Ausfachungen neu mit Leichtlehm?

03.09.2013



Liebe Forumsmitglieder,

mittlerweile haben wir bei unserem alten Bauernhaus ein wenig losgelegt: die Fassade ist ab, schadhafte Balken wurden ausgetauscht und noch einiges mehr. Durch den Austausch von Balken mussten die umliegenden Ausfachungen aus den Gefachen entfernt werden. Da diese aus Ziegelsteinen bestanden und ohnehin viele weitere locker sitzen sowie bislang außen an den Balken bündig sitzen, wollen wir diese gegen Lehmgefache tauschen und Sichtfachwerk herstellen. Da wir derzeit nur die schon offenen Gefache ausfachen wollen, sind wir aktuell nicht im Zeitdruck.

Nun aber meine Frage: wir wollen innen ohnehin noch mit Leichtlehm mit Blähglas dämmen. Sollte man bzw. kann man diesen auch für die Ausfachungen nehmen? Dadurch wäre jedenfalls eine insgesamt bessere Wärmedämmung zu erreichen. Der Lehm hat einen Wert von 450 kg pro Kubikmeter. Ich habe gelesen, dass das ggf. nicht für Ausfachungen geeignet sei, sondern nur für den Innenbereich. Muss ich für die Ausfachungen eine größere Dichte/Masse nehmen, also festere Lehmsteine? Außen soll noch Kalkputz dran kommen und die betreffende Hausseite ist auch nicht schlagregengefährdet.

Danke für die Hinweise!



Leichtlehm in Gefachen ...



... stellt - sofern bei der Ausführung die Regeln der Technik beachtet werden - m. E. kein Problem dar.

Im Gegenteil: Wenn die Innendämmung und die Ausfachung aus nahezu identischem Lehmbaustoff besteht, sind die bauphysikalischen Voraussetzungen geradezu ideal. Schlechter wäre es hingegen, wenn die Ausfachung "schwerer" als die Innendämmung gewählt würde. - Letztlich trifft dies auch auf den Außenputz zu, der zwar eine relativ dünne Schicht bildet, dennoch aber die "konfliktträchtigste" Schicht der Konstruktion sein kann. Von daher würde ich gerade bei günstigen Randbedingungen (z. B. keine Schlagregenbelastung) hier eher einen Lehm- als einen Kalkputz wählen.
Wenn es denn allerdings unbedingt ein Kalkputz werden soll, dann würde ich auf jeden Fall zu einem Luftkalkputz raten.

Im Übrigen mochte ich auf meine Ausführungen bzw. Beiträge in dem am 06. August zum Thema eröffneten Thread http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/215399$.cfm verweisen.


Viele Grüße

i. V. Dirk Meisinger



Ausfachungen ...



.... sind am schnellsten mit Lehmsteinen herzustellen, die zudem kaum Trocknungszeit benötigen. Leichtlehm als Erdfeuchte Bigpackware wird eigentlich nur für Innenwandschalen verwendet hier auch zum Ausgleich größerer Abweichungen der Wand vom Lot oder der Flucht.

Sie müssen für das Einbringen des Leichtlehms eine Schalung bauen und von oben verdichten, was beim Einbau in den Gefachen nicht besonder gut funktionieren und unter dem jeweils nächsten Riegel mühselig wird.
Ausserdem dauert´s mindestens 6-8 Wochen, bis eine solche Füllung ausreichend für eine weitere Bearbeitung durchgetrocknet ist.

Ich würde für die Aussenwände auch eher einen schweren Lehmstein wählen, wenn der Schallschutz eine Rolle spielen sollte.



Hallo Herr Fröhlich,



einfach mit dem Leichtlehmstein von Firma Schneider/ Kleinfahner ausmauern, hab ich auch so gemacht.


@ Herrn Meisinger
--schlecht...wenn die Ausfachung "schwerer" als die Innendämmung gewählt würde--

Die Ausfachungen sind doch immer schwerer als eine Innendämmung, insbesondere bei Bestandsgefachen??
Sonste wäre es doch sozusagen eine Außendämmung??

Mit Grüßen
Danilo



Hallo Danilo,



leider ist es in der Tat so, dass bestehende Ausfachungen in der Regel "schwerer" sind als nachträglich angebrachte Innendämmungen.
Die dadurch bedingten Risiken bzw. bauphysikalischen Nachteile sind, so denke ich, hinlänglich bekannt.
Das, was ich gerade in den letzten Jahren hier schon alles für Schäden zu Gesicht bekommen habe, ist frappierend!

Es geht nun mal m. E. nichts an der Erkenntnis vorbei, dass Konstruktionen möglichst so aufgebaut werden sollten, dass von der Warm- zur Kaltseite hin das Gewicht und damit auch die Wärmeleitfähigkeit der Bauteile abnehmen sollte.

Wenn man also die Möglichkeit hat, im Zuge von Baumaßnahmen optimale Konstruktionen zu kreieren, ist man m. E. gut beraten, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. - Selbst dann, wenn der Aufwand an Zeit und Geld im ersten Moment erheblich erscheint, denn mittel- bis langfristig zahlen sich die Investitionen erfahrungsgemäß immer aus.
"Unterlassungssünden" fallen einem hingegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit früher oder später auf die Füße.

Viele Grüße

i. V. Dirk Meisinger



Danke



wieder einmal für die Antworten! Sie haben mir ja schon öfters geholfen und ich denke, ich werde die Sache einmal so angehen, dass ich die bereits offenen Gefache mit dem Leichtlehm ausfache. Zeitlich spielt der Trocknungsprozess keine Rolle - außer, dass es noch vor dem Frost abgeschlossen sein sollte.

Viele Grüße