Desolate Bruchsteinmauer ersetzen, Beton?

13.09.2009



Hallo,

wir haben einen alten Bauernhof, nicht unterkellert, unten Bruchstein, oben eine Scheune. Wie in der Gegend hier (französische Alpen) üblich. Grundfläche über 200m².

Nun ist eine Außenwand stark beschädigt, vermutlich durch Bergrutsch, hat sich aber seit 20 Jahren nicht mehr weiter bewegt. Diese Außenwand gilt es nun Instand zu setzen, damit das Holzwerk der Scheune die darauf steht repariert werden kann.

Die Bruchsteinwände sind, von äußerst dilettantischen Reparaturen des Vorbesitzers abgesehen, nur mit Lehm/Erde aufeinander gesetzt.

Bisher laufen alle Vorschläge zur Reparatur darauf hinaus, die Wand durch Beton zu ersetzen. Anscheinend gibt es hier Niemanden der in der Lage ist eine Mauer mit Bruchsteinen zu mauern?

Gibt es dazu größere Bedenken, das Vorhaben in Beton auszuführen? Egal welcher Art, baubiologisch oder sonst wie? Uns behagt das nicht mit dem Beton, aber irgendwie kommen wir sonst nicht weiter, wenn die Mauer nicht erneuert wird.

Danke für alle Vorschläge/Ideen. Die Mauer ist auf etwa 8 Metern Reparatur bzw. erneuerungs-bedürftig.



Mauer sanieren



Ich empfehle Ihnen eine Betonmauer mit Bruchsteinvorlage oder Mischmauerwerk.
Dabei wird außen eine Bruchsteinschale aufgemauert. Die gerade Innenwandfläche wird entweder geschalt und der Zwischenraum abschnittsweise mit Beton verfüllt oder eine zweite Wand aus Ziegelsteinen parallel zur äußeren Wandschale gemauert. Der Zwischenraum wird mit Steinabschlägen und Mörtel abschnittsweise verfüllt.
Wenn der Innenraum als Wohnraum dieenen soll, dann kann man Leichtbeton oder dämmende Ziegel verwenden.
Standsicheres Fundament nicht vergessen!

Viele Grüße



Bruchsteinschale?



Hallo Herr Böttcher,

danke für die schnelle Antwort!

Was kann ich mir unter einer Bruchsteinschale vorstellen, bzw. welche Dicke muss so was haben. An Bruchsteinen habe ich noch einiges, da Sie beim Ausheben des ehemaligen Stalls zum Vorschein gekommen sind.

Gruß



Bruchsteinmauer



Bruchsteinwände sind immer zweischalig gemauert, seit der Antike.
Man setzt die Steine mit einer geraden Außenfläche, innen sieht es völlig regellos aus, da die Steine ja nicht die gleiche Dicke haben.
So wird die andere Wandseite genauso gesetzt, zwischen beiden ist ein gewisser Abstand, der mit Steinabschlägen und Mörtel verfüllt wird.
Die zweite, innere Schale wird bei meinem Vorschlag mit Beton oder Mauerwerk gebildet, das geht schneller und trägt besser.

Viele Grüße





Es gibt nur einen Grund, weshalb jeder eine Betonmauer empfiehlt: Es gibt kaum noch Leute, die mit Bruchsteinen mauern können.
Da die alten Steine ja noch da sind, ist die Idee der Betonmauer mit Bruchsteinvorlage gut und dürfte auch bezahlbar sein. Bei der Ausführung darauf achten, dass die Bruchsteine richtig versetzt und gut eingemörtelt werden, sonst läuft Betonwasser durch offene Fugen in die Sicht und versaut das Mauerwerk.
Wenn es innen und aussen gut aussehen soll, kann man auch beidseitig mit Bruchsteinen mauern und die Mauermitte statt mit Schotter und Abschlägen mit Beton verfüllen.
Der sehr bröselige Mörtel kommt daher, dass man in den Bergen ausser im Talboden meistens kaum Sand zur Verfügung hatte; deshalb wurde oft eine Mischung von Luftkalk, Erde und Strassenstaub verwendet. In Gegenden mit plattig brechendem Gestein wurde oft auch ganz trocken gemauert und dann mit einer Mischung von Kalk und Kuhmist ausgefugt.
Bei der sehr grossen Dicke solcher Mauern ergeben sich derart geringe Flächenpressungen, dass das für die Festigkeit ausreicht.