Aufbau Holzbalkendecke

22.06.2015 Timo



Hallo zusammen,

habe mich nun schon mehrfach gut belesen hier im Forum und würde gerne mal selbst eine Frage zum Aufbau einer Holzbalkendecke stellen.
Ich saniere zur Zeit unser Einfamilienhaus (Bj. 1900 Ziegelmauerwerk) und habe nun die Holzbalkendecke frei gelegt. Sprich Holzddielenbelag, Lehm/Stroh Schüttung und Putz entfernt, sa dass nur noch die Holzbalken geblieben sind. Holzbalken sind 80/200mm und haben 60cm Abstand. Nun würde ich gerne mal meinen geplanten Aufbau von unten nach oben vorschlagen und würde gerne eure Meinung dazu wissen.

1. Rigips 12,5mm
2. Federschiene 27mm
3. Dampfbremsfolie
4. Holzbalken 200mm davon 160mm Mineralwolle zwischen den Holzbalken (die 40mm Luftschicht nur unten oder auf beiden Seiten je 20mm?)
5. OSB-Platte 25mm
6. Fußbodenheizung/Styropor ca. 50mm
7. Trockenestrichelemente Fermacell 22m
8. Bodenbelag

Auf eine Schüttung würde ich wegen des Gewichts gerne verzichten.

Falls noch Infos fehlen, einfach sagen und Danke schon mal für eure Meinungen.

Liebe Grüße
Timo



Deckenaufbau



Der beste Deckenaufbau ist der den Sie -warum eigentlich? ausgebaut haben.
Fußbodenheizung ist zwar machbar aber nicht billig. So wie Sie sich die vorstellen geht es jedenfalls nicht.
Notwendig ist sie auch nicht, unten ist sicher auch ein beheizter Wohnraum. Fußkalt wird es garantiert nicht.
Mineralwolledämmung ist innerhalb der warmen Gebäudehülle überflüssig. Stattdessen muß in die Decke wieder Masse eingebaut werden. Das sichert Luftschallschutz, Schwingungsdämpfung und Brandschutz. Das Zeug was Sie rausgeschaufelt haben war also nicht bloß Dreck sondern hatte wichtige Funktionen erfüllt.
Ich fange mal von unten an:
GK- Decke,
Direktabhänger/Dachlatten mit Sonorocauflage (bei Bedarf) oder Hutprofile als Traglattung (Randprofile nicht vergessen!),
Einschub aus alten Dielenbrettern oder OSB,
Rieselschutz (Unterspannbahn),
keimfreier Sand mit Gehwegplatten bzw. Trockenlehmschüttung als Masse und Auflage,
2 x 15 mm OSB,
Belag.
Alternativ: Ripal- Fußbodenheizung zuwischen den Balken auf der Auflage, Dielung.



Holzbalkendeckenaufbau- Holzdielen verlegen



Ich habe in meinem Haus von 1910,
auch ganz in der Nähe von Bonn, dieselbe Decke wie du.

Das einzige was ich gemacht hatte war-
nachdem ich Heizungsrohre unter den Decken verlegt hatte:

unten quer zu den Deckenbalken 40 x 60 mm Dachlatten anschrauben.
dazwischen genau eingepaßt 40 mm schwere Holzweichfaserplatten-(Naßproduktionsverfahren)mit schräg verschraubten Schrauben gehalten.
darunter 10 mm Fermacellplatten angeschraubt
darauf Haftputz,
mineralischer Putz und als Anstrich
Reinsilikatfarbe.

Auf die Balken wurden Dielen verschraubt.
Das hat bei den vermieteten Wohnungen einen sehr guten, absolut ausreichenden Schallschutz gebracht bei weitgehendem Erhalt der Bestandskonstruktion.

Es wäre besser gewesen vor dem Abriß zu fragen und vor irgendwelchen Arbeiten sich über den genauen Aufbau klar zu sein.

Fußbodenheizung womöglich mit Fliesen würde ich auf einer Holzbalkendecke nicht verlegen.
Außer während der Heizperiode ist der Boden immer fußkalt, unelastisch, ungesund und neigt eher zu Rissen.
Im Schadensfall sehr aufwendig zu reparieren.
Wärmedämmung wird zwischen bewohnten Etagen ohnehin nicht benötigt-
Schalldämmung im Einfamilienhaus hat auch nicht erste Priorität.
Bei fußkalten belägen wird eine 1 bis 2 Grad höhere Raumtemperatur benötigt als bei fußwarmen Belägen, wie zB bei Holz.

Wandheizung wäre also vorzuziehen-hier macht auch die moderate Innendämmung sinn.

Die Decke von unten entweder auch mit Holzlatten, Holzfaserplatten, Gipsfaserplatten etc verkleiden oder was dir sonst als Baustoff sinvoll und sympatisch erscheint.
Deckenabhänger etc lassen sich natürlich auch verwenden,falls Installationen verdeckt werden sollen.

Latten seitlich an die Balken schrauben, Bretter als Einschubdecke einlegen, Rieselschutzpaier und Beschwerung in Form von geglühtem Sand zB von Gießereien einfüllen-
Höhe je nach Belastbarkeit der Decke- mind 5 cm.

Resthohlraum zur Dämpfung mit irgendeinem Dämmstoff bis Unterkante Belag ausfüllen- am günstigsten ist meistens Zellulose.
Ich würde dann Holzdielen darauf schrauben, was früher immer verwendet wurde und am schönsten, angenehmsten und problemlosesten ist.

Wenn ein besserer Trittschallschutz benötigt wird auf die Balken einen Streifen Kokosfaservlies zur Schallentkopplung legen, daneben dann 40x60 oder 60 x 60 Kantholz aus KVH
( von Holz-Streck oder Holz-Berthold etc)legen und darauf dann die Doielen schrauben.
Das Kantholz soll keine Berührung mit den Holzbalken haben.

Bei genügend Höhe kann auch ein Blindboden verlegt werden, darauf jeweils ein Streifen 40mm dicke Holzfaserplatte daeben eine ca 35 mm dicke Holzlatte zum Anschrauben des Bodens, dann wieder die Holzfaserplatte (ca 50-60 cm breit)
Am Rand einen ca 10 cm Holzfaserstreifen verlegen, dann eine Latte.

Andreas Teich



Danke für die Antworten



Danke schon mal für die Antworten. Schon soweit alles gute Tipps, aber würde trotzdem gerne ohne Schüttung auskommen.
Ist der geplante Aufbau wirklich so schlecht?


"Der beste Deckenaufbau ist der den Sie -warum eigentlich? ausgebaut haben."
Die Schüttung musste raus, weil dort weit über 30 Katzen im Haus waren und diese sich fleißig auf dem Dielenboden erleichtert haben und weil natürlich kleine Fugen zwischen den Dielen sind, waren die ganzen fäkalien natürlich auch in der Zwischendecke.

"Das sichert Luftschallschutz, Schwingungsdämpfung und Brandschutz."
Da beide Seiten entkoppelt sind, sollte Mineralwolle als "Masse" doch ausreichen im Einfamilienhaus und Brandschutz sollte ebenso wenig ein Problem sein mit GK und Mineralwolle oder?

"Es wäre besser gewesen vor dem Abriß zu fragen und vor irgendwelchen Arbeiten sich über den genauen Aufbau klar zu sein."
Ich bin mir soweit über den Aufbau schon klar gewesen und habe diesen auch mit einem Planer so entworfen. Bekommt hier aber scheinbar wohl doch nicht so viel Zuspruch.

"ungesund und neigt eher zu Rissen."
Warum ist eine Fußbodenheizung den ungesund?



Fußbodenaufbau Holzbalkendecke



Die Masse, die zur Schalldämmung von tieferen Frequenzen beiträgt fehlt bei Mineralwolle.
Statt dessen würde ich Sand, Betonplatten, Lehm, ggf schwere Holzfaserplatten in den Einschub einbauen.

Fußbodenheizung-zumindest mit den meistens verwendeten keramischen Belägen-ist zumindest ungesünder und in diesem Fall ungünstiger als eine Wandheizung :
Der Boden ist hart- elastische Beläge wie Holzdielen sind diesbezüglich günstiger,
Wenn nicht gerade geheizt wird sind keramische Beläge fußkalt.
Wenn er beheizt wird kommen häufiger zu hohe Temperaturen an der Oberfläche vor wegen ungenauer oder falscher Regelung,
Körperberührung mit dem Boden ist unvermeidbar mit entsprechenden Folgen etc
Einfach mal recherchieren: gesundheitliche Nachteile von Fußbodenheizungen.Gegenüberstellung mit Wandheizung.

Wenn die FB-Heizung nur zur Temperierend genutzt wird gibt's zumindest keine zu heißen Oberflächen- das genügt aber in schlecht gedämmten Altbauten häufig nicht zudem gibt's Regegelungenauigkeiten.

Aufgrund unterschiedlichen thermischen Ausdehnung und möglicher Bewegungen der Holzbalkendecke ist so eine Konstruktion eher rißgefährdet bei keramischen Belägen.

Wandheizungen sind sicher vorteilhafter, schon weil sie zur Austrocknung und besseren Dämmung der Außenwände beitragen und auch ggf höhere Wärmeabgaben ermöglichen und schneller reagieren.

Das hängt natürlich immer von den jeweiligen örtlichen Voraussetzungen ab, die ich nicht kenne- wie zB die urinierenden Katzen natürlich ein Grund sind Füllungen zu beseitigen.

Andreas Teich



Danke....



...für die super Erklärung. Werde dann noch mal den Aufbau überdenken und evtl. eine schwere Holzfaserplatten in den Einschub mit einbauen und darunter den rest mit Mieralwolle auffüllen. Die Fußbodenheizung hat überwiegend Holzbelege, außer im Bad kommen Fliesen zum Einsatz.
Nochmals Danke für die ausführliche Erklärung.