Ausfachung der Fachwerk-Außenwände mit Kalk und Lehm

16.03.2008



Hallo und guten Tag,
momentan beschäftige ich mich mit der Art der Ausfachung der Außenwände meines Fachwerkhauses.

Originale Staken und Geflechte wurden leider vom Vorbesitzer vollständig bei der "Sanierung" vor 15 Jahren entfernt und mit Porotonsteinen in Zementmörtel erneut ausgemauert. Darauf innen komplett Streckmetall aufs Holz genagelt und mit Styroporputz ca. 10-16 cm verputzt. Dieser Wandaufbau soll auf jeden Fall wieder entfernt werden.

Nach etlichen Fremdbaustellenbesichtigungen und Gesprächen mit erfahrenen Lehm- und Kalkbauern bin ich bei folgendem eventuellen Wandaufbau hängen geblieben und wollte mich über die Sinnhaftigkeit in diesem Forum informieren.

Die Gefache werden mit einer Kalkmörtel/Korkmischung zzgl. Holzspäne (natürlich inkl. Dreicksleisten) bis auf Fachwerkstärke (ca. 15 cm) mit leichter Verdichtung geschlossen. Somit wäre gewährleistet, dass der Kalkputz aussen dann nicht nur mechanisch sondern auch chemisch hält.

Der Innenwandaufbau würde dann so aussehen:

Kontaktschlüssig mit der Kork-Kalkmörtelmischung wird eine Lehm/Holzhackschnitzel-Mischung als Innendämmung in eine Holzkonstruktion (keine verlorene sondern Kletterschalung) verfüllt und leicht verdichtet, Gesamtstärke der Wand soll ca. 30 cm betragen. Auf die Holzkonstruktion kommt nach Austrocknung des Lehms eine Bretterschalung mit sägerauhem Holz. Darauf dann Wandheizung und Lehmputz.

Macht ein solcher Wandaufbau Sinn? Vor allem im Hinblick auf Kontakt zwischen Kalk und Lehm.

Kalkmörtel wäre beispielsweise von Otterbein > Calcidur oder Solubel.

Ich würde mich über Ratschläge und Anregungen freuen. Danke im Voraus,

Darien Pfirrmann



Grübel....Grübel.....



Hallo Herr Pfirrmann,

die hier beschriebene Vorgehensweise kann ich leider nur bis dahin nachvollziehen, das der Mist erst einmal (PorotonStyroporbetonmist) rauskommt und auf die Deponie wo er hingehört (zumindest im Zusammenhand mit Fachwerk). Die Kalk-Kork-Mischung ist mir unbekannt, bin aber der Meinung das ein Strohlehmstein hier als Standart bezeichnet werden kann (Wärmedämmtechnisch ok, nachteile beim Schallschutz weil die Masse fehlt). Bei Kork hatte ich in der Vergangenheit immer Probleme mit den inhibierenden Inhaltsstoffen, die ähnlich wie die Eichenlohe zu hässlichen durchschlagenden Flecken führen können (aber wie gesagt "Was der Bauer nicht kennt, dem traut er nicht). Zum chemischen Verkrallen des Putzes sei nur gesagt das auf Strohlehm und Starkung es Jahrhunderte lang meistens Funktioniert hat und eine chemische Verbindung nicht erforderlich ist (Vorteil hierbei). Eine gute Ausfachung hält locker Hundert Jahre, der Putz müsste zwischenzeitlich mal Ausgetauscht werden, den Kriegen Sie bei dieser Mischung nur in einem Block wieder entfernt (aber wie gesagt "Was der Bauer nicht kennt, dem traut er nicht). Nach innen ist der Aufbau aus meiner Sicht son in Ordnung. Als weiteren Ratgeber möchte ich Ihnen einen hervorragenden Kollegen aus Bad Marienberg empfehlen. Alexander Fenzke Maurermeister und Restaurator i.H. 02661 / 99 18 34


Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Jobmann



Fachwerk dämmen



Hallo Darien,
ich bin immer wieder verwundert, welche neuen Varianten beim Wandaufbau auftauchen.

Unabhängig von diesem Fakt zwei Bemerkungen von mir:

1. Wie sieht das Schadensbild der jetzigen Fachwerkwand innen und außen aus?
Gibt es innen Risse, Durchfeuchtungen, Schimmel?
Gibt es außen Schäden am Gefachholz, sind die Gefache gerissen, klappern sie, wie sehen die Fugen zwischen Holz und Mörtel aus?

2. Der von Ihnen genannte Wandaufbau ist mir so nicht bekannt. Gibt es dafür eine bauaufsichtliche Zulassung, ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder eine Zustimmung im Einzelfall? Auskunft darüber sollten Sie beim Anbieter des Verfahrens bzw. des Materials erhalten.

Nun zu Ihren Fragen:
Ob ein solcher Wandaufbau Sinn macht, ist nicht so einfach zu beantworten, da die Definition zu Sinn bzw. Unsinn subjektiv auslegbar ist.
Und es hängt m.E. auch von der Beantwortung der von mir unter Pkt. 1 genannten Fragen ab.
Ich nenne mal einige Nachteile bzw. Bedenken, die mir dazu noch einfallen:
- Trocknung:
Sowohl der Kalkmörtel als die innere Leichtlehmschale brauchen immens lange Zeit zum Durchtrocknen
- Lastabtragung
Die Leichtlehmschale ist geschoßweise statisch abzutragen
- Einbau Kalkmischung
Wie soll die vollständige Ausfüllung oben in den Gefachen gesichert werden?
- Preis
Ich vermute, das diese Variante teurer als die klassischen Wandaufbauten ist
- Langzeitverhalten
Ich glaube nicht, das im Gegensatz zu klassischen, bewährten Wandaufbauten, deren Langzeitverhalten bekannt ist, Erfahrungen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit vorliegen.
Ob das Ganze so wie geplant funktioniert, kann wohl nur mit der Versuch-Irrtum- Methode festgestellt werden.

Der Kontakt zwischen Kalk und Lehm stellt kein Problem dar.

Viele Grüße



Ausfachung der Fachwerk-Außenwände mit Kalk und Lehm



Hallo,

zunächst einmal Danke für die Antworten.

Trotz intensivem Studium einschlägiger Literatur habe ich von einem solchen Wandaufbau bis dato auch noch nicht gehört. Genau das war ja der Grund, weshalb ich mich in diesem Forum noch einmal ein Stück weit rückversichern wollte.

Das Haus ist optisch in sehr gutem Zustand. Kein Schimmel, keine Feuchtigkeit, keine Risse weder aussen noch innen.

Mein Onkel hat dieses Haus vor 15 Jahren, naja sagen wir es vorsichtig, suboptimal renoviert. Allerdings muss ich zu seiner Verteidigung auch sagen, dass es vorher noch schlimmer um das Haus stand. Allen Fachwerkaussenwänden war innenseitig eine Bimssteinmauer vorgestellt, so dass das dahinter angefallene Tauwasser dem Gebälk teilweise doch an manchen Stellen stark zugesetzt hat (so musste beispielsweise die Schwelle komplett mit altem Baumaterial (Eiche)erneuert werden). Diesen aberwitzigen Wandaufbau hat er glücklicherweise komplett entfernt. Wir haben den Styroporputz (Kalkbasis mit kleinsten Styroporkügelchen und ganz leicht) an einigen Stellen kleinflächig entfernt und das darunter liegende Holz als absolut trocken vorgefunden. Abschließend beurteilen kann ich das natürlich erst, wenn ich die Wand wieder entkernt habe.

Ich bin glücklicherweise im Besitz von zahlreichen Fotos aus der Bauphase meines Onkels, so dass mich keine brutalen Überraschungen erwarten werden. Das Gebälk sieht auf den Fotos sehr solide aus.

Ich werde diese Idee auf jeden Fall wieder verwerfen und mich auf Lehmsteine in den Gefachen konzentrieren, dann verfahren wie in meine eingehenden Frage beschrieben (Holzleichtlehm, Holzschnitzel).

Welche Steine sollten da vorgezogen werden? Von Claytec gibt es die 1200NF und die 700 NF. Die 700 NF haben ja einen höheren Anteil an organischen Stoffen und infolgedessen bessere Dämmwerte. Dennoch empfiehlt Claytec selbst, die 1200NF zur Ausfachung zu favorisieren. Dahinter die Holzleichtlehmkonstruktion sollte doch in Ordnung sein, oder?

Oben im ersten OG (Giebel) habe ich beim Fachwerk dass Problem, dass viele Balken (Riegel) nach innen sehr stark schräg abfallen, so dass man da gar keinen Stein reinsetzen kann, es sei den man unterfüttert entsprechend mit Holz. Oder gibt es da eine andere Variante? Z.B. komplett mit Holzleichtlehm homogen die Wand hochziehen?

Danke für die Antworten,

Darien Pfirrmann



Ausfachungen



Hallo Herr Pfirrmann,

Die Wahl des Ausfachungssteins hängt unter anderem von der Bewitterung ab. Wenn Sie Die Fassade verkleiden, können Sie den 700er nehmen. Bei Wetterbelasteten Gefachen ist dieser nicht geeignet. Da ist der 1200er der richtige. Der Aufbau ist so ansonsten OK, allerdings sollte Bei großen Schichtdicken Holzleichtlehm bedacht werden, das dieser leicht zu Schimmelbildung / Trocknungsproblemen neigt. Unproblematischer ist hier z.B. Blähtonleichtlehm.

Gruß vom Edersee



Lösungsvorschläge gibt es sicherlich viele



Das nebenstehende Bild soll einmal eine mögliche Lösung aufzeigen, wie man eine witterungsstabile Lösung für eine Kalk verputzte Fassade im Fachwerkbau bringen kann.
Innenseitig dann mit Lehmsteinen aussetzen und davor dann die eventuelle Lehmwärmestampfebene.
Aber auch hier könnte man sagen, daß nach der Heraklithausfachung sofort eine komplette Ausstampfung vorgenommen werden könnte und man nachher dann eine Wandheizung darüber montiert und diese unter Wärme verputzt.
Oder mann sagt, daß man innenseitig eine Holzweichfaserplattenebene auflegt und darauf die Heizung bringt und verputzt.
Die Frage wäre zu definieren, welchen Anspruch Sie an diese Lösungsfindung stellen.
Preiswert und funktional, hoher Dämmwert mit viel Eigenleistung, schnelles Fertigstellen und schnelle Trocknung oder oder oder!

Für Lösungsgespräche stehen wir Ihnen gern auch telefonisch mit zur Verfügung.
Denkbar unter: 035936-45398 oder 0160-7226041.

Hilfreichen Gruß

Udo



Vielen Dank



Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Hat mir sehr geholfen.

Mfg,

Darien Pfirrmann