Ausfachungen aus Kalk-Bruchstein sanieren?

13.11.2021 Hannes

Ausfachungen aus Kalk-Bruchstein sanieren?

Hallo ihr Experten,

ich stehe vor einer exotischen Herausforderung, zu der sich in diesem Forum leider keine Hinweise finden.
Kurz zum Sachverhalt: Renovierung Fachwerkhaus von 1786. Über die Jahre haben sich Bausünden angehäuft, u.a. cm-dicker Zementputz auf den Innenseiten der Außenwände. Im Zuge unserer Sanierungsarbeiten ist die gesamte Putzschicht entfernt worden, der darunter liegende Lehmputz auch. Darunter lag noch eine mit kleineren Bruchsteinen angereicherte Putzschicht auf Kalk-Trass Basis. Bröselte stark und ist ebenfalls entfernt.
Überraschend war, dass die Gefache mit Kalk-Bruchsteinen ausgemauert waren (siehe Foto). Einzelne Ausfachungen sind etwas instabil geworden (da darin Heizkörper verankert waren).

Ich möchte die Ausfachungen nun sanieren (wieder Halt geben). Dazu würde ich mit Kalk-Trass Mörtel arbeiten, Fugen zum angrenzenden Holz schließen und den Steinverbund stärken. Von Außen sind die Gefache verputzt, vermutlich Zementputz. Da gehe ich aber erst im nächsten Jahr ran.

Frage an euch: Lohnt die Sanierung der vorgefundenen Gefache? Bekomme ich da mit meinem Ansatz wieder einigermaßen Halt rein? Gibt es bessere Wege? Sollte ich es direkt lassen (und gegen Lehmziegel austauschen)?

Nach Ertüchtigung der Ausfachungen soll eine Innendämmung (Leichtlehmschüttung) aufgebracht werden.

Danke für eure Kommentare & Anregungen!



Re: Ausfachungen aus Kalk-Bruchstein sanieren



Weil der Mörtel von solchen Bruchstein-Ausmauerungen meistens sehr mürbe und bröselig ist und die Ausfachungen dem entsprechend instabil werden, wenn der Putz abgeschlagen wird, ist es ziemlich riskant solche Wänden auf der einen Seite neu zu Verputzen bevor auf der anderen Seite der alte Putz abgeschlagen ist (wenn er denn anschließend erneuert werden soll). Meistens geht der neue Putz dabei gleich wieder kaputt, oder es lösen sich einzelne Steine und der Putz steht (stellenweise) hohl, oder es fallen sogar einzelne Steine raus, die dann schwerlich wieder so eingemauert werden können, wie sie waren.
Ich rate dringend dazu erst auf beiden Seiten den Putz zu entfernen, dann die Ausfachungen zu sanieren und dann erst wieder zu verputzen.
Als Mauermörtel muss es kein TrassKalkMörtel sein, ein Kalk- oder Lehmmörtel tut es auch.
Bei der Gelegenheit sollten den Ausfachungen durch Einbau von Dreikantleisten (wenn das Gefach komplett ausgeräumt und neu vermauert wird), oder wenigstens durch ein paar Edelstahlschrauben (in den Fugen in die Balken geschraubt) zusätzlichen Halt gegeben werden.
Stehen die Bruchsteine, bzw. deren Spitzen und Kanten, vor allem nach aussen hin sehr weit vor, sodass der Außenputz stark vorstehende Kissen bildet, kann man die am weitesten vorstehenden Spitzen und Kanten mit einer kleinen Betonfräse (Flex mit Diamant-Topfscheibe) vorsichtig weg fräsen, um die Gefach-/Putzoberfläche ein paar mm bis cm flacher herstellen zu können.

Die Erhaltung von solch einer Bruchstein-Ausmauerung macht m. M. n. nur Sinn, wenn es darum geht, die Originalsubstanz weitestgehend zu erhalten. Denn a) ist diese Art von Ausmauerung energetisch "suboptimal" (schlechter Dämmwert), und b) bleibt weiterhin der Nachteil dass es viel schwieriger ist daran gefahrlos Dinge zu befestigen (anzudübeln), als z. B. an einer Lehmsteinausfachung. In Bruchsteine muss man meistens mit einem Bohrhammer Dübellöcher bohren. Die Vibrationen beim Schlagbohren können die Ausfachungen lockern/lösen. In Lehmsteine kann man entweder ohne Schlag bohren, oder einfach längere Spaxschrauben direkt, ohne Vorbohren, einschrauben, um auch schwerere Gegenstände zu befestigen.
Heizkörper, schwere Bücherregale, usw. würde ich sowieso nie direkt in einer Ausfachung aufhängen/befestigen. Dazu baue ich vorm Verputzen der Innenseite an entsprechenden Stelle Bretter ein, die an den Balken angeschraubt sind. Diese Bretter werden dann, wie die Fw-balken auch, mit eingeputzt.
Abgesehen davon ist es für eine Fw-Außenwand sowieso grundsätzlich besser statt einem Heizkörper eine Wandflächenheizung zu installieren.

Ein Tipp noch: Meistens ist es einfacher und geht es schneller solche Gefache komplett auszuräumen und die Steine neu einzumauern, als "nur" neu zu verfugen. Dazu nimmt man die Steine in der Reihenfolge raus, wie sie im Gefach sitzen und legt sie in dieser Reihenfolgen zur Seite. Dann kann man sie ganz einfach genau so wieder neu rein mauern (vorher Dreikantleisten an die Balken schrauben/nageln/tackern). Evtl. dabei gleich um 1- 2 cm nach innen versetzt, um ca. 2 cm Platz für den Außenputz zu schaffen. An der Innenseite muss man dann die Balken dem entsprechend mit (Lehm-)Putz auffüllen, bevor die Fläche verputzt wird.



Exotisch?



Sind die Gefache stabil im Fachwerkverbund oder fehlt der Verbund mit dem Holz? Wenn sie in der Gesamtheit herauskippen kann es sein, dass sie erneuert werden sollten. Ansonsten sollte ein Kalkputz oder ein Lehmputz ausreichen. Der Steinverbund sollte durch den Putz ausreichend gestärkt werden. Rezepte für Putz werden hier im Forum alle paar Monate diskutiert.

Ich gehe davon aus, dass je nach Region viele Gefache in dieser Art aus Feldsteinen ausgemauert wurden. Bei mir war es Kalk und Sandsteinbrocken. Man hat eben das genommen was es vor Ort gab und nicht zu teuer war. Wenn es bereits mehrere hundert Jahre gehalten hat, zeigt dies, dass dies genau die richtige Mischung aus Holz, Füllmaterial und Verputz war.

Ich habe bei mir einen Fachwerkbalken tauschen müssen und deshalb auch angrenzende Gefache ausbessern müssen. Dies dann mit den herausgenommenen Steinen und Trassmörtel, Ich sehe aber auch keine Notwendigkeit funktionierend Putzschichten zu entfernen. In den meisten Fällen genügt es fehlerhafte Stellen zu entfernen und durch einen passenden Putz zu ersetzen.



Danke euch.



Danke für eure Anregungen!

Der Großteil (70%) der Ausfachungen ist noch intakt und "steht" ordentlich. Hier werde ich wohl von innen ertüchtigen und auffüllen.
In den instabilen Ausfachungen habe ich mehrere dicke Dübel nebst Schrauben gefunden. Das hatte denen damals wohl den Rest gegeben (Bohrhammer etc.). Hier werde ich wohl fachgerecht runderneuern Für eine Wandheizung steht leider zu wenig Fläche zur Verfügung. Heizkörper werden wieder mit hölzerner Unterkonstruktion befestigt - hatte ich auch so schon eingeplant.
Im letzten Schritt wird dann vorsichtig der Außenputz ausgebessert.
Ich erwarte dadurch keine sichtbaren Schäden an der Innenwand, da zunächst Innendämmung als Schüttung aufgebracht und darauf erst wieder verputzt wird.



Anal-



fist bis die Rosette reißt.