Blockhaus mit Innendämmung aus Leichtlehm?

26.11.2012 Isabella



Hallo,

nach langem, erfolglosem Suchen muss ich doch eine neue Frage stellen.
Zunächst einmal zum Haus: es handelt sich um ein Blockhaus aus 12cm dicken Holzbalken. Also kein Fachwerk... Das Gebäude ist ein freistehendes Einfamilienhaus mit 120m2 Wohnfläche. Geplant ist ein zentraler Kachelofen, der über 1 1/2 Stockwerke reicht. Im winzigen Bad im Erdgeschoss ist ein kleiner Heizlüfter vorgesehen, den wir nur jeweils für die paar Minuten vor dem Duschen anmachen werden. Im größeren Bad oben werden wir wohl eine ähnliche Lösung anwenden.
Der Architekt hat als Innendämmung folgenden Aufbau vorgesehen: Holzbalken - 3cm Hinterlüftung - 2cm Holzweichfaserdämmplatte als Windschutz - 10cm Wärmedämmung - 5cm Wärmedämmung - 2,5cm Innenauskleidung. Als Dämmung schlug er Holzfaserplatten, Stein- oder Glaswolle vor. Dazu Fenster mit U=1,0 oder niedriger. (Die südliche und westliche Wand haben viele, große Fenster.) Leider war der Kontakt mit ihm alles Andere, als einfach, schließlich haben wir seinen Lösungsvorschlägen zugestimmt, um endlich die Baugenehmigung zu bekommen.
Dabei möchte ich aber Kastenfenster anstatt dichter Zweiglasfenster. Gerne würde ich auch eine Dämmung mit Stein- oder Glaswolle umgehen, da alle Nachbarn mit solcher Dämmung regelmäßig echte Mäuseplagen haben. Holzfaserweichplatten sind hier aber vollkommen neu und dadurch sehr teuer und schwer zu bekommen. Da sowohl die Konstruktion, als auch die Außengestaltung an lokale etnographische Überlieferung anlehnen dachte ich, man könnte vielleicht weiter gehen und innen mit einer Lehm-Stroh-Mischung dämmen (die in Eigenarbeit herzustellen wäre) und die Wände teils innen mit Holz verkleiden, teils mit Lehm verputzen.
Und hier endlich die Frage: Macht es Sinn, einen Blockhausneubau mit Strohlehm zu dämmen? Wenn ja, was muss man beachten?

Vielen herzlichen Dank für jeglichen Rat :)
Isa



Innendämmung



Hallo Isabella,
für mich ist dieser Aufbau sehr fraglich, er klingt eher wie die Zusammenstellung eines Laien nach
dem Prinzip 1: viel hilft viel,
dem Prinzip 2: habe ich schon mal gelesen und
dem Prinzip 3: andere haben so was auch genommen.
Ist das wirklich ein Architekt der das vorgeschlagen hat?

Warum bin ich skeptisch:
1. Der Schichtenaufbau ist viel zu dick. 22,5 cm Gesamtdicke bedeuten fast einen halben Meter Verlust in Länge bzw. Breite in der Grundfläche Ihres Hauses.
Das wird sie ca. 10 m² bzw. ca. 8% Wohnfläche kosten, sowohl von der Nutzung her als auch vom Wert der Immobilie.
Die Hinterlüftungsebene soll wohl eine Dampfbremse bzw. eine kontrollierte Kondensationsebene einsparen.
In der Praxis ist das entweder eine durch Konvektion betriebene Schimmelzucht oder die Eliminierung der Dämmwirkung von 10 cm Holz.
Eine Luftdichtigkeitsebene mit 2 cm dicken Holzweichfaserdämmplatten hinzukriegen halte ich für zu optimistisch hinsichtlich der vielen Anschlußpunkte und Fugen an Fenstern, Türen, Decken, Fußböden, Bundwänden...).
Hat Ihr Architekt diesen Aufbau mit einem Simulationsprogramm durchrechnen lassen?

Viele Grüße



… von Grund auf …



Hallo

Sie sollten m.E. einfach mal das Ganze anhalten und überprüfen, was Sie wollen und wen Sie wollen …
Man heiratet auch nicht einfach so weil's schnell geh'n muss sondern wenn man den oder die Richtige gefunden hat.

Wenn Sie keine anfällige Aufbauten haben wollen, keine dichten Modernfenster etc. einfach nicht bestellen … und wenn das der eine nicht macht oder sie einfach nicht mehr zusammen passen sollte man es aufgeben … denn das Ergebnis wird nie zufriedenstellend für Sie die dann in diesem Bau wohnen und leben müssen …

Ich bin kein Freund von Dämmungen und schon gar nicht von Innendämmungen und schon gar-überhaupt-nicht von solchen, die dann innen an eine intakte Holzwand kommen sollen …

Ein Gebäude muss immer ein Gesamtsystem darstellen, dessen Einzelteile aufeinander abgestimmt sein müssen und kein Konglomerat aus einer Zusammenstellung von Bauindustriewaren aus den Werbebroschüren der Industrie …

Es bringt nichts die Besten Teile zusammenfügen zu wollen, wenn diese nicht aneinander passen, sich nicht aneinander fügen lassen ohne dass es zu bauphysikalischen Desastern kommt …

Letztendlich ist es egal ob das Haus nun heuer oder übernächstes Jahr fertig wird - die Qualität der Gesamtheit ist Ausschlag gebend, denn die zählt auf lange Jahre hin … und nicht auf 30 Jahre so lange Sie die Kredite abzahlen müssen, sondern über Generationen (finde ich)

Also:
Luft holen!
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!

Florian Kurz
www.slow-house.de
hysikalischen





Vielen Dank für die schnelle Antwort :)

Lieber Georg,
ja, das hat ein Architekt ausgedacht. Wahrscheinlich kam das zu kurz in meiner Situationsbeschreibung, aber ich (und das Haus) bin in Polen. Hier war es sehr schwer, einen Architekten zu finden, der in Holz plant und dabei auch noch bereit ist all die stilistischen Feinheiten der regionalen (leider im Aussterben begriffenen) Holzarchitektur aufzunehmen. So jemanden habe ich erst am anderen Ende des Landes gefunden. Ob sein Projekt technisch Sinn macht, war ich nicht in der Lage zu beurteilen, daher nochmals Danke für den Hinweis. Holzfaserdämmplatten sind hier neu und die einzige Firma, die sie anbietet, ist Steico. Deshalb kam es mir nicht besonders suspekt vor, dass dieser Firmenname praktisch überall im Projekt vorkommt. Da hätte ich vielleicht etwas mehr aufhorchen müssen.

Lieber Herr Kurz,
ein Gesamtkonzept ist durchaus da. Das Problem ist eher meine Unwissenheit. Am liebsten würde ich die Lösungen aus dem Freilichtmuseum übernehmen :) nur - wie? Diese anzuwenden erfordert eine unheimliche Menge an Fachwissen, das entweder nicht mehr da ist (das Freilichtmuseumspersonal konnte mit nicht eine einzige Frage beantworten), oder über die Jahre verzerrt wurde (zum Beispiel raten uns die Ureinwohner das Holz mit verbrauchtem Motoröl zu impregnieren - hält ja so toll). Oder ich kann es einfach nicht finden. Dazu kommt noch der Wirrwarr an Mythen, die sowohl im Internet, als auch unter Fachkräften kursieren. Wenn ich da meine Vorstellung von mit "Dreck" "eingeschmierten" Holzbalken und unsinnigem Kachelofen aufzeige, halten mich alle für verrückt. Wie kann ich wissen, dass das funktioniert und ich nicht eines Morgens mit abgefrorener Nasenspitze aufwache? Bei -30 Grad im Winter ist das nicht so lustig. Und Erfahrungsberichte mit dieser Art der Konstruktion habe ich nirgends gefunden. Wenn Sie mir mit einer Publikation oder einem Schlagwort, das ich nicht kenne, weiter helfen könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Und ja, Luft holen ist der beste Ansatz :)



Leider stirb das alte Handwerk



und richtige Handwerker sind auch am Aussterben …

Wenn die Leute am Bau es nicht (mehr) wissen … dann muss es (leider) der Bauherr oder die Baufrau genau wissen und sich um ALLES kümmern … das ist leider so …

Ich muss auch fast täglich mit Mythen aufräumen und Bauherren oder Baufrauen sensibilisieren auf was sie zu achten haben damit es "gut geht" mit deren Häusern …!

Eigentlich ist das Bauen sehr einfach … wenn es nicht so kompliziert wäre und Mythen, Schauergeschichten und Gesetzeslügen und Industrielobbyismus geben würde …

Eines der wichtigsten Sachen ist: Massiv zu bauen und möglichst wenige Baustoffe kombinieren!
Dazu kommt noch die "richtige Heizung!" und so weiter …

Ich glaube dass man in Polen noch einfacher bauen könnte als hierzulande …

Wenn Sie Bedarf haben einfach Mailen

Florian Kurz
www.slow-house.de



Was für ein Barmen ...



...um aussterbende Handwerker. Wer sucht, wird auch zukünftig finden.

Ich finde den Aufbau, den Ihr Architekt da angedacht hat, überzogen und fehlerhaft. Der Mann hat zwar keine galoppierende Dämmstoffallergie wie einer der Vorschreiber, hat sich da aber Alles völlig aus den Fingern gesogen.

Für Ihr Projekt passen würde zum Beispiel der Aufbau eines Wärmedämmlehmes von Haacke:

http://www.haacke-cellco.info/daemmstoffe/waermedaemmlehm.html

Der Aufbau ist sehr schön beschrieben und selberbaufähig. Insbesondere bei runden Baumkanten der Balken im Verhältnis zu anderen Möglichkeiten recht unaufwändig. Zudem sehr viel besser dämmend als Stroh/Lehmgemische.

Wie sieht es denn mit der momentanen Winddichtigkeit aus?

Ihr winziges, unbeheiztes Bad wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Schimmelkultur.

Kachelöfen halte ich, so schön wie sie auch sind, eher für die Kür. Zumindest eine Temperierung als Frostschutz sollte zusätzlich vorhanden sein. Für den Preis zweier Öfen bekommen Sie auch eine richtige Heizung.

Grüße

Thomas



Ich halte den angedachten



Aufbau für falsch!

Eine HInterlüftung hat in diesem Aufbau nix zu suchen.

Ein Aufbau nach innen muss monolotisch und kraftschlüssig sein!

Eine Leichtlehmschale halte ich bei fachgerechter Ausführung für eine gute Alternative.

Grüße Gerd