Dampfbremse

25.10.2011



Mahlzeit,

ich habe eine Frage bzgl. der korrekten Anbringung einer Dampfbremse.

Wir haben einen neuen Dachstuhl bekommen. Die Schalung wurde sichtbar mit N+F brettern auf die Sparren montiert. Darauf wurde die Dampfbremse getackert - und zwar Kreuz und quer einfach mit dem tacker durch geschossen. Darauf kam eine Alukaschierte 14cm Aufdachdämmung, dann die Lattungen und Zeigel.

Aus den Anleitungen zur Zwischensparrendämmung (anderes Thema) geht hervor , dass die Innenliegende Dampfbremse, welche an den Sparren befestigt wird mit so einem Dichtungsband versehen wird an den Stellen wo getackert wird.


Ich habe die Befürchtung, dass meine Dampfbremse also nicht korrekt angebracht ist! Welche Folgen kann das haben? Ist das so ok? Welche Möglichkeiten habe ich hier ggfs. nachbessern zu lassen oder Geld einzubehalten?

Freundlich Grüße



Dampfbremse



Vielleicht was das ja keine Dampfbremse sondern die Unterspannbahn?
Aus welchem Material besteht denn die Aufsparrendämmung?
Wollen sie noch zusätzlich eine Zwischensparrendämmung?

Viele Grüße



Eine



Zwischensparrendämmung kommt nicht dazu.

Das ist eine Blau-Weiss gestreifte Folie - nicht die Unterspannbahn. Diese Folie wurde am Dachüberstand um die Sparren herum mit Dichklebeband angeschlossen.

Die Aufdachdämmung ist Linitherm von Linzenmeier, oder so ähnlich :-)





Mag man davon halten was man will, Gewährleistung auf das ganze Paket gibt es nur, wenn alle verwendeten Produkte aus dem verbauten System stammen. Bei der Folie muss es sich demnach um die Linitherm L+D-Folie handeln. Zu dieser schreibt der Hersteller in seiner Verlegeanleitung:

• Bei Elementen mit zusätzlichen Funktionen,wie z.B. Unterdach, ist insbesondere an allen Plattenstößen sowie an baubedingten Anschlüssen auf eine einwandfreie Abdichtung zu achten. Zur Herstellung der Luftdichtheit wird die zusätzliche Verlegung der LINITHERM L+D Folie empfohlen.
• Beschädigungen sind fachgerecht nachzubessern (z.B. durch abkleben, ausschäumen usw.).
• Zur Reduzierung der Perforationen der Befestigungsschrauben/ Nägel ist ggf. unterhalb der Konterlattung, das LINITHERM Nageldichtungsband zu verlegen.


Die Folie dient zur Herstellung der Luftdichtheit. Die tatsächliche Dampfbremse dürfte die eigentliche Alukaschierung sein. Ggf kann eine Anschlussschürze im Wandanschlussbereich zum Einsatz kommen. Müsste man aber genau wissen, was da verbaut wurde.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Dampfbremse



Hallo,
wenn die Dampfsperre in Eurem Fall gleichzeitig die Luftdichtigkeitsebene ist, kann es dazu führen, das aufgrund von Luftströmungen durch die perforierte Dampfbremse und Luftdichtigkeitssperre erhebliche Feuchtigkeit von Innen in die Konstruktion gelangt, dort kondensiert, sich nieder schlägt und Schimmel bildet. Da die Aufdachsparrendämmung zusätzlich alukaschiert ist würde das die Situation verschärfen, da über die Fläche nach ausen über die Alufolie kein "Abdunsten" mehr möglich ist. Hier muß im Konstruktionsaufbau genau darauf geachtet werden, wo welche Funktionsschichten laufen und dass diese korrekt an die anliegenden Bauteile angeschlossen werden.
Konkret: Eine nach aussen alukaschiete Dämmung, braucht nach innen, auch eine dampdichte und luftundurchlässige Folie, damit keine Feuchtigkeit über Lekagen in die Konstruktion eindringen kann. Hier ist besonderst auf luftdichte Bauteilanschlüsse zu achten. Perforierungen dürfen demnach in der Fläche nicht bestehen.
MfG

K. Thormann

Dip.-Ing. Architektur BDB
# GebäudeEnergieberater #
Kassel





Die Alukaschierung ist gem. Herstellerangaben beidseitig.



...



Hallo Anonymous,

"Die Aufdachdämmung ist Linitherm von Linzenmeier, oder so ähnlich :-)"

... Vielleicht können Sie da ja auch einfach nochmal genau in Ihre Verträge schauen, und die exakte Bezeichnung hier einstellen. Dann kann Ihnen sicher, auch ohne weitere Mutmaßungen geholfen werden.


Christoph hat hier gewohnterweise schon den Schlüssel für Ihr Problem in der Hand ... Die Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers. Die können Sie meist auch selber über die Internetpräsens des Herstellers einsehen, oder nehmen Sie direkt mit dem Hersteller Kontakt auf.

Die verarbeitenden Handwerksunternehmen sollten sich im eigenen Interesse an diese Richtlinien halten. Ansonsten ginge die Werksgarantie sofort flöten und der Handwerker haftet am Ende selbst für Schäden die er nicht zu verantworten hat.
... Wie auch immer! Wenn Sie konkrete Zweifel ob der Richtigkeit der Ausführung haben sprechen Sie mit Ihrem Vertragspartner. Am Besten solange wie das Dach noch nicht völlig fertig gestellt, und auf jeden Fall noch nicht bezahlt ist. Ansonsten könnte es passieren, daß sich das ganze Verfahren unnötig in die Länge zieht.

Zumindest nach den Anmerkungen von Christoph scheint sich Ihr Problem aber als solches zu bestätigen. Es gibt jedoch eine größere Anzahl an Ausführungs und Plattenvarianten bei Linzmeier, weswegen es sinvoll wäre hier nochmal genau Bescheid zu wissen.

Für den Fall daß sich aber eine unsachgemäße Ausfürhung bestätigen sollte, sein Sie auch darauf gefaßt, daß der bauausführenden Unternehmer evl. mit Bezug auf die nicht erfolgte Abdichtung der Tackerstellen auch eine plausible Antwort zur Hand hat. Z.B könnte die Alukaschierung für Ihn ausreichend sein. In diesem Falle käme es dann aber auf die Ausführung der Anschlüsse an den Rändern der Dachfläche an.
Wenn hier eine zusätliche Abdichtung erfolgte könnte dies sogar aus bauphysikalischen Gesichtspunkten funktionieren. ... Wenn auch mit persönlichen Bauchschmerzen! ... Was dies wiederum vertragsrechtlich nach sich zöge sollten aber besser Anderen hier im Forum bewerten.

Gruß aus Berlin,



Es...



handelt sich im Linitherm PAL N+F. Die Dampfbremse ist am untersten Schalbrett auf die unterseite der Schalung geführt und angeklebt, soweit ich das weiss. Dann wurde eine Dampfbremse unter die Fußpfette gelegt und nach außen / oben um die Sparren herum geklebt. Zwischen den beiden Folien ist nichts abgedichtet.

Aussage des Ausführenden war: Das bisschen Holz dazwischen macht nix....und vor 10 Jahren gab es sowas noch garnicht.

Ganz getreu dem Motto besser falsch ausgeführt als garnicht gemacht :-) jedenfalls soweit ich das beurteilen kann...





Dann schaun Sie mal selbst:

http://www.linzmeier.de/de/linitherm-daemmsysteme/aufsparrendaemmung/linitherm-pal-nf

... ganz rechts über dem Häuschen finden Sie die Verarbeitungsrichtlinien mit vielen zusätzlichen Informationen zu Aufbauten und dergleichen.


Es wird hier davon gesprochen, daß die L+D Folie als Vordeckung dient. Nicht vorwiegend als Dampfbremse und Luftdichtungsbahn! Die Dampfbremse ist wie bereits erwähnt in der Alukaschierung enthalten. Hier kommt es also auch auf eine saubere Verklebung der Folienüberstände an den Plattenstößen an.



"Aussage des Ausführenden war: Das bisschen Holz dazwischen macht nix....und vor 10 Jahren gab es sowas noch garnicht."

Nicht zu viel erwarten! ... Es sind oft sogar die Chefs bei denen der interessierte Laie merkt, daß dem das igendwie mal geziegt worde wie die Verarbeitung laufen sollte. Was von Bauphysik verstanden hat er deshalb noch lange nicht. Nicht ohne Grund wird das Thema Dämmung hier immer so kontrovers diskutiert. Leider folgt meist die Veralgemeinerung aus auf Grund von Unwissen entstandenen Baumängeln.

In diesem Fall würde ich sagen wegen Holz dazwischen ist das Ganze nicht zwangsläufig kritisch. Die Dampfrückhaltende Wirkung einer Massiven Fußpfette ist hinreichend. In gewisser Weise ist es sogar besser wenn diese nicht komplett in Folie gepackt ist. Es kommt aber auf die Sauberkeit der Abdichtung der Anschlüsse an. Wenn hier gepfuscht wurde oder die Verklebungen sich über die Zeit nicht als Dauerhaft erweisen ... Dann, Ole!

Ein Foto würde helfen die Situation zu klären.


Gruß aus Berlin



Hier...



...ein Photo von der Dampfbremse.

Man kann erkennen, das die Folie auf der Schalung am Überstand um die Dämmung nach oben geführt wurde. Dann wurde Sie an diesem Abschlussbalken verklebt.

Von unten wurde die Folie, welche unter der Fußpfette liegt( siehe nächstes Bild) um die Sparren geklebt. Anschließend wurde der Überstand mit Klemmfilz aufgefüllt und verkleidet...



...



...



Und...



...hier sieht man, wie die Dampfbremse einfach von außen auf die Schalung getackert wurde...





Bei der blauweißen Folie handelt es sich um eine Dampfbremsfolie mit einem Sd Wert von über 100 m die auch zur Windabdichtung von Sparrenvolldämmungen geeignet ist. Die Folie ist nicht diffusionsoffen. Je nach Foliendicke variieren die SD-Werte.

Ohne es vor Ort gesehen zu haben ist es schwierig zu beurteilen. Die Folie wird als Luft- und Dampfsperre für den Innenbereich (Warmseite) eingesetzt. Die Abklebung im Außenbereich der Fußpfette sollten Sie sich erklären lassen. Feuchtigkeit aus dem Dämmbereich der Mineralwolle kann nicht ausdiffundieren, die Folie ist hier verstärkt Temperaturschwankungen ausgesetzt. Wie sieht der Fußpunkt von innen aus?

Eine derartige Konstruktion sollte so ausgeführt sein, dass ein Versagen einer Folie nicht zwangsläufig zum Versagen des Gesamtsystemes führt. Weichmacher verflüchtigen sich.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Was...



...meinen Sie mit Fußpunkt? Die Folie ist unter die Fußpfette geklemmt und wird an der Innenseite mit der Fußpfette verklebt.





- Zum Verständnis: Das bedeutet die Folie wurde vor dem Aufsetzen der Fußpfette untergelegt und später außen,um diese herum nach oben geschlagen und an der Schalung verklebt?
- Was soll auf der Fußpfette gemacht werden?
- Wurde die Dampfsperre des Fußpfettenbereiches mit jener der Dachfläche verbunden?
- Wo in der Pfalz steht denn das Haus?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Genau...



...die Folie wurde unter die Pfette gelegt, bevor diese aufgeschlagen wurde.

Die Folien von Pfette und Dachfläche sind nicht verbunden.

Der Ringanker und die Fußpfette sollen noch Verkleidet werden mit einer Art Ablage / "Fensterbank".

Das Haus steht nähe Frankenthal...





An der Fußpfette ist so eine Konstruktion zwar "nicht schön", aber sie dürfte – sauber ausgeführt – funktionieren. In den Linzmeier´schen Systemzeichnungen werden die Dampfbremsen allerdings miteinander verbunden.

An Deiner Stelle würde ich mal dort anrufen und auf die fehlende Verbindung bzw. hinsichtlich der Tackerorgie nachfragen. Wenn die Folie tatsächlich eine Dampfsperre sein soll, sollte die nicht kreuz und quer vollgetackert werden.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Ok...



...dann mal vielen Dank für die Bemühungen... scheinbar ist es wenigstens nicht "eindeutig der Weltuntergang"!





Na wunderbar! Die Photos lassen doch schon einiges mehr erkennen! ...


Der Hintergrund der Trennung der beiden Folien erschließt sich für mich nun nach Beschreibung der Linzmeier Produkte und vor allem nach Bildaussage wie folgt:

Nach Linzmeier-Verarbeitungrichtlinie hat für die verwendeten Dämmplatten die Folie mit den Tackerlöchern allein die Funktion einer Vordeckung (Wetterschutz). Die Dampfbrems- und Luftdichtungsebene soll von der Alukaschierungen der Dämmplatten übernommen werden. Sofern diese sauber untereinander verklebt sind ist das für die Fläche gesehen in Ordnung. Die Tackerlöcher haben keinen wirklichen Einfluss auf die Luftdichtigkeit oder die Dampfbremsfunktion. Knifflig wird es an den Rändern! Hier wird nach Verarbeitungsrichtlinie ein Kompriband oder eine Klebelösung vorgeschrieben, welche die Alukaschierung dichtend mit den seitlichen Wandabschlüssen verbindet. Ob dies hier sauber ausgeführt ist, läßt sich aber an Hanf der Fotos nicht erkennen.

Im Bereich der Fußpfette fungiert die angebrachte Folie hier dann in der Tat allein als Dampfbremse. Das Herumlegen der Folie um die Fußpfette ist vom Prinzip her OK! Die Verklebung des oberen Folienendes an der Unterseite der Dachschalung ist ebenfalls prinzipiel nicht zu kritisieren, wenn auch vielleicht nicht unbeding günstig gelößt.


Wenn auf der Oberseite eine entsprechende Abdichtung erfolgte entsteht durch den reinen Wechsel zwischen Folie, Holzschalung und wieder Folie zunächst noch KEINE Unterbrechung der Dampfbremsebene. Der Schwachpunkt sind die Verklebungen. Auf Ihrem ersten Foto scheint die Dampfbremse sowohl unten als auch oben an der Schalung aber irgendwie noch lose.

Wegen der Mineralwolle zwischen den Sparren würde ich mir erstmal noch keine Sorgen machen. Über den noch fehlenden Dachkasten sollte hier später eigentlich eine hinreichende Belüftung gewärleistet sein. Wichtig ist auf Dauer wie gesagt, daß die Verklebungen dauerhaft sind.

Gruß aus Berlin