also eine Befeuchtung verhindern, eine intelligente Dampfbremse eher nicht. Letztere würde aber im Sommer ein Austrocknen ermöglichen, Erstere nicht. Kann man das so sagen?
Ich könnte mir vorstellen, dass eine Dampfsperre mit hohem sD-Wert bei Verarbeitungsfehlern, sprich Undichtigkeiten, fatal sein könnte.
Wie ist denn aber die Hinterlüftungsebene zu gestalten? Ist das im Prinzip ein abgeschlossener Luftraum oder gibt es eine Verbindung nach Außen? Wenn abgeschlossen, wohin würde Feuchtigkeit entweichen sollen? Isolationstechnisch könnte man ja auf den Effekt von Rauhspund und Bitumen auch verzichten. Soll halt nur trocken halten. Deshalb würde doch eine Verbindung mit der Außenluft theoretisch Sinn machen, oder?

Ach so - das Dach hat ca. 15-17 Grad Neigung.
Beste Grüße
Alexander



Re Frank



Entschuldigung, dass ich falsch verstanden wurde, denn ich habe nie behauptet,dass die Intello nicht geeignet ist,lediglich, dass die Intello als Dampfbremse bei einem Ausdämmen bis an den Rauhspund nicht funktioniert! Wo soll denn Bitte die Feuchte hin, die die Dampfbremse durchlässt? Bitumen ist hoch "Diffusions"-hemmend! Und warum sprechen alle nur von "Diffusion"? Welche Diffusion?
Über Konvektionsströmung und deren Negativfolgen bei Leckagen bin ich durchaus aufgeklärt.
Desweiteren befürworte ich Ihre Meinung einer Hinterlüftung, was ich bereits geschrieben hatte.
Ich habe diese Konstruktionsart schon mit Erfolg eingebaut und dies in Kombination von Holzwolle und Intello Plus.
Falls Interesse besteht, stelle ich auch gern Bilder ins Netz.
Bitte lesen sie meinen Text noch einmal.

Freue mich auf eine konstruktive Diskussion!

mfG Ronny



Intello bietet sich bei sparrentiefer Dämmung unter Bitumen an ....



zumindest wird das so in den Beschreibungen genannt. Die Frage wo die Feuchte hin soll ist leicht beantwortet: Wenn es zu feucht ist, soll sie erst gar nicht in die Dämmung geraten. Was an Feuchte in die Dämmung geraten ist, muss nach innen wieder ausdiffundieren können.

@Alexander
Eine Hinterlüftungsebene ist kein geschlossener Luftraum. Es braucht eine Möglichkeit der Zuluft und der Abluft - sonst "lüftet" es nicht.

Grüße

Frank