Fußbodenaufbau EG ohne Keller

30.12.2006 BjoernT



Guten Tag,
Wir haben ein ca. 150 Jahre altes Haus erworben und möchten den Fußboden im EG überarbeiten.KEIN Keller vorhanden.

Aufbau bisher:
Lehmboden, Balken, Dielen, Spanplatten, Bodenbelag des EG.

Das ganze wird durch Löcher in der Aussenwand (einseitig; da komplett im Hang bebaut) belüftet.

Einige Balken sind verrottet und sollten nun zum ersten! Mal getauscht werden. Haben also ca. 150 Jahre gehalten.

Macht es Sinn den Fußboden anders aufzubauen?
Eventuell auf die Dielung eine Dämmung und Folie und dann Estrich Platten? So bleibt der Hohlraum zur Belüftung vorhanden.
Dämmung mit Schüttung oder ähnlichem, oder belasse ich alles wie es ist. Als Heizung werden Nachtspeicher (ca. 10 Jahre alt) eingesetzt.

Wie sollte der Aufbau eurer Meinung nach aussehen?
Danke im Voraus für Eure Hilfe.

Gruss
Björn



Noch mal ...



... eher ist es der Fall, dass die Böden durch tolle neue Sachen kaputt saniert wurden ...
die Spanplatten sind sehr "dicht" und haben den "natürlichen" Feuchteaustausch unterbunden - deshalb: Faulbalken!

Belüftung lassen
alten Dreck etwas entfernen
Schotter (Kalk)
Splitt (Kalk)
Balken (Lärche)
Bretter / Bohlen (Fichte, Kiefer, Eiche, Douglasie)
einen fleckerlteppich

Fertig!

Dämmung hilft nix (bei meinen Antworten mal suchen ...)

allles Gute

falls professionelle Hilfe von nöten ist ... mailen

FK



Hallo,



"Eventuell auf die Dielung eine Dämmung und Folie und dann Estrich Platten?"

Damit ruinieren Sie jede Dielung.

Der Rat von Florian Kurz mit den Lärchenbalken (bitte nur Kernholz verwenden, Lärchensplint fault oft schneller als Fichte) ist gut, aber einen Einschub, ebenfalls Lärchenkernholz sollte schon noch dazukommen, ca. 10cm hoch, mit einer Blähtonschüttung (ohne jegliche Folien). Nicht jeder mag im Winter durchzuggekühlte Holzböden.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



Fubo EG ohne Unterkellerung



Moin- habe uns im gleichen Fall folgenden Luxus geleistet:
Altes Zeug ca.60 cm ausgekoffert- rausgeschafft.
20 cm Mineralgemisch - Hier kein Recycling wegen unwäg- barer Inhaltsstoffe; Abbruch kann Schwamm enthalten.
Verdichten...verdichten...verdichten!
6 cm Styrodur - kann bei geringen Ansprüchen entfallen!
20 cm Stahlbetonplatte doppellagig bewehrt- war hier
standortbedingt erforderlich, kann variiert werden.
3..5 cm Anhydritestrich selbstnivellierend; wir wollten das
Feinnivellement nicht erst im Fliesenmörtelbett machen!
6 cm Fußbodenheizungssystem- ist Geschmacksache!
1,5 cm Fliesenboden im Dünnbett
Dieser Aufbau steht im 6. Jahr beanstandungsfrei.
Gruß M. Lüdicke





Hallo Björn,

es fehlen noch ein paar Angaben zu den umfassenden Wänden,
Außen wie Innen, Sockelkonstruktion, Einbauhöhe eventueller Schwellbalken usw.
Gibt es derzeit Feuchteprobleme in den Außenwänden (Hang!),
gibt Horizontal und/oder Vertikalsperren?
Welch Balken sind verrottet, Ursache?
Wie trocken ist der Lehmboden unter den Dielen?

Welchen Bodenaufbau wünschst Du Dir denn eigentlich?
Holzdielen wären auf jeden Fall eine gute Idee.
Der Unterbau kann dann immer noch variiert werden,
entweder wie von F.Kurz vorgeschlagen,
oder ein Betonboden bis an die Fundamentsohlen,
darauf dann den restlichen Aufbau.

Bei der Hinterlüftung eines ungedämmten Hohlraumes unter den Dielen frage ich mich,
ob da mehr Feuchtigkeit aus Boden in den Raum geht,
oder ob da nicht die hohe Innenraumseitige Luftfeuchtigkeit auskondensiert?
Nicht das ich eine Hinterlüftung für schädlich halte,
aber sind da nicht die einzusetzenden Klimabedingungen gegenüber vor 150 Jahren andere (20°C/50% 'luftdicht' gegen 17°C/40% Grundofen und es pfeift durch alle Ritzen?

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Bedacht



Hallo Björn,
wie es sich liest, sind sie noch bei der Entscheidungsfindung.
Das ist gut, denn es heißt, sie haben noch alle Möglichkeiten.

Andererseits ist alles, was Sie hier bekommen, dieselbe Problematik aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Entscheiden müssen Sie schon selber.

Dazu gehört, dass Sie sich auf eine Philosophie festlegen, denn wenn Sie damit angefangen haben, gibt es kein gutes Zurück mehr.

Wenn Sie wie Herr Lüdicke gewaltsanieren mit Betonplatte und Fliesen, ist der alte Dielenstil vorbei.
Auf der anderen Seite muss beim Nachempfinden der alten Bauweisen einiges beachtet werden, wie u.a. Herr Kawalek schreibt.

Bevor Sie sich also fragen welche Folie oder welche Diele, sollten Sie vielleicht erst klären, welche Technik zu welcher Philosophie gehört und was vor allem für Probleme erwartet werden können, und wie diesen zu begegnen ist.

Alles Gute



@ bedacht-



Wohl wahr! Lü.



Hallo Jan,



vielleicht muß man ja nicht gleich von einer Philosphie schreiben, wenn da einer bauen will. Philosophen haben sich in der Praxis meist grauenvoll vertan.

Auch auf eine Betonplatte kan man Lagerhölzer und Dielen bringen, und es funktioniert, wenn's richtig gemacht wird. Ob der hohe Aufwand gerechtfertigt ist, sollte man anhand des konkreten Einzelfalles prüfen.

Grüße

Thomas



Stille Post



Hallo Tom,

damit hast Du gleich schon selber philosophiert, so schnell geht das. :-)

Die Balken mit Dielen auf Beton hab ich mir extra gespart, bin kein Fan von Beton in alten Häusern...

Alles Gute



Als Fan...



...zieht es mich freilich mehr zu Zappa & Co :-)

Ich bevorzuge auch eher die Varianten ohne Beton, aber zuweilen ist der traditionelle Aufbau nicht der beste.

Solche mehr oder weniger belüfteten Hohlräume versammeln ja auch Kondenswasser der einströmenden, wärmeren Luft an schönen Tagen. Ein schlüssiger Nachweis, ob da nun mehr Erdfeuchte hinaus-, oder aber mehr Kondenswasser hineinkommt, dürfte kaum zu erbringen sein.

Insofern bleiben bei solchen Vorschlägen immer ein paar Fragezeichen. Die Balkenvariante würde ich hier bevorzugen, weil der alte Aufbau ja doch lange Zeit gehalten hat und den "Todesstoß" vermutlich durch die diffusionsverhindernden Schichten aus Spanplatten und Bodenbelag bekommen hat.

Grüße

Thomas



Kondensation



... war eigentlich das geringste Problem.
Im Winter trat es gar nicht auf und im Sommer, wenn die kühlere Luft im Haus nicht nach oben stieg, gab es weniger Luftbewegung, zudem transportierte das Holz ständig die Feuchtigkeit nach oben ab - so nicht blockierende Materialien dies verhinderten.

Vielmehr ist das Problem heute, dass durch die falsche Definition von Winddichtigkeit und "kaltem Zug" der Dampfdruck im Rauminnern nicht mehr nach außen abgegeben wird und weniger Feuchtigkeit aus dem Holz abdampft.

Wer lüftet schon ständig seine Bude weil die Fenster beschlagen, wenn die ganze Familie vorm Fernseher hängt...

Auch die Dampfsperren in den dichten Decken, ausgebaute Dachböden und gedämmte Dächer stellen ein ganz anderes System dar als das Original, wo das offene, ungedämmte Dach einen Teil der Abtrocknung übernahm, so daß dort sogar Mehl und Getreide gelagert werden konnte.

Verschiedene Systeme bedingen eigene Arten der Ausführung, das sollte man nicht unterschätzen.

Alles Gute



Zu Schäden durch Kondensfeuchte...



...habe ich ein konkretes Objekt vor meinem inneren Auge. Ein sächsisches Schloß hat einen Saal von vielleicht 20x20m mit folgendem Fußbodenaufbau, erneuert um 1870:

ca. 50cm "Kriechkeller" Untergrund Sand, auf Lagersteinen Balken, ca. 40mm Unterdielung Nadelholz, in einer Schüttung aus Hobelspänen Tafelparkett Eiche (wohl nie lackiert gewesen).

Im Kriechkeller liegt kein Müll o.ä., die an Nord- und Südseite vorhandenen Belüftungslöcher sowie die wohl nach 1900 in den Fußboden eingebrachten Eintlüftungsroste sind funktionstüchtig. Dieser Teil des Palais ist einfach verglast und die Fenster sind nicht sonderlich dicht.

Schadensbild: sowohl in diesem Saal als auch in den angrenzenden Räumen sind die Balken stark in Mitleidenschaft gezogen (Anobien, braune und weiße Fäulepilze), die ca. 40mm Unterdielung kann man in vielen Partien ohne den geringsten Kraftaufwand mit einen dicken Stemmeisen durchstoßen). In einigen Nebenräumen wurde der Aufbau schon erneuert. Die Schrauben, die das Tafelparkett halten (ehemals 80 x 6mm) sind nur noch in den Köpfen vorhanden. Teilweise sind schon Absackungen zu beobachten, das Ganze hält mehr aus Gewohnheit denn aus Überzeugung zusammen.

Als Ursache kommt für mich nur Kondensation in Betracht, die sehr dicken Mauern sind auch im Sommer deutlich kälter als die durchströmende Luft. Grundwasser oder drückendes Wasser spielt keine Rolle, kapillar aufsteigendes Wasser im Sand auch nicht.

Vergleichbare Zustände herrschen in vielen Kellern.

Grüße

Thomas





Mal auf den Punkt gebracht:

Dielen müssen unterlüftet werden,
wenn Aufbau über Erdboden o.ä.
Eine Belüftung von Außen ist ist nicht mehr zeitgemäß,
und auch nicht unbedingt funktionell.

Die Unterlüftung muß durch den (geheizten) Innenraum erfolgen.
Es soll keine Feuchtelast unter die Dielen gelangen,
vielmehr soll von dort Erdfeuchte abgeführt werden.

Unter den Dielen ist es immer kälter als im Raum oberhalb.
Deshalb fehlt die treibende Kraft um die Luft umzuwälzen.

Lösungsansätze:
elektromotorische Zwangsbelüftung
(Nachteile: Geräusch, Strom, Verschleiß und Feuchteeintrag)

thermische getriebene Belüftung
Heizrohr unterhalb der Balkenauflage und Lüftungsöffnungen
erzeugt Warmluftauftrieb, Inneraumluft wird durch weiter entfernte Öffnungen nachgezogen.
(Nachteile:Heizbedarf im Sommer, Instalationsaufwand)

Ich würde es so machen, allerdings sind bei mir bauseits andere Voraussetzungen vom Vorbesitzer geschaffen worden.
Auf den Betonboden (unterkellert) kommt 40mm HWF mit NF-Latten, darauf werden Landhausdielen geschraubt, fertig.
Keine Unterlüftung machbar und auch nicht notwendig,
weil die Konstruktion ja 'trocken' ist.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Mann Phillipp,



wer sagt denn was von müssen (außer Ihnen)?
Gibt 'ne Menge Häuser mit Balken in Lehm, Dielen obendrauf ohne unterlüftung, auch schon ewig trocken.

Ich finde, hier wird zu sehr mit der Lupe gesehen, statt die Augen zu benutzen. Es hängt doch immer von den Gegebenheiten ab. Zudem kann ein trockenlegen oder Stoppen des Feuchteeintrags in den Unterboden eine Menge ausmachen.
KANN, muss nicht.

Sinn macht es nur, Vergleiche zu ziehen, indem möglichst viele Grundlagen verglichen werden. Bis sich der Unterschied deutlich zeigt und besorgte Fragesteller beurteilen können, ob dieses Beispiel für sie zutrifft oder nicht.

Alles andere ist schlechter Service und den bieten wir hier schließlich nicht an.

Alles Gute





Was soll ich denn jetzt darauf antworten,
wenn das Wörtchen 'müssen' derart überbewertet wird,
also Streichen wir das mal. :-)

"Gibt 'ne Menge Häuser mit Balken in Lehm, Dielen obendrauf ohne unterlüftung, auch schon ewig trocken."

Bestreite ich nicht, da stimm(t)en die Voraussetzungen halt, und da wo sie nicht stimmten ist halt alles schon Humus oder gleich anders gelöst worden.
Die 'Menge Häuser' ist garantiert eine Untermenge der tatsächlich so ausgeführten Konstruktionen.

Mir fehlt da vielmehr der konkrete Vorschlag von Dir,
wie der Fragesteller seinen neuen Aufbau angehen soll,
Angaben hat er ja genug gemacht,
und allgemein wird hier ja ein 'Dielen auf Balken'-Boden vorgeschlagen.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek

P.S.:
Finde das Thema viel zu interessant und wichtig,
als das in Beliebigkeit versumpfen zu lassen,
sollten wir einen separaten Thread dafür aufmachen?



Entscheidungsfindung



Jeder Fragesteller muss schließlich selber entscheiden, welche Antwort zu seinem Problem passt und leztendlich, was er macht. Ich werde hier nicht noch eine Variante 2.3b
anbieten, auf dass sich dem Armen das Gehirn verknotet...

Informationsüberflutung blockiert!

Ansonsten gilt immer noch der Hinweis:
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Alles Gute



Aufsteigende Feuchte



Bitte auch an die Mauerwerkssockel denken. Hatte in (vom Vorbesitzer) mit Betonestrich ausgegossenem Räumen satt Feuchte in den umgebenden Ziegelsockeln (keine drückende Nässe von außen). Irgendwo muss die Feuchte ja hin...
Meines Erachtens fährt man mit der "klassischen" Machart: Schotter, Lehm, Auflager, (Schüttung), Dielenboden deutlich besser. Habe die Sockelleisten auf Abstand zur Wand montiert, (Dielen ohne Feder); das garantiert Belüftung allein durch Schwingung beim Begehen. Was 150 Jahre hält kann ja so verkehrt nicht gewesen sein. Kuschelboden ist es nicht, aber subjektiv warm macht's doch nur die Heizart. Ich hab Flickerlteppich und Grundofen - und gut ist's.