Fußbodenaufbau bei Feuchtigkeit ohne Estrich oder Sperren

19.10.2006



Hallo,

habe gestern nacht in diesem tollen Forum alles gelesen, was ich über Fußbodenaufbau finden konnte. Folgende Situation: habe ein 1905 gebautes Ladenlokal gekauft, und beim renovieren festgestellt, daß unter dem krummen und kaputten Estrich im größten Zimmer nur etwas Schutt und dann Erdreich ist. Wollte eine Wassersperre mit einer Folie errichten, darauf Holzbalkenkonstruktion, OSB Platten, und darauf Eichenparkett. Als ich nach zwei tagen die 0,2mm Folie wieder aufnahm, um es darunter besser zu begradigen, war die völlig nass, wie mit dem Gartenschlauch bespritzt.
Panik.
Folgenden Aufbau habe ich angedacht und möchte gern wissen, ob das Sinn macht und funktionieren könnte:
Ausschachten, 20cm hoch Kies erst 16-32mm, dann 8-16mm, darauf direkt 12cmx6cm Balken, in die Hohlräume Perlite (die weiße version zum dämmen) halbhoch schütten, und einen 6cm Luftspalt lassen, darauf 25mm OSB Nr.4, und darauf das Eichenparkett im Fischgrätverband.
Kann diese Herangehensweise funktionieren, oder mache ich was falsch?
Gestern las ich immer wieder von Unterlüftung. was bedeutet das? Soll man dafür Löcher in die Hauswand bohren, um einen Luftaustausch mit der Außenluft zu ermöglichen? Oder am Rand bei der Fußbodenleiste offen lassen?
Wäre es sinnvoll, einen Ventilator einzubauen, der die Luft zwischen den Balken ab und zu rauspustet?

vielen Dank für jeden Kommentar,
frohes Bauen,
Felix Krafft



Hallo Felix



auch wenn Ihr Name "der Glückliche" bedeutet, halte ich als Laie die geplante Maßnahme für unglücklich, wenn man die Situation in Berlin nicht vorher in Betracht zieht.
Mal abgesehen davon, dass die Folienart nicht näher bezeichnet wurde, fehlt auch noch die Angabe "wo in Berlin".
Ich bin selbst im damals so genannten "nassen Dreieck" gross geworden und mir ist daher bekannt, dass es viele Bezirke und Unterbezirke in Berlin gibt, die unter "drückendem" Grundwasser leiden. Woraus bestand denn der kaputte Estrich?

Liebe Grüße von einer'"Auswanderin"
Heide



Estrich war wohl hauptsächlich Ausgleichsmasse



hallo Heide,
der laden ist in Zehlendorf. der Untergrund ist Sand, der sich eigentlich recht trocken anfühlt. die Folie ist eine 0,2mm starke Feuchtigkeitssperre, wahrscheinliche für das Dach gedacht. ich denke, daß an dieser folie die Feuchtigkeit kondensierte, temperaturdifferenz luft-boden und undurchlässigkeit der folie. deshalb dachte ich an einen durchlässigen, nicht gesperrten aufbau. aber ist der so richtig geplant?
danke für weitere hinweise,
felix



Bodenaufbau EG



Guten Morgen Herr Kraft,

ein Bodenaufbau mit Parkett ohne Absperrungen geht gar nicht.
Das vorweg.
Sie kommen um einen soliden Betonboden nicht drumherum. Der Versuch mit der Folie hat es Ihnen drastich vor Augen geführt: Der Diffusionsstrom ist vom Erdreich ins Gebäudeinnere gerichtet, auf der kalten Folie gibt es Kondensat.
Dämmen müssen Sie das Ganze auch noch.
Das macht zusammen:
15 cm kapillarbrechende Schicht
5 cm Planum
Noppenbahn
8 cm Schaumglas oder Styrodur C
min.18 cm Betonbodenplatte
Schweißbahn mit Alu-Einlage 0,1
5 cm Zementestrich.
Das sind 52 cm mit allen Bahnen.
Müssen Sie jetzt schon abschnittsweise die Mauern unterfangen ?
Der Estrich muß bei der Verlegereife weniger als 1,8 % Restfeuchtigkeit haben.

Grüße



mit diesem Aufbau lieber Dielen statt Parkett



Hallo Herr Beckmann,

danke für die Anregungen, habe leider nicht das Geld für diese Version.

wir haben bis jetzt 35cm ausgeschachtet und die Mauern sind noch da, muß nix unterfangen werden. insgesamt wirkt dieser ganze untergrund nicht sehr feucht, ich denke es war wirklich die kondensationsfeuchte, die unter der plane erschien. nun sind diese osb platten unter dem geplanten parkett natürlich recht dicht und da könnte es auch Kondenswasser geben, was probleme verursacht. drum die frage, ob so ein aufbau vielleicht mit geölten Dielen direkt auf den lagerhölzern funktionieren würde?

auch sonst bin ich dankbar für jeden hinweis, wie das gelingen könnte.
viele Grüße,

Felix Krafft



So geht´s auch.....



Hallo Herr Krafft,

Ich habe in meiner Baupraxis als Denkmalpfleger und Althausbesitzer mit dem folgenden Aufbau gute Erfahrungen gemacht:

- Trennvlies auf das Erdreich verlegt ( nach Auskoffern des Bodens )
- Packschicht aus Schotter 7 / 11 mm, Dicke mind. 15cm als kapillarbrechende Schicht
- Darauf Betongehwegplatten, 5cm dick
- Lagerhölzer, mit untergeschraubten Kunststoffklötzen als Abstandhalter ( 10 mm ) auf die Gehwegplatten geschraubt.
- Zwischen die Lagerhölzer Füllung aus Liapor-Kugeln, Füllhöhe mind. 30mm unter OK Lagerhölzer
- Als Rohfußboden OSB-Platte, mit einem Abstand von 10 - 15 mm zu den umliegenden aufgehenden Wänden. Dieser Spalt dient der Unterlüftung der Fußbodenkonstruktion.
- Darauf Dielen schwimmend verlegt.

Diesen Fußbodenaufbau habe ich seit 12 Jahren ca. 20x mal ausführen lassen, bislang gibt es keine Schäden, im Gegenteil: als wir einen vor 9 Jahren auf diese Weise verlegten Fußboden im Frühjahr 2006 aufgrund einer Nutzungsänderung des Raumes wieder haben herausreißen lassen, zeigte sich, daß bis auf die unteren 2 - 4 cm der Schotter-Packschicht der AUfbau knochentrocken war.

Also: Uneingeschränkte Empfehlung !!

MfG
T. Saueressig



liapor und Trennflie



Sehr geehrter Herr Saueressig,

vielen Dank für Ihre mail, welche Erleichterung daß dies funktionieren kann. ist liapor mit perlite vergleichbar, oder gibt es da große unterschiede? habe an Nutzung von Isoself gedacht, ist leicht und recht günstig. auf der website von knauf steht aber nix über feuchtigkeitsverhalten drin, liapor ist dagegen als feuchteunempfindlich beworben. was bewirkt ein Trennfließ?

viele Grüße und ein schönes Wochenende,

Felix Krafft



Kork-Kalkestrich mit Korkgranulat-Dämmung



Hier ein bewährter Fußbodenaufbau wie folgt:
-ca 8cm kapillarbrechende Schotter/Kiesschicht,verdichten.
-Darauf Kork-Kalkestrich ,mittlere Höhe d=10 cm
-Darauf OSB-Platte mit Parkett auf Lagerholz mit ca 8cm Kork-Zwischenschüttung
K-Wert = 0,37 w/qm x K (Korkestrich 10cm + 8 cm Korkschüttung + OSB-Platte + Parkett)

Rezeptur für Kork-Kalkestrich:
1,5 Eimer Tubag-Traßkalk
4,0 Eimer Korkgranulat
1,5 Eimer gewaschener Sand (Körnung ca 1-5mm)
Die Mischung wird vor Ort im Betonmischer mit Wasser angemischt und wie Beton eingebaut und manuell verdichtet uns ist nach ca 1Tag begehbar.





Sehr geehrter Herr Saueressig,

warum Verlegen Sie bei Ihrer Lösung die Dielen schwimmend auf der OSB-Platte und nicht direkt auf die Lagerhölzer? Nur wegen des Trittschalls oder auch als Schutz der Dielen gegen Feuchtigkeit (Diffusion) von unten? Und mit welchen Aufbau verlegen Sie die Dielen schwimmend?

Die Lösung mit den Lagerhölzern auf den Gehwegplatten klingt gut!

Mit freundl. Grüßen,
Fiedler