Holz und Hochwasser




Nach ersten örtlichen Hausbesichtigungen in Grimma und Dresden kann ich den betroffenen Geschädigten des "Jahrhundert-Hochwassers" nur allen Mut zusprechen die nächste Zeit erfolgreich zu meistern und meinen Respekt zollen vor den bereits geleisteten Aufbau- und Sanierungsmaßnahmen!
Für alle die zu weit weg wohnen, nur ein Bild zur momentanen Situation in Grimma: Stellen Sie sich Ihre Innenstadt im Umkreis von 10-12.000 Einwohner vor, in der in ALLEN Häusern im Erdgeschoss zur gleichen Zeit der Putz abgestemmt wird und "schwimmende" Estriche ausgebaut werden.
Die Abwägung zwischen schnellstmöglicher Wiederbenutzung der geschädigten Bereiche und der massiven Durchfeuchtung der Bauteile führen jedoch momentan, fast zwangsläufig, zu Situationen, die entweder Existenzen (geschäftlicher und oft auch privater Natur) endgültig zerstören oder Gebäuden auf Dauer weitreichende Schädigungen zufügen! Diverse persönliche Gespräche mit Betroffenen stärken in mir das Gefühl, das nur diese beiden Richtungen bei den schlimmsten Fällen Bestand haben! Deshalb hier nochmal, auch auf Gefahr der Wiederholung, eine Zusammenfassung der wichtigsten Dinge im Umgang mit hochwassergeschädigten Holzbauteilen:
Wände
Alle tragenden Konstruktionen sollten, wenn möglich geöffnet werden! D. h. Wände können besser abtrocknen wenn der Putz in den betroffenen Bereichen abgenommen wird. Fliesen lassen durch die Fugen Feuchtigkeit in die Bauteile, diese benötigt jedoch größere Flächen um schnell wieder abdiffundieren zu können.
Decken
Deckenbalkendecken werden zur besseren Trittschalldämmung häufig mit Füllstoffen gefüllt (Lehm, Schlacke, Bauschutte). Die Füllungen speichern u. U. aber auch über einen größeren Zeitraum Feuchtigkeit, die von Hölzern aufgenommen wird und sollten im Zweifelsfall ausgebaut werden.
Dämmstoffe
Mineralische Dämmstoffe verlieren nach Feuchtigkeitsaufnahme ihren Dämmwert, den sie auch nach Abtrocknung nicht wieder zurück erlangen.
Polystyrol-Hartschaum-Dämmstoffe (z. B. Styropor) können sich unter Belastung mit Heizöl verseuchtem Wasser auflösen!
Holzfeuchte
Holz ist als organischer Baustoffe gefährdet gegen den Befall von holzzerstörenden Pilzen. Gute Vorraussetzungen für das Enstehen von Pilzen sind
- Temperaturen oberhalb ca. 18-22°C,
- Holzfeuchten zur Entstehung von Pilzen oberhalb ca. 30% und zur weiterbildung oberhalb ca. 20%
- zugluftfreie Bereiche.
Keine Pilzschädigungen durch Hausfäulen entstehen bei Holzfeuchten oberhalb ca. 90% und unterhalb ca. 18%. Geringe Holzfeuchten müssen also möglichst schnell erreicht werden. Auflagerbereiche oder seitliche Verdeckungen von Deckenbalkenköpfen mit anorganischen Baustoffen sind besonders stark gefährdet. Alle Hölzer müssen, so weit möglich „luftumspült" sein!
Pilze
Erste Warnzeichen ist das Entstehen von Schimmelpilzen oder Luftmyzel.
Schimmelpilze: punktförmiger „Rasen" in durchaus unterschiedlichen Farben, kein Holzzerstörer, stirbt ab wenn die Lebensvorraussetzungen nicht mehr erfüllt sind, kann anschließend abgebürstet werden. Vorsicht vor allergischen Reaktionen!
Luftmyzel: meist weißes watteartige Gebilde, an Stellen ohne Luftzirkulation, Merkmal verschiedener Holzzerstörender Pilze wie Echten Hausschwamm , Weißen Porenschwamm oder Braunem Kellerschwamm, u. a.. Kann zu diesem Zeitpunkt meist nur im Labornachweis einwandfrei bestimmt werden. Sollten solche Luftmyzele an tragenden Holzteilen oder verbleibenden, nicht tragenden Holzelementen festgestellt werden, ist unbedingt ein Fachmann/Sachverständiger/Sachkundiger für Holzschutz hinzuzuziehen.
Abtrocknung
Wird am besten mit Wärme und Lüften erreicht, d. h. Luft möglichst hoch erhitzen und stoßweise auslüften. Ist aber trotzdem sehr langwierig!
Kondensattrockner in geschlossenen Räumen stellen die bestmögliche techn. Alternative dar.
Offen stehende Türen oder Fenster bei laufenden Geräten entfeuchten jedoch nur die Außenluft!!!
Gewittrige oder feuchtwarme Außenluft hat kaum Potential weitere Feuchtigkeit aus den Gebäuden aufzunehmen. Lüften unter diesen Vorraussetzungen kehrt sich ins Gegenteil: Die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit kondensiert an den nassen, kalten Wänden im Haus und bringt zusätzliche Feuchtigkeit ins Gebäude! (Ein Wert zur Kenntnis: ca. 22°C warme Luft kann ca. 18 g Wasser-dampf aufnehmen, das ergeben jedoch 22,4 l Wasser!). Daher: Nachts und zu kühlen Tageszeiten stoßlüften (nach 3-5 min. ist im Regelfall eine gesamte Luftwechselrate bei Durchzug vollzogen, anschlließend passt sich das Raumklima dem Au- ßenklima an)!
Wir, und auch diverse andere Fachleute und Sachverständige, führen momentan im Muldentalkreis kostenfreie Erstberatung und örtliche Begehungen zur Überprüfung von Sofortmaßnahmen durch, melden Sie sich, wenn Sie Hilfe benötigen, Beratung per Telefon oder eMail ist selbstverständlich ebenfalls kostenfrei (Tel. 0341/3025918 und Fax 0341/3025937). Wir vermitteln Sie auch an weiterführende Experten in anderen Themenbereichen.
Detaillierte Infos in Sachen "Holz" finden Sie ebenfalls auf der Internet-Seite www.holzfragen.de.
*Ironie-Modus ON* Außerdem möchte ich mich bei mehreren, namentlich jetzt nicht genannten Dresdner Möbelhäusern bedanken, die nach dem Hochwasser jetzt für eine Hochglanz-Prospekt-Flut sorgen! *Ironie-Modus OFF*



Fußbodenaufbau



Vielen Dank für Ihren Hinweis. Nur wenn ich alles freigelegt habe, wie soll mein künftiger Bodenaufbau aussehen? Daurhläßig oder fest, mit Trennfuge an den Wänden. Das aufsteigende Wasser will wohin, gibt es Alternativen ? Telefon 058628141



Fußbodenaufbau - Versuch einer Antwort



Wir haben ja eben miteinander telefoniert - deshalb für alle nochmal die Ausgangssituation: Fachwerkhaus auf Natursteinsockel mit ständiger Hochwassergefahr. Das Gebäude ist teilunterkellert und es ist eingerechnet, das der Keller voll- und auch wieder ablaufen kann. Die Wände haben inzwischen eine horizontale Abdichtung erhalten. Problembereich bleibt der Fußboden im Hausinneren. Soll also das Wasser mit dem nächszten Frühjahr das EG gezielt fluten können um dann auch wieder schnell abzulaufen oder nicht. Richtig wäre hier das Absperren des Bodens gegen drückendes Wasser von unten, da Sie sonst in Gefahr laufen den Fußboden im EG ständig durchfeuchtet zu haben. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Die Gefahr des abhebens der Bodenplatte ist nur eingeschränkt zu betrachten, eher hebt sich, gemäß den Erfahrungen aus Eilenburg und Grimma das Gesamte Gebäude samt Edschicht und senkt sich anschließend wieder, teilweise um mehrere cm. Schwierig sind nachträgliche Anbauten mit gesonderter Gründung. Hier besteht dann schon Rissgefahr für die Bauteile. Insgesamt kann das jedoch nur ein Statiker für das gesamte Gebäude vor Ort entscheiden. Der angedachte FB-Aufbau aus Kork und Asphaltestrich ist aus mehrerer Hinsicht problematisch. Korkschrot könnte als Auftriebskörper reagieren wenn er von unten geflutet wird. Korkschrot ist brennbar und schwierig in Zusammenhang mit heißem Gußasphalt zu verarbeiten. Aus ökologischer Sicht ist Korkschrot m.E. nach ebenfalls problematisch weil Monokulturen und Raubbau, sowie der Transport von Portugal/Spanien in unsere Gefilde die Ökobilanz, eines an sich schönen Dämmstoffes nach unten ziehen. Die Verwendung von foamglas halte ich in diesem Fall um sehr viel angebrachter, wegen der besseren Kompatibilität mit Gußasphalt und der Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit. Allerdings ist das Zeug ziemlich teuer.
Das alles zur Diskussion!
Mit Grüßen aus Leipzig von