Fußbodenaufbau - noch einmal!? Ja!

12.12.2004



Liebe Gemeinde,

das Thema Fußbodenaufbau ohne Keller wurde zwar schon häufig diskutiert. Wenn man aber die Antworten im Forum zusammenträgt, geht man als Laie aus der Recherche verwirrter wieder raus als man reingegangen ist.

Im Grunde scheinen sich die Fraktion "diffusionsoffen" und die Fraktion "Beton/Estrich" gegenüberzustehen. Die größten "Vorwürfe" an die Fraktion B/F scheinen zu sein: "Ein Betonboden passt nicht in ein historisches Gemäuer!" und "Ein dichter Boderaufbau treibt das Wasser in die Wände!". - Klingt erstmal logisch, aber wie genau macht man denn nun einen diffisionsoffenen Aufbau? Ist Schaumglasschotter das "Allheilmittel"? Funktioniert ein diffusionsoffener Aufbau nur bei Dielung/Parkett, oder gibt es auch Varianten für gefließte Böden? Und: Warum sind, wie auch in meinem Haus, bei alten hinterlüfteten Dielenböden, bei denen die Lagerhölzer im Sand liegen, die Balkenköpfe dennoch verrottet?

Oder anders herum gefragt: kann man einen erdberührenden Bodenaufbau mit Beton und Dämmung so machen, dass kein Wasser irgendwohin drängt? Welcher Aufbau hat sich bewährt/nicht bewäht?

Ich freue mich auf eine spannende Debatte

Peter



Schwarz - weiss



Lieber Peter

Mal ganz auf die schnelle:
Ich bin der Ansicht, dass jeder Gedankenansatz hier seine Berechtigung hat. Es kommt nur auf die Art der Nutzung an.

1. Bei einem ungeheizten Keller der nur zur Lagerung relativ unempfindlicher Stoffe dient, halte ich den "diffusionsoffenen" Aufbau für richtig.

2. Bei einem beheizten bzw. bewohnten Keller liegt die Angelegenheit doch anders. Hier verstärken sich die Komplikationen in Form von Kondensfeuchten und auftsteigender Feuchte. Eine funktionierende Horizontal- und Vertikalsperre erscheint mir unerlässlich. Hierbei bietet sich als Schicht natürlich auch Beton an. (Es kommt darauf an was man daraus macht!)

Gruß


Lutz Parisek



wollen wir mal nicht hoffen, dass...



die Diskussion gleich wieder zu Ende ist, weil wirklich fast jedes Projekt eine im Detail wieder andere Lösung benötigt, andere Nutzungsmöglichkeiten bieten soll, mehr oder weniger anspruchsvolle Bauherrn hat, in unterschiedlichen Dimensionen die vorhandene Bausubstanz berücksichtigt werden muß, die denkmalpflegerischen Vorgaben eingehalten werden sollten, usw.
Wie lange haben den Deine Lagerhölzer im "Dreck" gelegen, 50, 100, 200 Jahre? Aus was waren sie: Harthölzer oder Nadelhölzer, mit oder ohne Splintholz eingebaut, durchfeuchtet oder nicht?
Im Grund genommen bietet so ein wunderbares Forum immer nur mit größten Einschränkungen und Verallgemeinerungen Lösungen an. Die Nonplusultra-Lösung findet sich sowieso nur selten, aber nur vor Ort kann eine annähernde Ideallösung ausgeheckt werden und das auch nur wenn alle mitspielen: Bauherr, Planer, Handwerker.
Mit Grüßen aus Leipzig
Martin Malangeri



Damit die Diskussion hier nicht



schon zu Ende ist:
Bei einem nicht unterkellerten Gebäude halte ich eine Betonsohle für eine gute Lösung (ich möchte aber betonen, dass ich mich nicht zur Betonfraktion zähle!!!). Das ganze auch noch mit einer bituminösen Abklebung. In den Wänden sollte allerdings eine horizontale Sperre vorhanden sein oder eingebaut werden.
Eine solche Konstruktion schützt nicht nur vor Feuchtigkeit sondern auch vor einer zu hohen Radonbelastung (kommt natürlich auch auf den Standort an).
So, nun mal weiter.



Zusammenhänge



Wie Kollege Heim gehöre ich nicht zur Betonfraktion und würde einen Aufbau mit einer Abdichtung (Horiz.-Vert. nicht unbedingt Bitumen)mit Kreuzlattung und Schüttung (Zellulose-Kork-Megaferm usw.) allem Anderen vorziehen - jedoch sollte ebenso der Wandaufbau (also am besten mit Kalkputz und Wand-oder Leistenheizung)einbezogen werden - da Wasser bekanntlich keine Grenzen kennt. Man sollte trotz Bauphysik/Statik usw. bedenken das nach heutigem technischem Stand viele Häuser garnicht existieren könnten !!!! Deshalb ist ein Gesamtkonzept auch für einen Fußboden als Detail in "kritischen" Umgebungsbedingungen wichtig.
z.B.: Räume die mit Umluftheizungen,Tapeten und Betondecken
einen Massivholzboden haben zeigen immer viel stärkere Fugenbildung wie z.B. mit Lehmwände und Lehmverputzte Decken mit Wandheizung - Da die Bauphysik mit den Baustoffen ausgelichen wurde und nicht mit Formeln und Technik !



Wohin will das Wasser?



Vielen Dank für die ersten Antworten. Die Verbindung von Betonboden und Horizontalsperren scheint mir evident - bestätigt das also das Vorurteil, daß ein solcher Aufbau "das Wasser in die Wände treibt" (in anderen Forumseinträgen hieß es immer, es bestehe die Gefahr, dass sich das Wasser an den Lagerhölzern sammle- wohin also will das Wasser wirklich)?
Bislang hatte ich nicht an den Einbau einer Horizonatsperre gedacht, der Mühe halber und auch, weil das Haus (150 Jahre alt)auf einem Feldsteinfundament ruht, das Fußbodenniveau innen 80-100 cm über dem Erdbodenniveau aussen liegt und feuchte Wände mir zumindest bislang nicht aufgefallen sind. --
Funktioniert ein Betonboden also auch ohne die Sperre? Wenn ja, welcher Schichtaufbau über dem Sand wird empfohlen? Wenn nein: Wie sieht er denn nun aus, der diffussionsoffene Aufbau, oder ist er doch nur ein Mythos?

@Martin Malangeri: Die alten Lagerhölzer sollten ihre 100 Jahre auf dem Buckel haben, schäze ich..

@Fred Heim: RADON?!

Gruß
Peter



Radon



ist nicht nur ein Thema unter Baubiologen sondern beschäftigt seid langem auch das Bundesamt für Strahlenschutz. Radon ist ein natürliches radioaktives Gas, das aus dem Erdboden austritt und sich im Gebäude anreichern kann. Nähere Informationen www.bfs.de.
Die Belastung ist örtlich stark unterschiedlich. Eine grobe Karte gibt es auf der o.g. Internetseite. Radon wird für einen bestimmten Prozentsatz von Lungenkrebserkrankungen in der Bundesrepublik verantwortlich gemacht.
Die wichtigsten Schutzmaßnahmen sind eine entsprechende Abdichtung zum Erdreich (Betonplatte) und konsequentes Lüften.