Auskeilen oder Ausstemmen ?




Hallo,

ich hab gerade die Gefache leer gemacht und würde gerne mit dem Wiederaufbau starten. Balken, Rähm und Riegel sind jetzt alle abgeschliffen mit Woodbliss (2x) und Halböl (1x) gestrichen worden. Dreickleisten kommen demnächst rein und dann kann es mit dem ausmauern mit NF1200 Lehmsteinen und Leichtlehmmörtel losgehen. Mir ist aufgefallen, dass gut 60% aller Riegel einen Abstand zwischen 3mm bis hin zu 25mm haben. Diese würde ich gerne auf der Außenseite schließen, bevor ich mit dem Ausmauern beginne. Die Riegel und Zapfen sind alle noch soweit in Ordnung, können also drin bleibe. Die großen Spalte sind überall da entstanden, wo der Zapfen keinen Holznagel hat. Es gibt nur wenige Riegel die an beiden Seiten einen Holznagel haben sonst ist immer eine Seite fest eine lose, als wäre es gewollt.
Genügt es die Spalte auszukeilen (vllt. mit zusätzlich Sanopas-Holzrisspaste) oder sollte ich wirklich überall ein offene Riegel-Brüstung (nach Wolfgang Lenze) ausstemmen und mit passendem Altholz einsetzten? Das sieht dann ziemlich zusammengeflickt aus wenn ich das überall mache! Wie habt ihr eure Spalte an den Riegeln zugemacht?



Ausspanen



Alles was größer als 3 mm ist sollte man mit entsprechendem Holz zuerst ausspanen.
Größere Fugen kann man mit Passstücken schließen. Hier würde ich aber erst ab 15 mm starten.
Holzrisspaste würde ich nur bis ca. 3 mm empfehlen.

Darüber hinaus würde ich stutzen, wenn die Riegel im Zapfen nicht mehr fest mit dem Stiel verbunden sind. Man sollte hier wieder für eine konstruktive Holzverbindung sorgen. Also dicht ziehen und dann neu mit Holznägeln fixieren. Natürlich vor dem Ausspanen.

Viel Spaß

M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land




Noch mehr Spalte

Hallo,

vielen Dank schon mal für die groben Vorgaben wann ich welche Ausbesserung machen sollte. Mal schauen ob ich den ein oder andern Riegel raus bekomme und sehen kann ob da mal ein Nagel vorgesehen war oder nicht...

Gruß





Hallo Sese,

da war nie ein Holznagel - sonst würdest Du da ein Loch sehen. Das ist schon ziemlich ungewöhnlich (sag' ich als Laie, die Experten hier können sicher mehr dazu sagen).

Wo genau in Rhein-Main steht denn Euer Haus? Wie alt ist es?

Viele Grüße

Dirk aus Butzbach / Wetterau



Gimbsheim


Gimbsheim

Hey Dirk,

das Haus steht in Gimbsheim. Die Grundmauern vom Haus sind von 1698 da war das Haus nur 1 stöckig. 1920 wurde das Haus mit dem Fachwerk aufgestockt. Wobei Fachwerk nur Innenwänden und an den Längsseiten im 1OG erstellt wurde. Beide Giebelseiten sind gemauert. Der Dachstuhl so wird vermutet ist auch einfach mit nach oben gewandert.
Um eine größere Auflage für die Deckenbalken zu bekommen, wurden bei den Wände der Längsseiten im EG noch eine Steinreihe vorgemauert. Die Dreiecke der Giebelwände im 2.OG/Dachgeschoss sind nur einreihig und ziemlich schlecht mager gemauert. Dazu hab ich aber schon einen anderen Thread hier laufen...

schönen Sonntag

gruß Sebastian





Hallo Sebastian,

wenn man sich das Foto groß anschaut, sieht man auch gut wie Du schreibst dass da Riegel nur an einer Seite einen Holznagel haben, an der anderen Seite nur gesteckt sind.

Der Riegel kann so ja keinen Zug aufnehmen. Wenn der Riegel nur da ist um "hübsch" auszusehen mag das ok sein, ich tendiere aber - Bauchgefühl - zu "nicht so gut"... aber wie geschrieben: ich bin Laie.

Hast Du einen Zimmermann oder Architekt der drüberschaut was Du da machst?

Viele Grüße

Dirk





Architekt haben wir direkt keinen, Zimmermann ja der wollte aber nur Claytec Fugenfüller einbringen oder Histolith Sanopas. Da mir erst letzte Woche die "fehlenden" Nägel aufgefallen sind, werde ich ihn noch mal direkt drauf ansprechen. Entweder hat er es selbst nicht gesehen oder es macht keine Probleme.... wobei hier auch schon gerne so antworten gekommen sind wie "das hat jetzt schon 100 Jahre lang gehalten...".

Gruß Sese



Auskeilen dauert....


Auskeilen dauert....

Hallo zusammen,

hier ein paar Tips und Bilder zum auskeilen vom Fachwerk die ich gemacht habe.

Hilfreiches Material: Kapp-Zugsäge zum sägen der Keile, Flex mit Fächerscheibe 80er Krng. fürs feine und eine weitere Flex mit Rotoraspel für's grobe. Leim, Holzhammer, Schlagholz.

0. Wenn möglich die Innseiten vom Spalt mit Fächerscheibe von Farbe befreien und Unebenheiten glätten. Der Keil soll ja eine saubere Kante haben :-)

1. Spaltbreite messen und mit Kapp-Zugsäge passendes Stück schneiden. Holzstücke längs zur Faser schneiden (genau anders wie Fleisch).Hatte so ein bisschen was von einem Holzschinken/brot in Scheiben schneiden...mal dicker mal dünner und schräg waren sie meistens auch :-)

2. Holzkeil auf Tiefe und Balkengröße anpassen.

3. Eine Seite Keilförmig mit RotoRaspel und Fächerscheibe anpassen und immer wieder schauen wo es hängt klemmt, am besten durch kippeln im Spalt den Drehpunkt finden, dann an der Stelle schleifen, bis der Keil ca. 2/3 rein passt. Je nachdem wie viel man weggenommen hat, das freie Ende auch noch ein wenig herunterschleifen damit der Keil nicht zu stramm sitzt.

4. Da bin ich mir nicht ganz sicher aber ich habe die Keile beideseitig mit Leim bestrichen und eingesetzt. Schlagholz angelegt und mit Holzhammer eingetrieben.
Fertig.

Die ersten Keile dauern ewig danach wird es immer besser. Je besser man den Keil am Anfang vom Schinken schneidet um so weniger muss man danach schleifen...

Viel Erfolg



Keine Holznägel



Jetzt mal eine Nachfrage zu den Holznägeln. Mein Fachwerk 17/18. Jahrhundert hat an der Außenseite keine Holznägel. Offensichtlich läuft in diesem Fachwerk alles auf Druck und nicht auf Zug. Das scheint mir im übrigen in meiner Region ziemlich typisch zu sein. Also da braucht man sich keine Gedanken zu machen. Von innen finden sich einige Holznägel an überblatteten Teilen. Jedoch nicht an Stellen wo Riegel eingesetzt sind.

Herbert



Holznägel



Holznägel dienen nicht zur Kraftübertragung sondern nur zur Lagesicherung. Die Kraftübertragung in der Stockwerksbauweise erfolgt nur durch Druck und Formschlüssigkeit.



Nur zum Zurechtrücken



"Der Riegel kann so ja keinen Zug aufnehmen. Wenn der Riegel nur da ist um "hübsch" auszusehen mag das ok sein, ich tendiere aber - Bauchgefühl - zu "nicht so gut""

Weil das hier schon mal so geschrieben wurde. Ansonsten habe ich in meinem Fachwerk teilweise mehrere Zentimeter Abstand, bin aber bisher nicht auf die Idee gekommen das als Mangel anzusehen.



Verleimen von Auspanungen bei Fachwerk



sese@
Leim bei solchen Ausspanungen immer nur an eine Seite des einzuleitenden Holzstückes angeben-
in diesem Fall an die dem Riegel zugewandten Seite- also nicht an den Pfosten anleimen.
Das Holz wird auch nach dem Einleimen von Paßstücken arbeiten.
Bei beidseitiger Leimangabe kann die Fuge auf der falschen Seite aufreißen
und wenn das Holz geschwächt ist möglicherweise auch innerhalb der Holzfasern. (Ähnlich wie bei Abrißfugen im Fußbodenbereich).
Die Leimfuge kann stabiler sein als das Holz.

Zur Verleimung D4 PU-Kleber verwenden, der kleine Hohlräume füllt oder 2K Weißleim oder Kaseinkleber.

Ich würde normalerweise immer Holznägel verwenden-besonders bei Querriegeln und Eckpfosten, um die genaue Position zu sichern, da Zapfenverbindungen fast immer etwas Luft haben.

Andreas Teich



Einseitig Leim macht Sinn



Hey Andreas,

vielen Dank für den Tip...werde ihn bei der anderen Hausseite respektieren. Wenn man mal drüber nachdenkt in einer ruhigen Minute auch recht logisch. Werde jetzt mit der Seite erst einmal leben müssen. Dann hab ich auch einen schönen rechts links vergleich :-)
Holznägel habe ich bisher keine neuen gesetzt, nach dem Motto. Jetzt waren die letzten 100 Jahre keine drin, dann wird es noch mal 100 halten, hoffentlich :-P





"Holznägel dienen nicht zur Kraftübertragung sondern nur zur Lagesicherung."

Danke - wieder etwas gelernt! (Da ist der Maschinenbau-Ingenieur mit mir durchgegangen... bei einem Eisentragwerk ist das anders.)

Dirk