feuchte Bruchsteinwand

05.08.2012 Häuslebauer



Hallo,

habe ein altes Bruchsteinhaus gekauft und komplett entkernt. Nun wird im Erdgeschoss eine neue Bodenplatte betoniert. Die Bruchsteinaussenwände sollten eigentlich innen sichtbar bleiben. Nachdem wir nun den Putz an den Wänden entfernt haben, haben wir festgestellt, das die Wände im unteren Drittel extrem feucht sind. Jetzt überlege ich innen einen 17.5er KS oder Porotonsteinwand mit Hinterlüftung vor die Bruchsteinwand zu mauern. Dadurch müsste doch eigentlich Schluss sein mit der Feuchtigkeit innen, oder?

LG SVen



Vorsatzschale



Nein, ist es nicht.
was sie erreichen können ist am Anfang das Gefühl die Wand ist trocken. Das ist so ähnlich wie den Dreck unter den Teppich kehren. Oberflächlich sieht es sauber aus...
Der Luftspalt funktioniert vor allem im Winter wie eine riesige Entfeuchtungs- und Wärmeableitungsanlage. Die im Spalt kondensierende Luftfeuchte beginnt von unten her Ihre vorgesetzte Mauerschale aufzufeuchten. Im Spalt sprießt der Schimmel.
Besser ist es mittels einer hohlraumfreien Innendämmung und/oder einem angepassten Heizungs- und Lüftungsregime die Temperatur der Wandfläche soweit anzuheben das kein Kondensat mehr entsteht.
Vergessen Sie Sanierputz, vergessen Sie "atmende" oder diffusionsoffene Putze, wenn die o.g. Maßnahmen nicht ausgeführt werden.
Sanierputz ist für ihren Zweck überflüssig, die Feuchte wird hauptsächlich im alten Putz als Kondensat ausgefallen sein. Zusätzlich sollten Sie den Sockelbereich überprüfen, hier kann Spritz- bzw. Regenwasser an den Wandfuß kommen.
Sanierputz ist hydrophob eingestellt, Kondensat fällt sofort auf da er auf der Oberfläche stehenbleibt.
Hydrophile Putze gaukeln ihnen nur eine trockene Wand und nur für eine Weile vor, da das entstehende Kondensat eingelagert wird. Das geht nur um kurzfristige Feuchtespitzen zu puffern, aber nicht um sich Lüften zu ersparen. Irgendwann ist der Putz übersättigt, wie der den Sie abgeschlagen haben. Feuchte bekommen Sie nur durch ordentliches Lüften heraus und nicht dadurch das man sie in der Wand versteckt.

Viele grüße



Nein, warum sollte es?



Wenn der jetzt entfernte Putz die Ursache für die gesperrte Feuchte war, dann ist sie jetzt behoben... die Wand könnte ja dann Feuchte transportieren und weitere Maßnahmen wären überflüssig...

Wenn der Putz nicht die Ursache war, dann bleibt doch nach wie vor Feuchte in der Wand, wahrscheinlich wird das Problem durch die Vorwand noch schlimmer, da das Temperaturniveau der Außenwand sinkt...

Es muss zunächst die Ursache der Feuchte gefunden und abgestellt werden, dann kann sinnvoll saniert werden...
Wie sieht es denn außen aus? Steht die Wand im Erdreich, ist ein Keller drunter, ist die Wand außen verputzt, was für ein Mörtel ist verwendet worden, sind Flickstellen erkennbar, wie schauen die Fundamente aus, gibt es Erkenntnisse über einen jüngeren Wasserschaden (Nachbarn fragen, nicht den Vorbesitzer)... All sowas könnte bei der Ferndiagnose helfen...

Aber mit dem Mäuerchen wird sich das Problem nicht lösen lassen...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Das geht ja flott;-)



Erstmal Dankeschön.

Das Haus ist von 1856 und noch komplett original. Es wurde von Innen dicht verputzt. Der Mörtel der Bruchsteine ist sehr sandig und es wurde immermal was ausgebessert. Von aussen ist eine total hässliche Plastik Klinkeroptikfassade mit 12cm Glaswolledämmung angebracht worden. Es ist Teilunterkellert. Wasserschaden hatte ich letzten Winter. Die Wasserleitung im Keller ist geplatzt und der Keller war voll bis oben hin. Die Aussenmauern stehen im Erdreich ohne richtiges Fundament. Innen waren 5cm Estrich direkt auf dem Boden.

Das mit der Wand war nur so eine Idee. Ein Freund von mir hat das so gemacht und ist (noch) glücklich.



Bild



Musste ich erstmal anmelden aber hier ein Bild. habe leider keine mit Details aber das ist von gestern mittag.



Aussenfassade



Hier mal die schöne Aussenfassade....



Also sind...



... verschiedene Faktoren für die Feuchte denkbar...

A) Restfeuchte vom Wasserschaden
B) Kapillarwasser
C) ungeeignete Materialien

Im Endeffekt wird es auf eine Kombination hinauslaufen...
Für A und B spricht die Tatsache, dass die Wand "nur" im unteren Bereich feucht ist... bei C kräuseln sich mir die Nackenhaare, aber eher aus optischen Gründen, wenn die Plastikwand einigermaßen hinterlüftet ist, wird das schon funzen... ich persönlich würde die allerdings entsorgen, nunja... und der anscheinend störende Putz innen ist ja jetzt entfernt...

Ich würde erstmal abwarten, was die Wand den Restsommer über so sagt, mit Heizen und Lüften kann auch 'ne Menge gerettet werden...

Die Vormauer ist nicht wirklich eine gute Idee, immerhin kommst Du dann bis auf weiteres auch nicht mehr an die sandenden Fugen ran...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Also...



werde ich die Bruchsteine doch sichtbar lassen, Yuhu. Die Aussenfassade kommt auf alle Fälle weg. Das ist das hässlichste Haus im Ort! Dann nächste Woche neue Bodenplatte und dann erstmal weiterlüften und trocknen. Kommt ja vom Beton wieder viel Brühe rein... Hätte man evtl. vorher machen sollen, also die Bodenplatte... Der Wasserschaden war extrem. Aber die Wände waren vorher schon sehr feucht. Es ist durch das entfernen des Putzes schon besser geworden. Möchte aussen auch den Putz (wenn welcher unter dem Plastik ist) entfernen und wieder ein schönes, frisch verfugtes Bruchsteinhaus draus machen. Muss aber erst innen fertig werden. Ist aber nurnoch das EG. Sind schon zwei neue Decken drin und das Dach ist aufgedoppelt, wir haben gedämmt (Steicoflex) usw....



Alles mit dem...



... Vorbehalt der Ferndiagnose...
Wenn systematisch irgendwie Feuchte eingetragen wird, dann muss an der Stelle eingegriffen werden...

Musst Du Dich bzgl. der Fassade noch mit irgendeinem Nachbarn (DHH) einigen oder ist das alles "Deins"?

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Alles



uns... Ist recht klein. 199m² Grundstück ohne viel Garten. Steht an zwei Seiten direkt an der Strasse. Ferndiagnose ist schwer. Haben schon viele so Dinger saniert aber beim Eigenen muss man immer alles hinterfragen was normal gut ist. Das ist das schlimmste am Umbauen........

Wenn man jetzt eine sagen wir mal 24cm dicke Porotonsteinwand vor die Bruchsteinwand stellt mit ungefaähr 100mm Abstand zur Wand und von aussen die Bruchsteinwand alle 100cm oben und unten durchbohrt kann das doch zirkulieren, dann müsste das doch quasi ein zweischaliges Mauerwerk sein, oder sehe ich das falsch. Hätte innen gerne Bruchsteinoptik aber die Wände sind so schief und zum Teil mit alten zugemauerten Fenstern das man das eigentlich Verputzen müsste. Bin total unschlüssig.



panik



ist da jetzt eigentlich nicht von nöten.sie sollten dem rat des kollegen folgen und erstmal nach dem Freilegen der wand abwarten was ihnen die Mauer nach einer gewissen zeit anzeigt.vielleicht ist das thema weitestgehend vom Tisch und sie müssen da nicht wirklich viel tun,oder aber die ursache ist eine andere die es dann gilt zu ergründen und danach entsprechende maßnahmen zu ergreifen. lüften ist da ganz entscheidend wie auch schon erwähnt wurde und wenn sie die kleinigkeit beachten das man immer dann die größte wirkung dabei erzielt wenn es draußen kälter ist als drinnen ist auch da alles im grünen bereich. das ist wiederum ein anderes thema. also,lüften und beobachten wäre mein vorschlag fürs erste. viel erfolg



Zweischalig...



... stimmt schon im Prinzip... Du hast ja dann zwei Schalen ;-)

Aber am Feuchteproblem ändert das nix (wenn es denn tatsächlich dauerhaft vorhanden ist); die bestehende Wand, egal ob Sichtmauerwerk oder optisch und funktionell durch einen geeigneten Putz geglättet, hat doch den gleichen Feuchtetranport zu bewältigen wie die angedachte Geschichte mit der Vorwand und die wirft zwei Probleme mehr auf...

Zum einen ist die Luftzirkulation schlechter, zum anderen ist das Temperaturniveau in der Außenwand geringer, insbesondere an der Oberfläche innen, sodass Kondensation verstärkt auftreten kann... Schimmel droht...

Lass die Wände erstmal trocknen, ein paar Sommertage kommen noch... Wenn nix mehr an Wasser nachkommt, dann denke in relativer Ruhe über einen geeigneten Innenputz nach, ansonsten sollte die Ursache gefunden werden...

Aber lass das mit der Wand sein...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Wandschale



Wie wärs mit ein bisschen Kopfrechnen?

Bruchsteinwand: min. 40 cm, eher dicker
Luftspalt: 10 cm
Wandschale: zuerst 17,5, jetzt 24 cm
Putz_ 1-2 cm
Macht zusammen ca. 75 cm Wanddicke, eher mehr. Da kommt nicht mehr allzuviel direktes Sonnenlicht ins Haus.
Das heißt weiterhin jeweils ca. 0,70 m in der Breite und in der Länge des Hauses innen weniger. Angenommen das Haus ist innen 7 m breit und 10 m lang ergibt das einen Wohnflächenverlust von ca. 12 m², soviel wie ein kleines Zimmer.
Lieber Sven, haben sie mal versucht, in eine Bruchsteinwand einigermaßen definierte Löcher zu stemmen oder zu bohren? Viel Spass dabei.
Natürlich können sie auch einen Bohrspezialisten kommen lassen. Das Ergebnis wird nicht ganz so schlimm werden, aber fragen Sie lieber vorher nach dem Preis pro Bohrung. Multipliziert mit 2 Stück pro laufenden Meter Außenwand- dafür kriegen Sie ein gebrauchtes Auto.
Die Feuchteproblematik umgehen sie dabei nicht. Wenn die massige, ausgekühlte Bruchsteinwand im Frühjahr und Sommer von wärmerer, feuchter Außenluft durchströmt wird, gibt es auch wieder massig Kondensatausfall.

Viele Grüße





"Hätte innen gerne Bruchsteinoptik aber die Wände sind so schief und zum Teil mit alten zugemauerten Fenstern das man das eigentlich verputzen müsste. Bin total unschlüssig."

Hallo Sven,

wenn die Außenfassade auch noch eine Verschönerung erfahren soll, wäre es da nicht sinnvoller, zu warten, was sich hinter dem Plastik verbirgt? Sie schreiben ja von zugemauerten Fenstern - vielleicht brauchen Sie später die Öffnungen wieder, weil sonst die äußere Optik nicht stimmt?

Ich bin froh, dass wir die alten (auch zugemauerten) Fensterflächen hinzunehmen konnten - so gab es mehr Licht und von der Optik her sieht es stimmig aus.
VG
S.



Bohrungen



Georg


Ich hab jahrelang Kernbohrungen gemacht. DIESE Wände bohrt Dir keine Firma, da reißt Du Dir alle Segmente bei der ersten Bohrung ab...ein gebrauchtes Auto kostet weniger als die Kernbohrungen.
Nur in Beton bezahlst Du ca 1Euro/1cm Bohrtiefe für eine 150er Kernbohrung. Bruchstein ist UNBOHRBAR.


Häuslebauer, denkst Du bei deinem neuen Betonboden auch an den ufbau, oder ziehst Du Dir dann die Feuchte durch den Beton rein? Neeeeiiiiiiiiin, Beton ist nicht dicht! Ein Magerbeton als Sohle, dann Isolierung, dann Bewehrungsmatten und dann Beton schütten. Egal, was Du "vergißt", es kommen die entsprechenden Schäden...


Andreas



Bohrungen



Das mit dem Bohren in harten Naturstein, mit sandigen, weichen Fugen und einer Füllung aus Lehm und Steinabfällen, dem Drehmoment des Bohrers der das Gefüge lockert und der Vorschub der am Ende große Bereiche aus der Wand reißen würde und das sich dehalb keiner darauf einläßt ist mir schon bewußt. Beim Stemmen passiert etwa das Gleiche. Ich weiß nur nicht ob das dem Häuslebauer auch klar ist.

Viele Grüße