Nachträgliche Dachschrägendämmung ohne Neueindeckung

26.07.2011



Hallo liebe fachwerk.de-User!

Ich bin neu hier, da ich kürzlich einen Altbau aus dem Jahr 1936 erstanden habe, der jetzt möglichst zügig saniert werden soll...ich bin nicht ganz unwissend, aber bei einigen Detail-Lösungen fehlt mir einfach das nötige Detail-Wissen und für die "einfachen" Ideallösungen das Geld.

So nun zum Problem: ich weiss das Thema nachträgliche Dachschrägendämmung ohne vorhandene Unterspannbahn wurde hier schon mehrfach behandelt...wie z.B. hier http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/80605$.cfm

Wie so oft kommt eine Neueindeckung aus Kostengründen nicht in Frage - außerdem haben mir jetzt schon 2 Dachdecker bestätigt, dass mich ein Biberschwanzdach von '36 trotz meines jugendlichen Alters von noch unter 30 wahrscheinlich überleben wird.

So ganz 100%ig konnte ich mich noch nicht entscheiden, auf welcher Seite der Meinungen ich bin. Ob nun eine diffusionsoffene Foliebzw. Weichfaserplatte zwischen den Sparren eingezogen und mit Hinterlüftung zu den Ziegeln (Biberschwanz) hin ausreichend und anerkannt ist oder nicht.
Vielleicht kann mir hierzu noch jemand den ein oder anderen Tipp geben.

Warum ich nun eine neue Frage stelle ist die Tatsache, dass ich nicht den Dachstuhl ausbauen möchte und damit die gesamte Dachfläche dämmen möchte. Es handelt sich hier lediglich um die Dachschrägen im OG. Die hier vorhandenen Verputzen Strohmatten-Schrägen sollen runter - die fragliche 2. wasserführende Schicht, dann Dämmung rein/drauf, Dampfsperre, Konterlattung und Rigips.

Die Dämmung nach oben erfolgt mit Glaswolle direkt auf der obersten Geschossdecke. Die zweite Frage wäre also, wie bzw. wo muss ich hierbei die innere Dampfsperre anschliessen? Normalerweise geht diese ja bis in den First durch. Da ich mich ja aber mit meiner Sparrendämmung nur im OG bewege müsste es doch reichen, die Dampfsperre von unten an der obersten Geschossdecke dicht anzuschliessen (Kartuschenkleber, etc.), oder?
Zur Konstruktion von innen: Die erwähnten verputzen Strohmatten, Sparren ohne irgendwas dazwischen, Lattung, Biberschwanz.

Ich bedanke mich schon jetzt für alle Antworten und möchte aber auch darum bitten diesen Thread nicht (wie teilweise gesehen) für abschweifende Privat-Kriege zu nutzen :-)

MfG Felix





wenn eine Diffu.offene Unterspannbahn nachträglich von innen verlegt werden soll, dann muß die auch durchgehend an der Traufe und First sein, ist recht schwierig. Dann besser ne Holzfaserplatte zwischen die Sparren schneiden.
Die event. eindringende Feuchtigkeit bei Flugschnee/Regen wird von der Holzfaserplatte aufgenommen und trocknet wieder aus, ohne das dir die Suppe nach unten ins Mauerwerk läuft.

Ein Biberschwanzdach würd ich auch nicht abreisen, dann lieber frieren :-)





Wenn das Dach eine Einfachdeckung hat (in der Regel sind dann zwischen den Stössen der Biberschwänze Blechstreifen oder Holzschindeln eingefügt, weil diese Ziegel ja keinen Wasserfalz haben), sollte das Dach von unten zugänglich bleiben, weil es anfällig auf Undichtigkeiten ist, die bei einer Dämmung lange unbemerkt bleiben und dann zu schweren Schäden an Dach und Dämmung führen werden.



Danke schonmal für die Antworten...



@Sascha: Wie verhält sich dann mit der/den Hinterlüftungsbereichen? Da scheiden sich ja auch die geister...also zwischen Deckschicht und der Holzfaserplatte auf jeden Fall denke ich, sowieso notwendig durch die Lattung auf die die Platten montiert werden. Aber brauche ich dann zwischen den Platten und dem eigentlichen Dämmstoff noch eine Luftschicht? Wäre das hier z.B. eine geeignete Wahl? http://www.pavatex.de/produkte_detail.aspx?PROID=3&ProductName=ISOLAIR%20L

@Jens Paulsen: Also bezüglich der Stösse muss ich nochmal nachscheuen, da hab ich noch nicht drauf geachtet. Wie muss ich mir das vorstellen, dass das Dach "von unten zugänglich" bleiben soll?

Vielen Dank schonmal für die weiteren Antworten!
Hat jemand noch nen Tipp bezüglich der Dampfsperre (siehe ursprüngliche Frage)?

Viele Grüße Felix





Wie muss ich mir das vorstellen, dass das Dach "von unten zugänglich" bleiben soll?
Man sieht von unten (innen) zwischen der Lattung die Ziegel und kann diese ersetzen oder zurechtrücken, ohne aufs Dach zu müssen. Das geht bei einer Dämmung nicht mehr.
Man muss dann auf die Dämmung der Schrägen verzichten und stattdessen eine gedämmte Kammer in den Dachboden bauen.





zwischen Eindeckung und Holzfaserplatte sollte schon eine Lüftungsebene von 3-4 cm sein. Die eigentliche Dämmung kann bis an die Faserplatte rangeführt werden.

Ich denke mal das auf deinem Dach eine doppeldeckung vorhanden ist,sollte dann etwa so wie auf dem Bild aussehen. Also ohne Blech oder Pappstreifen .

Na und ob´s das Dach bis jetzt in Ordnung war, müßte man ja auf dem Dachboden sehen können.

Um ganz sicher zu sein, wäre ein Dachcheck von deinem Orts-Dachdecker nicht schlecht.



Auch Gruss aus der Vorderpfalz - LU



Hallo,

wir haben ein ähnliches Problem mit Dachschrägen, die mit Holz verschalt sind, dann mit Rohrmatten bestückt und anschliessend verputzt wurden. Darüber ist auch ein Biberschwanzdach, aber überlappend gedeckt, so ist dies meist. Zu sagen ist noch, dass unser Dach unter der Lattung der Biberschwänze auch noch mal verschalt ist. Somit haben wir zwei Schalungen.
Dies haben wir alles so gelassen, da der Aufbau mit der Schalung und dem Putz eine Luftdichtigkeit gewährleistet es sollten natürlich keine derben Risse in den Ecken vorhanden sein. Auf den Einbau von Folien haben wir verzichtet und uns dann für folgenden Aufbau entschieden, von aussen nach innen:

In die Sparren wurden durch die Holzschalung und den Zementputz Holzrahmen 40 x 60 mm quer verschraubt. Im passenden Achsmass zu den Holzfaserdämmplatten. Dann die Zwischenräume mit Holzfaserplatten normal ausgefüllt - 40 mm stark. Darauf wurden dann Holzfaserdämmplatten 80 mm mit Nut und Feder verlegt, in die Holzrahmen verschraubt. Danach Lehmputz mit Armierungsgewebe und dann noch mal Lehmputz fein.

Die oberste Geschossdecke wurde gedämmt, somit hält sich die Anzahl der Wärmebrücken gering - es ist nun mal ein altes Haus.

Diese Lösung wurde mit einem Energieberater, dem Denkmalamt und der Herstellerfirma der Holzfaserdämmplatten erarbeitet und erschien uns als beste.

Dann mal gutes Gelingen.

Gruss aus LU

Lehmputz fein
Lemmputz grob mit Armierung
Holzfaserdämmplatten mit Nut und Feder 8 mm verschraubt
Holzfaserdämmplatten mit



Ja, genau...



...so sieht die Eindeckung aus und da is auch nix drin (Blech, Pappe etc.). Ich war schon oben aufm Boden und habe mir das ganze angeschaut...ich hab dort und von außen keine Schäden gesehen...hab aber sowieso demnächst den Dachdecker da wegen was anderem...da soll er einfach mal drauf schauen.

Zum Tip aus LU; ertmal vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Das hört sich nach einer ganz sinnvollen Lösung an - sonst wäre es ja auch nicht von allen abgenickt worden.
Was mir daran ein wenig Kopfschmerzen bereitet ist:
1. wir haben keine Holzschalung zwischen Dachbelag und Strohmatten...ob das ein Nachteil gegenüber deinem Aufbau is?
2. so ganz ohne Dampfbremse??? Ok...du (wir auch) hast in bei dieser Lösng einen riesen Luftraum zwischen den Sparren, der auch noch frei ins unausgebaute Dach entlüften /-feuchten kann...reicht das?
3. natürlich größerer Raumverlust als bei der Zwischensparren-Variante
4. der Lehmputz. Den kann ich nicht selbst machen und der is noch dazu ziemlich teuer, oder?



Der einzige



mir bekannte Hersteller der das als System anbietet (und folglich wohl auch Garantie darauf gibt) ist Steico, die haben auf ihrer Internetseite auch schöne PDFs mit genauen Beschreibungen und Konstruktionszeichnungen.

Im Prinzip sieht das bei denen so aus, daß innen an die Sparren Distanzleisten geschraubt werden die gleichzeitig eine Hinterlüftungsebene bilden und die Holzfaserplatten halten. Dann kommen Holzfaserplatten und als Zwischensparrendämmung Hanfklemmfilz.



Update...



...mittlerweile konnte ich Rücksprache mit zwei Bekannten, ihres Zeichens Dachdecker, halten.

Wir sind jetzt zu dem Schluss gekommen, dass eine Dämmung der Schrägen vonn innen aufgrund der fehlenden Unterspannbahn und der Tatsache, dass die Sparren nicht über die Wände weg laufen, sondern auf das Mauerwerk aufstoßen sehr risikoreich ist. Daher haben wir beschlossen, die Dachdämmung in Verbindung mit der mittelfristig (5-10 Jahre) anstehenden Neueindeckung des Hauses von außen zu machen.

Da ich die alten verputzten Schilfmatten an den Schrägen nicht drin lassen möchte und sich auch die Sanierung (Risse etc.) laut Verputzer schwierig gestalten würde, habe ich beschlossen diese raus zu holen und neu zu beplanken.

Dabei stellen sich nun 2 Fragen, wobei ich um die Hilfe des Forums bitten möchte:

1. welche Innenbeplankung bietet sich an und ist bezahlbar? Ich dachte natürlich erstmal an GK. Oder sind OSB-Platten oder ähnliches besser? Ich denke Lehmbauplatten kommen aufgrund der deutlichen Mehrkosten nicht in Frage und machen u.U. auch wenig Sinn, wenn die Innen wände sowieso "normal" verputzt werden.

2. waren sich die beiden Dachdecker uneinig, was nun besser sei; bereits jetzt mit Blick auf die zukünftige Neueindeckung mit Dämmung von außen bei der Neubeplankung von innen eine Folie einzuziehen (wenn ja Bremse oder Sperre oder Klimamembran???) oder erst bei der Neueindeckung eine Klimamembran um die Sparren zu legen

Vielen Dank für eure Tipps!