Nochmal zur Innendämmung

16.05.2011


Nochmal zur Innendämmung

Hallo zusammen,
ich habe mir als weibliche (noch-)Nicht-Handwerkerin einen kleinen ca. 100 Jahre alten Resthof gekauft. Da ich doch nicht so gerne den ganzen Ort mitheizen möchte, muß ich mich jetzt natürlich mit der Dämmung auseinandersetzten. Klar, als erstes ist die Zwischendecke dran (DG ist nicht ausgebaut), aber aktuell stellen sich mir bei der Fassade einige Fragen. Leider habe ich inzwischen so viele Antworten bekommen, das ich jetzt überhaupt nicht mehr weiß, was ich machen soll.

Also, Wandaufbau ist 24er-Ziegel, 7 cm Mineralwolle, 8 cm Ytong, wurde vor etwa 30 Jahren gemacht soweit ich weiß. Ich vermute, das die Mineralwolle wohl auch in Bereichen zusammengesackt ist, z.B. unter dem großen Wohnzimmerfenster, da sieht man in der Thermografie eine deutlich andere Oberflächentemperatur. Zusätzlich ist in der Mineralwolle auch einiges an Luftbewegung, ich hatte nämlich zwei Steckdosenleisten in der Außenwand durch die es mächtig zog und auch an zwei Fenstern zieht es (durch die Verbindung Fenster / Mauer) Und die Dämmung ist nur vor den Außenwänden, nicht an den nach innen abzweigenden Mauern, wie es ja wohl 30 – 50 cm auch gemacht werden sollte. Und irgendwelche Dampfbremsen, -sperren oder wie auch immer geartete Folien sind nicht dazwischen, zumindest nicht da wo ich das Loch reingehauen hab. Feuchtigkeits-/Schimmel probleme habe ich keine (ich bin im Oktober eingezogen), nicht mal im Keller.

Aussage eins: Ist nicht mehr Stand der Technik, am besten rausreißen und neu machen. Da bin ich nicht so überzeugt von, ich weigere mich grundsätzlich etwas rauszureißen was grundsätzlich ok ist und vielleicht nur nachgebessert werden muß. Ich denke da ist der Kosten/Nutzenfaktor nicht sehr Vorteilhaft. Und auf die Kosten muß ich halt leider ziemlich schaun..
Aussage zwei: Mineralwolle / Ytong-Kombination ist gar nicht so schlecht, man sollte nur dafür sorgen das sich die Luft im Zwischenraum nicht mehr bewegt. Scheint plausibel, denn wenn ich im Zwischenraum Luftbewegung habe, herrscht da ja wohl die gleiche Temperatur wie außen und ich kann mir die Mauer davor dämmungsmäßig im Prinzip sparen. Nur habe ich auch schon gelernt, das die Lüftung die an der kalten Außenmauer kondensierende Feuchtigkeit in Grenzen hält. D.h. wenn ich alle Löcher gestopft habe (wie auch immer) kann es dann sein das die Mineralwolle über kurz oder lang naß wird? Fände ich jetzt auch nicht sooo gut. Wobei dies wohl die schnellste / günstigste Lösung ist.

Aussage drei: Nachträglich mit diffusionsoffenem Material ausblasen. Für mich auch plausibel, da ich dadurch die Luftbewegung raus habe und Feuchtigkeit die wahrscheinlich trotzdem entsteht, auch die Möglichkeit hat wieder auszutrocknen. Aber (Aussage von einem anderen Handwerker) durch die schon vorhandene Mineralwolle klappt das mit dem Ausblasen nicht problemfrei, maximal könnte man es ausschäumen. Aber ob Schaum auch noch Feuchtigkeitsregulierend wirkt?

Aussage vier: So lassen und noch eine Schicht Innendämmung vor (mir wurde Knauf-Perlite vorgeschlagen, alternativ etwas günstiger was Styroporartiges), dann ist der Taupunkt und die ggf. entstehende Feuchtigkeit halt in der Zwischenmauer, durch die Luftbewegung jedoch nicht kritisch und die Heizkosten aber trotzdem auf einem einigermaßen annehmbaren Niveau. Jetzt alle Räume auseinanderzurupfen und eine Dämmschicht einzufügen bin ich zwar auch nicht begeistert von, aber das System scheint mir so Anwenderfreundlich zu sein, das ich es auch nach und nach selber machen kann. Und die Räume werden eh nach und nach auseinandergerissen und in Bereichen zusammengelegt, also würde ich das da einfach mit einplanen. Klar, ich würde nicht allein loskleben, sondern mir jemanden suchen der sich damit auskennt und den ersten Raum zusammen mit mir macht um Fehler zu vermeiden.
Diverse Diskussionen über den Taupunkt habe ich auch schon hinter mir, aber da muß ich sagen steige ich irgendwann geistig aus, weil mir das technisch-physikalische Verständnis anscheinend einfach fehlt. Ich weiß, das die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit immer dahin will, wo sie grad nicht ist, und wenn sie sich durch etwas hindurchbewegt und an einem Punkt vorbeikommt, der eine bestimmte Temperatur unterschreitet, macht es plopp und ich habe Wassertröpfchen. Sammeln sich die Wassertröpfchen in der Dämmung ist irgendwann die Dämmung hin, sammeln sie sich an einer Innenwandecke habe ich irgendwann Schimmel. Aber was nun wie diesen Punkt wohin schiebt geht irgendwie über mein Niveau..

Jetzt zu meiner Frage: Ich favorisiere im Moment als Sofortmaßnahme Punkt zwei, wg. einfach, schnell, günstig. Ich kann leider überhaupt gar nicht abschätzen, welches Risiko ich im Gegenzug damit eingehe. Wird die Dämmung bei dem Wandaufbau auf jeden Fall naß und unbrauchbar oder ist das nur eine Möglichkeit? Wenn es nur eine Möglichkeit ist, in welchem Bereich beweg ich mich dann, fifty-fifty? siebzig-dreißig? Könnte ich das Risiko verringern, wenn ich einkalkuliere das ich regelmäßig im Jahresabstand oder so an verschiedenen Punkten prüfe wie es in der Zwischenwand aussieht? Ein Ziegelstein ist ja schnell aus- und wieder eingebaut. Oder einfach nur regelmäßig die Feuchtigkeit in der Außenwand prüfen, würde das reichen? Und wie ist es wenn ich das Abdichten als Sofortmaßnahme durchziehe, in ein paar Jahren bei vorhandenem Geld eine vernünftige Innendämmung mache und dann die Belüftung in der Zwischenwand quasi wieder „einschalte“? Risiko? Oder gibt es vielleicht noch andere Alternativen? Wie man sieht, bin ich zur Zeit völlig entscheidungsunfähig.. ;-)
Oh, P.S. Außendämmung fällt flach da ich meine Fassade gern beibehalten möchte. Ok, ist nichts besonderes, aber ich mag es halt einfach wenn ein alter Hof auch nach altem Hof aussieht. Außerdem müsste ich eine Außendämmung ja komplett für das ganze Haus machen, das ist im Moment deutlich mehr Geld als ich in die Hand nehmen möchte / kann.

So, jetzt bin ich schon gespannt auf die Antworten..



Moin Katze,



ich hab' mal gelesen, dass es einiger Übung bedarf eine thermographische Aufnahme richtig auszuwerten und man sich da als Laie leicht täuschen lässt.

Wieso dämmst du nicht erstmal deine OG (m.W. die Massnahme mit dem besten Kosten-/Nutzenverhältnis) und guckst dir dann deinen Verbrauch an?

Deine Hauswand hat bisher prima funktioniert, deshalb würde ich da erst was ändern, wenn alle anderen Möglichkeiten augeschöpft sind.

Was den Taupunkt wo hin schiebt, kannst du hier selber simulieren: u-wert.net

Was die da gezeigten Ergebnisse mit der Wirklichkeit in deiner Wand zu tun haben, ist hier zumindest umstritten, aber doch mal ein Anhaltspunkt.

Nur net hudle......

Gruss, Boris



Hey Katze



Erst einmal einen kleinen Hinweis zu deiner Thermographieaufnahme. Boris Webler hat vollkommen recht, das man solche Aufnahmen auch lesen können muss. Leider muss ich Dir mitteilen das eine Thermographie bei zweischaligem Mauerwerk mit Hinterlüftung oder ungewollten Luftbewegungen eigentlich von Innen durchgeführt werden. Hier siehst du nur klassische Brücken, die über die Transmissionswärmeverluste nicht alles Aussagen, da bei Hinterlüftung, wie du schon erkannt hast, in der Luftschicht ähnliche Temperaturen herrschen wie Außen. Also eine Thermographie zeigt den Temperaturunterschied zwischen Innentemperatur und Außentemperatur an. Habe ich aber eine kalte Luftschicht im Mauerwerk werden nur sehr reduzierte bis keine Temperaturunterschiede angezeigt. Bei einer Mineralwolldämmung der 80er Jahre kannst du aber davon ausgehen, dass diese nicht mehr annähernd ihren Zweck erfüllt. Die Brücken die du hier siehst sind z.B. Anstauungen von Wärme im Bereich der Geschossdecke, eine einbindende Innenwand links der Türöffnung und Aufstauung von Wärme unter der Fensterbank (Ist da zufällig ein Heizkörper?)
Hast du selber eine Wärmebildkamera oder hast du dafür Geld bezahlt? Wenn du dafür bezahlt hast lass den Menschen noch mal antanzen damit der Dir deine Räume von Innen thermographiert. Hier kann man dann schön die tatsächlichen Wärmedurchgänge erkennen. Ein nettes Beispiel zur Veranschaulichung meiner Aussage ist dein Top energetisch aufgewerteter Dachboden oder könnte es vielleicht sein das der gar nicht ausgebaut ist und immer noch ein Kaltdach ist? Schön kalt, wie ein Großteil der hier zu sehenden Fassade.
So das erst einmal vorweg aber jetzt zu deinem eigentlichen Anliegen.
Zur Aussage von Herrn Webler: Geschossdecke dämmen ist eine gute Idee!
Zur Aussage 1: Grundsätzlich ist der Aufbau nicht OK, da du jetzt in einem Haus mit 8cm Wandstärke mit 24er Schlagregenschutz wohnst in dem die Dämmung zusammengefallen, herabgesackt, eh Lückenhaft und evtl. auch (Tauwasserbedingt) schimmelig ist. Zur Kosten/Nutzen Theorie kann ich dir nur zustimmen, aber dazu später.
Aussage 2: Die Kombination Porenbetonstein/Mineralwolle ist gar nicht so schlecht nur ohne Luftbewegung. Leider ist die Mineralwolle hinüber und ohne Luftbewegung wird der letzte jämmerliche Rast an Dämmwirkung durch Kondensat in den kommenden Jahren zur nichte gemacht. Dann wohnst du in einem Haus ungefähr Standart 1900 wie man es im städtischen öfter sieht (z.B. 11,5er Vorsatzschale, Luftschicht, 24er Innenmauerwerk, bei dir nur umgedreht).
Zur Aussage 3: Nachträglich den Hohlraum verfüllen. Das ist ein Kapitel, das sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert. Hier gibt es einen Leitfaden: FH Oldenburg: Hinweise zur Anwendung, nachträgliche Hohlraumdämmumg (www.hd-san.de). Sicherlich musst du dann deine Altlasten (Mineralwolle) entfernen. Schaum wird da übrigens gar nicht erst erwähnt (Durchgefallen).
Zur Aussage 4: Dämmputz auf Kalkbasis aufbringen. Ist ein netter Ansatz. Aber auch hier nusst du deine Luftschicht in einen Ruhezustand bringen. 8cm Porenbeton und ca. 6cm Dämmputz ist auch nicht die Welt, sollte aber schon ein leicht spürbares Ergebniss erzieheln.
Meine Aussage: Herrn Weblers Vorschlag annehmen und erst einmal die Geschossdecke dämmen. Dann die Erfolge abwarten.
Wenns dann noch nicht genehm ist, Aussage eins beherzigen und zurückbauen und dann mit Aussage vier kombinieren und sich da Expertenrat bezüglich der Wärmebrückenvermeidung einholen.
Zur Kosten/Nutzen-Sache wird unter Fachleuten immer mehr diskutiert ob Dämmmaßnahmen in Bezug auf ihre Lebensdauer überhaupt die Investitionen tilgen können. Also Dämmputz hat eine Armotisationszeit von ca. 20 Jahren bevor ein Gebäude in die schwarzen Zahlen kommt. Funktioniert das dann auch noch? Zeigen sich vielleicht Schäden an durchdringenden Bauteilen wie z.B. Deckenbalken durch konveltionsbedingte Tauwasserbildung etc.?

Wie du siehst und auch schon bemerkt hast ist es nicht ganz einfach solche Eingriffe in einem Altbau vorzunehmen. Also viel Glück und entscheide dich für den behutsamen Weg, immer locker bleiben.



Vielen Dank..


Vielen Dank..

schonmal für die Antworten. Hier das Bild, dieselbe Wand, von Innen. Ich hab die Thermografie wirklich ausgiebig machen lassen, ich dachte bloß die Aussenaufnahme ist aussagekräftiger ;-)

Nachdem ich mich mit dem Rechner ausgiebig beschäftigt habe, habe ich (zumindest in der Theorie) nur zwei Alternativen gefunden, wo ich keine Tauwasserbildung in der Mineralwolle habe. Entweder Luftschicht abdichten, also ohne Bewegung, dann muß ich aber von Innen mit Folien arbeiten. Oder Luft fröhlich hinter der Wand pfeiffen lassen und noch weiter nach Innen dämmen. Gegen Folien habe ich ja was, also würde ich lieber Alternative zwei nehmen..

Dazu wieder neue Fragen: Macht es Sinn, die Mauern, die nach Innen ragen, jetzt schonmal ca. 50 cm zu dämmen? Sind ja nur kleine Flächen und damit ja auch kein sooo hoher Aufwand (denke ich). Die Räume sollen ja jetzt über mehrere Jahre kernsaniert werden, damit wird auch die Dämmung erst entsprechend dann ausgeführt. Würde der m.E. geringe Aufwand mir schon einen spürbaren Nutzen bringen? In den Thermografiebildern sind man an den Ecken der nach innen ragenden Mauern deutliche Temperaturunterschiede..

Und kann ich große Fehler machen, wenn ich die Räume dämmungstechnisch unterschiedlich behandele? Z.B. würde ich ein südlich ausgerichtetes Büro mit großer Fensterfläche eher weniger / günstiger Dämmen, in Bad und Küche etwas regulierendes z.B. Lehmplatten nehmen und das Wohnzimmer vielleicht Ytong Multipor, weil heimwerkerfreundlich. Besteht das Risiko, das ich damit mein Haus kaputtdämme? Die nach Innen ragenden Mauern unterbrechen meine Dämmung ja eh, auch wenn ich überall das selbe Material nehme...

Und welchen Unterschied würde es machen, Ytong / MiWo rausreissen und Dämmung nach Innen neu oder drinnenlassen und Dämmung nach Innen verstärken? Vom Aufwand wäre ja alternative zwei günstiger, aber welche Nachteile hole ich mir damit ggf. ins Haus? Ich konnte die Mineralwolle an zwei Stellen schon prüfen, da ist bisher nichts naß oder schimmelig..

Gruß
Anja



Hallo Anja, alias Katze



An der Innenthermographie sieht man gut, dass deine Wände, trotz der Mineralwolldämmung ziehmlich kalt sind. Die liegen so ungefähr, bei den wärmeren Bereichen, bei 12°C +/-. Hier zeigt sich deutlich das die Mineralwolldämmung ihrer Funktion nur sehr beding nachkommt (grüne Wandbereiche) und in Teilen bereits gänzlich versagt hat (blaue Wandbereiche). Die angezeigten Temperaturen liegen alle im kritischen Bereich zur Kondenswasserbildung auf den Innenseiten der Wände, was zu Schimmelbildung führen kann.
Mein vorschlag, wenn du was nachhaltiges haben willst und möchtest, das Dein Gebäude auch noch über Dein dasein auf dieser Erde existiert bzw. Funktioniert und vielleicht Deinen Kindern und Kindeskindern noch Freude bereitet, würde ich folgendes machen:
- Innenschale aus Porenbeton entfernen.
- Das hervokommende, historische Mauerwerk auf Schadsalzbelastungen prüfen.
- Wenns denn noch im Rahmen ist einen Dämmputz ca. 6-8cm (auf Kalkbasis) aufbringen oder auch Kalgbebundene Dämmplatten. Hier kannst du dann auch die einbindenden Innenwände mitdämmem. Was in Kombination damit gut funktioniert sind Wandtemperierungen bzw. Bauteiltemperierungen. Das ist natürlich alles nicht ganz billig führt aber deinen ernegetischen Schrotthaufen zu einem akzeptablen Ergebnis. Vor allem Temperierungen bringen viel Einsparpotential, da sie je nach Ausführung im Niedertemperaturbereich laufen (änhlich wie eine Fußbodenheizung) und damit Tauwasserproblematiken in Wandquerschnitten ausschalten bzw. in ein zu vernachlässigendes Maß bringen, wenn sie bei einer vernünftigen Innenwand überhaupt zu berücksichtigen sind (dazu später).
Nun mal zu Deinen Vorabmaßnahmen: Man kann natürlich durch sporadische Dämmmaßhmen das Behaglichkeitsgefühl in Gebäuden verbessern. Durch unvollständige Dämmungen kommt es aber zu verstärkten Transmissionsverlusten in den nicht gedämmten Bereichen, so das hier der, im vorherigen Beitrag erwähnte, Kosten/Nutzen Aspekt noch viel weniger zum Tragen kommt. Also würde ich hier entweder nichts machen und mich mit meinen Energiekosten arrangieren (abgesehen von der Geschossdecke) oder kompromisslos einen netten Dämmaufbau auf meine Außenwände mit lückenlosem Anschluss an eine Geschossdämmung herstellen. Aber hier muss sehr sorgfältig gearbeitet werden....wie du siehst wirds nich einfacher
Jetzt mal kurz zu dem Schreckgespenst "Taupunkt". Tauwasser kann natürlich deine Mineralwolldämmung schädigen, das liegt aber im Material selbst, außerdem ist die ja eh schon hin. Die Tauwasserzenazien, die aufgestellt werden sind zumindest bei Deinem 100jährigen Mauerwerk zu vernachlässigen, da dieses anfallende Feuchtigkeit recht schnell verteilt. Wichtig bei Innenwanddämmungen sind die Detailausbildungen wie z.B. Anschlüsse an durchdringende Bauteile wie z.B. Deckenbalken.
Jetzt aber erst mal genug des guten.

Überleg Dir deine Schritte gut und Frag noch mal nach.

Liebe Grüße Emzet



Moin Anja,



deine IR-Aufnahme, sowie der u-wert-Rechner stellen nur einen Augenblick dar. Was deine Wand 5 Minuten später macht, weiss eigentlich keiner so genau.

Deshalb kannst du von dieser Informationlage nicht ableiten, wo man jetzt sinnvollerweise dämmt und wo nicht.

Die Frage ist also, willst du lediglich deine Heizkosten senken oder nachhaltig die Substanz verbessern?

Ersteres machst du für dich, letzteres eher für Kinder und Enkel, mal rein ökonomisch betrachtet.

Der schmale Geldbeutel lässt sich auf der Zeitschiene strecken, das machen denk' ich die meissten hier so.

Wie hoch war denn die Heizkostenrechnung der Vorgänger?

Gruss, Boris



Ok, so langsam...



bekomme ich wieder Ordnung in meinen Kopf. Also laß ich das meiste erstmal so wie es ist. Die Stelle rechts über dem Fenster, wo es doch sehr kalt ist, werd ich mir genauer anschauen, ggf. Rolladenkasten mal aufmachen oder von oben in die Zwischendecke gucken, denn das ist der einzige Punkt wo so eine extrem kühle Stelle in der Wand ist. Die restlichen Wände sind nur an den Ecken und eben oben zur Decke deutlich kühler.
Ich denke, das Problem kondensierende Feuchtigkeit werde ich erstmal geistig vernachlässigen. Nebenbei, wie verhält es sich bei meinem Wandaufbau eigentlich bei einer Süd- oder WestWand? Wenn ich jetzt davon ausgehe das im Winter Feuchtigkeit an der kalten Außenwand kondensiert, und diese Wand wird dann durch die Sonne erwärmt, wo geht die Feuchtigkeit dann hin? Zurück Richtung Haus oder durch die Wand nach außen?

Vorrangiges Ziel ist bei mir erstmal Heizkosten auf einem vernünftigen Niveau zu halten. Die Abrechnungen von meinem Vorbesitzer finde ich leider grad nicht, aber ich habe über den Winter selbst ein paar Zahlen gesammelt:

Also bekannter Wandaufbau, etwa 110 m² Wohnfläche, dazu etwa 50 m² Hobbyraum in der Scheune, der letzten Winter auch noch beheizt (auf Frostfrei) war.

Verbrauch
Dezember 727 m³ Gas, davon wurden noch 1,377 m³ Warmwasser erzeugt
Januar 463 m³ Gas, 0,946 m² Warmwasser
Februar 412 m² Gas, 1,043 m² Warmwasser

Im Dezember schlagen ein paar Tage durch, in denen mein Hobbyraum gemacht wurde (Türen / Wände usw.) und die Herren Handwerker haben die Heizkörper schön auf fünf gestellt und abends auch laufen lassen. Und das wo teilweise nicht mal Wände vorhanden waren und die Türöffnungen bloß mit Plane abgehängt waren. Ich habs leider erst nach ein paar Tagen gemerkt, da ich krank im Bett lag..

Ich weiß leider nicht, wieviel m³ Gas ich brauche um ein m² Warmwasser zu erzeugen, das kann ich ja erst im Sommer rausfinden wenn die Heizung aus ist.

Und, wie ist das so im Vergleich?

Auf jeden Fall vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Ich war doch etwas überfordert mit der Informationsflut..
Gruß
Anja



Moin Anja



Die Innenthermographie zeigt deutlich, dass deine Innenwände arschaklt sind. Hier solltest du dich von dem Farbenspektrum nicht irritieren lassen. Lediglich die Lampe und der Vorhang zeigen Temperaturen, die bei einer funktionierenden Dämmung auch deine Innenwände ca. haben sollten. Und da es sich um Materialien handelt die auf Temperaturunterschiede recht träge reagieren kannst du auch davon ausgehen das die Bilder 5 Minuten später sich stark ähneln.
Deine Ernergieverbräuche zeigen deutlich mit ca. 145Kwh/m² den Verbrauch eines ungedämmten Gebäudes, zumal hier nicht einmal die Heizperioden Oktober/Novenber und März/April eingerechnet sind. Da kommst du locker auf über 200Kwh/m² Wohnfläche auch ohne deinen ausversehen beheitzten Hobbyraum. Dies weist eindeutig darauf hin, das der Versuch das Gebäude durch Bau- und Dämmmaßnahmen zu modernisieren gänzlich fehlgeschlagen ist.
An Herrn Webler möchte ich noch folgendes richten: Ernergetische Modernisierung und Erhalt von historischen Gebäude stehen bei mir immer im direkten Zusammenhang. Sonst hätte ich Anja jetzt empfohlen ihre Hohlschicht auszuschäumen, eine Lattenkonstruktion mit Mineralwolle, Dampfsperrender Folie und Gipskartonplatten zu versehen. Da ist auch jeder U-Wertrechner bzw. jedes Tauwasserprogramm zufrieden und erst recht der Ernergieberater. Da lässt sich das Energieeinsparpotential eines Gebäudes auch mit schmalen Geldbeutel auf eine entsprechende Zeitschiene strecken, so wie es hier in der Community hoffentlich nicht üblich ist!
Also nochmal liebe Anja. Konzentriere Dich erstmal auf die ernegetische Modernisierung der Geschossdecke unter Berücksichtigung eventueller Maßnahmen (Detailausführungen) an den Außenwänden.

LG Emzet



@Emzet:



Ich glaube da hast du mich gründlich missverstanden:

Mit "auf der Zeitschiene strecken" meine ich eine Massnahme, die man gerade nicht komplett bezahlen kann, sinnvoll aufzuteilen und in einzelnen Bauabschnitten zu erledigen, wenn wieder Geld da ist.

Eben nicht Rigips und PU-Schaum, weil's grad das einzige ist, was der Geldbeutel hergibt.

Gruss, Boris



Boris,



Gut, jetzt habe ich Dich verstanden und bin da auch Deiner Meinung. Ich glaube wir sollten die Anja noch mal dazu bewegen sich erst einmal auf eine energetische Sanierung der Geschossdecke zu konzentrieren und sich mit den Wänden noch etwas Zeit zu lassen, denn Zeit ist ja auch Geld. Da kann man sich nen paar Groschen für eine ordentliche Maßnahme zur Seite legen.

Viele Grüße

Emzet



Danke für die Hilfe!



Rigips und Schaum will ich hier eh nicht haben. Na gut, ein bißchen Schaum hab ich genommen, aber durch die blöden Steckdosen zog es wirklich ziemlich und ich hatte keine Lust mehr, jeden Abend auf dem Sofa kalte Füße zu kriegen ;-)

Die Zwischendecke ist ganz klar als erstes dran, allerdings war ich durch die fünfhundert verschiedenen Aussagen über meine Fassade überfordert und konnte nicht entscheiden, was jetzt Priorität hat. Aber jetzt weiß ich zumindest schonmal, was alles unter schlechte Idee fällt. Also werde ich dieses Thema nach hinten schieben und mir noch Wissen über die verschiedenen Dämmmaterialien und Wandaufbauten aneignen.

Mein Verbräuche hab ich auch für die anderen Monate
201,38 m² Gas bei 0,567 m³ Wasser
344,754 - 0,861
320,7 - 1,076
114,478 - 1,12

Wie rechne ich das auf KW/h um? Und wie rechne ich l/Öl auf KW/h um?

Und was sind z.B. kalkgebundene Dämmplatten? Ytong Multipor oder so ähnlich?
Mit jeder Antwort wieder neue Fragen ;-)

Gruß
Anja



Hi Anja,



Schön dass du Dich nicht ganz aus der Bahn werfen lassen hast. 1l Öl/1m³ Gas entsprechen 10 kwh. Ich mach ungerne Werbung aber Kalkgebundene Dämmplatten sind z.B. Calzium-Silikat-Platten von Calzi-Therm oder so ähnlich und haben mit Yton wenig zu tun. Auch Knauff und andere stellen mittlerweile solche Dämmungen her. Die sind recht teuer und erzwingen den Rückbau der Innenschale. Sonst würde ich eine solche Investition auf keinen fall tätigen. Danke für die weiteren Energieverbräuche. So liegst du locker bei über 250 Kwh/m² Wohnfläche. Das bestätigt meine Annahme der Funktionslosigkeit des Innenwandaufbaus. Es sei denn du liebst Raumtemperaturen von 28°C und Dauerlüftung. Und nur nebenbei, der Warmwasserverbrauch liegt ungefähr bei 10-15% deines Wärmeenergiebedarfs.