Dielenboden im Dachgeschoss direkt auf Lehmboden ?

06.02.2007



Nun hab ich drei Stunden lang das Forum zum Thema Fußbodenaufbau durchgesehen und mit wachsendem Interesse die Beiträge gelesen – wirklich Klasse!!!
Nur leider konnte ich keine passende Antwort auf meine Frage / mein Problem finden. Aber vielleicht hab ich auch einfach nur etwas übersehen. Also ich trau mich dann mal:

In meinem Fachwerkhaus Bj. 1780 möchte/muss ich den Dachboden ausbauen (Hannes und Greta sind angekommen).

Istzustand:
Die Balken liegen im Mittel 100 cm auseinander. Zwischen den Balken sind „Staken“ bzw. Latten eingefügt und diese bündig zu Balkenoberkante mit Lehm-Strohgemisch zugestrichen. Anschließend wurden auf die Balken wieder lose Staken gelegt und abschließend der ganze Boden flächig mit einem Stroh-Lehmgemisch glatt zugestrichen (Höhe über der Balkenoberkante ca 4 – 8cm). Insgesamt eine gute Dämmung und auch Schallisolierung nach unten allerdings mit einigen Höhen und Tiefen (+/- 3cm).
Eigentlich möchte ich diesen Lehmverstrich nur ungerne herausreißen um einen, wie im Forum beschriebenen Dielenbodenaufbau vorzunehmen (z.B. Zwischenboden, Schüttung, Lagerhölzer schwimmend, Dämmstreifen, Dielen).

Meine Vorstellung zum Aufbau ist folgende:
1. Direkt auf den Lehmboden längs zu den Balken (also quer zu den aufgelegten Staken) Dachlatten (3 mal 4 cm) als Lagerhölzer hochkant aufgelegt im Abstand von 50cm und mit Querhölzern untereinander verbunden.
2. Zum Höhenausgleich Streifen aus Holzweichfaserplatten zwischen Lehmboden und Lagerhölzer.
3. Auf die Lagerhölzer abschließend 28er Kieferdielen genagelt (durch untere Nute?).

Nach meinem Verständnis wäre der Dielenboden dann ja schwimmend verlegt und es dürfte keine Probleme mit Trittschall etc. geben.
Aber wie sieht es mit der seitlichen Stabilität aus? Kann sich der gesamte Boden verschieben? Die Lagerhölzer liegen ja nur lose auf dem Lehmboden auf? Kann so etwas überhaupt halten?

Für ein paar hilfreiche Kommentare oder andere Ideen die meinen Lehmboden erhalten wäre ich wirklich sehr dankbar!!!

PS. Nach oben habe ich nicht mehr viel Platz (z. Zt. ca. 10cm – sonst Kopf an Mittelpfette).

Grüße an alle Bodenaufbauer
Ralph



Nach Ihrer Beschreibung...



...würde ich den alten Aufbau erhalten wollten, das Bastelwerk mit den hochstehende Lättchen allerdings vergessen. An eine solche Konstruktion kann man vielleicht Paneele hängen, den Belastungen eines Fußbodens hält es nicht stand.

Die Unebenheiten können Sie mit einer dünnen Mehabitschüttung ausgleichen.Sollte unter der Schüttung ein Rieselschutz erforderlich sein, nur diffusionsoffene Materialien wählen (Pappe, Vlies). Auf die Schüttung legen Sie die Gutex-Thermosafe Platten (www.gutex.de) mit zwischengenuteten Lagerhölzern. Dieser Aufbau hat folgende Vorteile:
- vollflächige Belastung des Untergrundes, Vermeidung von Punktlasten
- diffusionsoffen
- entkoppelter Aufbau
- wärmedämmend (für Sie wohl nicht so wichtig)
- die Dielen werden auf Lagerhölzern befestigt, liegen aber vollflächig auf den Holzweichfaserplatten = geringere Dielenstärke erforderlich (ab 20mm)

Schrauben (verdeckt schräg in die Feder, SPAX Dielungsschraube) ist besser als Nageln.

Und auf's Holz nur Öl, kein Lack.

Grüße

Thomas W. Böhme



ich befürchte, daß bei einem Deckenbalkenabstand von 1m



zuviel Lasten auf die Lehmstakdecke wirken. Meist sind die beschriebenen Strohlehmgemische über den Balken nicht sehr homogen, also nicht sehr tragfähig. Ich würde die obere Lehmschicht bis Balkenoberkante entfernen,darauf einen Hanffilzstreifen 10mm unter Lagerbrett H=ca 40mm auflegen (Trittschallschutz entkoppelt) und in die Lagerbretter den Dielenboden fixieren. Als Zwischenfüllung könnte der alte Lehm wiederverwendet werden.



GUTEX Aufbau ergänzen



Ich würde ebenfalls den GUTEX Thermosafe-nf Aufbau wählen und zwischen der Schüttung und der Thermosafe-nf (40mm) noch eine Trennschicht aus 6-10mm Holzweichfaserplatten legen damit man besser arbeiten kann (zum laufen und wegen der Körnung der Schüttung).

Die Tragfähigkeit der alten Zwischenfüllung sollte man wirklich begutachtenlassen. Ein Zimmermann kann hier vielleicht unterstützen, wenn er solche Altbausituationen kenn.



In Bezug auf die Festigkeit...



...des Lehmbodens hätte ich weniger Bedenken, wenn er bislang keine Neigung zum Nachgeben zeigt. Die Punktlasten, wenn jetzt jemand "darüberhuscht", sind wesentlich höher, als nach einem Gutex-Aufbau mit Dielung.

Die zusätzliche HW-Platte hätte ich bei einer körnigen Schüttung auch empfohlen. Bei Mehabit, das sich verdichten lässt und miteinander verzahnt, sollte es ohne gehn, auch, weil ja vermutlich nur einige Stellen ausgeglichen werden müssen.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



Dank für die guten Hinweise!



Besten Dank vor allem auch an Thomas Böhme für die Aufbau Empfehlung mit Thermosafe-nf! Klingt alles sehr plausibel.

Was die Tragfähigkeit des Bodens angeht bin ich eher optimistisch. Bin erst heute Mittag mit meinen 100kg sehr punktuelle darüber "gehuscht" - hält gut! Die Staken liegen relativ dicht und haben so 3-5cm Durchmesser. Morgen mache ich mal ein paar Sprungversuche. Aber noch was anderes:
Empfiehlt es sich, für die Dielenverschraubung vorzubohren?
Und wo finde ich eine Übersicht über die unterschiedlichen Holzeigenschaften (Innenausbau). Ich schwanke noch zwischen Kiefer und Lärche als Dielenmaterial.



Machen Sie es sich einfach...



geben Sie ein paar Euro mehr aus und nehmen Sie sich die 45mm lange SPAX-Dielungsschraube mit TORX-Antrieb für die verdeckte Verlegung. Kein Vorbohren, der sehr kleine Kopf fräst sich in die Feder, fertig.

Lärche (wenn Sie nicht die gute Hochgebirgslärche verwenden) neigt etwas mehr zum Arbeiten und Verwerfen. Dafür ist Lärche härter als heimische Kiefer. Eine Fläche aus Kiefer ist lebhafter, weil der breitere Splint dominanter wirkt. Bei Lärche können Partien mit schwarz umrandeten Ästen aus nicht geasteten Beständen vorkommen. Als dritter Weg böte sich Douglasie an. Etwas röter als Lärche, gleich hart, weniger arbeitend, sehr edel, nicht wesentlich teurer.

Fotos finden Sie unter meinen Bildern hier im Forum. Hier eine Martinsdouglasie (Martin auf Douglasie).

Grüße

Thomas



Ich wäre ohne



dass ein Fachmann sich das vor Ort mal anschaut nicht so sicher mit der Tragfähigkeit des Lehmgemisches. Es handelt sich wohl um einen eher wenig benutzten Dachboden. Und nur einmal mit 100 kg Punktlast drüber oder mal hüpfen ist für eine dauerhafte Haltbarkeit ein Hinweis aber kein sehr sicherer. Und wenn dann Hannes und Greta da regelmäßig drüber hüpfen könnte sich da doch noch einiges setzen. Aber wenn es nur z.B. euer Schlafzimmer werden soll würde mir ein Hüpftest mit deinen 100kg reichen.

Gruß Marko