Aufbau von Fussböden, Schaumglas bei mäßiger Hochwassergefahr

09.02.2016 kunter



Hallo versiertes Forum, hallo Herr Böttcher!

Wir sind bei der Sanierung eines bereits recht stark baulich veränderten Bauernhauses (BJ 1797, OG Fachwerk, EG massiv). Die wichtigsten Bau-Maßnahmen sind: Dämmung obere Geschossdecke, Innendämmung OG + Wandheizung, Erneuerung Fenster und Türen, teilw. Neuaufbau Fussboden EG.

Wir brauchen Unterstützung bei der Umsetzung der Zielsetzungen für den neuen Fußbodenaufbau EG (Küche und Wohnbereich). Vor einem knappen Jahr war bereits alles klar geplant, doch während einer längeren Baupause ist diese Überzeugung durch Recherche v. a. hier im Forum
http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/balken-daemmung-100381.html
glücklicherweise abhanden gekommen. Nachdem ich nun schon wirklich lange die Klärung vor mir her schiebe, muss nun eine Lösung herbei.

Zur Sache:
Ziele:
-Durch Änderung der Fenstergestaltung und wg. des Komforts soll die vorhandene Radiator-Heizung durch Fußbodenheizung ersetzt werden, Wandheizung kommt hier mangels Wandfläche nicht in Frage. Deshalb soll der Fußboden grundlegend neu aufgebaut werden, da die vorhandene Dämmung für FB-Heizung nicht ausreichend erscheint.
-Der Aufbau sollte ein potentiell drohendes (kurzfristiges!) Hochwasser (in den letzten 40 Jahre dank Rückhaltebecken nicht aufgetreten, zukünftig leider wieder wahrscheinlicher) möglichst ohne bleibende Schäden sowie ohne technische Trocknung überstehen.

Ansätze:
-Durch unseren Lehmbauer und unabhängig davon einen weiteren Berater sind wir auf Schaumglasschotter als wasserunempfindlichen Dämmstoff gebracht worden. Die vielen positiven Eigenschaften des Baustoffes haben mich begeistert.
Der Plan war denn folgender, denkbar einfacher, Aufbau: Erdplenum, Geovlies, 24 bis 32cm Schaumglasschotter, Geovlies, Heizestrich, Fliesen.

-Das Problem des Aufschwimmens ist mir erst danach bewusst geworden. Ein Vorschlag zur Lösung hier aus dem Forum ist die Ballastierung des Schotters mittels Betonplatte. Die Frage nach der Ausführung ist nicht geklärt. Weiterhin passt diese Idee schlecht zur geplanten FB-Heizung, die generell ungünstige Reaktionszeit würde noch verschlechtert. Ein Ansatz hierbei ist der Einsatz von Lithothermplatten, wobei diese für einen zugelassenen Aufbau mit einer Holzweichfaserunterlage eingebaut werden müssten, was auch nicht zielführend bei Überstauung wäre. Lösungsansatz: Verlegung von Lithotherm im Dickbett.

So ist der aktuelle Sachstand.
Ich freue mich auf kontroverse Vorschläge, bisher ist der Boden noch unberührt, weshalb im Prinzip alle Varianten möglich sind.

Grüße aus dem Vorharz, Mathias



Fußbodenaufbau



- gewachsener Boden
- als Sauberkeitsschicht/Auftriebssicherung 10 cm Beton,
- min. 100, besser 200 mm Foamglasblöcke als Dämmung, in Heißbitumen eingeschwommen,
- ca. 40 mm Gußasphalt- Heizestrich.





Danke für die schnellen Antworten.

Herr Böttcher, diesen Vorschlag habe ich erwartet. Können Sie mir eine grobe Richtung von Kosten je m² für diesen Aufbau nennen?
Zudem hätte ich dazu noch ein paar Fragen, zumal ich den Schaumglasschotter aus Kostengründen und den besseren Möglichkeiten beim Selbstbau schon gern verwenden würde.
Warum ist der von Ihnen genannte Aufbau denn so sehr im Vorteil bzw. warum sollte mein Aufbau nicht umgesetzt werden?

Weiterhin einige technische Frage zu Ihrem Vorschlag:
-Darf der Beton normaler B25 (C25) sein oder muss er bestimmte Anforderungen erfüllen?
-Bei 200mm foamglas würde sich ein U-Wert von 0,197 ergeben. Bei 100mm 0,37, was ich als ausreichend empfinde. Warum würden Sie so viel empfehlen?
-Bei Gussasphalt kommt ja fast nur Kupferrohr in Frage. Wäre nicht auch Zementestrich sinnvoll? Oder eben Lithotherm-Platten?

Grüße, Mathias



Fußbodenaufbau



Beton:
Der Beton muß nur schwer sein, mehr nicht. Es reicht Regelbeton C 20/25. Wichtig ist das die Oberfläche eben und waagerecht ist und eine ausreichende Abreißfestigkeit besitzt. Also kein B Kiesgrube.
Dämmung:
Schaumglasblöcke kosten etwa zwischen 50,- und 80,- € der m², inklusive Einbau. Das ist nicht billig. Aber ein Hochwasserschaden wiegt diese Mehrkosten locker wieder auf.
Vorteil gegenüber Schotter:
Durch das Einschwimmen in Heißbitumen kann er nicht aufschwimmen, er klebt am Beton fest. Ich brauche keine Auflast als Auftriebssicherung. Die muß bei Schaumglasschotter (SGS) oberhalb verbaut werden- Nachteile beim Betreiben der Fuboheizung.
Der wichtigste Vorteil ist das kein Wasser in oder unter die Konstruktion gelagen kann da keine Hohlräume existieren.
Was passiert bei Hochwasser:
Es gibt zwei grundsätzliche Arten wie Hochwasser wirkt, einmal schnell und einmal über einen längeren Zeitraum. Schnell,
das bedeutet das die naheliegende Vorflut durch Schneeschmelze, Starkregenereignisse usw. Innerhalb von Stunden anschwillt und über die Ufer tritt, es entstehen regelrechte Flutwellen die in die Häuser fluten. Das Wasser kommt dann von oben und läuft über die Randfugen in den Fußbodenaufbau. SGS hat viele große Hohlräume und läuft mit Wasser voll. Ist der Boden gut durchlässig läuft das Wasser weiter nach unten und versickert mehr oder weniger schnell im Untergrund.Bei bindigem Untergrund steht das Wasser länger, wie in einer Badewanne. Es genügt wenn sich nur für ein paar Minuten genügend Auftrieb einstellt, wenn die Auftriebssicherung zu leicht ist schwimmt der Fußboden auf.Er beginnt sich zuerst in der Mitte aufzuwölben.
Langsam,
das bedeutet langanhaltende Hochwasserstände die sich über Tage aufbauen und Tage bleiben. Dabei braucht noch nicht einmal das Wasser sichtbar sein oder über dem Niveau des Fußbodens steigen, zuerst dringt das Hochwasser in leitende Schichten- der Grundwasserhorizont steigt. Das Wasser unterströmt Streifenfundamente, füllt mit Kies verbaute Leitungsgräben von Hausanschlüssen die wie Wasserleitungen funktionieren und dringt unter das Haus. Die Baugrube in der SGS liegt läuft mit Wasser voll ohne das man viel vom Wasser sieht. Dann entsteht Auftrieb. Der Fußboden kann ohne Sicherung aufschwimmen selbst wenn noch kein Wasser von oben hineingelaufen ist. Bis das eingelaufene Wasser versickert hängt wie gesagt vom Baugrund ab; wie lange der hohe Grund- bzw. Schichtenwasserstand anhält hängt vom Wetter ab.
Das Heizregister im Gußasphalt ist aus Kupfer.
Zementestrich geht nur bedingt, er hat zwei Nachteile:
1. Er kann nicht mit der Dämmung verklebt werden. Die Arbeits- bzw. Bewegungsfuge kann mit Wasser unterlaufen werden.
2. Zementestrich saugt sich, je nach Dauer des Hochwassers,mit Wasser voll und braucht Wochen zum Trocknen. Gußasphalt hat keine Poren.
Welche Dämmstärke Sie einsetzen wollen bleibt Ihnen überlassen.

Noch ein Tipp zum Schluß:
Vergessen Sie die aufgehenden Wände nicht gegen eindringendes Wasser zu schützen. Dafür genügen bereits dichte Anstriche oder Tapeten, auch ein Sanierputz reicht schon aus.
Das trifft ebenso für Innendämmungen und WDVS zu.Die müssen im gefährdeten Bereich entsprechend modifiziert werden.



Und nochmal...



...Danke wiederum.

Armierung im Beton wäre aber sicher nicht nachteilig oder selbstverständlich erforderlich?

Bzgl. Dämmstärke würde ich nicht viel mehr als 100mm verwenden (U-wert 0,37 ist nahezu ENEV). Ehrlich gesagt bin ich auch verwundert, dass Sie eine doppelt so starke Dämmung erwägen würden, nach den Aussagen in Ihren Abhandlungen: „Decken und Fussböden Teil 1“ sowie „Wärmedämmung Ja oder Nein?“ Denn der um 10cm tiefere Aushub bringt doch deutlichen Mehraufwand sowie statische Gefahren im Vergleich zu geringer zusätzlicher Energieeinsparung?

Bzgl. Belag: Asphalt ist ein super Fussboden, deutliche Mehrkosten auch durch Kupferrohre schlagen leider Löcher ins Baukonto. Der Aufbau auf verklebten Foamglas wäre natürlich „aus einem Guss“, das hat schon Klasse. Die Trocknung des Zementestrichs wäre ja mit der Heizung möglich (?), Häufigkeit des Hochwassers ist gering, insofern als Kompromiss denkbar. Würde ich vom Kostenvergleich abhängig machen. Könnten Sie noch ein Kommentar bzgl. der Lithotherm-Variante abgeben?

Unser Hochwasser wäre auf jeden Fall die schnelle Variante (Einzugsgebiet Gewässer ca. 70 bis 120km²). Trotzdem würde das Grundwasser wegen der Nähe zum Wasserlauf mit ansteigen, die Fundamente sind vermutlich eher durchlässig. Der anstehende Boden ist bindig.

Bzgl. der aufgehenden (?) Wände meinen Sie quasi die Erweiterung der Horizontalsperre?

Grüße, Mathias



Fußbodenaufbau



Eine Bewehrung der Betonplatte ist nicht erforderlich. Wozu dann welche einbauen?
Ich habe mich auf Dämmstoffe wie Schaumpolystyrol bezogen. Schaumglas hat ein schlechteres Dämmvermögen. Bei Fußbodenheizungen sollte man versuchen nicht ans untere Limit zu gehen, die Energieverluste steigen dann und damit der Wirkungsgrad.
Stimmt es sind 10 cm Höhenunterschied. Rechnen Sie mal Ihre Variante mit SGS dagegen.
Ich habe ausdrücklich diese Dicke nicht gefordert sondern Ihnen die Wahl gelassen. Es ist wie gesagt Ihre Entscheidung. Ich würde auch eher zum unteren Bereich gehen.
Zementestrich bindet nicht durch Trocknung ab sondern durch Hydration. Wenn Sie ihm das dafür notwendige Wasser entziehen bindet er nicht richtig ab. Wärme beschleunigt die Abbindung, kann aber dabei den Beton schädigen wenn man nicht weiß wie. Der Estrichbauer oder der Fußbodenleger legen fest wann die Belegreife erreicht ist.
An den Wänden meine ich keine Horizontal- sondern eine Vertikalsperre. Eine Plastetapete ist keine Horizontalsperre, auch kein Sanierputz. Es geht um das Wasser das unter Druck über die senkrechten Flächen in die Wand strömt. Das kann für Lehmwände zu Problem werden, auch für Fachwerk.



Klärung



Ich denke die Dicke des Foamglas ist mit 10cm bzw. der U-Wert mit 0,37 gut bemessen, vielleicht kommen auch 12 bis 14cm in Frage. Rest macht dann die Scheitholzheizung ;-)
Und ja, die Schaumglasschotter-Variante wäre im Bezug auf die Aushubtiefe deutlich im Nachteil, das ist unstrittig. Ich denke wir sind uns einig.

Die Trocknung des Zementestrichs war für den seltenen Fall der Durchfeuchtung durch Hochwasser gemeint, nicht nach dem Einbau.

Wäre Lithotherm denn etwas?

Auch die Sperre an den Wänden ist klar. Hier haben wir allerdings eine reine Steinwand, das Fachwerk wurde vor ca. 50 Jahren bereits ersetzt, nachdem es durch damals regelmäßiges Hochwasser stark geschädigt worden war.



Foamglas Preis



Hab grad ein Angebot für Schaumglasplatten von Glapor erhalten:
420€/m³ zzgl. Fracht und MwSt
Das bedeutet im Vergleich zu Styrodur ein Mehrpreis von 200%



Fußbodenaufbau



Das wären als ca.30,- € Mehrpreis pro m². Nicht viel für Hochwassersicherheit.