Aufsparren oder Zwischensparrendämmung

04.10.2016 MoritzGruen



Ehrenwertes Fachwerkforum, liebe Freunde alter Häuser,

ihr merkt schon.. ich brauch Rat, und zwar konkret betreffend die umfangreiche Sanierung eines Hauses aus den 1950ern (siehe auch mein Profil).

Nachdem EG und 1. Stock bereits umfangreich innen saniert wurden, soll nun das Dach erneuert und eine Wärmedämmung (Mineralwolle entweder mit Dickputz oder als VHF mit Holz) installiert werden. Der derzeitige Stand der Planung am Dach (es ist ein Architekt beauftragt) sieht eine Aufdopplung der Dachstuhlsparren vor, sowie eine Zwischensparrendämmung. Bedachung dann wahlweise mit Ziegel oder Metall (Material steht noch nicht fest).

Ich frage mich, ob man sich nicht möglicherweise die Aufdopplung sparen kann (das ist en detail natürlich eine Frage für den Statiker und nicht fürs Forum) und den Dachstuhl mit einer Aufsparrendämmung und einem vergleichsweise leichten Metalldach versehen kann.

Der Architekt scheint die Aufsparrendämmung nicht wirklich in Erwägung zu ziehen. Gibt es Nachteile bzw. gute Gründe sich gegen eine Aufsparrendämmung zu entscheiden? (Meines Wissens ist das Hauptargument dagegen immer die Neueindeckung des Dachs. Die wird aber ohnehin fällig...)

Ich habe natürlich noch ein paar Fragen, die mir unter den Nägeln brennen, das ist momentan aber die Dringendste.

Ich wäre sehr dankbar für Ratschläge und Hilfestellungen. Auch wenn es sich nicht um ein Fachwerkhaus handelt. Es ist ein schönes, einfaches Haus.



Ich mag auch nicht unbedingt...



...eine Aufsparrendämmung.
Nachträglich au7fgebracht, bedarf es unzähliger Detailanschlüsse und -ausbildungen.
ich kann ihren Architekten verstehen!
Ich würde ihnen eine sehr preiswerte und sicher auch sehr interessante Lösung anbieten bzw. vorschlagen.
Dazu eine Einblasdämmung aus Holzfasern und somit eine sehr gute Lösung mit hohem sommerlichen Wärmeschutz und fugenloser Ausbildung.


https://www.youtube.com/watch?v=rJ14MePNRLo

Im hinteren Teil anschauen.

FG Udo



Aufsparrendämmung



@Udo Mühle, welche unzähligen Detailanschlüsse haben Sie genau im Blick, wenn das Dach eh neu gedeckt werden soll? Der große Vorteil der Aufsparrendämmung ist doch die Minimierung der Wärmebrücken und mit der Uditop von Unger auch diffusionsoffen. Wir habens mit Zwischensparrendämmung kombiniert und sind sehr zufrieden.



Mir



ist noch nicht so ganz klar wie man bei einer Aufdachdämmung mit Dachböden umgeht.
Als tatsächlich ungenutzten Räumen unter dem Dach, typischer weise sind die so ca. 1-1,5m hoch.
Macht man die Aufsparrendämmung und bewohnt das Dach nicht bis unter die Firstpfette kann es dann wohl Probleme geben.
Denn die Warme und Feuchte Luft zieht nach oben und sammelt sich in dem zwischen Raum.
Da nicht beheizt und daher wieder kühler als unten legt sich die Feuchtigkeit ab und dann gehts los (z. B. an der Giebelwand).

Damit man das verhindern kann muss dann dann wohl entweder den Raum Luftdicht abschließen, oder sogar dämmen und belüften. Dann ist die Aufsparrendämmung aber auch wieder für die Katz gewesen und man hätte die Methode oberste Geschoßdecke dämmen nehmen können.

Ich bin aber nur Laie. Hab das mal so gehört. Ganz verstehen kann ich es wohl nicht da eine Aufsparrendämmung sicher unzählige male gemacht wird ohne das man alles abreißt und bis unter den Dachfirst wohnt und ich gehe mal davon aus das es in aller Regel doch funktioniert.

Vielleicht kann ein Fachmann noch dazu was sagen.



Vielen Dank schon mal!



Zu den Detailanschlüssen - ich würde mir auch denken, dass das weniger ein Problem sein sollte, da ohnehin in einem Aufwasch eine Außendämmung und eine neue Dacheindeckung kommen sollen (trotzdem merke ich mir den Punkt vor und spreche den Architekten darauf an).

Die Bauphysik in Sachen Feuchtigkeitsregulierung könnte ausschlaggebend sein.

Es handelt sich um ein Walmdach und auf allen Außenseiten des Dachbodens ist ca 1 m (von den Fußpfetten nach innen hin) mit Gipsstein abgekoffert. Unterhalb der Firstpfette müsste man wohl auch abkoffern denn die Dachstuhlbalken sind nicht so ansehnlich. Die Frage ist, ob die Abkofferung soviel Heizwärme (von unten und vom Dachinnenraum) fernhält, dass ein so starkes Temperaturgefälle entsteht, dass sich Feuchte in diesen Zwischenräumen niederschlägt.

Mein Verständnis einer Zwischensparrendämmung ist: sie ist diffusionsoffen und Feuchtigkeit, die aus dem Wohnraum aufsteigt wird nach außen transportiert und dann unterhalb der Außenhaut des Dachs abtransportiert. Unter diesem Gesichtspunkt scheint mir sogar ein Ziegeldach sinnvoller,... bei einem Metalldach hätte ich Angst, dass die Feutigkeit von Innen her zu Korrosion führt.

Wie wird denn die Feuchtigkeit des WOhnraums bei einer Aufdachdämmung abtransportiert?



Dachdämmung



lieber Hans-Peter ist natürlich nur sinnvoll, wenn man den Dachraum auch zu Wohnzwecken nutzt, wieso sollte der üblicherweise nutzbare Raum nur 1,5 m hoch sein. Mein Dach geht fast über 2 Etagenhöhen.
Was ist ein Gipsstein? Über die Details der "Abkofferung" sollte der von Euch bezahlte Architekt bzw. sein Bauphysiker Auskunft geben. Ich könnte mir vorstellen, dass der Raum hinter dem "Gipssteindrempel" von außen, wenn der Dachbelag runter ist, nochmal gedämmt werden, falls nötig. Die Udi-Top Platte von Unger-Diffutherm ist laut Hersteller diffusionsoffen. Im Fall der Fälle sollte innen eine variable Dampfbremse angebracht werden, die notfalls eine Rücktrocknung nach innen erlaubt.



von Gipsstein Drempeln und anderen Unwissenheiten



Wieder danke für die Antwort. Ich hatte HaPe falsch verstanden. Der Dachboden ist so hoch, dass ca. 75% der Fläche als Wohnraum benutzt werden können.

Das Wort Drempel war mir bislang unbekannt, danke. Ob Gipsstein wirklich etwas mit Gips zu tun hat weiß ich nicht genau. Es handelt sich um 60x80cm Platten, aus den 70ern, ca. 10 cm stark, recht schwer und relativ leicht zu sägen und zu zerbrechen (aber kein Porenbeton/Ytong).

Ob hinter dem Drempel nochmal gedämmt wird, werde ich in Erfahrung bringen.

Abgesehen von den Anschlussschwierigkeiten fasse ich mal mein Verständnis zusammen:

Aufdachdämmung gilt als wirksamer, da weniger Wärmebrücken. Eine Zwischensparrendämmung ist im Hinblick auf Wohnraumfeuchte weniger problematisch, richtig? ABer eine Aufdachdämmung gibt es auch diffusionsoffen.

Gibt es im Hinblick auf das Material der Dachaußenhaut Abhängigkeiten, z.B. Metalldach besser bei Aufdachdämmung, wenn Zwischensparrendämmung dann besser Ziegel?



Also



mir wäre nicht bekannt das bei einer Aufdachdämmung Ziegel oder Blech besser ist bzw. wäre.

Ich würde kein Blech nehmen. Blech ist lauter als ein Ziegel und die Feuchtigkeit die eventuell mal von außen drunter geht kann nur schwer wieder raus.
Normal nimmt man Belch, soweit ich weiß, nur bei besonderen Dachformen oder bei sehr flachen (glaub unter 10-12° Dachneigung). Hinzu kommt natürlich noch der fehlende Hitzeschutz

Diffiosionsoffen halte ich mittlerweile auch eher für zwiespältig. Feuchtigkeit kann zwar raus, aber das da so viel Feuchtigkeit raus kann wie im Wohnraum anfallen -kann- glaube ich ich nicht. Schließlich kommt doch einiges zusammen.
Ich glaube bei der Aufdachdämmung ist dann auch nicht die Dachkonstruktion bzw. das Dachwerk der Punkt an dem die Feuchtigkeit kondensieren wird, vermutlich eher die Gibelwände oder andere Dinge die kalt/kühler sind.


Moritz, sind das vielleicht Leichtbetonsteine?


@ Pope: Das ganze hatte ich anders gemeint. Dachte daran das eine Dachwohnung meistens einen Spitzboden/Dachboden hat. Bei uns in der Gegend wird das Wort Spitzboden fast nicht verwendet.

Nun. Wenn man das Dach dann mit Aufdach/Aufsparren dämmt wird man den gesamten Spitzboden/Dachboden nicht zwangsläufig entfernen? Überm Treppenhaus z. B. nicht, denn dort würde "wohnen bis an die Firstpfette" keine Sinn machen.
Ob es nun Bauphysikalisch anders aussieht weiß ich aktuell noch nicht so recht.
Also was macht man mit so einem Spitzboden/Dachboden bei einer Aufdachdämmung (in der Hoffnung das jetzt bekannt ist was ich meine :))



Dachdämmung



@ Hans Peter: Daher ist ein Gesamtkonzept der thermischen Sanierung nötig, man dämmt nicht nur die Dachhaut und läßt die Giebel ungedämmt. Es sollte umlaufend ein ähnlicher K-WErt erreicht werden. Wir wohnen tatsächlich bis zum First, oben ist eine Galerie. Wenn dies nicht gewünscht ist, kann die Zischensparrendämmung bis in die Kehlbalkenlage geführt werden, auch mit Dampfbremse -da sollte dann nichts passieren. Vielleicht ist in so einem Fall aber auch die Aufsparrendämmung unwirtschaftlich. Das sollte vor Ort gerechnet und entschieden werden.



Du meinst



das mit passend gedämmten Giebel die Feuchtigkeitssammlung in einem Dachboden/Spitzboden nicht zum Problem wird?

Das klingt einerseits einleuchtend aber auch etwas fragwürdig.
Die Feuchtigkeit ist dann ja immer noch in dieser "Problemzone". Okey, ich mag jetzt nicht abschätzen ob sie bei gedämmten Giebelwänden kondensieren wird. Allerdings wird es für die Feuchtigkeit wohl eher schwer wieder von dort oben weg zu kommen da ja im Grunde nicht belüftet wird?



Lüftung



naja, ich hatte natürlich vorausgesetzt, dass die entstehende Feuchte auch weggelüftet wird. Das Problem ist hier eher, dass eine Aufsparrendämmung wirklich nur bei vollständig genutztem Dachraum finanziell lohnend ist.