"Moderner Fachwerkbau" Dämmung

18.02.2005



Hallo,
wir wollen ein modernes Holzskeletthaus bauen mit innen und außen sichtbaren Holzbalken. Zur Ausfachung soll Mineralwolle verwendet werden. Das Fachwerk wird vom Zimmermann mit OSB Platten zur Aussteifung versehen und wir außen verputzt. Hat jemand von Ihnen Tipps zum Wandaufbau (Damit wir nicht absaufen, wie es so schön heißt)
Gruß
Daniela Schulz



Bauphysikalisches Problem



Die Ständer innen und außen sichtbar? Ich zähle mal ein paar Punkte auf die dann unbedingt geklärt werden sollten:
1. Was macht ihr mit der Anschlußfuge außen zwischen Putz und Ständer, es wird nicht lange dauern und ihr habt da Haarisse noch und nöcher in denen sich das Wasser im Holz sammelt und zu Fäulnis führt?
2. Außen eine Winddichtebene hinzu bekommen ist schon schwierig genug...
3....aber innen die Luftdichtebene ist noch viel schwieriger: Anschlüsse ohne Ende die alle sorgfältigst verklebt werden wollen?
4.Der Holzständer ist nicht wärmedämmend, oder zumindestens in dieser Wirkungsweise deutlich schwächer als die Dämmung anzusehen - Kondenswasserproblem?!?
5. Der Holzständer wird von beiden Seiten unterschiedlich witterungsbelastet! Risse und verformungen drohen!
6. Eckanschlüsse werden bezüglich Dichtigkeit ein echtes Problem
Tut mir leid, würde ich absolut von abraten, wenn ihr Holzskelettbau oder Holzrahmenbau haben wollt vertraut euch einem kompententen und erfahrenen Holzbauplaner an und nehmt Konstruktionsaufbauten die bauphysikalisch sicherer sind.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri



Aber Hallo!



Kontaktieren Sie hier bitte
Frau Bernadette Wehringer hier im Forum!

mfG

Florian Kurz



Was ist denn sicherer?



Danke für die Antworten. Haben mit aber eher Angst gemacht als geholfen. Es gibt wohl einiges zu bedenken. Womit kann ich denn ausfachen? Häuser dieser Art werden doch schon lange gebaut und scheinbar funktioniert es doch. Wir sind vollkommen verunsichert. Ich werde mal versuchen mit Frau Wehringer in Kontakt zu kommen.

Daniela Schulz



neues Fachwerk



Hallo Frau Schulz

Sie schreiben:
"Danke für die Antworten. Haben mit aber eher Angst gemacht als geholfen. Es gibt wohl einiges zu bedenken. Womit kann ich denn ausfachen? Häuser dieser Art werden doch schon lange gebaut und scheinbar funktioniert es doch. Wir sind vollkommen verunsichert"
Das kann ich gut nachvollziehen, dass Sie verunsichert sind und die "Fachleute" streiten sich; die Gesetze und Normen schreiben vor, die Firmen wollen verkaufen und versprechen alles mögliche etc.
Die Frage bleibt aber: Was will ich erreichen?
Handwerker, Unternehmer haben in der Regel 2,4, oder 5 Jahre Gewährleistung! Na ja - wenn das Haus so lange halten soll ist es ganz einfach zu beantworten! Natülich geht es!
Bloß: Wie lange geht es gut? Wie genau kann gearbeitet werden und halten diese Materialien, Folien, etc. wirklich so lange wie ein Haus eben halten sollte????
Die Erfahrung lehrt, dass die komischen, unmodernen alten Hütten immer noch stehen, und die Substanz eigentlich in Ordnung ist. (Ausser es wurde vernachlässigt, gepfuscht und falsch saniert)
Das ist Fakt!
Der Feuchtetransport von innen nach aussen ist wichtig - aber nicht leicht zu verstehen und auch nicht so ganz einfach schriftlich zu erklären.
M.E. ist das auch keine Glaubensfrage: Glas/Mineralwolle kontra was anderem!
Letzten Endes ist es immer eine Sache der "Einfachheit" im Bauen - siehe die immer noch stehenden Altbauten mit ihren wenigen Materialien!!


Florian Kurz



Tja...



Danke für Ihre mail, Herr Kurz,

nett, dass Sie sich für unser Problem Zeit genommen haben. Sie haben Recht! Einfachheit im Bauen! Wie Sie sagen: Früher hat das mit den natürlichen Materialien wunderbar funktioniert. Heute wird alles so verkompliziert und jeder Experte hält seine Meinung für die Richtige. Vielleicht führen wirklich mehrere Wege nach Rom. Kann mir denn der Einsatz alternativer Materialien (wie z.B. Lehm) eine längere Haltbarkeit garantieren?. Ich denke mal, wenn da nicht ordentlich gearbeitet wird, habe ich in Kürze auch das eine oder andere Problem. Wie sieht denn ein Wandaufbau mit Lehm aus? Gibt es da auch Installationsebenen. Habe mich damit noch nicht beschäftigt.
Wir haben bereits vor 15 Jahren ein Haus Stein auf Stein gebaut, von außen verklinkert. Wir haben keine Schwierigkeiten mit Feuchte, Schimmel o.Ä. Das Haus hat Holzfenster. Bin mir sicher, dass es keinen Blower Door Test bestehen würde, denn es zieht hier und da durch die Ritze. Da bin ich ehrlich gesagt auch gar nicht böse drum. Heute muss alles total dicht sein. Hat ja auch seine Richtigkeit. Aber irgendwie fühle ich mich anders wohler.

Daniela Schulz



Wollte keine Angst verbreiten....



eher auf Probleme aufmerksam machen, Daniela.
So wie Sie momentan Ihren Wandaufbau beschreiben ergeben sich m. E. oben beschriebene Probleme. Wenn Sie einen verantwortungsvollen Planer haben, wird er diese auch erkennen und beseitigen können.
Egal welche Richtung man bevorzugt: es ist wie Florian schon sagt, eine Einfachheit der Dinge zu bevorzugen.
Die Einfachheit der Dinge könnte aber in Ihrem Fall z. B. auch in einem doppelschaligen Aufbau liegen.
Um aber näher auf den Wandaufbau eingehen zu können, wäre es sehr nützlich wenn Sie einfach mal eine kleine Skizze oder Zecihnung einstellen.
Grüße aus Leipzig von



Zum Wandaufbau



Hallo zusammen,

vielleicht habe ich mich bei der Schilderung des Wandaufbaus wirklich etwas kurz gefasst :-). Hier der geplante Aufbau von Außen nach Innen:

1. mineralischer Außenputz mit Profilleisten 20 mm
2. Wärmedämmschicht (40 mm) aus Polystyrol HS Platten vollflächig verklebt und verspachtelt mit Betonspachtel und Glasfasergewebe auf
3. OSB Platte (15 mm), Kompriband in Fuge zwischen Ständer und Dämmplatten
4. Holzrahmenkonstruktion mit Mineralwolle-Wärmedämmung
5. Dampfbremsfolie (feuchteadaptiv ???, sollte darauf geachtet werden?)
6. Installationsebene mit Mineralwolldämmung
7. Fermacellplatte
8. Rauhfaser

Insgesamt ein Aufbau von 26 cm.

Wie hört sich das an?

Daniela



modern arts



Hallo Daniela

Sie schreiben: "Wie hört sich das an?"

Das hört sich für mich so an:
- "Klappern gehört zum Handwerk"
- "Viel - hift viel"
- "Möglichst mit Worten umgehen, die wichtig klingen"
………… usw.

Ist das die "Leistungsbeschreibung" o.ä. von dem Haushersteller?!?!?


Hm ……???

Wie erklär ich das?

Ich würde so was nicht bauen bzw planen! Da sind mir zu viele "Ungereimtheiten" dabei!!

herzlichst

Florian Kurz





Hallo Frau Schulz,
tja wir haben nun auch so ein Haus und sind bisher nicht wirklich glücklich. Die Gutachter geben sich bei uns die Klinke in die Hand. Es sieht zwar toll aus aber man muß wie wir zwischenzeitlich lernen mußten auf sehr viel achten, damit es auch in ein paar Jahren noch so aussieht. Ich kann Ihnen wirklich nur raten, hier auf keinen Fall auf eine Firma zurückzugreifen, die erst wenige solcher Häuser gebaut hat. Glauben Sie mir ich spreche aus Erfahrung. Es sind sehr sehr viele Details zu beachten und vor Vergabe sollten diese festgeschrieben werden. Wen hatten Sie denn ins Auge gefaßt? Wir hatten schon mit so ziemlich vielen, die so bauen Kontakt.
Liebe Grüße
Wehringer



wolln wa mal, so gut wa könn´.



Aufbau von Außen nach Innen:

1. mineralischer Außenputz mit Profilleisten 20 mm
"Fachwerkimitat"? schafft Probleme in den Fußen zwischen Putz und Leiste. Wie ist das Holz befestigt? Durch das PS HS?
2. Wärmedämmschicht (40 mm) aus Polystyrol HS Platten vollflächig verklebt und verspachtelt mit Betonspachtel und Glasfasergewebe auf
PS (polystyrol) treibt jedem Ökologen die Tränen in die Augen, schon mal über Pavatex Holzweichfaserplatte nachgedacht?
3. OSB Platte (15 mm), Kompriband in Fuge zwischen Ständer und Dämmplatten
Was macht das Kompriband da? OSB dient wohl zur Diagonalaussteifung. Wenn die Platte auf der Innenseite sitzen würde lassen sich Eckverbindungen im Elementbau einfach realisieren.
4. Holzrahmenkonstruktion mit Mineralwolle-Wärmedämmung
Wie ist das Verhältnis der Hauptdämmung zur Dämmung in der Inst-Ebene. Sollte als Faustformel 4:1 nicht überschreiten, besser jedoch wenn Taupunkt berechnet wird.
5. Dampfbremsfolie (feuchteadaptiv ???, sollte darauf geachtet werden?)
Tut mir leid, Leben in der Plastiktüte. Abgesehen vom Material, gibts immer wieder Schwierigkeiten Anschluß- und Knotenpunkte wirklich luftdicht handwerklich und konstruktiv auszuführen.
6. Installationsebene mit Mineralwolldämmung
Inst-Ebene immer gut.
7. Fermacellplatte
M. E. besser als Gipskarton, weil formstabiler, jedoch schwieriger zu verspachteln und zu schneiden.
8. Rauhfaser
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Wie Florian schon sagt: es bleiben eine Menge Fragen und Ungereimtheiten. Nun kann man natürlich so einen Aufbau zum Funktionieren bringen. Wichtig hierbei ist eine bauphysikalische Nachberechnung und Unbedenklichkeit.
Aber ist Funktion wirklich alles? Dieser Wandaufbau ist falls er mal nicht mehr gebraucht wird, kompletter Sondermüll. Folgerichtig käme jetzt der Spruch mit den Kindern, der Welt und der Leihgabe.
Mal ein Gegenbeispiel, von außen nach innen und kürzlich realisiert:
1. hinterlüftete Holzleistenschalung
2. 15 mm DWD Holzweichfaserplatte (Winddichtebene)
3. 240 mm Rahmenbaukonstruktion mit Steinwolle gedämmt (Flachsdämmung hätte mir besser gefallen, seis drum)
4. 18 mm OSB (Luftdichtbene)
5. 60 mm Inst-Ebene, gedämmt
6. 12,5 mm Fermacell
7. Silikatanstrich
Vielleicht auch nicht jedermanns Fall, aber Dämmwerte optimal bis super, Blower-Door-Test mit Bravour, diffusionsoffner Wandaufbau ohne Plastiktüte, Preis: auch nicht teurer als ein neuer Massivbau mit ähnlichen Werten.
Fazit: noch mehr vergleichen, wenns ein Fertighaus wird. Oder einfach mal überlegen ob es auch von einem Architekten mit Holzrahmenbau-Erfahrung und brauchbaren Fachleuten im Hintergrund auf Sie zugeschnitten sein darf.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri





Hallo,
habe aufmerksam die Beiträge zu Ihrer Frage gelesen. Interessiere mich auch für ein Fachwerkhaus in Holzständerbauweise mit vergleichbaem Wandaufbau und bin so in dem Forum gelandet.
Haben Sie zu diesem Thema weitere nützliche Tipps bekommen. Bin für jede Anregung dankbar.
Wie haben Sie sich entschieden?
mfg
Sebastian Bros



Für Herrn Bros



Kurz und gut. Wir haben es so gemacht wie geplant. Die Infos, die ich erhalten habe, konnten Sie hier nachlesen. Wird schon gut gehen ;-). Haben jedenfalls sorgfältig gearbeitet. Sieht bis jetzt alles gut aus. Warten wir mal den Winter ab. Wünsche Ihnen für Ihr Projekt viel Erfolg.

Daniela