Bodenaufbau über Gewölbe ohne Holz

04.12.2005



Hallo,

ich wende mich gerne wieder an Sie.
Über meinen unisolierten Keller hatten wir schon einmal gesprochen (er bleibt jetzt so, wie er ist.)

Zur Erinnerung: Ziegelhaus Bj. 1892, unterkellert ("Gewölbedecke": Stahlträger, dazwischen flache gemauerte Ziegelkappen).
Nun folgendes neues Problem: Mein verbleibender Mieter ist nach jahrelangem Hin und Her endlich ausgezogen (EG links).
Für sein ehemaliges Bad hatte man einen grossen Raum mit Stuckdecke und Dielenböden unsachgemäß und scheusslich unterteilt, um ein Bad abzuteilen.
All diese Verschandelungen wurden nun ausgebaut.
Im Bereich des Ex-Bades (Schlauch von ca. 1,2 x 4m)ist der Fussbodenaufbau hinüber.

Der betroffene Raum insgesamt ist ca. 25 qm gross.

Ich habe (mit Guachter und mikrobiologischen Untersuchungen) als Leser dieses Forums einen Hausschwammbefall vorsichtshalber ausschliessen lassen.

Da wir jetzt den Erdgeschossboden (in diesem Raum und im hintersten Anbauraum(ca. 15 qm), der das neue Bad wird),
neu aufbauen müssen, stellt sich folgende Frage:

Mein Gutachter schlägt vor, eine holzfreien Aufbau zu wählen, um für alle Zukunft Ruhe zu haben (Dem stimme ich nach der ganzen Aufregung zu.)
Der Bodenbereich ist jetzt trocken, trotzdem haben wird 3 Aussenwände und den nicht beheizten und nicht isolierten Keller zu bedenken.

Diverse Aufbauten mit Schüttungen, Estrichen, Beton, Folien (ja oder nein ?) wurden diskutiert.

Ähnlich wie (manchmal) hier im Forum kamen - übertrieben geschildert - von den beteiligten Firmen hierzu 10 verschiedene Vorschläge bei 10 Anfragen oder Rückfragen.
Ich habe allerdings keine Lust, nach ein paar Monaten in neue Probleme wegen Kondensfeuchte etc. zu geraten.
(Die hinteren Fenster müssen leider auch noch erneuert werden.)

Auch die Statik spielt eine Rolle. Der bisherige Aufbau ist sehr leicht gewesen (Balkenauflagerungen (z. T. tragend verankert) und Richthölzer quer zu den Stahlträgern, dazwischen eine Schüttung wie trockenes Lehmpulver, allerdings nur etwa 3-4 cm hoch, auf den Balken liegen Dielen.)
Der Aufbau samt Dielen ist ca 15-20 cm hoch (im Bereich der Stahlträger), nicht wirklich in der Waage und sollte samt späterem Bodenbelag auch nicht höher werden: Der angrenzende Raum im Anbau ist von alters her gefliest und wird auch so erhalten, der über eine Flügeltür angrenzende zweite grosse Raum bleibt, wie er ist. Die neue Heizung ist auch bereits eingebaut, da das vom Mieter zuvor genutzte Konstrukt abenteuerlich war.

Ob die Decke eine 15cm Betonschicht o.ä. (wie von einer der mit dem Angebot beauftragten Firmen) aushält, wage ich zu bezweifeln.

Geplanter oberer Bodenbelag: Eichen-Fischgratparkett (2,1 cm massiv) oder Marmor (antikes Muster).

Mein Gutachter schlug Folie, Schüttung (Vulkankieselbasis), Estrich vor (ich hoffe, ich gebe das richtig wider).
Wie gesagt, die erste Firma wollte dies aus Statikgründen nicht machen (schien aber auch nicht sehr interessiert.)

Ein Nachbar hat folgendes machen lassen: Holz raus, gemauerte flache Querstreben/Sockel (statt der Holzbalken) mit Ytong, darauf Trockenestrichplatten verschraubt, dazwischen Schüttung und Dämmmatten, wie im Dach). Funktioniert wohl seit 5 Jahren und ist sehr leicht.

Ich habe inzwischen schon relativ viel Zeit verloren und wollte gerne doch noch Ihre Meinung hören.

Mit besten Grüßen


Ilona



Bodenaufbau



Guten Abend,

die Konstruktion des Gutachters ist doch in Ordnung und hat kurze Austrocknungszeiten. Wieso hören Sie sich das Gequassel irgendwelcher Laien überhaupt noch an ?
In die Hände gespuckt !



Wenn es so einfach wäre



Schon, allerdings habe ich seit Beginn der Sanierung in den verschiedenen Stockwerken schon so einiges widersprüchliches an Fachwissen gehört und auch genug mitgemacht, wenn sich das vermeintliche Fachwissen als (für Altbauverhältnisse) falsch herausgstellt hat.

Bislang war fast alles, was vor über 100 Jahren eingebaut worden war, ziemlich gut durchdacht und hat entsprechend gehalten, was ich von einigen der modernen Ansätze nicht sagen kann.

Ich glaube aber meinem Gutachter durchaus und möchte hier nicht missverstanden werden.

In diesem Fall gibt es allerdings, wie ich beschrieben habe, z.T. unterschiedliche Meinungen bei Gutachter und den mit einem Angebot betrauten Fachfirmen (keine Laien):

- Folie ja/nein ?
- Statikprobleme (eine Firma weigerte sich, ohne Statiker, das Gewölbe so stark zu belasten)
- welcher Aufbau, welche Schüttung ist die Beste ?

Auch in den Beiträgen dieses Frums divergieren die Lösungsansätze.

Weiter bin ich für kreative Ansätze, die die ursprüngliche Technik nachahmen(gemauerter Porenbetonsockel oder Holzersatzstoffe statt Holzbalken als Auflage für Trockenestrich) durchaus offen.

Gibt es detailliertere Meinungen ?

Beste Grüße


Ilona



Reparieren



Guten Tag,
ohne alle Details genau verstanden zu haben, schlage ich vor, den historischen Konstruktionszusammenhang nach Befund wieder zu reparieren. Dies erhält am besten den Charakter eines alten Hauses.
Vorrausgesetzt, es sind damals keine Fehler gemacht worden und das nachträglich eingebaute Bad fliegt wieder raus.
Ich würde auch keine Folien und all den so oft bauschädlichen Dichtungs- Sondermüll einbauen (mit nachteiliger Veränderung der raumklmatischen und physikalischen Verhältnisse), sondern die Materialien, die vorhanden sind: Ein Dielenboden auf Unterkonstr. nach Befund. Ist meiner Meinung nach am schönsten, angemessen und dauerhaft gesund.
"Für alle Zukunft Ruhe" haben Sie, wenn Sie das Haus nicht mehr brauchen.

mit besten Grüssen,



einen Fehler bitte nicht machen:



ein Gewölbe nimmt Schaden, wenn es punktförmig oder Streifenförmig belastet wird!!
Diese Ytongsockel o.ä. sind also grundfalsch.
Die Balken lagen sicher früher quer zu den Stahlträgern und waren im Bereich dieser aufgelagert: Für eine Spezialkonstruktion sollte ein Fachmann diese Zusammenhänge aufdröseln.
Weiter kann Trockenestrich nicht freitragend verwendet werden, stets flächig auflegen.
Also eher klassisch ausführen oder wie von Fachleuten empfohlen.



Aufbau



Guten Tag,

all diese Probleme haben Sie nicht, wenn Sie auf Ihren Gutachter hören.
Schüttung: Blähton oder Blähschiefer.
Auch möglich ist eine gebundene Ausgleichsschüttung, z.B. Thermozell, das es als Sackware (für Bastler) und für die Estrichmaschine gibt. Es wiegt 25 kg pro 10 cm Schichtstärke. Was soll also der Schrei nach dem Statiker ?
Gewölbe sind in der Regel für 500 kg/m² oder gar 1.000 kg/m²
Nutzlast ausgelegt, das reicht für jede gewerbliche Nutzung, oder wollen Sie mit Gabelstaplern drüber fahren ?

Die flächige Lasteinteilung ist dabei jederzeit gewährleistet. Sollte irgendein Verdacht auf Statikprobleme bleiben, würde ich die gebundene der losen Schüttung vorziehen.

Gutes Gelingen !



Erneuerungen von aufbauBoden im Haus von 1892 oä.



Liebe Leute, ich habe seit 26 Jahren ein Gründerzeithaus (Bj. 1902) und kann nur abraten von der angeratenen Modernisierung und von der Wasserwaage.
Gründerzeithäuser haben ein gelegtes Bruchsteinfundament, das
a) über die Kellerwände abatmen muß
b) Wasserwaagen-statik überhaupt nicht verträgt

Wenn Sie Ihr haus runieren wollen, dann bringen Sie nur recht viel Estrich, Gasbeton und ähnliche Materialien hinein. Dann haben Sie bald Feuchtigkeit, Längsrisse an der Hauswand und Hohlkreuz vom gehen auf ebenem Grund.
Nur atmungsaktive Materialien verträgt ein solches Haus, als eiserne Faustregel.
Die alte Konstruktion reparieren, auch, wenn das handwerk da nicht so viel verdient dran!
Die ursprüngliche Kohleschüttung, wenn da war, ist die beste, denn nur sie hält luftig und trocken, wie es die alte Holzkonstruktion erfordert.
Und die Wasserwaage lassen Sie bloß weg, sonst reißt Ihnen das Haus an allen Ecken. Ein Betonsturz oder Pfeiler reicht da schon.
Handwerker und Gutachter verstehen oft alles, nur nicht den Altbau. Und wollen ihn auch gar nicht verstehen, weil er so leicht und billig instand zu halten ist, wenn man ihn nicht ummodelt und verdirbt dadurch.
Viel Glück!
Sibylle