Feuchteschaden im Dach - rangehen von innen/außen/Hinterlüftung/diffusionsoffen?

30.04.2009



Guten Abend,

ich habe schon mehrere Beiträge zu meinem Problem gelesen, trotzdem hätte ich gerne noch eine direkte Antwort... jedes Haus ist eben doch anders.

Vor zwei Jahren hatte ich mein Dach Isolieren lassen. Viele rissige Kehlbalken, Mittelpfettenverstärkung, sprich wohl nicht ganz leicht die Dampfsperre dicht zu bekommen.

Aufbau (von innen) 2 x Rigips, Lattung, Dampfbremse (Isover Vario), 10 cm Holzfaserplatte (unter Sparren), 8 cm Glaswolle (zwischen Sparren), 4 cm Hinterlüftungsebene (unten offen, oben etwas offen, somit nicht perfekter Zug), Dachlattung, Bitumenbahn (dampfdicht), Lattung, Ziegel.

Nach dem ersten Winter hatte ich dann Feuchteflecken an einer Stelle über einem Dachfenster - dachte mir zunächst nichts. Diesen Winter wieder und auch am Schnee auf dem Dach kam ein ca. 6 qm großer aufgetauter Fleck über dem Fenster zum Vorschein, aufgemacht, mindestens ein Liter Wasser herausgekommen.

Erste Analyse: Durch das Fenster kann es nicht kommen, da die Feuchte oberhalb ist und undichte Dachdeckung schließe ich auch aus, da das nach ca. 1 Monat Frostperiode ohne Niederschläge auftrat... 1-2 Tage nachdem es warm wurde. Somit muss es von innen gekommen sein und sich über den Winter angesammelt haben (sonst müsste es auch im Sommer bei viel Regen nass sein, ist es aber nicht) und bei Tauwetter herausgekommen sein.

Ein Gutachter war da. Blower Door und Wärmebildkamera (leider jetzt etwas spät)... Fazit: an dieser Stelle pfeifte es nur so durch die Kehlbalken (die verlaufen oberhalb besagten Fensters), und auch an vielen anderen Stellen, wo ich bisher noch nichts gemerkt habe.

Jetzt habe ich drei Sanierungsalternativen und weiß nicht welche am meisten taugt.

1. Der Gutachter meint, ich bekomme das innen nie richtig dicht, insofern soll ich den Taupunkt nach außen verschieben. Heißt Dach abdecken, Dachschalung weg, Glasfaser raus, Dachschalung wieder drauf, winddichte Bahn verlegen, so dass Sog durch Löcher vermieden wird (wird problematisch, da Mauerwerk sehr bröselig -> winddicht, diffussionsdicht), 14 cm PUR 0,024er Dämmplatten außen aufs Dach und alles wieder drauf. Sollte jetzt die feuchte Luft eintreten so würde sie theoretisch erst in der PUR Ebene kondensieren und da die dicht ist kommt sie aber nie dorthin. Contra: teuer, "alte" Dämmung wieder raus, alle Dachblechteile neu, da viel höherer Aufbau und fraglich ob ich es wirklich winddicht bekomme und was passiert, wenn die Kondensation doch vorher beginnt...

2. Die diffusionsoffene Pavatex Variante... ähnlich wie 1. aber die alte Dämmung drin lassen, dafür noch die 4 cm Luftschicht zustopfen, auch Winddichtbahn drauf und 3,5 cm Platten (-> winddicht aber diffusionsoffen). Frage... reicht die Vermeidung des Windsogs (keine Hinterlüftung mehr) dass der Feuchteeintrag so gut wie aufhört und das wenige was doch eindringt über die Diffussionsoffenheit wieder verdunstet oder habe ich im Winter auch eine nur etwas weniger feuchte Dämmung. Contra: auch viel Aufwand und teuer und diese Methode ist angeblich erst seit 2 Jahren auf dem Markt

3. Konventionell... innen gesamte Verkleidung wieder raus (wir wohnen allerdings darin und es gibt inzwischen Vorsatzwände im Bad, einen Holzboden auf den Kehlbalken etc.), versuchen die Dampfbremse absolut aufmerksam nachzuarbeiten. Alles wieder zu. Des Weiteren Hinterlüftung auch oben durch Lüfterziegel effektiver machen. Ziel weniger geht in die Dämmung und wenn, dann über die Hinterlüftung schnell wieder hinaus. Maximaler Dreck und Unnannehmlichkeiten aber noch am billigsten.

(4. nur an der schlimmsten Stelle die Decke öffnen und Nacharbeiten, und sonst alles lassen, außer Lüfterziegeln für bessere Hinterlüftung)

Grundfrage somit: innen oder außen rangehen. Diffusionsoffen/winddicht (und vielleicht ist damit immer noch alles feucht) oder Hinterlüftung - schnelleres Trocknen aber durch Sogwirkung mehr Eintrag bei Löchern.

Genug geschrieben. Allen die bis hierher gekommen sind - vielen Dank. Und noch mehr Dank, wenn ein guter Rat kommt.

Schönes Wochenende,
OLI



Tja,



da hat der Gutachter wohl mindestens teilweise Recht.
Solche Arbeiten sind sogenannte "Uhrmacherarbeiten". Und bereits kleine Nachlässigkeiten und Fehler haben fatale Auswirkungen. Und gerade Dachdurchdringungen sind sehr schwierig in der Konstruktion.
Wichtig ist, dass sowohl aussen wie innen eine winddichte Ebene geschaffen wird, dass die Schwachstellen in der Dämmung möglichst minimiert werden und zu erwartendes Kondenswasser sicher nach aussen geführt wird und nicht ins Bauwerk dringt.
Wie das im Detail realisiert werden kann, muss man vor Ort festlegen.
MfG
dasMaurer



Bei den vorgeschlagenen



Aufbauten, wird vermutlich keiner ohne Tauwasserausfall richtig funktionieren.
Rechnen Sie mal mit einer umfangreichen Sanierungsmassnahme.

Grüsse Thomas



Damit bin ich leider auch nicht schlauer...



Danke für die Antworten, doch das waren bereits die Vorschläge nach Besichtigungen vor Ort. Umfangreich sind auch alle der Sanierungsmaßnahmen, aber welche die beste ist oder was für Alternativen besthen, das weiß ich somit immer noch nicht.

Grüße,
Oliver Fakler



Welcher Aufbau ist der beste?



Lassen Sie doch erstmal die Aufbauten die Vorgeschlagen wurden von einem Energieberater auf Tauwasserfreiheit prüfen, dann werden Sie sehen, welches der beste ist.
Die neue Massnahme sollte von Grundauf neu geplant und von einer Fachfirma ausgeführt werden.

Grüsse Thomas



Feuchteschaden am Dach



Die Frage stellt sich für mich nicht nach dem System, sondern nach der Ausführung.
Was nützt Ihnen eine Erneuerung des Dachaufbaues, wenn sich wieder Fehler bei der Herstellung einschleichen?
Nach zwei Jahren sind Sie noch im Gewährleistungszeitraum, also schicken Sie der ausführenden Firma erst mal eine Mängelanzeige und fordern Sie die Firma auf, die Schäden und den Mangel zu beheben.

Viele Grüße



Da ist ja das Problem



... die Firma ist in Insolvenz gegangen. Somit ist hier nicht mehr viel zu holen.

Habe heute an der Hauptfeuchtestelle die Platten wieder herausgerissen. War zwar nur ein qm Fläche aber schon hier konnte man sehen... in der Fläche sauber gearbeitet, aber dort, wo es kompliziert wird teils nicht verklebt und schon mal ein 1x4 cm Loch. Da wundert es mich nicht mehr, wieso es hier feucht wird. Mit extra Beschleunigung durch die Hinterlüftung.

Grüße,
Oliver Fakler



So ungern ich das jetzt sage,



aber hier wird vermutlich die einzigste Möglichkeit sein um die Feuchtigkeit in den Griff zu bekommen, im Innenbereich eine dampfdichte Folie anzubringen und neu verkleiden, mit Gipskarton, Holzdecke etc.

Grüsse Thomas



So wird es geschehen



Hallo Thomas,

nach vielem hin und her und weiteren "Fachgesprächen" werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und genau das machen... von innen alles wieder rausreißen und noch einmal.

Mir bleiben nur noch zwei Fragen...

- In meinem Fall mit Hinterlüftung... Dampfbremse (sd=5m), variable Dampfbremse (0,25-10m) oder die Sperre? Jeder sagt natürlich, dass seine die richtige ist...

- Wie viele Lagen Gipskarton sollen es wieder sein. Doppelt beplankt oder nur die 1,5er einfach. Ist wohl hauptsächlich eine Frage der Rissbildung, oder? Mit 12/10 er Sparren alle 80 cm und Spannweiten zwischen der Mittelpfette und First/Fußpfette von 2,5-3m...

Schönen Tag,
OLI